Praxistest

Nikon D100

2002-08-29 Lange mussten die Nikon-Anhänger nicht warten: Knapp anderthalb bis zwei Monate nachdem die EOS D60 des Konkurrenten Canon im Handel erhältlich ist, liegt nun auch (seit Anfang Juli) die Nikon D100 in den Läden. Die Wartezeit war sicherlich kurz genug, damit niemand in Versuchung gerät, die Marke zu wechseln. Was treue Nikon-Fans – und solche, die es werden wollen – erwartet, haben wir für diesen Erfahrungsbericht einmal ausprobiert.  (Yvan Boeres)

   Nikon D100 mit Objektiv AF Nikkor 50 mm 1,8 D [Foto: MediaNord]
 
Ein ganz anderes "Kaliber" als die Kompakt- und All-in-One-Digitalkameras für den Amateurmarkt sind die digitalen Spiegelreflexkameras mit Wechselobjektivsystem. Ihre enge Verwandtschaft zu den Kleinbild-SLR-Kameras der F-Serie von Nikon kann die Nikon D100 nicht leugnen. Nicht dass sich die D100 keineswegs für Amateure eignen sollte, denn vom Preis her liegt die D100 schon innerhalb der finanziellen Reichweite einiger (wohlgemerkt gutbetuchter) Amateure und die D100 erhebt auch nicht den Anspruch, die professionelle D1-Klasse in den Schatten zu stellen. Doch für attraktive 2.800 EUR (ohne Objektiv selbstverständlich) bekommt man eine Kamera, die von den Möglichkeiten, dem Handling, der Bildqualität – und auch vom Gewichtes her – mehr Gemeinsamkeiten mit analogen SLR-Kameras hat als jede digitale Kompaktkamera. Allein schon der Body, also die "nackte" Kamera ohne Objektv, bringt rund 830 Gramm auf die Waage. Und dann kommt natürlich noch ein Wechselobjektiv hinzu. In dieser Hinsicht ist man bei Nikon gut bedient. Ein riesiger Objektivpark steht dem Kunden zur Auswahl. Rein theoretisch bzw. mechanisch gesehen könnte die D100 alle Nikkor-Objektive mit F-Bajonett aufnehmen. Praktisch wird man aber aufgrund elektronischer Inkompatibilitäten bzw. Einschränkungen "nur" neuere AF-D-Objektive benutzen. Das sind trotzdem noch eine ganze Menge Objektive für jeden erdenklichen Zweck und dann sind immer noch nicht die Nikon-kompatiblen Objektive der Fremdhersteller (u. a. Sigma, Tamron und Tokina) hinzu gerechnet. Je nachdem, für welches Objektiv man sich entschiedet, treibt das die Rechnung und das Gesamtgewicht der Ausrüstung mehr oder weniger schlagartig in die Höhe. Unseren Test haben wir komplett mit einem knapp 2.000 EUR teuren AF-S Nikkor 28-70 mm/F2.8 D durchgeführt. Nur für die meisten Abbildungen in diesem Erfahrungsbericht haben wir dann doch lieber ein 50-Milimeter-Objektiv montiert, damit man auf den Fotos auch etwas von der D100 sieht. Das "S" in der Objektivbezeichnung des Nikkor-Zooms steht für "Silent Wave" und bedeutet, dass die Fokussierung über einen Ultraschall-Motor erfolgt; das "D" steht für "Distance Integration" und bedeutet, dass bei der Belichtungsmessung die Entfernung zum Motiv mit berücksichtigt wird. Mit einem satten Gewicht von rund einem Kilo ist das Test-Objektiv schwerer als die Kamera selbst. Die angegebene Brennweite muss bei der D100 wegen des unterschiedlichen Größenverhältnisses zwischen CCD und Kleinbild-Film mit dem Faktor 1,5 multipliziert werden. Der resultierende Bildwinkel entsprach also bei unserer Testkonfiguration dem eines 42 bis 105 Millimeter-Objektives bei Kleinbildfilm, lieferte also weniger Zoombereich als man von jeder 3-fach-Zoom-Kompaktkamera kennt.

