Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Kameras

Steckbrief
Hersteller Sony
Modell Alpha 550
Preis ca. 850 EUR**
Sensor Auflösung 14,6 Megapixel
Max. Bildauflösung 4.592 x 3.056
(Seitenverhältnis) (3:2)
Objektiv Sony DT 3.5-5.6/18-55 SAM
Filtergewinde 55 mm
Sucher Pentaxspiegel
  Sichtfeld 95%
  Vergrößerung 0,8-fach
  Dioptrienausgleich -2,5 bis +1 dpt.
LCD-Monitor 3"
  Auflösung 921.600
  drehbar
  schwenkbar ja
  als Sucher ja
Videoausgang HDMI
  als Sucher ja
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
ja
Motivprogramme
  Porträt ja
  Kinder/Baby
  Landschaft ja
  Makro ja
  Sport/Action ja
  weitere 4
Belichtungsmessung    Mehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
Blitz ja
  Leitzahl 12,5 (gemessen)
  Blitzanschluss Systemblitzschuh
Fernauslöser Kabel, Infrarot
Intervallaufnahme
Speichermedium SD/SDHC, MemoryStick (Duo)
Videomodus
  Format
  Codec
  Auflösung (max.)
  Bildfrequenz (max.)
Empfindlichkeit
  automatisch ISO 200-1.600
  manuell ISO 200-12.800
Weißabgleich
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja
  Glühlampe ja
  Sonstiges Schatten, Blitz, manuelle Farbtemperaturwahl
  Manuell ja
Autofokus
  Anzahl
  Messfelder
9
  AF-Hilfslicht Blitzsalve
  Geschwindigkeit < 0,3-0,5 s
Sprachen Deutsch
  weitere 14
Einschaltzeit ca. 0,3 s
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
Gewicht
(Betriebsbereit)
682 g (nur Gehäuse)
892 g (mit Objektiv**)
Serienbildfunktion*
  Serienbildanzahl 16 (JPEG)
17 (RAW)
  Frequenz
    (Bilder/s)
7,5 (JPEG)
7,5 (RAW)
  Dauerlauf
    (Bilder/s)
5,0 (JPEG)
4,5 (RAW)
  mit Blitz ja
Zoom
  Zoomverstellung am Objektiv
  Zoomstufen stufenlos
  Zeit WW bis Tele
Speicher-
geschwindigkeiten*

  JPEG 1,8 s (4,9 MByte)
  RAW 2,3 s (14,5 MByte)
Auslösung während
d. Speicherns mögl.
ja
Akkulaufzeit ca. 480 Bilder (mit LiveView)
ca. 980 Bilder (ohne LiveView)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
* mit SanDisk MemoryStick Pro-HG Duo 4 GB Speicherkarte
** mit Objektiv Sony DT 3.5-5.6/18-55 SAM

Kurzbewertung

  • Gute Bildqualität, bei hoher ISO-Empfindlichkeit hervorragend
  • Exzellenter LiveView auf klappbarem Bildschirm
  • Sehr hohe Serienbildgeschwindigkeit, rasante Reaktion auf Eingaben
  • Eingängiges Bedienkonzept (aber kein Daumenrad)
  • Keine Videoaufnahme
  • Mickriger optischer Sucher
  • Eingeschränkter Funktionsumfang (keine SVA, Abblendtaste)
  • Langsamer Nachführ-Autofokus

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 82 %
Ausstattung 12,5 % 89 %
Handhabung 12,5 % 87 %
Geschwindigkeit 12,5 % 91 %
Bildqualität 50,0 % 86 %
Gesamtnote 87 %

Preisvergleich

IDEALO-Logo
Alle Preise zzgl. Versandkosten.

Sony DT 18-55 mm 3.5-5.6 SAM



Testbericht

Sony Alpha 550

2009-12-10 Kaum ein anderer Hersteller hat in letzter Zeit so viele DSLR-Kameras neu vorgestellt wie Sony. Jüngster Spross in der Alpha-Familie ist die Alpha 550 (zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Alpha 500), mit der Sony in der unteren Mittelklasse deutliche Zeichen setzen möchte. Und in der Spezifikationsliste der Alpha 550 finden sich in der Tat einige imposante Daten: 14,2 Megapixel Auflösung, Lichtempfindlichkeit bis ISO 12.800 und eine Serienbildgeschwindigkeit von maximal sieben Aufnahmen pro Sekunde. Doch das ist noch längst nicht alles, was die Alpha 550 zu bieten hat. Unser detaillierter Testbericht klärt über weitere Stärken der Kamera auf, fördert einige eklatante Schwächen zu Tage und beantwortet die Frage, wie gut die Bildqualität der Alpha 550 mit dem Sony DT 18-55/3.5-5.6 ist.  (Martin Vieten)

