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Hersteller
Kameras


Steckbrief
Hersteller Sony
Modell SLT Alpha 77V
Preis ca. 1.400 EUR*
Sensor Auflösung 24,7 Megapixel
Max. Bildauflösung 6.000 x 4.000
(Seitenverhältnis) (3:2)
Objektiv Sony DT 18-55 mm 3.5-5.6 SAM
Filtergewinde 55 mm
Sucher elektronisch
  Sichtfeld 100 %
  Auflösung 2,36 Mio
  Dioptrienausgleich ja
LCD-Monitor 3"
  Auflösung 921.600
  drehbar ja
  schwenkbar ja
  als Sucher ja
Videoausgang HDMI
  als Sucher
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
ja
Motivprogramme
  Porträt ja
  Kinder/Baby
  Landschaft ja
  Makro ja
  Sport/Action ja
  weitere 4
Belichtungsmessung    Mehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
Blitz ja
  Leitzahl 12 (Herstellerangabe)
  Blitzanschluss Systemblitzschuh
Fernauslöser ja
Intervallaufnahme
Speichermedium SD/SDHC/SDXC, MemoryStick Pro Duo
Videomodus
  Format AVCHD oder MP4
  Codec H.264/AVC
  Auflösung (max.) 1.920 x 1.080
  Bildfrequenz (max.) 50p
Empfindlichkeit
  automatisch ISO 100-1.600 (Ober- und Untergrenze einstellbar)
  manuell ISO 100-16.000
Weißabgleich
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja
  Glühlampe ja
  Sonstiges Schatten, Blitz, manuelle Farbtemperaturwahl
  Manuell ja
Autofokus
  Anzahl
  Messfelder
19
  AF-Hilfslicht rot-orange
  Geschwindigkeit ca. 0,3 s
Sprachen Deutsch
  weitere 16
Einschaltzeit 2,9 s
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
Gewicht
(Betriebsbereit)
ca. 653 g (nur Gehäuse)
ca. 722 g (mit Objektiv**)
Serienbildfunktion*
  Serienbildanzahl 17 (JPEG)
14 (RAW)
  Frequenz
    (Bilder/s)
12,1 (JPEG)
12,5 (RAW)
  Dauerlauf
    (Bilder/s)
3,0 (JPEG)
0,8 (RAW)
  mit Blitz 1,7 (JPEG)
Zoom
  Zoomverstellung am Objektiv
  Zoomstufen stufenlos
  Zeit WW bis Tele
Speicher-
geschwindigkeiten*

  JPEG 2,9 (2,9 MByte)
  RAW 4,0 s (24,3 MByte)
Auslösung während
d. Speicherns mögl.
ja
Akkulaufzeit
ca. 470 Bilder (EVF)
ca. 530 Bilder (TFT)
(jeweils lt. CIPA)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
* mit Objektiv Sony DT 18-55 mm 3.5-5.6 SAM
** mit Speicherkarte Panasonic SDHC 25 MB/s

Kurzbewertung

  • Sehr hohe Serienbildgeschwindigkeit (aber kleiner Pufferspeicher)
  • Sehr gute Bildqualität bis ISO 1.600, bis ISO 200 auf Vollformat-Niveau
  • Robustes, ergonomisches Gehäuse
  • Hervorragender elektronischer Sucher (jedoch etwas zu geringer Kontrastumfang)
  • Unausgereifte Firmware (Objektivwechsel kann Kamera-Absturz hervorrufen)
  • Set-Objektiv wird dem Auflösungspotential des 24-Megapixel-Sensors bei Weitem nicht gerecht
  • Etwas ausgeprägte Tendenz zu knapper Belichtung
  • Sucheranzeige bei schwachem Licht stark verrauscht

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 95 %
Ausstattung 12,5 % 99 %
Handhabung 12,5 % 91 %
Geschwindigkeit 12,5 % 91 %
Bildqualität 50,0 % 87 %
Gesamtnote 91 %