Nikon D100 - Rückseite [Foto: MediaNord]Der engere Bildwinkel ist das Erste, an das sich ein Umsteiger aus der analogen Kleinbildfotografie gewöhnen muss. Ansonsten ist die Umstellung von Kleinbild auf digital bei der D100 wegen des KB-SLR-typischen Handlings keine größere Sache. Wer aber von der Kompakt-Digitalkamera-Klasse auf eine digitale SLR-Kamera wie die D100 aufsteigt, muss sich ziemlich umgewöhnen. Vorbei sind die Zeiten, in denen man schon vor der Aufnahme auf dem LCD-Sucher das Bild sehen konnte. Bei der D100 dient der hintere 1,8"-LCD-Farbbildschirm ausschließlich der Einstellung der Kamerafunktionen und der Wiedergabe der aufgenommenen Bilder. Wegen der SLR-Architektur mit Schwingspiegel und Lamellen-Schlitzverschluss kann man ein Live-Histogramm ebenso vergessen. Umso schlechter man bei einer echten digitalen SLR-Kamera im Voraus die Belichtung und den Weißabgleich beurteilen kann, desto besser kann man die Schärfe beurteilen. An Helligkeit und Detailreichtum ist ein richtiger SLR-Sucher nicht zu überbieten; der Sucher der D100 bietet außerdem eine Sucherbild-Abdeckung von 95 %, eine Dioptrieneinstellung (-2 bis +1 dpt.) und eine Austrittspupille von 20 mm (diese Angabe dürfte besonders Brillenträger interessieren). Ein Blick durch den Sucher bringt fünf AF-Felder zum Vorschein; das jeweils aktive AF-Feld wird schwarz hervorgehoben. Im Gegensatz zu Canon geschieht dies aber nur bei manueller Auswahl des Feldes. Überlässt man der Kameraautomatik die Wahl des AF-Feldes, zeigt die Kamera einem nicht an, auf welchem Punkt nun die Scharfeinstellung erfolgt ist. Sehr praktisch hingegen ist die Möglichkeit, über eine Sonderfunktion einen Gitterrahmen auf der Mattscheibe einzublenden. Das tröstet zum Teil darüber hinweg, dass die Mattscheiben nicht auswechselbar sind. Weiter findet man im Sucher visuelle Indikatoren für den Messkreis des mittenbetonten Bereiches bei der Integralmessung, für die Fokussier-Bestätigung (der altbekannte "grüne Punkt"), für die Belichtungsmessart, die Verschlusszeit, die Blende, das Belichtungsprogramm, für die Abweichungen zur kameraseitig ermittelten Belichtung (über eine Skala), für die Belichtungskorrekturen, den Bildzähler (inkl. einer Anzeige des verbleibenden Pufferspeichers) und für die Blitzbereitschaft. Wie jede SLR-Kamera, die etwas auf sich hält, besitzt die D100 eine Abblendtaste. Ein Druck auf diese Taste schließt die Blende auf den eingestellten Wert und man kann im Sucher die Schärfentiefe beurteilen. Der Umgang mit der Abblendtaste will allerdings gelernt sein, da beim Abblenden der Sucher so abgedunkelt wird, dass es für einen Ungeübten schwer ist, überhaupt noch etwas im Sucher zu erkennen.