Sony Alpha 550 [Foto: MediaNord]Ergonomie und Verarbeitung Ein echtes Leichtgewicht ist die Sony Alpha 550 nicht, betriebsbreit mit Akku und Speicherkarte und ausgerüstet mit dem Setobjektiv drückt sie fast 900 Gramm auf die Wage. Nahezu 600 Gramm gehen dabei auf den nackten Body. Auch die Abmessungen vermitteln den Eindruck, dass die Alpha 550 schon eher ein Fotografenwerkzeug als eine Kamera für gelegentliche Schnappschüsse ist. Verstärkt wird dieser Eindruck vom recht ausgeprägten Handgriff. Er wirkt ein wenig klobig, sorgt aber dafür, dass die Alpha 550 sicher und bequem in der Hand liegt. Zum sicheren Halt trägt zudem das genarbte Gummi an der Front und an der rückwärtigen Daumenablage bei, die ein wenig wie Leder wirkt. Das übrige Kameragehäuse besteht aus einfachen Kunststoffteilen, die nicht gerade Wertigkeit ausstrahlen, aber sauber und passgenau zusammengefügt sind.

Nimmt man die Alpha 550 in die Hand, ruht der Zeigefinger automatisch dort, wo er hingehört: direkt über dem Auslöser. Der wird – neu für Sony-DSLRs – von einem ringförmigen Ein-/Ausschalter umschlossen. So kann man nach etwas Übung die Alpha 550 ohne Zuhilfenahme der linken Hand schon beim Aufnehmen einschalten. Nicht ganz so glücklich ist das Einstellrad unterhalb des Sony Alpha 550 [Foto: MediaNord]Auslösers platziert. Es sitzt etwas zu tief, ist gleichwohl gerade noch bequem zu erreichen. Der ringförmige Hauptschalter schafft jetzt Platz für eine ganze Reihe dezidierter Funktionsknöpfe. So gibt es eigene Schalter zur Wahl der ISO-Empfindlichkeit, des Serienbild- oder Selbstauslösemodus, der Dynamikoptimierung oder zur Belichtungskorrektur in 1/3-EV-Schritten. Letztere ließe sich noch bequemer mit einem Daumenrad auf der Rückseite einstellen. Leider hat Sony der Alpha 550 kein zweites Einstellrad spendiert. Das stört besonders im Modus "M" (manuelle Belichtung). Hier muss umständlich die Belichtungskorrektur-Taste gedrückt gehalten werden, um am einzigen Einstellrad die Blende vorzuwählen. Tadellos ist hingegen die Erreichbarkeit der unter Gummiklappen verborgenen Anschlüsse. Das Stativgewinde sitzt in der optischen Achse, das Akkufach lässt sich auch bei angesetzter Wechselplatte öffnen.

Sony Alpha 550 [Foto: MediaNord]Vereinfacht wird die Bedienung der Alpha 550 dagegen durch die "Fn"-Taste. Mit ihr springt man direkt in die zwölf Schnellmenüs (wahlweise mit einblendbaren Hilfstexten) und wählt so bequem Einstellungen wie die Belichtungsmessmethode (Mehrfeld, Mittenbetont oder Spot), Blitzbelichtungskorrektur, die neue Gesichts- und Lächelerkennung und einiges mehr. Zur Ansteuerung der verschiedenen Schnellmenüpositionen dient ein etwas klein geratener Vier-Wege-Schalter. Den sehr praktischen "Joystick" der höherwertigen Alphas hat die Alpha 550 leider nicht spendiert bekommen. Auch ein Moduswahlrad hat die Alpha 550 an Bord, es sitzt etwas mickrig auf der linken Gehäuseoberseite, läuft aber glücklicherweise stramm genug, so dass sich nichts versehentlich verstellen kann. Die Menüs sind übersichtlich: Sony hat die Untermenüs in bequem erreichbare Registerreiter gruppiert, keine Befehlsliste ist länger als eine Bildschirmseite – lästiges "Scrollen" durch endlose Listen gibt es bei der Alpha 550 nicht. Gelungen ist auch der wahlweise einblendbare Doppelbalken, der die aktuell ermittelte Blenden-/Zeitkombination anzeigt. Versierte Fotografen wird zudem freuen, dass die Alpha 550 im LiveView-Modus nach einem Druck auf die "DISP"-Taste das aktuelle Histogramm einblendet. Unverzeihlich ist hingegen, dass die Kamera einen vor der Aufnahme Sony Alpha 550 [Foto: MediaNord]völlig im Unklaren darüber lässt, welche Empfindlichkeit die ISO-Automatik wählen wird. Zumal sich die ISO-Automatik nicht konfigurieren lässt, sie reicht von ISO 200 bis zu sehr hohen ISO 1.600!

