Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.

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Artikel mit Tipp-Charakter

Hier stellen wir für unsere Leser einige Hintergrund-Artikel mit Tipp-Charakter zusammen.

Zusammenfassung

Mit Hilfe der Hyperfokaldistanz lässt sich die Schärfentiefe einer Kamera vom Nahbereich bis ins Unendliche ausdehnen. Die Hyperfokaldistanz hängt von Brennweite, Zerstreuungskreis und Blende ab; je kleiner Brennweite und Blende sind, desto geringer ist die Hyperfokaldistanz. Sinnvoll ist die Anwendung, wenn der Autofokus zu langsam ist oder versagt und wo eine große Schärfentiefe gewünscht ist, z. B. bei wenig Licht, in der Sport- oder Landschaftsfotografie. Im Internet gibt es Hyperfokaldistanz- bzw. Schärfentieferechner und Tabellen.

Rubriken: Aufnahmeeinstellungen, Grundlagenwissen

Hyperfokaldistanz erklärt und angewendet

2004-04-07 Bei schummrigem Licht oder Sportfotografie ist der Autofokus kompakter Digitalkameras zu langsam für Schnappschüsse. Landschaftsfotografen möchten Vorder- und Hintergrund scharf abbilden. Für beide Fälle gibt es eine Lösung: Die Kamera wird bei bestimmter Brennweite und Blende auf die Hyperfokaldistanz eingestellt und alles, von der halben Fokusdistanz bis unendlich, ist scharf.  (Benjamin Kirchheim)

  

Beispielaufnahme mit Hyperfokaldistanz [Foto: MediaNord]


Dank eingestellter Hyperfokal-
distanz sind sowohl die Pflanzen
im Vordergrund als auch der weit
entfernte Fernsehturm scharf
abgebildet.
  

Jede Kamera hat bei einer bestimmten Blende, Brennweite und Fokusdistanz eine mehr oder weniger große Schärfentiefe (siehe Fototipps in den weiterführenden Links). Für jede Blenden-Brennweiten-Kombination gibt es jedoch eine Fokusentfernung, die die Schärfentiefe optimal ausnutzt. Dann liegt die vordere Schärfegrenze bei der halben Fokusdistanz und die hintere bei unendlich. Diese Fokusdistanz heißt Hyperfokaldistanz und ist von Zerstreuungskreis, Blende und Brennweite abhängig. Der Zerstreuungskreis hängt von der Pixelgröße auf dem Sensor, also von der Größe des Bildsensors und seiner Auflösung ab. Er definiert, wann ein Punkt noch als scharf wahrgenommen wird. Der Zerstreuungskreisdurchmesser beträgt bei einem 35 mm Kleinbildfilm etwa 0,03 mm, ist aber bei kompakten Digitalkameras modellabhängig wesentlich kleiner, z. B. 0,008 mm für die Minolta Dimage A1 (2/3"-Sensor mit 5 Megapixeln) und 0,005 mm für die Canon Powershot A70 (1/2,7"-Sensor mit 3,2 Megapixeln). Fixfokuskameras arbeiten sogar grundsätzlich nach dem Prinzip der Hyperfokaldistanz.

Je größer die reale Brennweite, desto größer ist die Hyperfokaldistanz – im Telebereich ist sie also sehr groß. Ebenso verringert eine möglichst weit geschlossene Blende die Hyperfokaldistanz, weshalb bei dieser Technik je nach Kamera mit Werten von F4, F8 oder höher gearbeitet werden sollte. Die kurze reale Brennweite kompakter Digitalkameras kommt der Anwendung der Hyperfokaldistanz sehr entgegen. Der kleine Zerstreuungskreis ist dagegen zwar unvorteilhaft, jedoch überwiegt der Brennweitenvorteil. Die Hyperfokaldistanz bei 28 mm Brennweite und Blende F8 beträgt bei einer Kleinbildkamera 3,29 m, während sie bei der Minolta Dimage A1 (7,2 mm reale Brennweite) nur 0,82 m beträgt. Die Minolta bildet somit bei den genannten Einstellungen alles von 0,41 m bis unendlich scharf ab.

Im Internet existieren viele Seiten, die sich mit dem Thema beschäftigen (siehe weiterführende Links). Dort gibt es Listen mit Zerstreuungskreisen für Digitalkameras und auch Rechner für die Schärfentiefe und Hyperfokaldistanz. Es ist sinnvoll, sich für die eigene Digitalkamera eine Tabelle mit den Hyperfokaldistanzen auszudrucken oder gleich eine Drehscheibe zu basteln, auf der man Brennweite und Blende einstellt und so die Schärfentiefe und Hyperfokaldistanz ablesen kann. Einige Objektive für Spiegelreflexkameras haben sogar Schärfentiefe-Markierungen. Für die Berechnung der Hyperfokaldistanz wird die reale Brennweite der Kamera verwendet, die bei Digitalkameras bei gleichem Bildausschnitt kleiner ist als bei 35 mm Kameras (z. B. 5,8 mm der Minolta Z1 entspricht 38 mm an einer Kleinbildkamera). Sollte die verwendete Digitalkamera nicht auf der Internetseite aufgeführt sein, muss man eine vergleichbare Kamera finden, die bei gleicher Auflösung einen gleich großen Sensor verwendet.

Zur Anwendung dieser Technik muss die Digitalkamera die Möglichkeit der manuellen Blendenvorgabe und einen manuellen Fokus – möglichst mit Entfernungsangabe – besitzen. Einige Kameras bieten Benutzerspeicher, in denen man eingestellte Werte ablegen kann – sehr nützlich für die schnelle Anwendung der Hyperfokaldistanz. Kann die Distanz nicht exakt eingestellt werden, sollte der nächst größere Wert für den Fokus gewählt werden. Die vordere Schärfegrenze ist dann zwar weiter weg (halbe Fokusdistanz), dafür bleibt aber die hintere bei unendlich. Stellt man die Distanz dagegen zu kurz ein, werden weit entfernte Objekte nicht mehr scharf abgebildet. Eine auf Hyperfokaldistanz eingestellte Digitalkamera wird auf Feiern bei wenig Licht oder bei Sportereignissen zur Schnappschusskamera, bei der kein langsamer Autofokus stört. Sinnvoll sind bei Innenaufnahmen Hyperfokaldistanzen von 1 bis 1,5 m, dann werden sowohl nahe Personen als auch entferntere Motivteile gestochen scharf abgebildet. Bei Sportfotografie oder Landschaftsaufnahmen kann je nach Anwendung auch eine größere Hyperfokaldistanz sinnvoll sein.


Weiterführende Links


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