Nikon D100 mit Objektiv AF-S Nikkor 28-70 mm 2,8 D mit Blitz Speedlight SB-80DX [Foto: MediaNord]Was wäre eine SLR-Kamera ohne Blitzschuh? Natürlich besitzt die D100 auch einen. Im Gegensatz zu den kleinen Schwestern aus der Coolpix-Serie werden bei der D100 sämtliche Blitzfunktionen unterstützt. Die vier elektrischen Kontakte (ein Mittenkontakt plus drei herstellerspezifische Kontakte) sind also bei der D100 nicht nur da, um "schön auszusehen", sondern haben auch eine Funktion. Neben der Ansteuerung des Blitzes (D-TTL-Blitzsteuerung) sind das u. a. auch die motorische Anpassung des Zoomreflektors an die am Objektiv eingestellte Brennweite und die Zuschaltung des AF-Hilflichtes am Blitzgerät bei schwachen Lichtverhältnissen bzw. geringem Motivkontrast. Das AF-Hilfslicht funktioniert übrigens nur dann, wenn der AF-Betriebsmodus auf Einzelbild (S) gestellt ist. Bei eingestellter Schärfenachführung (C) muss man auf das AF-Hilfslicht verzichten. Der uns zur Verfügung gestellte Blitz SB-80DX hat noch weitere Extras, wie z. B. eine drahtlose Blitzsteuerung, eine Pilotlicht-Funktion, einen Stroboskop-Modus, eine Eigenautomatik (wie bei älteren Blitzgeräten) und eine eingebaute Spezial-Streuscheibe für Brennweiten ab 14 mm. Stülpt man den serienmäßig beiliegenden Diffusor auf den Reflektor, erkennt das der Blitz dank des kleinen Schalters an der Unterseite des Reflektors. Das sind kleine Bonbons, die der professionelle User zu schätzen weiß. Kein Ersatz für einen externen Blitz, aber eine Art "Helfer in der Not" ist der eingebaute Miniaturblitz der D100. Der mit einer von uns gemessenen Leitzahl von 16 bei ISO 200 (was sich mit der Herstellerangabe von LZ 11 bei ISO 100 genau deckt) versehene Blitz springt auf Knopfdruck aus seiner "Lauerstellung" im Prismengehäuse heraus. Sowohl der eingebaute Blitz als auch der externe Blitz lassen sich in der Leistung wahlweise drosseln oder steigern, können auf manuelle Blitzsteuerung umgeschaltet werden und synchronisieren auch mit langen Verschlusszeiten. Mit dem SB-50DX können sogar interner Blitz und externer Blitz gleichzeitig benutzt werden. Das ist beim SB-80DX wegen seiner konventionellen Bauweise nicht möglich. Wer eine Studioblitzanlage oder ältere Blitzgeräte an die D100 anschließen will, findet leider keine PC-Synchronbuchse. Diese kann aber in Form eines 10 Euro-Adapters (gibt es von Hama, Kaiser und anderen Zubehörherstellern) nachgerüstet werden, indem man einen solchen Adapter auf den Blitzschuh steckt. Profis sind von solchen Basteleien allerdings meist nicht begeistert. Der interne als auch der externe Blitz (vorausgesetzt man benutzt einen Nikon-TTL-kompatiblen Blitz) arbeiten mit Nikons D-TTL-Blitzsteuerung, die auf eine separate, in fünf Messfeldern eingeteilte, Messzelle für die Blitzmessung zurückgreift und die Entfernung zum Motiv (sog. 3D-Messung) bei der Berechnung der korrekten Belichtung mit berücksichtigt. Letzteres setzt allerdings ein Objektiv der D- oder G-Serie voraus, denn nur die sind in der Lage, diese Information an die Kamera weiterzuleiten. Diese Konfiguration liefert Blitzbilder mit einer guten Abstimmung zwischen Blitzlicht und Dauerlicht, aber mit einer Unterbelichtung des Hauptmotivs. Nikon D100 mit Objektiv AF Nikkor 50 mm 1,8 D - oben [Foto: MediaNord]Die Neigung der D100, die Bilder knapp zu belichten, fällt bei Blitzbildern noch stärker als bei Tageslichtfotos auf. Vielleicht behebt ein zukünftiges Firmware-Update dieses Problem; in der Zwischenzeit kann man sich über die Blitzbelichtungskorrektur (an der Kamera oder am Blitzgerät) helfen.