Ein echtes Highlight wiederum ist der Monitor, der bei einer Diagonalen von drei Zoll volle VGA-Auflösung bietet (ca. 920.000 Bildpunkte). Damit lässt sich nicht nur die Qualität der aufgenommenen Bilder sehr genau beurteilen, das hervorragende Display dient auch zur Anzeige des Sucherbilds im LiveView-Modus. Anders als praktisch alle anderen Kamerahersteller bietet Sony mit den Kameras der 300er- und 500er-Klasse eine sehr aufwändige LiveView-Funktion. Dazu befindet sich im "Prismendom" ein zusätzlicher Sensor, der das Sucherbild erzeugt. Diese Lösung hat einige Vorteile: Im Gegensatz zum LiveView über den Bildsensor funktioniert beim System à la Sony der schnelle und präzise Phasenvergleichs-Autofokus weiterhin. Ferner besteht keine Gefahr, dass der Hauptsensor im Live-Modus überhitzt und so zusätzliches Bildrauschen produziert. Außerdem muss der Spiegel nicht erst hoch- und vor der Aufnahme dann wieder heruntergeklappt werden. Unterm Strich heißt das: Der LiveView der Alpha 550 ist so komfortabel wie bei einer Kompaktkamera, dabei bleibt der Autofokus so leistungsfähig wie bei einer digitalen Spiegelreflexkamera, und die Alpha 550 löst auch im LiveView-Modus augenblicklich nach Niederdrücken des Auslösers aus.

Sony Alpha 550 – Infobildschirm [Foto: MediaNord]
Sony Alpha 550 – Aufnahmeinfo [Foto: Martin Vieten]
Sony Alpha 550 – Einstellungsmenü [Foto: MediaNord]
Sony Alpha 550 – Aufnahmeparameter [Foto: Martin Vieten]
Sony Alpha 550 – Auswahl der Bildqualität [Foto: MediaNord]
Sony Alpha 550 – Wiedergabe [Foto: Martin Vieten]
Wer bislang gewohnt war, am ausgestreckten Arm mit Blick aufs Display zu fotografieren, wird am LiveView der Alpha 550 ohne Frage Gefallen finden; zumal sich das Display hoch- und herunterklappen lässt. So gelingen auch bodennahe oder Überkopf-Aufnahmen ohne lästige Verrenkungen – solange man im Querformat fotografiert. Der optische Sucher ist hingegen recht dunkel und zudem für eine Spiegelreflexkamera erschreckend klein. Insbesondere Brillenträger haben beim Blick durchs Okular den Eindruck, in einen Tunnel zu schauen und können kaum das komplette Sucherbild überblicken.

Ausstattung Individualisten, die ihre Kamera gerne ganz persönlich einstellen, bietet die Alpha 550 ein reiches Betätigungsfeld. Neben den "üblichen" Motivprogrammen und der Vollautomatik hält die Kamera eine Programmautomatik, Zeit- und Blendenautomaten sowie einen manuellen Modus zur Belichtungssteuerung bereit. Die Vorgabe der Belichtungsautomatik lässt sich in drittel Blendenstufen bis zu zwei EV nach oben oder unten korrigieren. Außerdem nimmt die Alpha 550 auf Wunsch Reihen à drei Fotos mit 0,3 oder 0,7 EV Belichtungsunterschied auf. Einstellen lässt sich auch der Grad der Scharfzeichnung, der Sättigung und des Kontrasts. Dabei gibt die Alpha 550 vier verschiedene Grundeinstellungen vor (etwa "Landschaft" oder "Portrait"), die sich alle einzeln konfigurieren lassen. Klasse ist, dass die individuell konfigurierten Parameter beim Ausschalten der Kamera erhalten bleiben und so beim nächsten Einsatz mit einem Druck auf die "Fn"-Taste wieder abgerufen werden können.

