Testbericht

Olympus Pen E-P1

2009-07-22 Mut bewies Olympus kürzlich mit der Vorstellung der Pen E-P1. Bringt sie doch moderne Elektronik in einem klassischen, aber gelungenen Gehäusedesign. Ihre Kompaktheit ist geradezu überwältigend, wenn man bedenkt, was alles in ihr steckt. Doch das ging nicht ohne Kompromisse. Die Pen hat weder einen Sucher, auch keinen aufsteckbaren elektronischen, noch einen eingebauten Blitz. Ob das Konzept der Kompaktkamera mit großem Sensor und Wechselobjektiv letztlich trotzdem aufgeht, zeigt der Testbericht.  (Benjamin Kirchheim)

Olympus Pen E-P1 [Foto: MediaNord] Ergonomie und Verarbeitung Wenn man die kleine Pen das erste Mal in die Hand nimmt, ist man ein wenig vom hohen Gewicht überrascht. Sie wiegt zwar mit Setobjektiv kaum über ein halbes Kilogramm, aufgrund ihrer Größe würde man aber vielleicht weniger erwarten. Zusammen mit dem Metallgefühl hinterlässt das einen grundsoliden Eindruck. Da stört es kaum, dass die Metallschalen "nur" auf ein Kunststoffgerüst aufgeschraubt sind. Selten hatten wir eine derart solide wirkende Digitalkamera in der Redaktion, von der Leica M8 mal abgesehen. Da ist es schon etwas schade, dass die Pen nicht gegen Spritzwasser geschützt ist.

Über das Design mit dem vielen Metall mag man geteilter Meinung sein, uns gefällt die Anlehnung an die klassische Olympus Pen aus den 60er Jahren ausgesprochen gut. Klassisches Design mit moderner Technik vereint – dazu noch hochwertig wirkend. Wer eine weiße Lackierung bevorzugt, wird ebenfalls bedient, nur klassisch beliebtes Schwarz gibt es leider nicht. Vom Schwärmen kommen wir erst wieder bei der Klappe ab, die die USB/AV- und HDMI-Schnittstellen verdeckt, denn die besteht aus schnödem Kunststoff. Der HDMI-Ausgang ist digital und gibt ein FullHD-Signal aus, das auf einem entsprechenden Fernseher seine volle Qualität entfalten kann. Eine nette Nebensächlichkeit sind da die eigens komponierten Musikstücke, die als Hintergrunduntermalung bei Diashows ablaufen können.

Olympus Pen E-P1 [Foto: MediaNord] Auf der Gehäuseunterseite befindet sich, wie nicht anders zu erwarten, das Metallstativgewinde. Leider seitlich der optischen Achse und damit auch zu dicht am Akku&Speicherkartenfach, so dass ein Stativ dieses blockiert. Der Deckel zum Fach ist ebenfalls aus Kunststoff, wirkt aber recht stabil. Einen Netzteilanschluss besitzt die E-P1 nicht, auch nicht über einen Akku-Dummy. So muss man sich mit den etwas knappen 300 Bildern begnügen, für die die Akkukapazität reicht. Immerhin wird der Typ BLS1 eingesetzt, ein alter Bekannter von Olympus (E-4xx, E-6xx), der es auf 1.100 mAh bei 8,4 V bringt. Ein echtes Novum und für Olympus Neuland ist der SD-Karteneinschub, der sich direkt neben dem Akku befindet. Olympus hatte wohl keine andere Wahl, denn xD-Karten wären mit ihren Beschränkungen bei Speicherkapazität und Schreibgeschwindigkeit einer Systemkamera nicht gerecht geworden, CompactFlash wäre hingegen in einer Pen einfach zu groß. So kann man sich an bis zu 32 GBytes großen SDHC-Karten in der E-P1 erfreuen.