Die Nikon D100 verhält und bedient sich wie eine analoge Kleinbild-Kamera. Eingeschaltet wird die D100 über den Drehkranz rund um den Auslöser. Der Auslöser ist übrigens mit einem Gewinde für den Anschluss eines mechanischen Kabelfernauslösers versehen. Eine günstigere und einfachere Methode die Kamera fern auszulösen, gibt es kaum. In unmittelbarer Nähe des Auslösers findet man eine Taste für die Blitzfunktionen und eine Taste zur Eingabe von Belichtungskorrekturen. Das Programm-Wählrad auf der anderen Seite des Gehäuses ist in zwei Teile eingeteilt. Die eine Hälfte fasst die Belichtungsmodi (P, S, A, M) zusammen. Die andere Hälfte besitzt Positionen für folgende Einstellungen, die mit dem Daumen über das Drehrad ausgewählt werden:

  • • Empfindlichkeit (ISO 200 bis 1.600 in Drittel-EV und unkalibrierte ISO 3.200 und ISO 6.400),
  • • Weißabgleich (automatisch + 6 Voreinstellungen + manueller Weißabgleich + Weißabgleichs-Belichtungsreihen),
  • • Bildqualität (3 Auflösungsstufen und 5 Kompressionsstufen bzw. Dateiformate),
  • • AF-Messmodus (manuelle oder automatische Steuerung der Messfelder).

Unterhalb des Programm-Wählrades findet man einen Schiebeschalter zum Einstellen des Bildfrequenz (Einzelbild, Serienbild, Selbstauslöser). Während dieser Schiebeschalter durch eine Entriegelungstaste gegen versehentliches Verstellen geschützt wird, ist es das Programm-Wählrad nicht. Nikon D100 mit Objektiv AF Nikkor 50 mm 1,8 D - linke Kameraseite [Foto: MediaNord]Das ist umso bedauerlicher, da die einzelnen Positionen des Programm-Wählrades nicht deutlich genug einrasten. So kommt es nicht selten vor, dass man annimmt, beispielsweise in der Programmautomatik zu knipsen, während man sich tatsächlich in der Blendenautomatik oder einem anderen Belichtungsmodus befindet. Glücklicherweise wird einem im Sucher angezeigt, in welchem Belichtungsprogramm man sich befindet; ein prüfender Blick auf diese Anzeige sei also bei der D100 wärmstens empfohlen. Unterhalb der Entriegelungstaste für das Objektiv an der Kameravorderseite findet man einen Schalter zum Einstellen des AF-Betriebsmodus (Einzelbild, Schärfenachführung, manuelle Fokussierung). An der Kamerarückseite gibt es zur weiteren Bedienung Knöpfe und Einstellräder für die Belichtungsmessart (mittenbetonte Integralmessung, Matrixmessung, Spotmessung), den Belichtungsmesswertspeicher, die Belichtungsreihen-Funktion, die Blitzbelichtungskorrektur-Funktion und für die Bedienung des LCD-Bildschirmes bzw. des Kameramenüs. Typisch für Nikon sind die Tastenkombinationen. So kann man z. B. durch gleichzeitiges und langes (mehr als 2 Sekunden) Drücken der Blitzbelichtungskorrektur-Taste und der Taste für die Beleuchtung der oberen LCD-Anzeige ohne Umweg über das Kameramenü die Speicherkarte formatieren. Hält man die Taste für die Belichtungsreihen-Funktion und die Taste für die Blitzfunktionen länger als zwei Sekunden gleichzeitig gedrückt, stellt sich die Kamera wieder auf alle Werkseinstellungen zurück.