Kontrastreiche Lichtbedingungen hilft die Alpha 550 mit zwei Spezial-Funktionen zu meistern. "DRO" ist die eine, schon von früheren Alphas Bekannte; sie hellt unmittelbar nach der Aufnahme die Schattenbereiche im Foto auf. Den Grad der Aufhellung kann man dabei der DRO-Automatik überlassen oder in fünf Stufen (mild bis kräftig) vorgeben. Ganz neu in der Alpha 550 ist hingegen die HDR-Funktion. Sie zeichnet in rascher Folge zwei unterschiedlich belichtete Fotos auf und verrechnet sie zu einem Bild mit perfekt durchgezeichneten Tiefen und Lichtern. Das funktioniert dank der sehr hohen Serienbildgeschwindigkeit auch ohne Stativ meist bestens. Bei der HDR-Funktion kann man ebenfalls ganz auf eine Vollautomatik vertrauen oder für die beiden Einzelbilder einen Belichtungsunterschied von bis zu drei EV vorgeben.

Selbst bei Schummerlicht lässt einen die Alpha 550 nicht im Stich: Bis auf ISO 12.800 lässt sich ihre Empfindlichkeit einstellen. Zusätzlich gibt es eine ISO-Automatik, hier wählt die Kamera die Empfindlichkeit zwischen ISO 200 und recht hohen ISO 1.600, individuelle Grenzwerte lassen sich leider nicht vorgeben. Als Lichtspender hat die Kamera einen kleinen Blitz (Leitzahl 12,5) an Bord, der auf Wunsch auch automatisch aufspringt. Er leuchtet ein Bildfeld ab 18 Millimeter Brennweite (27 mm KB) aus und wird durch das Kit-Objektiv nicht abgeschattet. Falls das Umgebungslicht für die AF-Sensoren nicht reichen sollte, feuert der Blitz zudem eine manchmal nervende Salve als "Autofokus-Hilfslicht" ab. Die Blitzfunktionen sind durchaus üppig: Die Alpha 550 beherrscht die Langzeitsynchronisation, das Blitzen auf den zweiten Vorhang und kann Systemblitzgeräte drahtlos ansteuern. Eine Anschlussmöglichkeit für Studio-Blitzgeräte bietet die Alpha 550 allerdings nicht.

Was die Kamera jedoch nicht bietet, ist die Möglichkeit zur Videoaufzeichnung! Und das, obwohl sie das Sensorsignal für den "MF Check Live View" auslesen kann. Selbst, wenn viele Fotografen mit einer DSLR keine Clips drehen wollen – die Möglichkeit zur Videoaufzeichnung entwickelt sich inzwischen zum Standard auch bei DSLRs. Hier hat Sony noch einigen Nachholbedarf. Immerhin darf sich die Alpha 550 stolz die Goldmedaille für den ersten Platz (klassenbezogen) im Serienbildsprint umhängen: Bis zu 7,5 Aufnahmen schießt sie pro Sekunde. Allerdings erreicht sie diesen rasanten Wert nur mit einem kleinen Trick: Fokus und Belichtung werden zwischen den Einzelbildern nicht nachgeführt, sondern bleiben auf der Stellung für die erste Aufnahme fixiert. Schade auch, dass bereits nach weniger als drei Sekunden "Dauerfeuer" der Pufferspeicher voll ist. Etwa ab dem 17. Bild zeichnet die Kamera dann etwas gemächlicher mit gut vier Bildern pro Sekunde auf (bei Verwendung einer schnellen Speicherkarte mit 30 MBytes/s). Neben dem Hochgeschwindigkeits-Modus gibt es eine herkömmliche Serienbildfunktion, die immerhin noch flotte fünf Aufnahmen pro Sekunde liefert.