Links auf der Kameraoberseite ist das Moduswahlrad eingelassen. Das sieht zwar schick aus, lässt sich so aber nur schlecht drehen, mühsam wechselt man damit in den gewünschten Modus. Neben der Programmautomatik und den Kreativprogrammen Blenden- und Zeitautomatik sowie dem manuellen Modus haben hier auch die Olympus-typischen Art-Filter, ein intelligenter Automodus, der Videomodus sowie eine Einstellung für alle 19 Motivprogramme Platz gefunden. Direkt abrufbare Benutzerspeicherplätze sucht der fortgeschrittene Fotograf hingegen vergebens. Immerhin sind im Kameramenü ein paar Speicherplätze für Einstellungen "versteckt". Zwischen Moduswahlrad und Systemblitzschuh ist vorbildlich die Sensorebene gekennzeichnet – wichtig bspw. für die Entfernungseinstellung bei Makroaufnahmen. Ebenfalls auf der Kameraoberseite befinden sich der Einschaltknopf, der Auslöser und ein Knopf für die Belichtungskorrektur.

Olympus Pen E-P1 [Foto: MediaNord] Die Rückseite wird vom 3"- (7,6 cm) Bildschirm dominiert. Er ist die einzige Möglichkeit zur Bildkomposition, entsprechend wichtig ist er. Positiv fällt auf, dass er auch bei direkter Sonneneinstrahlung recht gut ablesbar bleibt, weniger schön ist dagegen die mit 230.000 Bildpunkten zu knappe Auflösung. Die Entspiegelung des Bildschirms ist gut, der Betrachtungswinkel auch. Rechts davon gibt es vier Tasten: für den Wiedergabemodus, die AEL/AFL-Messwertspeichertaste, den Lösch- sowie den Menüknopf. Daneben ist im oberen Bereich der Lautsprecher, der in der Daumenmulde "verschwindet". So lässt sich die Kamera sehr gut halten. Ungewöhnlich designt, aber gut bedienbar ist das Daumenrad rechts daneben.

Weiter unten befindet sich der Vierwegeschalter mit zentralem Bestätigungs- (OK-) Knopf, dessen äußerer Rand zudem geriffelt und drehbar ist. Kein unbekanntes Design (Canon lässt grüßen), und so hat man praktischerweise ein zweites Einstellrad, um etwa Blende und Belichtungszeit unabhängig voneinander zu verstellen. Mit der Haptik der restlichen Kamera kann das aber nicht ganz mithalten. Der Vierwegeknopf ist praktischerweise mit verschiedenen Direktwahlfunktionen vorbelegt. Individueller gestaltet sich da der Fn-Knopf schräg links oberhalb. Er kann mit diversen Funktionen belegt werden, was wir uns für noch mehr Tasten wünschen würden, denn so muss man sich für genau eine viel verwendete und sonst nur im Menü versteckte oder überhaupt gar nicht verfügbare Funktion entscheiden. Links unterhalb des Vierwegeschalters ist noch die Info-Taste, mit der man eigentlich nur die Displaydarstellung zwischen verschiedenen Modi wechselt.

Ausstattung Bei der Funktionsvielfalt der Olympus Pen E-P1 wäre es fast kürzer zu beschreiben, was sie nicht kann. Die Einstellmöglichkeiten sind so vielfältig, dass sie selbst manchen ambitionierten bzw. fortgeschrittenen Fotografen überfordern könnte. Es gibt fast nichts, was man nicht einstellen oder kalibrieren kann – das gilt selbst für die Belichtungsmessung in den verschiedenen Messmethoden oder die Akkustandanzeige. Der klägliche Versuch von Olympus, die Kamera mittels intelligenter Automatik einfach bedienbar zu machen, ist viel zu kurz gedacht. Zwar sind hier die meisten Einstellungen deaktiviert, aber immer noch sichtbar, so dass man nicht wirklich schnell findet, was überhaupt noch verstellbar ist. Die Kamera richtet sich eindeutig an technikverliebte Fotografen, was ja nichts Schlechtes ist.

Olympus Pen E-P1 [Foto: MediaNord] Wenn man damit anfängt, was die Kamera nicht hat, fällt als erstes der Blitz auf. Schade, aber immerhin gibt es einen Systemblitzschuh. Aber durch den fehlenden Blitz muss man selbst für die drahtlose Blitzsteuerung einen klobigen Blitz auf die Kamera stecken. Was ihr ebenfalls fehlt, ist ein Sucher. Da hilft auch kein antiquierter Guckloch-Aufstecksucher wie für das 17 mm Pancake, denn man sieht weder die Schärfe, noch Aufnahmeinformationen, noch stimmt der Bildausschnitt. Besonders im Nahbereich macht sich der Parallaxenfehler bemerkbar. Sucherfotografie wird damit zum reinen Glücksspiel.