Zwei Einstellräder, eines an der Vorderseite des Handgriffes unterhalb des Auslösers und eines an der Rückseite der Kamera in Daumen-Position, dienen zum Auswählen der Unterfunktionen bzw. zum Einstellen der Belichtungsparameter. Nikon D100 mit Objektiv AF Nikkor 50 mm 1,8 D [Foto: MediaNord]Je nach eingestelltem Belichtungsmodus genügt ein Dreh an einem der beiden Räder (der manuelle Belichtungsmodus benötigt beide separat), um die Verschlusszeit und/oder die Blende zu variieren. Zur Verfügung stehen Verschlusszeiten von 1/4.000 bis 30 Sekunden (inkl. Bulb-Stellung) sowie verschiedenste Blenden, die vom montierten Objektiv abhängen – jeweils in drittel oder halben Blendenstufen. Im Gegensatz zu Kompakt-Digitalkameras, die mit einem Zentralverschluss versehen sind, besitzt die D100 (wie so ziemlich jede SLR-Kamera) einen Schlitzverschluss. Demnach gibt es bei der D100 eine Blitzsynchronzeit  von 1/180 Sekunde, die zwar länger (z. B. 1/60 s), aber nicht kürzer (z. B. 1/200 s) ausfallen darf. Leider unterstützt die D100 nicht die Highspeed- bzw. FP-Blitzsynchronisations-Funktion einiger Blitzgeräte. Wer die D100 auf einem der automatischen oder semi-automatischen Belichtungsmodi belässt, darf in den meisten Fällen mit tadellos belichteten Bildern rechnen. Die 3D-Matrixzelle mit 10 einzelnen Messfeldern lässt sich kaum beirren. Allerdings belichtet die D100 etwas knapp (eine halbe bis eine ganze Blendenstufe). Das ist vermutlich so gewollt, da Digitalkameras wegen ihres geringen Belichtungsspielraums bzw. Kontrastumfangs (vergleichbar mit dem eines Dia-Filmes) dazu neigen, die Lichter zu überstrahlen. Durch die bewusste Unterbelichtung geht man sicher, dass noch Details in den Lichtern zu erkennen sind; die restlichen Bildteile lassen sich bei Bedarf später immer noch über ein Bildverarbeitungsprogramm aufhellen. Ansonsten ist auch nichts an den Bildern auszusetzen. Die Nikon D100 ist die Einzige von den neuen 3.000 EUR-SLR-Kameras, die einen konventionellen CCD-Bildwandler besitzt. Canon setzt bei der EOS D60 auf CMOS-Technik, Fujifilm bei der FinePix S2 Pro auf das hauseigene SuperCCD-Rezept und Sigma bei der SD-9 auf den – fast schon mythischen – Foveon-X9-Sensor. Nichtsdestotrotz liefert der CCD der D100 erstklassige Bilder. Sowohl von der Belichtung als auch vom Rauschen, Auflösungsvermögen, Blooming und von der Farbtreue her. Die direkten Konkurrenten von Canon und Fujifilm (und vermutlich auch Sigma) sind noch ein Quäntchen besser; allerdings bewegt sich das im kaum noch wahrnehmbaren Bereich. Die Bildqualität der D100 übertrifft jedenfalls die aller Consumer-Digitalkameras (die heute auch schon sehr gut sind) und die 6,31 Megapixel brauchen sich wirklich nicht hinter anderen Kameras zu verstecken. Die ausgezeichnete Bildqualität realisiert die Kamera sogar bei hohen Empfindlichkeiten. In diesem Zusammenhang ist besonders interessant, dass die niedrigste Empfindlichkeit der D100 nicht wie üblich mit ISO 100, sondern mit ISO 200 startet. Bis ISO 800 hält sich das Bildrauschen – dank exzellenter Rauschunterdrückungsalgorithmen – sehr in Grenzen. Ab ISO 1.600 wird es etwas mehr und nicht umsonst hat Nikon die Stufen von ISO 3.200 und ISO 6.400 als "unkalibriert" eingestuft. Gegen einen anderen "lästigen Gesellen", nämlich den Staub auf dem CCD-Sensor, hilft nur ein regelmäßiger Putz des CCDs. Nikon D100 mit Objektiv AF Nikkor 50 mm 1,8 D - unten [Foto: MediaNord]Bei entsprechend eingeschalteter Funktion und angeschlossenem Netzteil klappt die D100 den Spiegel hoch und man bekommt Zugang zum CCD bzw. dessen voran gesetzten Tiefpass-Filter. Mit einem Blasebalg bzw. Staubpinsel kann man dann dem Staub den Garaus machen.