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Sony Alpha SLT-A77V

Sony DT 18-55 mm 3.5-5.6 SAM



Testbericht

Sony SLT Alpha 77V

2011-11-16 Gut Ding will Weile haben. Und so vergingen einige Monate, bis sich das bereits im Sommer angekündigte APS-C-Flaggschiff Alpha SLT-A77V von Sony im Testlabor von digitalkamera.de einfand. Nominell ersetzt sie die klassische DSLR Alpha 700, die bereits vor zwei Jahren vom Markt verschwand. Derart lange Wartezeiten auf ein Nachfolge-Modell sind äußerst ungewöhnlich. Unser ausführlicher Testbericht klärt, ob sich das Warten gelohnt hat, ob das SLT-Konzept auch anspruchsvolle Fotografen überzeugen kann und wie es um die Bildqualität der Alpha 77V mit ihrem 24-Megapixel-Sensor bestellt ist.  (Martin Vieten)

Sony Alpha 77V mit DT 18-55 mm 3.5-5.6 SAM [Foto: MediaNord]Ergonomie und Verarbeitung Rund vier Jahre sind vergangen, seitdem Sony das Vorgängermodell der Alpha 77V eingeführt hat – eine ungewöhnlich lange Zeit. In der Regel erneuern Kamerahersteller in der APS-C-Königsklasse alle 18 bis 24 Monate ihre Modelle. Dafür, dass sich Sony mit der Nachfolgerin der vor vier Jahren präsentierten Alpha 700 so lange Zeit gelassen hat, gibt es einen einfachen Grund: Die Alpha 77V ist keine Spiegelreflexkamera im herkömmlichen Sinne mehr. Anstelle eines optischen Suchers setzt sie auf einen sehr hoch auflösenden elektronischen Sucher, somit kann die Kamera auch auf einen anfälligen, mechanisch bewegten Schwingspiegel verzichten. Ein Konzept, das anspruchsvollen Fotografen, die deutlich mehr als 1.000 Euro für ein Kameragehäuse ausgeben sollen, zunächst einmal schmackhaft gemacht werden muss. Dazu diente offenbar die erste SLT-Generation, die Sony im letzten Jahr eingeführt hat. Mit deren Marktakzeptanz scheint Sony zufrieden zu sein und wagt jetzt auch in der APS-C-Oberklasse den Paradigmenwechsel vom klassischen Spiegelreflexsystem hin zu einer Kamera, die das Sucherbild elektronisch erzeugt. Und dieser EVF hat es wahrlich in sich: Mit seinen 2,4 Millionen Bildpunkten löst er derart fein auf, dass das Sucherbild überaus klar und detailreich erscheint. Zudem ist der elektronische Sucher rund 30 Prozent größer als seine besten optischen Pendants in der APS-C-Klasse und deckt 100 Prozent des Aufnahmebereichs ab.

Sony hat ferner mit dem neuen hochauflösenden OLED-Sucher der A77V zwei Kritikpunkte ausgeräumt, denen sich die SLT-Kameras der ersten Generation noch stellen mussten: Der Augenabstand der Austrittspupille ist jetzt groß genug, so dass auch Brillenträger das Sucherbild zur Gänze überblicken können. Und die Anzeigefläche entspricht dem 3:2-Format des Sensors, der EVF der A77 nutzt also die volle Auflösung zur Anzeige des Sucherbilds. In einem Punkt müssen sich eingefleischte DSLR-Fotografen indes umgewöhnen: Anders als optischen Sucher, zeigt der EVF der A77V, wie die Kamera das Sony Alpha 77V [Foto: MediaNord]Motiv aufnehmen wird – und nicht, wie es der Fotograf durch die Linse des Objektivs sieht. Das muss kein Nachteil sein: Eine kleine Belichtungskorrektur, und augenblicklich wird das Sucherbild entsprechend heller oder dunkler. Den Weißabgleich angepasst, sogleich ändert sich die Farbwiedergabe im Sucher. Die Abblendtaste gedrückt, und die Schärfentiefevorschau erscheint genauso hell und deutlich wie bei Offenblende. Hinzu kommt: Der EVF kann auf Wunsch eine sehr große Informationsfülle einblenden, darunter sogar eine elektronische Wasserwage oder ein Live-Histogramm – man ist also stets über alle relevanten Aufnahmeparameter im Bilde.