Einen Selbstauslöser wahlweise mit zwei oder zehn Sekunden Vorlaufzeit bietet die Alpha 550 ebenfalls, eine Funktion zu Spiegelvorauslösung oder für Intervallaufnahmen hingegen nicht. Wer die Alpha 550 erschütterungsfrei auslösen möchte, kann immerhin eine Kabelfernbedienung anschließen oder sie mit dem optional erhältlichen Infrarot-Controller RMT-DSLR1 fernsteuern. Letzterer dient auch zur Steuerung der Wiedergabe, etwa, wenn man Fotos via HDMI-Kabel auf einem HD-Fernseher anzeigt. Einen analogen Video-Ausgang sucht man dagegen vergebens, Sony hat ihn eingespart. Makro- und Studiofotografen werden zudem schmerzlich eine Abblendtaste vermissen, die Schärfentiefe lässt sich mit der Alpha 550 vorab nicht prüfen.

Objektiv Die Alpha 550 wird zusammen mit dem Objektiv "SAL 1855" angeboten. Der Brennweitenbereich des Zooms reicht von 18 bis 55 Millimeter (umgerechnet auf Kleinbild 27-82 Millimeter), die größte Blende beginnt bei 3,5 in Weitwinkelstellung und endet bei magerer Blende 5,6 im Telebereich. Rund 100 Euro Aufpreis gegenüber dem nackten Gehäuse Sony Alpha 550 [Foto: MediaNord]verlangt der Handel für dieses Set, einzeln ruft Sony das Objektiv für ca. 200 Euro auf. Zunächst vermag das SAL 1855 kaum Vertrauen zu wecken: Plastik, wo man auch hinfasst, selbst das Bajonett ist aus Kunststoff gefertigt. An der Kamera zeigt es sich dann aber überraschend brauchbar, der Autofokus findet hurtig und ohne zu pumpen sein Ziel. Gerade einmal 0,3 bis 0,5 Sekunden vergehen, bis die Alpha 550 mit dem Setobjektiv nach Betätigen des Auslösers scharf gestellt und ausgelöst hat. Vorfokussiert ist die Aufnahme bereits nach 0,1 Sekunden im Kasten – auch das ist ein Spitzenwert! Zu den schnellen Reaktionszeiten trägt sicherlich ein potenter Prozessor bei. Aber auch, dass Sony mit dem SAL 1855 ein neues Konzept für den Fokusantrieb eingeführt hat: Der Stellmotor ist ins Objektiv integriert, die Fokusschnecke wird nicht mehr von der weiterhin vorhandenen Welle im Kameragehäuse angetrieben. Und so schnurrt der Fokus mit nicht einmal einer viertel Umdrehung der Frontlinse von der Nahgrenze bei 25 Zentimeter auf Unendlich. Dass die Frontlinse beim Fokussieren mitdreht, erschwert den Einsatz eines Polfilters sowie der separat zu erwerbenden, tulpenförmigen Streulichtblende. Immerhin ermöglicht die kurze Nahgrenze einen maximalen Abbildungsmaßstab von 1:3,4. Etwas verwirrend ist, dass der Autofokus nicht am Sony Alpha 550 [Foto: MediaNord]Gehäuse, sondern mit einem separaten Schalter am Objektiv ein- beziehungsweise ausgeschaltet wird. Manuell lässt sich das SAL 1855 über einen sehr schmalen Fokusring scharf stellen, der jedoch angenehm gummiert ist. Eine Entfernungsskala hat Sony dem Objektiv nicht spendiert.

Wie alle Sony-DSLRs minimiert auch die Alpha 550 mit einem beweglich gelagerten Sensor die Verwacklungsgefahr. Das "Steady Shot" genannte System gleicht die unvermeidlichen Zitterbewegungen der Fotografenhand aus, indem es blitzschnell den Aufnahmesensor in die entgegen gesetzte Richtung verschiebt. Dieser "Sensor-Shift" soll bis zu viermal höhere Belichtungszeiten zulassen als ohne Bildstabilisator. Vorteil des Systems: "Steady Shot" funktioniert mit allen Objektiven. Anders als bei Systemen mit optischem Bildstabilisator wird jedoch das Sucherbild nicht stabilisiert.

Der Autofokus bezieht seine Informationen aus bis zu neun Messfeldern, die etwa zwei Drittel des Sucherfelds erfassen. Die Kamera überlässt einem dabei die Wahl, ob sie das geeignete Messfeld automatisch ermittelt, man selbst das Messfeld mit der Sony Alpha 550 [Foto: MediaNord]Vier-Wege-Wippe einstellt oder den Autofokus auf das mittlere Feld fixiert. In den Tiefen der Menüs lässt sich zudem vorgeben, ob die Alpha 550 einen einmal gefundenen Fokuspunkt festhält, bis ausgelöst wurde, oder ob sie den Fokus bei sich bewegenden Motiven nachführt. Neu für eine DSLR von Sony sind die Gesichts- und Lächelerkennung der Alpha 550. Sie funktionieren naturgemäß nur bei eingeschaltetem LiveView.