Doch zurück zu den positiven Seiten. Dazu gehören z. B. die Art-Filter. Manche mögen sie als Spielerei abtun, aber sie machen einfach viel Spaß. Vor allem der Monochromfilter hat es uns angetan, hat er doch einen ganz eigenen Look. Aber auch weiches Licht, Softfokus oder blasse Farben haben ihren ganz eigenen Charme. Pop Art hingegen muss man mögen, dieser 70er-Jahre-Look ist doch recht gewöhnungsbedürftig. Daneben bietet die Pen auch normale Bearbeitungsmöglichkeiten, sogar RAW-Bilder lassen sich direkt in der Kamera zu JPEGs entwickeln – selbstverständlich mit Einflussnahme auf Parameter wie Weißabgleich etc. Pfiffig und nützlich zugleich ist die eingebaute Wasserwaage. Sie arbeitet nicht nur zwei-, sondern dreidimensional. So muss man weder mit einem schiefen Horizont, noch mit einer verkippten Kamera leben. Dadurch lassen sich selbst stürzende Linien vermeiden. Beispielsweise für Architekturfotografie lässt sich zusätzlich ein Gitter einblenden, für Reprofotografie ein Kreuz mit Skala und für den goldenen Schnitt ein entsprechendes Muster.

Wer statt Fotos lieber Videos aufzeichnet, findet einen solchen Modus ebenfalls in der Pen. Sie verfügt zwar über ein ausgesprochen gutes Stereomikrofon. Olympus kann als führender Diktiergerätehersteller schließlich auf eine große hausintere Erfahrung bauen, aber dieses nimmt Windgeräusche genauso störend auf wie die Fokusgeräusche des Objektivs, einen externen Mikroanschluss gibt es leider nicht. Der Nachführautofokus ist aber sowieso nicht zu empfehlen, da er sehr abrupt, zu verzögert und unpräzise arbeitet. Aufgezeichnet werden Videos im AVI-Format mit Motion-JPEG-Komprimierung. Die Auflösung beträgt maximal 1.280 x 720 Pixel und erreicht damit HD-Qualität, wobei 30 Bilder/s aufgenommen werden. Die maximale Aufnahmezeit ist durch das Dateisystem FAT, das auf der Speicherkarte verwendet wird, auf 2 GBytes begrenzt, d. h. nach etwa 5-8 Minuten ist Schluss mit der Videosequenz. Profifilmer schneiden aber sowieso viele kurze Sequenzen zusammen. Letzteres ist dank Motion-JPEG auch auf ressourcenarmen Computern recht problemlos und vor allem ohne Qualitätsverlust möglich. Der mechanische Bildstabilisator der Kamera ist beim Filmen übrigens nicht aktiv, stattdessen kann man einen Elektronischen zuschalten, der allerdings ein paar mm Weitwinkel kostet.

Objektiv Micro FourThirds geht einen ganz neuen Weg. Durch das Weglassen des Spiegels konnte das Auflagemaß (der Abstand zwischen Bildsensor und Objektivbajonett) um die Hälfte verkürzt werden. Dadurch sind nicht nur kompaktere Objektivkonstruktionen – vornehmlich im Weitwinkelbereich – möglich, sondern auch die Kamera kann kleiner werden, wie die Pen E-P1 beweist. Weil der Micro-FourThirds-Sensor in der Diagonale nur halb so groß ist wie ein Kleinbildfilm, verlängern sich die Brennweiten scheinbar um das doppelte. Das 14-42 mm entspricht also einem 28-84mm-Kleinbildobjektiv.