Da verzeiht man dem elektronischen Sucher der A77V gerne, dass er sich auch ein paar Schwächen leistet: In recht dunkler Umgebung, etwa im Glühlampenlicht einer Wirtschaft, ist das Sucherbild heftig verrauscht. Auch mit harten Kontrasten hat der EVF seine Probleme, dann erscheinen dunkle Flächen einfach schwarz, obgleich die Tiefen in der Aufnahme noch perfekt durchgezeichnet sind. Und je schwächer das Umgebungslicht, desto heftiger schliert das Sucherbild nach, wenn die Kamera geschwenkt wird. Aber als Alternative zum elektronischen Sucher bietet die Alpha 77V ja noch ein sehr hoch auflösendes Display, das Sony äußerst trickreich ans Kameragehäuse angeschlagen hat: Dank eines Doppelscharniers lässt der Monitor weit vom Gehäuse weg ziehen und in nahezu jegliche erdenkliche Lage drehen, kippen und schwenken. Derart viele Freiheitsgrade bietet derzeit kein anderes Kamera-Display, es lässt sich selbst beim Stativeinsatz uneingeschränkt nutzen.

Sony Alpha 77V mit DT 18-55 mm 3.5-5.6 SAM [Foto: MediaNord]Bei dieser Vielfalt an Informationsanzeigen übersieht man fast, dass Sony der A77V als erste Kamera des Alpha-Systems auch noch ein vollwertiges Statusdisplay auf der Kameraoberseite spendiert hat. Es fällt derart großzügig aus, dass für die ringsum angeordneten Knöpfe kaum noch Platz bleibt, sie sind etwas mickrig geraten. Das ist jedoch kein Beinbruch, denn praktisch alle Funktionen, für die die A77V dedizierte Knöpfe bietet, lassen sich auch bequem über das umfangreiche Schnellmenü erreichen. Das eigentliche Hauptmenü der Kamera muss so nur sehr selten aufgerufen werden. Falls doch einmal lässt sich leicht darinnen dank seiner klaren Gliederung flott navigieren. Wer den direkten Zugriff auf seine Lieblingsfunktionen bevorzugt, kann die Mehrzahl der Tasten fast wunschgemäß belegen. Leider nur fast: Beispielsweise können der ISO- oder AEL-Taste jeweils eine von sage und schreibe 26 verschiedenen Funktionen zugewiesen werden, die weitaus weniger wichtigen Taste "Smart-Teleconverter" (Digitalzoom) lässt sich hingegen alternativ nur mit der Sucherbildvergrößerung belegen.

Typisch für die jüngsten SLT-Kameras ist das geschwungene Gehäuse der Alpha 77V. Seine rundlichen Formen lassen die Kamera vielleicht etwas pummelig erscheinen, sie liegt aber hervorragend in der Hand. Für den sicheren Halt sorgt der stark ausgeprägte Handgriff, der rutschfest gummiert ist. Das Gehäuse ist weitgehend aus einer leichten, widerstandsfähigen Aluminium-Magnesium-Legierung gefertigt und macht einen äußerst robusten Eindruck. Betriebsbereit (aber ohne Objektiv) drückt die A77V knapp 650 Gramm auf die Waage, sie ist also nicht gerade ein Leichtgewicht.

Ausstattung Schon mit ihrem professionell anmutenden Erscheinungsbild signalisiert die Alpha 77V, dass sie ein professionelles Arbeitsgerät sein will. Dennoch macht Sony die Kamera auch weniger versierten Fotografen schmackhaft. Diverse Motivprogramme nehmen einem die wichtigsten Einstellarbeiten ab, noch komfortabler ist die Motivautomatik, die die Kamera ohne jegliches Zutun des Fotografen auf die jeweilige Situation einstellt. Wer sich an den sehr vielfältigen Einstellmöglichkeiten und Konfigurationsoptionen versuchen möchte, kann per "Hilfe"-Taste zu fast allen Optionen einen kurzen Erklärungstext einblenden lassen – eine sehr hilfreiche Funktion. Wie schon die SLT-Kameras der letzten Generation bietet auch die A77V clevere Programme, die per Mehrfachaufnahme zum Beispiel Bildrauschen drastisch reduzieren oder automatisch HDR-Bilder Sony Alpha 77V mit DT 18-55 mm 3.5-5.6 SAM [Foto: MediaNord]mit bestens durchgezeichneten Tiefen und Lichtern erzeugen. Im Prinzip entspricht damit der Ausstattungsumfang an Automatik- und Assistenz-Funktionen der A77V dem der kleineren A65V, die wir erst unlängst getestet haben (siehe weiterführende Links).