Und auch das an sich clevere, von Sony "Quick AF Live View" genannte Konzept krankt an einem entscheidenden Nachteil: Der spezielle LiveView-Sensor löst gerade einmal hoch genug auf, um genügend Pixel für den Bildschirm zu liefern. Eine elektronische Sucherlupe gab es beim LiveView der Sony Alphas daher bislang nicht. Die Alpha 550 schließt nun hier zum Rest der DSLR-Welt auf: Bei ihr lässt sich auf den neu eingeführten "MF Check Live View" umschalten, der das Sucherbild via Bildsensor erzeugt. In diesem Modus gibt es zwar keinen Autofokus, aber eine elektronische Sucherlupe, die das Sucherbild wahlweise in sieben- oder 14-facher Vergrößerung zeigt. Die ist eher fürs Stativ geeignet, denn der Bildstabilisator funktioniert im LiveView-Modus nicht. Anspruchsvolle Fotografen wird zudem freuen, dass die Alpha 550 beim "MF Check Live View" 100 Prozent des Aufnahmebereichs zeigt. Beim "Quick AF Live View" sind es hingegen nur knapp 90 Prozent.

Sony Alpha 550 [Foto: MediaNord]Bildqualität Wir haben die Bildqualität nicht nur mit dem SAL 1855 sondern auch mit dem Sony 50/2.8 Makro getestet (die ausführlichen Testprotokolle können gegen ein geringes Entgelt abgerufen werden – siehe weiterführende Links). Die optischen Qualitäten des SAL 1855 sind ordentlich, ohne gleich zu Begeisterungsstürmen hinzureißen. Bei der Auflösung kann es nicht ganz das Potential des 14,2-Megapixel-Sensors ausschöpfen, insbesondere zu den Bildrändern hin nimmt die Auflösung ab. Im Telebereich hilft Abblenden auf Blende 8, die Randauflösung zu verbessern. Bei Offenblende kommt es im Weitwinkelbereich zu einer Abdunklung der Bildecken um fast 1,5 Blendenstufen, abgeblendet auf F7,1 ist die Randabdunklung dann aber unerheblich. Nicht so gut hat Sony die Verzeichnung korrigiert, sie fällt mit 2,4 Prozent bei 27 Millimeter Brennweite recht hoch aus. Dafür ist am "langen Ende" keine Verzeichnung mehr messbar. Insbesondere in Weitwinkelstellung mogelt das SAL 1855 zudem kräftige Farbsäume an Kontrastkanten an den Bildrändern ins Foto.

Recht gut meistert die Kombination die Disziplin "Artefakte". Die Wiedergabe feinster Details ist nur wenig verfälscht, veranlasst den Sensor also nicht, "künstliche" Details ins Bild zu rechnen. Überhaupt geht die Alpha 550 sehr schonend mit den Sensordaten um, gerade auch beim Scharfzeichnen. Vertikale Konturen werden sehr sanft nachgeschärft, horizontale etwas stärker und mit sichtbaren Unterschieden in den Farbkanälen. Es kommt aber keinesfalls zu Überschwingern an Kontrastkanten, lästige "Halos" jubelt die Alpha 550 den Aufnahmen also nicht unter.