Olympus Pen E-P1 [Foto: MediaNord] Mittels Adapter ist Micro FourThirds zudem auch elektronisch voll kompatibel zum FourThirds-System, für das es eine gute Auswahl an Objektiven gibt. So ein Adapter kostet allerdings mindestens 200 Euro. Für Micro FourThirds selbst ist die Objektivauswahl sehr klein. Von Panasonic gibt es ein 14-45 mm und ein 45-200 mm sowie ein 14-140mm-Superzoom. Olympus hat zusammen mit der Pen ein 14-42mm-Setobjektiv und ein 17mm-Pancake vorgestellt. Letzteres ist besonders flach, aber mit F2,8 für eine Festbrennweite nicht sonderlich lichtstark. So beschränkt die Objektivauswahl für das relativ junge System Micro FourThirds zurzeit auch sein mag, so groß sind die Adaptierungsmöglichkeiten – egal ob Leica M, Canon EF, Pentax K, Nikon F oder viele andere. Es lässt sich aufgrund des geringen Auflagemaßes – wodurch genügend Platz für Adapter entsteht – praktisch alles an Objektiven adaptieren, was man noch in der persönlichen "Schatzkammer" stehen hat. Entsprechend stürzen sich diverse Zubehöranbieter auf den Adaptermarkt, allen voran Novoflex. Gerade für Leica-M-Fotografen sollte sich die Pen als digitale Ergänzung lohnen.

Bemerkenswert kompakt ist hingegen das M.Zuiko 14-42 mm von Olympus. Man hat sich das Zusammenschieben von Objektiven bei Kompaktkameras abgeguckt, und so ist das 14-42 mm vor allem im Transportzustand nur 45 mm kurz. Im Betrieb muss man es mechanisch ausfahren, so dass es bei einer Brennweiteneinstellung von 14 mm etwa 32 mm länger wird, bei 42 mm Brennweite hingegen 35 mm. Am kürzesten ist es bei etwa 25 mm, wo es nur 26 mm herausfährt. Das Filtergewinde ist mit 40,5 mm zumindest für Fotoapparate ungewöhnlich, bei Camcordern findet man diese Filtergröße aber öfter. Schade ist allerdings, dass die Frontlinse und damit auch das Filtergewinde beim Fokussieren mit rotieren, das erschwert beispielsweise den Einsatz von Polfiltern.

Sowohl bei Micro-FourThirds- als auch bei adaptierten FourThirds-Objektiven steht einem der Autofokus zur Seite, bei vielen FourThirds-Objektiven muss man lediglich auf den kontinuierlichen C-AF verzichten. 23 Messfelder besitzt der Kontrastautofokus der Pen, er erkennt aber auch Gesichter, um auf sie zu fokussieren. Alternativ kann man auf einen Spot-Autofokus umstellen oder das Feld frei auf dem gesamten Aufnahmebereich verschieben. Bei der Geschwindigkeit hat Olympus sich allerdings ein dickes Ei gelegt. Vor allem mit dem 14-42 mm pumpt der AF stark und ist mit durchschnittlich 1,2 Sekunden mehr als langsam. Da ist Panasonic mit seinen 0,4 Sekunden deutlich schneller. Das liegt nicht nur am Setobjektiv, das einen relativ lauten Motor hat, sondern auch an der Kamera selbst. Das Setobjektiv ist an einer Panasonic Lumix DMC-G1 oder -GH1 schneller, aber auch das Panasonic 14-45 mm ist an der Olympus schneller (und vor allem leiser) als das 14-42 mm, aber trotzdem noch zu langsam. Man kann nur hoffen, dass die Ingenieure von Olympus den Autofokus per Firmwareupdate noch deutlich beschleunigen können, denn die nötige Rechenleistung hat die Pen dank des leistungsstarken Prozessors in jeden Fall.

Olympus Pen E-P1 – Einstellungsmenü [Foto: MediaNord]
Olympus Pen E-P1 – Wiedergabe-Detailansicht [Foto: MediaNord]
Olympus Pen E-P1 – Schnellmenü [Foto: MediaNord]

Eine weitere Schwäche des Autofokus sind dunkle Umgebungen, wo er gänzlich versagt. Wenn das Livebild auf dem Monitor zu rauschig wird, macht auch der AF nicht mehr mit. Ein AF-Hilfslicht hat die Pen leider nicht. Auch manuelle Fokussierung hilft hier nicht, denn aufgrund des Rauschens wird das Auffinden des Schärfepunkts auch mit Hilfe der Sucherlupe zum Ratespiel. Bei genügend Licht hingegen geht das manuelle Scharfstellen sehr gut von der Hand – und sei es nur über eine kontrastreiche, helle Stelle in einer ansonsten dunklen Umgebung. Durch den feinfühligen elektronisch gekoppelten Schärfering am Objektiv kann man den Fokus sehr präzise einstellen, wenn auch mit einem etwas weniger mechanisch-direktem Gefühl. Was den beiden Olympus-Objektiven aber eindeutig fehlt, ist eine Entfernungsanzeige, auch auf dem Bildschirm wird keine eingeblendet. Somit entfällt bei schwachem Licht auch diese Hilfe. Dabei könnte die Kamera theoretisch sogar die Schärfentiefe auf dem Monitor anhand eines Balkens deutlich machen, wie man es von manuell zu fokussierenden Kompaktkameras von Panasonic kennt.