Deutlich weiter gehen hingegen bei der A77V die Möglichkeiten für anspruchsvolle Fotografen. Vor allem, wer seine mittlerweile in die Jahre gekommene Alpha 700 durch deren Nachfolgerin A77V ersetzt, wird viele liebgewonnene Funktionen wiederfinden. Dazu gehört etwa die Möglichkeit, die Kamera-interne Bildaufbereitung sehr fein via "Bildstile" an die eigenen Bedürfnisse anpassen zu können. Aber auch von eingefleischten Alpha-Nutzern lange eingeforderte Funktionen bietet Sony jetzt mit der A77V endlich an: So lassen sich bei ihr zum Beispiel die Unter- und Obergrenzen der ISO-Automatik frei konfigurieren – das ist im APS-C-Oberhaus eigentlich schon lange üblich. Aber es bleiben auch ein paar Kritikpunkte. Kritik muss sich zum Beispiel die Belichtungsreihen-Funktion gefallen lassen. Zwar nimmt sie Reihen mit bis zu hohen 9 EV Belichtungsunterschied bei drei Aufnahmen auf. Aber ausgerechnet die für viele HDR-Fotografen wichtige Abstufung von 1 EV fehlt ihr.

Sony SLT Alpha 77V – Aufnahmemenü 2 [Foto: MediaNord]
Sony SLT Alpha 77V – Wiedergabe [Foto: MediaNord]
Sony SLT Alpha 77V – Fn-Menü [Foto: MediaNord]
Sony SLT Alpha 77V – Videoaufnahmeeinstellung [Foto: MediaNord]
Sony SLT Alpha 77V – Objekteinstellung im LiveView [Foto: MediaNord]
Eingespart hat Sony zudem die Möglichkeit zur angebundenen Fernsteuerung der Kamera: Ließ sich die A700 noch komplett von einem PC aus bedienen, mit dem sie via USB verbunden war, so bietet die A77V keine Möglichkeit mehr zum Tethered Shooting. Und der Speicher für benutzerdefinierte Einstellungen zeigt bei der A77V eine ärgerliche Besonderheit: Sobald die Kamera aus dem Stromsparmodus geweckt wird, gelten wieder die fest gespeicherten Vorgaben des zuletzt aufgerufenen Speicherplatzes. Wer also in der Zwischenzeit die Blende angepasst hat oder die Belichtung korrigieren musste, muss jetzt all diese Einstellungen wiederherstellen. Die A700 setzte benutzerdefinierte Einstellungen erst beim Ausschalten auf die Vorgaben zurück – so sollte es auch bei deren Nachfolgerin bleiben! Offenbar ist die Firmware der A77V selbst in der aktuellen Version 1.03 noch nicht optimal an die Hardware angepasst. Darauf deutet ein ebenfalls recht lästiger Fehler hin: Schaltet man die Kamera aus, dauert es fünf Sekunden und länger, bis sie heruntergefahren ist. Wird in dieser Zeit das Objektiv gewechselt, kommt es beim erneuten Einschalten zum Komplettabsturz der Kamera, sie lässt sich dann nur noch durch Herausnahme des Akkus resetten.

Hat man sich an diese kleinen Eigenheiten gewöhnt – die Sony hoffentlich mit einer neuen Firmware-Version bald abstellen wird – ist die A77V praktisch jeder erdenklichen Aufnahmesituation gewachsen und fügt sich auch ausgefallenen Fotografenwünschen. Hervorzuheben ist hier unter anderem die sehr gute elektronische Wasserwage, die sich übers Sucherbild legen lässt. Ebenfalls an Bord ist ein GPS-Empfänger, der jede Aufnahme auf Wunsch mit den entsprechenden Ortskoordinaten versieht. Allerdings sollte die Kamera mindestens einmal im Monat mit aktualisierten GPS-Unterstützungsdaten versehen werden, für diese Prozedur wird sie an einen PC mit Internet-Anschluss verbunden.