Die Bilder, die die D100 liefert, mögen eventuell nicht jedem gefallen. Neben der bereits erwähnten Tatsache, dass die D100 etwas knapp belichtet, mag die Bildschärfe manchem zu "weich" vorkommen. Das ist typisch für eine Kamera mit professionellen Ansprüchen, deren Entwickler davon ausgehen, dass die Bilder später sowieso noch nachbearbeitet werden. Wer dennoch seine D100 "scharf machen" möchte, findet im Kameramenü eine entsprechende Funktion zur Einstellung der kamerainternen Scharfzeichnung. Sonstige Feineinstellungen bzw. Möglichkeiten, das Bildresultat dem eigenen Geschmack anzupassen, gibt es für den Bildkontrast, die Farbsättigung, die Belichtung (über Belichtungskorrekturen, automatische Belichtungsreihen usw.), den Weißabgleich und den Farbraum. Letzteres ermöglicht dem D100-Besitzer, sich für den sRGB-I-, AdobeRGB- oder SRGB-II-Farbraum zu entscheiden. Während sRGB-I auf Betonung der Hauttöne und sRGB-II auf Betonung der Blau- und Grüntöne (für Landschaftsbilder) ausgelegt sind, ist der AdobeRGB-Farbraum immer dann erste Wahl, wenn die Bilder unbearbeitet den Weg zu einer Druckerei bzw. einem Prepress-Betrieb antreten. Wer sich nicht auf eine typische Kameraeinstellung festlegen kann, hat die Möglichkeit, die oben genannten Bildparameter in zwei verschiedenen Speichern für Benutzereinstellungen festzuhalten. Und wer lieber "jungfräuliche" Bilder aufnehmen möchte, die anschließend den "Feinschliff" auf dem PC bekommen, nimmt die Bilder am besten im RAW/NEF-Format auf.

Egal, ob und wie man die D100 parametriert: Ist die D100 so eingestellt, dass man Bilder nach seinem Geschmack bekommt, hat man nur die halbe Arbeit geleistet. Viel wichtiger ist es, den richtigen Augenblick mit der Kamera einzufangen. Und da hilft einem eine schnelle Kamera schon sehr. Eine Vorraussetzung für gute Schnappschüsse ist eine kurze Einschalt- bzw. Bereitschaftszeit. Die D100 ist innerhalb von ca. 1,6 Sekunden betriebsbereit; der Wert kann, je nach verwendeter Speicherkarte, unterschiedlich lang/kurz ausfallen. Auch die Auslöseverzögerung fällt angenehm kurz aus: Sie beträgt gerade mal 0,1 Sekunden. Rechnet man die Fokussierzeit von durchschnittlich 0,5 Sekunden dazu, kommt man auf eine gesamte Verzögerung von 0,6 Sekunden. Nikon D100 mit Objektiv AF Nikkor 50 mm 1,8 D - rechte Kameraseite [Foto: MediaNord]Wie man sieht, ist der Autofokus extrem schnell – und das, obwohl unsere Testaufnahmen in Innenräumen gemacht wurden. Das hat man zwei Tatsachen zu verdanken: zum einen der Empfindlichkeit des MultiCAM-900-AF-Sensors, der bereits bei -1 IL anspricht. Dieser AF-Sensor ist vom MultiCAM-1300-Sensor der F5 bzw. seines digitalen Widersachers D1 abgeleitet und verrichtet bereits in der analogen F80 und F65 gute Dienste. Zum anderen ist die AF-Geschwindigkeit auch auf die Silent Wave-Technik unseres Test-Objektives zurückzuführen. Nicht alle Nikon-Objektive sind mit solchen Ultraschall-Fokussiermotoren ausgestattet, die Verwendung eines AF-Nikkors mit konventionellem Fokussierantrieb dürfte der AF-Geschwindigkeit also leicht abträglich sein. Im Gegensatz zur direkten Konkurrentin von Canon, der EOS D60, kann die D100 auch auf exzentrierte Motive scharf stellen, wenn man Bilder im Hochformat aufnimmt. Denn zu dem mittleren, dem rechten und dem linken AF-Feld gesellen sich noch ein oberes und unteres AF-Feld. Die Wahl des AF-Feldes erfolgt – wie schon am Anfang dieses Berichtes erwähnt – sowohl automatisch als auch manuell. Automatisch scharf gestellt wird entweder jedes Mal in dem Moment, in dem der Auslöser halb nieder oder kontinuierlich gedrückt wird . Sollten das Licht bzw. die Motivkontraste so schwach werden, dass selbst die exzellente Empfindlichkeit des MultiCAM-900-Sensors nicht mehr ausreicht, leuchtet an der D100 das weiß-grelle AF-Hilfslicht auf, das auch den Zweck einer Roten-Augen-Korrekturlampe erfüllt. Bei aufgesetztem Zusatzblitz bedient sich die D100 des wesentlich diskreteren, roten AF-Hilfslichtes des Blitzgerätes.

