D1 "light"

Nikon D100: die D1 des kleinen Mannes

2002-03-15 Wer schon immer davon geträumt hat, seine vorhandene Nikon-Ausrüstung – und insbesondere die Objektive – auch im digitalen Zeitalter weiter zu verwenden, sich aber keine D1, D1X oder D1H leisten konnte, der wird jetzt mit der D100 bedient. Diese symbolisiert nämlich den verhältnismäßig preisgünstigen Einstieg in der Königsklasse der Digitalkameras. Und das mit einer Auflösung von 6 Megapixeln.  (Yvan Boeres)

   Nikon D100 [Foto: Nikon]
 
Dank Nikon F-kompatiblem Bajonett kann die Nikon D100 auf eine beachtliche Anzahl an Objektiven aus der Nikon-Serie zurückgreifen. Je nachdem, ob man über moderne AF-Nikkore (Typ D oder G), D-Nikkore mit manueller Scharfeinstellung, andere AF-Nikkore oder über Nikkore ohne CPU verfügt, ergibt sich eine mehr oder weniger eingeschränkte Unterstützung dieser Objektive. Doch immerhin bis zu 40 verschiedene Objektive (ohne Fremdhersteller gerechnet) finden laut Nikon Anschluss an der D100. Ähnliches gilt für die Systemblitzgeräte, wobei die größte Kompatibilität mit D-TTL-gesteuerten Nikon-Blitzgeräten wie z. B. dem zeitgleich zur D100 vorgestellte SB-80DX (Leitzahl 56 bei ISO 100 und 105 mm-Brennweite) gewährleistet ist. Für die Verwendung der Objektive gilt ein 1,5-facher Brennweitenverlängerungsfaktor, da der mit 6,1 Millionen Pixeln bestückte CCD-Sensor der D100 mit seinen 23,7 x 15,6 Millimetern etwas kleiner geraten ist als ein Kleinbildfilm. Geliefert werden Bilder in einer Auflösung von maximal 3.008 x 2.008 Pixeln; wahlweise im unkomprimierten TIFF-Format, im platzsparenden JPEG-Format oder im unbearbeiteten Rohdatenformat (NEF-RAW). Untergebracht werden die Bilder auf CompactFlash-Wechselspeicherkarten des Typs I und II, wobei Microdrives ebenfalls genutzt werden können.

Bei der Belichtung und Scharfeinstellung greift Nikon auf eine bewährte Technologie aus eigenem Haus zurück. Den D100-Spezifikationen nach dürfte es sich beim Autofokus-Sensor um ein Multi-CAM 900-AF-Modul handeln, das direkt vom Multi-CAM 1300-Modul der Nikon F-100 und Nikon F-5 abgeleitet ist und in der F-80 seinen Dienst tut. Besondere Kennzeichen dieses Moduls sind die fünf einzeln anwählbaren, kreuzförmig angelegten Fokussierfelder und die von -1 EV bis 19 EV reichende Empfindlichkeit des AF-Sensors. Bei der AF-Betriebsart hat man die Wahl zwischen Einzel-Autofokus und kontinuierlichem Autofokus mit dynamischer Schärfenachführung bei bewegten Motiven; eine manuelle Scharfstellung ist selbstverständlich ebenfalls möglich. Die Belichtungsmessung erfolgt ihrerseits über die Nikon-typische 3D-Matrixmesszelle, die in zehn Felder unterteilt ist und sowohl die Helligkeit und den Kontrast des Motivs als auch die Entfernung und die Stelle, an der sich das Motiv im Bild befindet, berücksichtigt. Dabei wird die Entfernung zum Hauptmotiv vom Objektiv übertragen (sofern dieses ein AF-D-Typ ist); die Position des Hauptmotivs im Bild bestimmt das aktive Autofokus-Messfeld. Die Belichtungsmesszelle für das Blitzlicht ist in fünf Felder unterteilt und berücksichtigt ebenfalls die Entfernung zum Hauptmotiv. Um die Belichtung so präzise wie möglich zu halten, gleicht die Kameraelektronik die Messdaten der Blitzmesszelle mit denen der Dauerlicht-Messzelle ab.

"Quereinsteigern" aus dem Kleinbild-Bereich dürften Merkmale wie die Belichtungsreihenfunktion, die am Auslöser angebrachte Kupplung für einen mechanischen Drahtauslöser, die Belichtungsmesswert-Speichertaste, der mechanische Verschluss (1/4.000 bis 30 s; Blitzsynchronzeit 1/180 s), der Spiegelreflexsucher mit Dioptrieneinstellung und der eingebaute Miniaturblitz (LZ 11) vertraut sein. Letzterer ist besonders nützlich zum Aufhellen oder wenn man einen externen Blitz gerade mal nicht zur Hand hat. Auswechselbare Sucherscheiben bietet die D100 nicht, ein Gitternetz kann aber auf dem LCD-Farbbildschirm oder im Sucher eingeblendet werden. Nicht zu vergessen der Blitzschuh (mit TTL-Übertragung) sowie die Belichtungsprogramme (P/S/A/M).

Zu den Digitalkamera-spezifischen Funktionen der D100: Der zuvor erwähnte LCD-Farbbildschirm hat eine Bilddiagonale von 1,8 Zoll, löst mit 118.000 Bildpunkten auf und kann neben den Bildern selbst auch nützliche Informationen wie ein Histogramm oder die Verteilung der Lichter anzeigen. Beim Weißabgleich kann man sich entweder auf die Automatik verlassen, auf eine der sechs Voreinstellungen zurückgreifen (die sich noch fein einstellen lassen) oder den Weißabgleich per Messwert-Speicherung vornehmen. Äußerst interessant und bislang auch einzigartig ist die Möglichkeit, drei verschiedene Farbraumeinstellungen aufzurufen. Bei der Empfindlichkeitseinstellung bieten sich dem Benutzer Empfindlichkeiten von ISO 200 bis 1.600 an. Schnittstellenmäßig ist die D100 mit einer USB 1.1-Schnittstelle und einem umschaltbaren PAL/NTSC-Videoausgang ausgerüstet.

Strom bekommt die D100 aus einem 7,2 Volt starken EN-EL3-Lithiumionenakku; im stationären Betrieb kann man den Strom per EH-5-Netzadapter auch aus der Steckdose besorgen. Ansonsten kann man sich auch das optional erhältliche Batteriepack MB-D100 zulegen, das wahlweise zwei Lithiumionenakkus oder sechs AA/Mignon-Zellen aufnimmt. Der MB-D100 macht zusätzlich noch bequeme Hochformat-Aufnahmen möglich (dank entsprechendem Auslöser und Einstellrad), erschließt der D100 Sprachnotizen und besitzt einen 10-poligen Anschluss für Spezialzubehör (wie z. B. einem elektrischen Multifunktions-Fernauslöser). Hiermit wären nur die wichtigsten Funktionen der D100 erläutert; die Kamera kann noch einiges mehr, worauf wir später ggf. in einem Erfahrungsbericht zurückkommen. Nähere Einzelheiten gibt es im entsprechenden digitalkamera.de-Datenblatt zur D100. Ungewissheit herrscht noch über den Preis der D100, doch es ist anzunehmen, dass sich dieser in der von der direkten Konkurrenz (Fujifilm FinePix S2 Pro, Canon EOS D60, Sigma DS9) angepeilten Preisregion von ungefähr 3.000 EUR bewegen wird. Gleiches gilt für den genauen Termin der Markteinführung; das derzeitige Statement von Nikon "Sommer 2002" ist noch etwas verschwommen.

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