Ein letztes kleines Manko der beiden Olympus Micro-FourThirds-Objektive ist das Fehlen einer Streulichtblende, auch optional ist eine solche nicht vorgesehen. Ein ganz dickes Plus gibt es dagegen für den in der Kamera integrierten Bildstabilisator. Er stabilisiert wirklich jedes angesetzte Objektiv, wobei man bei manuellen bzw. adaptierten Objektiven (außer FourThirds) die Brennweite in der Kamera vorgeben muss, damit er effektiv arbeiten kann. 3 bis 4 Blendenstufen kann man so länger belichten als ohne Stabilisator. Er ist allerdings nur während der Belichtung aktiv, stabilisiert also das Sucherbild nicht. Er kann auch für horizontale oder vertikale Mitzieher eingestellt werden, wo er dann nicht versucht, die Mitziehbewegung zu stabilisieren, sondern nur im Winkel von 90° dazu.

Bildqualität Der in der Olympus E-30, E-620 und Panasonic Lumix DMC-G1 bestens bewährte 12 Megapixel auflösende LiveMOS-Sensor kommt auch in der Pen zum Einsatz, hat aber eine nicht unwesentliche Modifikation erfahren: Der Anti-Aliasing-Filter (auch Tiefpassfilter genannt) ist deutlich dünner. Ein solcher Filter verhindert diverse Artefakteffekte an feinen Strukturen, indem er das Bild "unschärfer" macht. Letzteres ist natürlich nicht wirklich erwünscht. Durch die höhere Rechenleistung des neuen Bildprozessors der E-P1 können nun aber Artefakte auch per Software unterdrückt werden – ohne Schärfe zu verlieren. Um die Bildqualität zu ermitteln, wurden mit der Pen nicht nur Alltagsmotive aufgenommen (siehe Beispielbildgalerie in den weiterführenden Links), sondern sie hat auch mit verschiedenen Objektiven (14-42mm-Setobjektiv, 17mm-Pancake und dem adaptierten Zuiko 50 mm Makro) den DCTau-Labortest durchlaufen. Inhaber einer Flatrate können diese Tests ohne Extragebühr einsehen, die Tests sind aber auch im Einzelabruf für je 1,40 EUR erhältlich (siehe weiterführende Links).

Der Schärfegewinn durch den dünneren AA-Filter zeigt sich im Labortest mehr als deutlich. Die Auflösung erreicht mit dem Setobjektiv in der Bildmitte sehr hohe Werte. Der sichtbare Randabfall ist für ein solches Objektiv dabei nichts Ungewöhnliches. Abgeblendet allerdings nimmt die Auflösung in der Bildmitte ab, was bei der hohen Pixeldichte bereits auf einsetzende Beugungsunschärfe hindeutet. Am Bildrand steigt hingegen die Auflösung, so dass die Wiedergabe mit dem 14-42 mm dann insgesamt homogener wird. Die beste Auflösung mit dem geringsten Randabfall erreicht das Objektiv sowohl auf- als auch abgeblendet übrigens bei rund 25 mm Brennweite (50 mm entspr. Kleinbild). Trotz höherer Auflösung und dünnerem Tiefpassfilter sind die Artefakte in einem vertretbaren Rahmen. Nur leichte Helligkeitsmoirés treten an steigenden, feinen Strukturen auf. Durch die gute Schärfe an feinen Kanten werden Details aber sehr angenehm wiedergegeben. Insgesamt ist die Scharfzeichnung zwar gut, aber sie erzeugt ein leichtes Weißclipping an der helleren Kantenseite und auch Schwarzclipping. Das fällt zwar nur bei extremen Vergrößerungen auf, richtet sich aber eher an schnelle Fotografie und ist bei der Bildbearbeitung eher unerwünscht.