Etwas ungewöhnliche Werte fördert die Messung der Eingangsdynamik zu Tage: Bei ISO 200 verarbeitet die Alpha 550 einen Kontrastumfang von 8,5 Blendenstufen – das ist OK, mehr aber auch nicht. Spitze ist hingegen, wie wenig die Eingangsdynamik mit zunehmender ISO-Zahl sinkt. Bei ISO 800 beträgt der Dynamikumfang gute 8,4 Blendenstufen, bei ISO 3.200 sind es dann exzellente 8 Lichtwerte. Der hohe Dynamikumfang bei großen ISO-Stufen würde die Alpha 550 also zu Sony Alpha 550 [Foto: MediaNord]einer hervorragenden "Available-Light"-Kamera machen, wenn sie nur auch beim Rauschen ähnlich überzeugen könnte. Um es kurz zu machen: Sie tut es! In Sachen "Rauschen" hat Sony endlich seine Hausaufgaben gemacht: Bis ISO 1.600 entstehen derart wenige Störpixel, dass man diese Empfindlichkeit an der Alpha 550 ohne Bedenken wählen kann. Vor allem auch, weil sich praktisch kein Farbrauschen zeigt, sondern nur feine, wesentlich unauffälligere Störungen der Bildhelligkeit. Schraubt man die ISO-Zahl über die ISO 1.600 hinaus, nimmt das Rauschen sichtbar, aber überraschend wenig zu. Erst ab ISO 6.400 stellt sich dann auch Farbrauschen ein, die Störungen werden zudem großflächiger. ISO 12.800 stellen dann aber nur noch einen Notbehelf dar und liefern in der Regel sehr kontrastarme, weiche und leicht fleckige Bilder.

Die sehr gute Rauschunterdrückung der Alpha 550 sorgt auch dafür, dass bei eingeschalteter DRO-Funktion die dunklen Bildbereiche nicht so schnell "grieselig" werden. Dennoch ist DRO kein Allheilmittel gegen absaufende Tiefen. In den aufgehellten Schattenpartien kommen die Farben oft zu kräftig zur Geltung, insbesondere Rot drängt sich unnatürlich in den Vordergrund. Wesentlich schonender geht die neue HDR-Funktion mit den Farben in den Schattenpartien um. Sie bewahrt zudem noch deutlich mehr Zeichnung in den Lichtern, so dass sich mit zugeschaltetem HDR rein rechnerisch ein Dynamikumfang von über elf Blendenstufen ergibt.

Sony Alpha 550 [Foto: MediaNord]Die Tonwertkurve der Alpha 550 präsentiert einen deutlichen invers-S-förmigen Verlauf. Mitteltöne gibt sie besonders kontrastreich und farbintensiv wieder, Tiefen und Lichter deutlich sanfter. Diese eher knackige Abstimmung zeigt sich auch an den Bildern: Aufnahmen mit der Alpha 550 wirken recht lebhaft und farbenfroh, ihr Hang zum leichten Unterbelichten verstärkt den kräftigen Bildeindruck. Damit richtet sich die Alpha 550 klar an Fotografen, die sofort "fertige" Ergebnisse erzielen möchten, und weniger an Bildbearbeiter. Noch schöner wäre es, wenn die Alpha 550 bei der Messung der Ausgabedynamik nicht gepatzt hätte. Tiefstes Schwarz gibt sie mit einem Tonwert von mindestens 10 statt 0 wieder – das ist deutlich zu hoch. Wer lieber selber Hand an seine Bildergebnisse anlegt, zeichnet besser im RAW-Format auf – auch diese Möglichkeit bietet die Alpha 550.

Fazit Mit ihrer überzeugenden Bildqualität, der sehr hohen Serienbildgeschwindigkeit und dem stets blitzschnellen Reaktionsvermögen spielt die Sony Alpha 550 in der ersten Liga der Systemkameras mit APS-C-Sensor. Insbesondere ihr wirklich gutes Rauschverhalten selbst bei hohen ISO-Empfindlichkeiten macht den jüngsten Spross der Alpha-Familie zu einer Kamera für fast alle Gelegenheiten inklusive "Available-Light”-Fotografie. Mit ihrem formidablen LiveView-Konzept empfiehlt sich die Alpha 550 vor allem Fotografen, die bevorzugt das Display und nicht den mickrigen optischen Sucher zur Motivkontrolle einsetzen. Ambitionierte Fotografen werden die Bildabstimmung vielleicht als zu knackig empfinden, ganz sicher aber das Daumenrad so wie die Möglichkeit zur Spiegelvorauslösung missen. Einsteiger in die DSLR-Fotografie finden sich dank der guten Bedienbarkeit schnell mit der Kamera zurecht. Wer auf Videoaufnahmen verzichten kann, bekommt mit der Alpha 550 eine Fotokamera, die ordentlich ausgestattet ist und hervorragende Bildergebnisse abliefert. Letzteres gilt vor allem bei Verwendung hochwertiger Objektive; das im Set mit der Alpha 550 erhältliche Objektiv SAL 1855 ist zwar brauchbar, schöpft das Potential der Kamera aber nicht aus.


Weiterführende Links


Meldungen die auf diese Meldung verweisen