Keine Wünsche offen lassen die Blitzfunktionen: Die A77V erlaubt sogar die manuelle Leistungskontrolle eines angeschlossenen Systemblitzgeräts beziehungsweise des integrierten Bordblitzes. Auch eine PC-Synchronbuchse zum Anschluss einer Studioblitzanlage ist vorhanden. Auf Bildbearbeitungsmöglichkeiten im Wiedergabemodus verzichtet Sonys neues APS-C-Flaggschiff; ein Lagesensor sorgt dafür, dass Hochformataufnahmen automatisch seitenrichtig angezeigt werden.

Neue Bestmarken setzen – zusammen mit der günstigeren A65V – die Videofähigkeiten der A77V: Sie nimmt Filme bei Full-HD-Auflösung (1.920 x 1.080 Pixel) mit bis zu 50 Vollbildern/s auf und schreibt dabei die Daten mit einer Rate von rund 27 Megabit/s auf die Speicherkarte. Diese derart hohe Datenrate verlangt zur nachträglichen Videobearbeitung einen potenten PC, wahlweise kann die A77V jedoch auch mit reduzierter Bildfrequenz oder Auflösung filmen. Bei Filmaufnahmen mit der A77V kommt ein weiterer Vorteil des SLT-Konzepts deutlich zu tragen: Ihr sehr flotter Phasen-AF, der beim Videodreh die Schärfe blitzschnell und ohne lästiges Pumpen nachführt. Den Ton zum Film zeichnet die A77V in Stereo auf, wahlweise mit ihrem internen Mikrofon oder einem externen, ein entsprechender Mikrofonanschluss verbirgt sich links am Gehäuse unter einer Klappe. Für semi-professionelle Video-Aufnahmen fehlt der A77V eigentlich nur noch die Möglichkeit zur manuellen Aussteuerung des Tons.

Objektiv Zusammen mit der SLT-A77V hat Sony das neue Objektiv Set-Objektiv CZ 16-50/2.8 vorgestellt, das den hohen Anforderungen des 24-Megapixel-Sensors gerecht werden soll. Die Kamera wird aber auch im Set mit dem preisoptimierten Objektiv 18-55/3.5-5.6 angeboten, diese Kombi erhielten wird zum Test. Das – abgesehen von den Linsen – komplett aus Kunststoff gefertigte Objektiv will schon rein visuell nicht so recht zur hochwertigen A77V passen (wie dessen optische Leistungen mit der Kamera harmonieren, wird ausführlich im Abschnitt "Bildqualität" erörtert). Im Einsatz weiß das Set-Objektiv zunächst durchaus zu gefallen: Es stellt recht zügig scharf, im Mittel hat die A77V den Fokuspunkt in ca. 0,33 Sekunden gefunden und ausgelöst. Das Autofokussystem hat Sony bei der A77V im Vergleich zu allen anderen Modellen deutlich verbessert: Mit 19 Sensoren, von denen elf als besonders empfindliche Kreuzsensoren ausgelegt sind, repräsentiert es das klassenübliche Niveau. Zudem lassen sich die Sensoren in Gruppen zusammenfassen – eine Neuerung bei Kameras von Sony. Selbst Gesichts- und Lächelerkennung können an den Autofokus gekoppelt werden – die SLT-Technik macht’s möglich.