Die Verzeichnung des Objektivs ist nur im Weitwinkel erwähnenswert, wo es mit 1,5 % etwas tonnenförmig verzeichnet; für 28 mm entspr. Kleinbild an einem Zoom bleibt das aber durchaus noch im gut vertretbaren Rahmen. Bei mittlerer und langer Brennweite ist keine Verzeichnung sichtbar. Die Randabdunklung hingegen ist in allen Brennweiten sehr niedrig und homogen zu den Bildecken ansteigend und somit von der Kamera sehr gut auskorrigiert.

Man wirft dem FourThirds- bzw. Micro-FourThirds-System gerne vor, dass die im Vergleich zu anderen DSLRs kleinen Bildsensoren mit höherem Rauschen zu kämpfen hätten. Spätestens die Pen sollte diese Stimmen verstummen lassen. Bis ISO 800 ist das Rauschen ausgezeichnet niedrig, auch ISO 1.600 ist noch sehr gut verwendbar. Erst bei ISO 3.200 steigt das Rauschen auf ein sichtbares Niveau an, ISO-6.400-Aufnahmen sehen dann nicht mehr ganz so schön aus. Olympus Pen E-P1 [Foto: MediaNord] Insgesamt hat das Rauschen dabei einen sehr natürlichen Charakter, es entstehen weder Detailverluste durch starke Schattenrauschunterdrückung noch generell Rauschunterdrückungsartefakte. Problematischer ist da schon die Eingangsdynamik. Bis ISO 800 liegt sie bei etwa 8 Blendenstufen, womit die Kamera nicht sonderlich viel Motivkontrast verarbeiten kann. Manche DSLRs sind da deutlich besser. Ab ISO 1.600 fällt die Eingangsdynamik dann ab, darüber ist sie eher schlecht. Auch die Ausgangsdynamik ist mit einem olympus-typischen Problem behaftet: Die dunklen Töne sind nicht schwarz genug, sondern eher dunkelgrau. Das macht sich in Form von mangelndem Kontrast bemerkbar. Glücklicherweise ist das in der Bildbearbeitung leicht zu beheben (Autokontrast oder Histogrammkorrektur bzw. Schwarzpunkt setzen). Eher an die schnelle Fotografie richtet sich wiederum die Tonwertkurve mit ihrer Kontrastanhebung in den Mittentönen und weich auslaufenden Lichtern und Schatten.

 Sehr fein dosierbar ist die Komprimierung mit insgesamt vier Stufen. Die beiden besten Qualitäten bzw. geringsten Komprimierungsstufen arbeiten dabei visuell verlustfrei, während die beiden höheren Stufen mit Kompressionsartefakten kämpfen. Weniger schön ist, dass es nur die Auflösungseinstellungen 12 und 5 Megapixel gibt, eine feinere Abstufung wäre zumindest für die schnelle Fotografie mit optimiertem Speicherverbrauch durchaus wünschenswert. Sehr praktisch sind hingegen die vier Seitenverhältniseinstellungen 4:3, 3:2, 16:9 und 6:6, wobei nur die Erstere das Bild unbeschnitten lässt.

Souverän gibt sich die Belichtungsmessung der Kamera, sie gibt keinen Anlass zur Kritik. Der Weißabgleich arbeitet ebenfalls zuverlässig, nur bei warmem Glühlampen- oder Kerzenlicht zeigt sich ein rotorange Farbstich. Wer das nicht wünscht, hat die Möglichkeiten, entweder auf die Glühlampenvoreinstellung oder den manuellen Weißabgleich zurück zu greifen. Insgesamt kann man der Pen E-P1 eine sehr gute Bildqualität attestieren, gegen die auch so manche DSLR "alt" aussieht.