Die D100 ist nicht nur in der Lage, einen Schnappschuss als Einzelbild festzuhalten, sondern auch ganze Bildserien. Der großzügig dimensionierte Pufferspeicher und dessen ausgeklügelte Verwaltung sorgen dafür, dass der Auslöser unmittelbar nach der Aufnahme wieder frei ist – egal ob man sich im Einzelbild- oder Serienbildmodus befindet. Im Serienbildmodus vermag die D100, Nikon zufolge, bis zu drei Bilder pro Sekunde aufnehmen. Dies ist aber ein Wert, den man nur unter Idealbedingungen erreicht. Wir brachten es aber immerhin ohne weiteres fertig, die D100 mit 2,7 Bilder pro Sekunde "rattern" zu lassen. Eine maximale Anzahl der Bilder in Folge im Serienbildmodus gibt es theoretisch nicht. Sobald wieder genügend Platz im Pufferspeicher für ein weiteres Bild vorhanden ist, gibt die D100 den Auslöser wieder frei. Sehr gut durchdacht ist die Anzeige des verbleibenden Pufferspeichers im Sucher und auf der LCD-Anzeige. Sobald man den Auslöser antippt, erhält man eine Schätzung für wie viele Bilder mindestens Platz im Pufferspeicher ist. Dabei geht die Kamera immer von der kleinstmöglichen Bildanzahl aus; böse Überraschungen gibt es also keine. Bei höchster Auflösung und im JPEG-Format blockierte bei uns der Auslöser nach fünf bis sieben Bildern in Folge. Bis die Kamera wegen erschöpfter Batterien den Dienst verweigert, dauert es dagegen schon wesentlich länger. Da bei digitalen Spiegelreflexkameras der größte Stromverbraucher, nämlich der LCD-Farbbildschirm, im Aufnahmemodus nicht in Betrieb ist und die Brennweitenverstellung nicht elektrisch, sondern manuell über einen Drehring erfolgt, begnügen sich die digitalen SLRs mit verhältnismäßig wenig Energie. Und davon hat der Lithiumionen-Akku der D100 sogar eine ganze Menge zu bieten. Der in Form und Größe sehr stark an Canon BP- und Panasonic/Leica-Akkus erinnernde Akku EN-EL3 hat eine Spannung von 7,4 V bei 1.400 mAh. Das ergibt satte 10,4 Wh oder – in Bildern ausgedrückt – mindestens 600 Bilder. Bei schonendem Umgang mit dem LCD-Farbbildschirm und dem eingebauten Blitz dürfte man ohne weiteres auf mindestens 800 Bilder kommen. Danach bedarf es nur zirka zwei Stunden am mitgelieferten MH-18-Schnellladegerät, um den Akku wieder voll aufzuladen. Gleich die doppelte Anzahl an Bildern erzielt man, wenn man sich den optionalen Batteriegriff MB-D100 zulegt. Dieser sorgt nicht nur dafür, dass die D100 noch besser in der Hand liegt und professioneller aussieht, sondern nimmt gleich zwei EN-EL3-Akkus oder alternativ sechs Mignon-Akkus auf. Nikon D100 mit Objektiv AF-S Nikkor 28-70 mm 2,8 D [Foto: MediaNord]Zudem hat der Zusatzgriff alles, um die Kamera komfortabel im Hochformat bedienen zu können: einen Hochformat-Auslöser, eine AF-Speichertaste sowie zwei zusätzliche Einstellräder. Ein Mikrofon und ein Lautsprecher am MB-D100 erweitert die D100 um die Möglichkeit, Sprachnotizen aufzunehmen und ein 10-poliger Spezielanschluss ermöglicht den Anschluss eines Fernauslösers oder anderer externe Steuergeräte – dies alles wie gesagt nicht an der Kamera selbst, sondern am optionalen, rund 400 EUR teuren, Batteriegriff MB-D100. Die Kamera selbst bietet an Schnittstellen lediglich einen umschaltbaren PAL/NTSC-Videoausgang, einen Netzteil-Anschluss und eine USB-Schnittstelle. Wie schon bei der Canon EOS D60 müssen wir auch hier die Wahl von Nikon für eine simple USB-Schnittstelle kritisieren. Auch wenn die meisten D100-Besitzer sowieso auf ein externes Kartenlaufwerk zurückgreifen werden, sollte die D100 auch ohne Zubehör in der Lage sein, die 6-Megapixel-Dateien, die immerhin zwischen 2,4 und 17 MByte (JPEG-Fine; TIFF) "wiegen", einigermaßen schnell auf die Festplatte zu schaufeln. Da dauert das Übertragen von z. B. 30 Bildern im RAW/NEF-Format (mit durchschnittlich 9,3 MByte pro Bild im Mittelfeld zwischen TIFF und JPEG) über die USB-Schnittstelle bereits über drei Minuten. Für einen "rasenden Reporter" vielleicht nicht schnell genug. Zumindest USB 2.0 Hi Speed oder Firewire (wie bei der Fujifilm FinePix S2 Pro) sollte es bei einer 3.000 EUR-Kamera wie der D100 schon sein. Davon abgesehen, gibt es an der D100 sonst aber kaum noch etwas was zu kritisieren.