Bei der A77V gibt es ja keinen Schwingspiegel mehr, an seiner Stelle steht eine straff gespannte Folie im Strahlengang, die permanent rund 30 Prozent des einfallenden Lichts abzweigt und zu den AF-Sensoren umlenkt. Dieses Konzept ermöglicht der A77V eine atemberaubende Leistung bei Serienaufnahmen: Im High-Speed-Modus bannt sie bis zu 12,5 Bilder/s auf die Speicherkarte, allerdings ist nach maximal 17 Aufnahmen der Pufferspeicher bereits voll und die Kamera setzt die Reihenaufnahme deutlich gemächlicher mit nur noch höchstens 3,0 Bilder/s fort. In der Praxis sollte man also spätestens nach 1,5 Sekunden die gewünschte Aufnahme im Kasten haben – andernfalls steigt die Gefahr drastisch, dass im gemütlichen Sony Alpha 77V mit DT 18-55 mm 3.5-5.6 SAM [Foto: MediaNord]Dauerlauf der entscheidende Moment verpasst wird. Zudem weist der High-Speed-Modus zwei weitere Einschränkungen auf: Die A77V zeigt kein kontinuierliches Live-View-Bild an sondern blendet kurz das zuletzt aufgenommene Bild ein. Bei Mitziehern kann so das Motiv aus dem Bildausschnitt wandern, ohne dass man dies rechtzeitig bemerkt. Eine weitere Einschränkung: Soll der Fokus während einer High-Speed-Serie nachgeführt werden, bleibt die Blende fix auf F3,5 beziehungsweise Offenblende des Objektivs eingestellt, die Belichtung wird jetzt nur noch über die ISO-Zahl gesteuert.

Alle diese Beschränkungen fallen weg, wenn man die A77V im herkömmlichen Serienbildmodus betreibt. Er erlaubt immer noch sehr schnelle 8 Bilder/s, lässt sich mit beliebigen Zeit- oder Blendenvorwahl kombinieren, zeigt ein kontinuierliches Live-View-Bild und führt auf Wunsch ebenfalls den Fokus nach. Ist dieser Nachführ-AF aktiviert, fällt die Serienbildrate allerdings kurz für den Moment ab, in dem die Kamera den Fokus nachregelt. Auf die Anzahl der Aufnahmen wirkt sich die verlangsamte Serienbildrate kaum positiv aus – auch jetzt geht die Kamera spätestens nach rund 17 Aufnahmen in den langsamen Dauerlauf über. Erst wenn man die Serienbildrate weiter auf 3,5 Bilder/s reduziert, hält die A77V das Tempo für rund 40 Aufnahmen durch. Einer reinrassigen Action-Kamera vom Schlage einer Nikon D3s oder Canon EOS-1D Mark IV kann die A77V also trotz ihrer nominell sehr hohen Serienbildrate nicht ganz das Wasser reichen. Dennoch ist ihre Leistung beachtlich, zumal sie auch bei bereits sehr hohen 8 Bildern/s ein permanentes Live-View-Bild zeigt. Schade nur, dass Sony der Kamera nicht einen größeren Pufferspeicher für längere Hochgeschwindigkeitsserien spendiert hat.

Sony Alpha 77V mit DT 18-55 mm 3.5-5.6 SAM [Foto: MediaNord]Als sehr hilfreich erweist sich die "Kantenanhebungsfunktion", die wahlweise beim manuellen Fokussieren zugeschaltet werden kann: Sie hebt alle Kontrastkanten, die sich innerhalb der Fokusebene befinden, farbig hervor – eine clevere Einstellhilfe, vor allem bei Makro- und Studioaufnahmen vom Stativ. Sony hat sich aber die Chance entgehen lassen, das SLT-Konzept weiterzuentwickeln: Einen langsamen aber sehr genauen Kontrast-AF bietet die A77V nicht – dazu müsste sich doch nur der Spiegel aus dem Strahlengang klappen lassen. Dafür ist die Kamera mit einem Bildstabilisator per Sensor-Shift ausgestattet. Der beweglich gelagerte Aufnahmesensor gleicht dabei etwaiges Zittern der Fotografenhand durch entsprechende Gegenbewegungen aus. Vorteil dieses Verfahrens: Es funktioniert mit praktisch jedem Objektiv, auf einen eigenständigen Bildstabilisator in der Optik kann die A77V verzichten. Bei Kameras mit optischem Sucher stabilisiert das Sensor-Shift-Verfahren zwar das Sucherbild nicht, bei der A77V hingegen schon – hier erzeugt ja der Aufnahmesensor das Sucherbild.