Fazit Die Olympus Pen E-P1 ist eine Digitalkamera, die auf der einen Seite begeistern kann. Sie ist hervorragend verarbeitet und hinterlässt einen grundsoliden Eindruck. Ihr Design ist einerseits erfrischend anders, andererseits klassisch. Sie liegt nicht nur gut in der Hand, sondern macht regelrecht Spaß. Aufgrund ihrer geringen Größe und ihes kleinen Gewichts hat man sie gerne dabei, muss sich mit ihr nicht abschleppen. Die Bedienung ist ebenfalls gut gelöst, aufgrund der Komplexität allerdings eher etwas für fortgeschrittene Fotografen. Andererseits muss man ein paar Abstriche machen. Den fehlenden Sucher (oder einen aufsteckbaren Elektronischen) und Blitz mag man noch verschmerzen, wirklich ärgerlich ist aber der langsame Autofokus, der einen um Jahre zurück versetzt. Wer damit leben kann, bekommt eine hervorragende Kamera, die auch bei der Bildqualität überzeugt.


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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.

Steckbrief
Hersteller Olympus
Modell Pen E-P1
Preis ca. 800 EUR**
Sensor Auflösung 12 Megapixel
Max. Bildauflösung 4.032 x 3.024
(Seitenverhältnis) (4:3)
Objektiv M.Zuiko Digital 14-42mm F3,5-5,6 ED
Filtergewinde 40,5 mm
Sucher
  Sichtfeld
  Vergrößerung
  Dioptrienausgleich
LCD-Monitor 3"
  Auflösung 230.000
  drehbar
  schwenkbar
  als Sucher
Videoausgang PAL/NTSC, HDMI
  als Sucher ja
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
ja
Motivprogramme
  Porträt ja
  Kinder/Baby ja
  Landschaft ja
  Makro ja
  Sport/Action ja
  weitere 14
Belichtungsmessung    Mehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
Blitz
  Leitzahl
  Blitzanschluss Systemblitzschuh
Fernauslöser Kabel
Intervallaufnahme
Speichermedium SD/SDHC
Videomodus ja
  Format AVI
  Codec Motion-JPEG
  Auflösung (max.) 1.280 x 720
  Bildfrequenz (max.) 30 Bilder/s
Empfindlichkeit
  automatisch 200-6.400
(einstellbar)
  manuell ISO 100-6.400
Weißabgleich
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja
  Glühlampe ja
  Sonstiges Schatten, Blitz, manuelle Farbtemperaturwahl
  Manuell ja
Autofokus
  Anzahl
  Messfelder
25
  AF-Hilfslicht
  Geschwindigkeit 0,99-1,46 s
Sprachen Deutsch
  weitere 33
Einschaltzeit 1,2 s
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
Gewicht
(Betriebsbereit)
384 g (nur Gehäuse)
534 g (mit Objektiv**)
Serienbildfunktion*
  Serienbildanzahl 15 (JPEG)
11 (RAW)
  Frequenz
    (Bilder/s)
3,0 (JPEG)
3,0 (RAW)
  Dauerlauf
    (Bilder/s)
1,9 (JPEG)
1,1 (RAW)
  mit Blitz
Zoom
  Zoomverstellung am Objektiv
  Zoomstufen stufenlos
  Zeit WW bis Tele
Speicher-
geschwindigkeiten*

  JPEG 1,7 s (4,7 MByte)
  RAW 2,9 s (11,7 MByte)
Auslösung während
d. Speicherns mögl.
ja
Akkulaufzeit ca. 300 Bilder

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
* mit Panasonic 4 GB Class 10 SDHC Speicherkarte
** mit Objektiv M.Zuiko Digital 14-42mm F3,5-5,6 ED

Kurzbewertung

  • Kompaktes, hochwertiges, klassisch elegantes Gehäuse
  • Pfiffiges, im eingefahenen Zustand kleines Setobjektiv
  • Sehr gute Bildqualität (Auflösung, Schärfe, Rauschverhalten)
  • Bei Sonnenlicht gut ablesbarer, wenn auch etwas schwach auflösender Bildschirm
  • Langsamer Autofokus, der bei wenig Licht gar nicht funktioniert
  • Kein eingebauter Blitz
  • Zur Zeit geringe Objektivauswahl
  • Etwas geringe Eingangsdynamik, zu helle Wiedergabe von Schwarz

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 97 %
Ausstattung 12,5 % 85 %
Handhabung 12,5 % 91 %
Geschwindigkeit 12,5 % 71 %
Bildqualität 50,0 % 88 %
Gesamtnote 87 %