Fazit: Sowohl die knappe Belichtung als auch die relativ langsame USB 1.1-Schnittstelle und andere, in diesem Erfahrungsbericht hervorgehobenen, Kritikpunkte lassen sich auch mit ein bisschen Grips, Geduld und/oder Zubehöraufwand verschmerzen. Die Nikon D100 ist also ohne Einschränkung eine Empfehlung wert. Das gilt besonders für diejenigen, die bereits hochwertige Nikon-Objektive neuerer Bauart besitzen und diese – unter Berücksichtigung des Brennweitenverlängerungsfaktors – weiter benutzen möchten. Wer schnell bewegte Motive fotografiert, wird sich ebenfalls zur D100 hingezogen fühlen; auch wenn der Abstand zwischen Kompakt-Digitalkameras und digitalen Spiegelreflexkameras mit der letzten All-in-One-Generation bei den Kompaktkameras (Minolta Dimage 7i, Fujifilm FinePix S602 Zoom) in puncto AF-Geschwindigkeit und Auslöseverzögerung nicht mehr so eklatant groß ist. Mit netten Extras wie dem Gewinde für einen mechanischen Fernauslöser, dem mitgelieferten, aufsteckbaren Display-Schutz oder dem im Sucher einblendbaren Gitternetz zeigt sich die D100 absolut praxistauglich und ist eine der vielseitigsten und interessantesten digitalen Spiegelreflexkameras auf dem Markt.


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