Bildqualität Puristische Fotografen werden mit einigem Stirnruzeln zur Kenntnis nehmen, dass Sony gleich 24 Millionen lichtempfindlicher Zellen auf den APS-C-Sensor der A77V quetscht. Insbesondere werden sie sich fragen, welche Anforderungen diese hohe Pixelintegration an die Optik stellt, beziehungsweise welche Objektive die Sensorauflösung überhaupt in eine entsprechende Ausgabeauflösung umsetzen können. Aber auch für das Rauschverhalten verheißt ein APS-C-Sensor mit 24 Megapixeln Auflösung per se einmal nichts Gutes. Kann die Alpha 77V überhaupt die hohen Erwartungen erfüllen, die sie von der Papierform her verspricht? Dieser Frage sind wir zunächst mit einem ausführlichen Test im Testlabor von digitalkamera.de nachgegangen – das detaillierte und reichhaltig illustrierte Laborprotokoll kann gegen ein kleines Entgelt online bezogen werden Sony Alpha 77V mit DT 18-55 mm 3.5-5.6 SAM  [Foto: MediaNord](siehe weiterführende Links). Zudem musste die A77V im intensiven Praxiseinsatz zeigen was in ihr steckt – auch im Vergleich zur Alpha 900, die ebenfalls 24 Megapixel auflöst, jedoch auf einem Vollformat-Sensor.

Schon erste Aufnahmen mit dem Set-Objektiv SEL 1855 zeigen schnell, dass dieses Objektiv mit dem 24-Megapixel-Sensor der A77V schlichtweg überfordert ist. Feines Blätterwerk herbstlicher Bäume und Sträucher bei optimaler Blende F8 fotografiert, bekommen in der 100-Prozent-Ansicht auf dem Bildschirm die Anmutung eines impressionistischen Gemäldes. Ein Bildeindruck, den das Laborprotokoll untermauert: Die Auflösungsmessung zeigt bei keiner Blendenstufe einen Wert jenseits von 40 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm). Selbst gute Kompaktkameras, bei denen Optik und Sensor optimal aufeinander abgestimmt, lösen kaum schlechter auf. Oder um in der Klasse der A77V zu bleiben: Eine Canon EOS 600D bestückt mit einem nicht gerade als Auflösungswunder bekannten Set-Objektiv 18-55/3.5-5.6 überschreitet locker die Marke von 50 lp/mm – und das obwohl ihr Sensor mit 18 Megapixeln der A77V nominell deutlich unterlegen ist. Auch das zum Vergleich herangezogene Makro-Objektiv Sony DT 30/2.8 scheitert an der A77V – seine Auflösungswerte erreichen bestenfalls das Niveau des günstigen SAL1855. Zur Ehrenrettung sei aber gesagt, dass die A77V nicht – wie so manche andere Kamera – versucht, die fehlende Auflösungsleistung des Objektivs durch überzogenes Nachschärfen zu kompensieren. Schärfeartefakte sind ihr dadurch nahezu völlig fremd. Welch Sony Alpha 77V [Foto: MediaNord]feine Details der Sensor der A77V wiederzugeben vermag, zeigt sich indes erst, wenn man sie mit einem Spitzenobjektiv wie dem CZ 24-70/2.8 bestückt. Jetzt werden aus den vormals lässig hingetupften Blättern plötzlich natürlich wirkende Abbildung, die auch noch feinste Äderchen und Rippen zeigen.

Dieser Detailreichtum leidet allerdings, sobald die ISO-Empfindlichkeit über die Basisstufe ISO 100 hinausgeht. Bereits ab ISO 200 greift die Rauschunterdrückung der A77V ein, mit steigender ISO-Zahl immer heftiger, so dass mehr und mehr Details verloren gehen. Immerhin: Die Rauschunterdrückung der A77V macht ihren Job hervorragend, zum Vergleich herangezogene RAW-Aufnahmen ließen sich in Adobe Camera Raw bei entsprechender Rauschreduzierung kaum mehr Details entlocken als den JPEG-Aufnahmen direkt aus der Kamera. Im Vergleich zur Alpha 900 gerät die A77V jedoch bereits ab ISO 400 klar ins Hintertreffen. Erschwerend kommt hinzu, dass die A77V eine ausgeprägte Tendenz zu leicht unterbelichteten Fotos zeigt, meist ist eine Belichtungskorrektur von +0,3 bis +0,5 EV angebracht. Probleme mit dem Rauschen und der Detailwiedergabe relativieren sich allerdings sogleich, wenn man die sehr großen Bilddateien der A77V auf das gewünschte Ausgabemaß herunterskaliert. Schon bei auf 12 Megapixel reduzierter Auflösung lässt sich die A77V ohne Wenn und Aber bis ISO 3.200 einsetzen, Fotoabzüge in üblichen Größen sind bis ISO 6.400 problemlos möglich, selbst Aufnahmen bei noch höher Sony Alpha 77V mit DT 18-55 mm 3.5-5.6 SAM [Foto: MediaNord]ISO-Zahlen können sich im Fotoalbum oder Internetgalerien sehen lassen.

Keine Schwierigkeiten bereiten dem hoch verdichteten Sensor der A77V Motive mit hohem Kontrastumfang. Die Kamera verarbeitet bis zu ISO 800 einen Dynamikumfang von fast elf Blendenstufen, ein hervorragender Wert. Ebenfalls bis zu dieser Empfindlichkeitsstufe bleibt der Ausgabe-Tonwertumfang sehr hoch, die Kamera kann auch feinste Helligkeits- und Farbabstufungen im Motiv wunderbar fein differenzieren. Nicht ganz so genau nimmt es die A77V in der Standardeinstellung mit der Farbtreue, insbesondere Orange- und Magentatöne sättigt sie etwas stark. Zudem mag die Tonwertwiedergabe für professionelle Fotografen etwas knackig abgestimmt sein – Farben und Tonwerte lassen sich jedoch mit dem Bildstil "Neutral" recht einfach und bildbearbeitungsfreundlich ausrichten.

Fazit Was lange währt, wird endlich gut. Doch gilt das auch für die Alpha 77V, die erst jetzt, lange zwei Jahre nach dem Verkaufsende ihrer Vorgängerin, auf den Markt kommt? Eine Sensorauflösung von 24 Megapixeln sowie atemberaubende 12 Bilder/s bei Reihenaufnahmen bietet derzeit keine Kamera in der APS-C-Klasse. Zwar ist die A77V kein High-ISO-Monster, liefert aber bis hinauf zu ISO 1.600 eine deutlich bessere Bildqualität als die direkte Konkurrenz – vorausgesetzt, sie wird mit entsprechend hochauflösenden Objektiven bestückt. Das Set-Objektiv 18-55/3.5-5.6 gehört eindeutig nicht dazu, es degradiert die Alpha 77V zu einer bestenfalls noch mittelmäßigen 16-Megapixel-Kamera. Wo ISO-Zahlen unter 200 möglich sind, etwa unter leistungsstarkem Studiolicht, kann die A77V sogar eine kostspielige Vollformatkamera ersetzen. On Location begeistert sie mit einem sehr hochwertigen, ergonomisch geformten Gehäuse, die Bedienung der Alpha 77V ist vorbildlich intuitiv. Das Autofokussystem der A77V ist auf der Höhe der Zeit, der Funktionsumfang der A77V wird auch professionelle Ansprüche zufrieden stellen. Einlassen muss man sich beim SLT-Konzept von Sony auf die Tatsache, dass an die Stelle eines herkömmlichen optischen Suchers ein sehr großer, hochauflösender EVF tritt. In den meisten Fällen ist er seinem optischen Pendant überlegen, sein Kontrastumfang dürfte indes gerne noch etwas höher sein. Dafür bietet die Alpha 77V stets echtes Live-View mit schnellen Phasen-AF – gerade auch bei der Videoaufnahme, bei der die Kamera die derzeit höchsten Datenraten liefert. Wenn Sony jetzt noch rasch den einen oder anderen Firmware-Bug ausbügelt, wird die Alpha 77V zu einer semi-professionellen Allround-Kamera, an der sowohl anspruchsvolle Einsteiger wie ambitionierte Fotografen lange Freude haben werden.


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