Rubrik: Grundlagenwissen

Megapixel – Wie viel braucht man wirklich? Teil 1

2008-03-24 Meist steht sie schon fett gedruckt auf den Kameras zu lesen. Unübersehbar und alles andere überschattend: die Anzahl der Megapixel. So hat der Käufer schnell den Vergleich, sozusagen auf den ersten Blick. Bei Autos ist das ja schließlich auch so: 150 PS sind eben besser als 90 PS, basta! Aber stimmt das wirklich? Ist mehr immer gleich besser? Wie viel Megapixel braucht man wirklich? Dieser heiklen Frage gehen wir in diesem zweiteiligen Fototipp einmal "ohne Erbarmen" nach. In Teil 1 geht es zunächst um die Bildausgabe. Auf Proteste und die Diskussion im digitalkamera.de-Forum sind wir schon gespannt.  (Wolfgang Heidasch)

Übersicht Sensorgrößen [Foto: Wolfgang Heidasch]Um sich der Frage aus der Überschrift zu nähern, sollte sich jeder potentielle Käufer überlegen: Was passiert mit meinen Fotos nach der Aufnahme? Für was verwende ich sie? Wir wollen an dieser Stelle beispielhaft drei Ausgabemedien betrachten, die sicher beim Gros der Käuferschar, realistisch betrachtet, ganz oben an stehen:

• der Computermonitor (z. B. eine Diaschau mit einem Bildbetrachtungsprogramm)
• der Fernseher im heimischen Wohnzimmer (z. B. mit einer gebrannten Bild-CD)
• der Papierdruck 10 x 15 cm (z. B. in Form von Abzügen aus der nahen Drogerie)

Computermonitor Nehmen wir uns einmal einen 19-Zoll-Monitor vor, wie er sicher in einer Vielzahl von deutschen Haushalten zwischenzeitlich zum Standard gehören dürfte. Ein solcher Monitor hat typischerweise eine maximale Auflösung von 1.280 x 1.024 Bildpunkten. Bemüht man nun den Taschenrechner und multipliziert diese beiden Werte, so kommt man auf eine Pixelanzahl von 1.310.720 oder, anders ausgedrückt, 1,3 Megapixeln. Jegliche Information, die also ein Digitalbild aus einer Kamera mit einer höheren Auflösung hätte, würde nicht dargestellt, wäre also verlorene Information bzw. würde eben nicht verwendet und dargestellt werden.

Zu wenig Pixel (links) sind schlecht, zu viele (rechts) aber auch, wie diese schematische Illustration zeigt [Foto: Dietmar Wüller] Fernseher Hier gibt es unterschiedliche Normen, und die Branche ist auch gerade in Bewegung, wie schon lange nicht mehr. Dennoch wird das PAL-System heute noch das Format sein, welches sich in den meisten deutschen Wohnzimmern vorfindet. Dieses PAL-System hat auch wieder eine Vielzahl von Varianten, auf die wir hier nicht eingehen möchten. Im günstigsten Fall handelt es sich jedoch rechnerisch um 768 x 576 "Bildpunkte". Wieder den Taschenrechner angewandt, erhalten wir also 442.368 bzw. 0,4 Megapixel. Der Vollständigkeit halber: Bei HDTV 720p ("HD Ready") wären es ca. 0,9 Megapixel, bei HDTV 1080i ("Full HD") immerhin doch rund 2 Megapixel.

Papierdruck 10 x 15 cm Zu Zeiten der Analogkameras war er der unangefochtene Star der Fotolandschaft: der gute alte Papierdruck. Ihn gibt es in unterschiedlichen Formaten, je größer, je teurer. Große Fotos sind schön, brauchen aber auch Platz, und so war und ist nach wie vor das Format 10 x 15 cm weit verbreitetet. Nicht selten war dafür der Schuhkarton die Aufbewahrungsbox der Wahl. Zwischenzeitlich gibt es etliche Internet-Bilderdienste, die komfortable Wege geschaffen haben, wie Fotos sozusagen aus der Kamera über das Internet ausbelichtet auf Fotopapier in kurzer Zeit im heimischen Briefkasten landen (siehe auch weiterführende Links).

Megapixelgrößen gängiger Ausgabegeräte [Foto: Wolfgang Heidasch] Im Druck auf Papier, sei es Offsetdruck, also z. B. Zeitschriften, Kalender usw., aber auch bei der Ausbelichtung auf Fotopapier sind 300 dpi bei Farbbildern eine gängige Größe. DPI steht dabei für "Dots per Inch"“, also Punkte pro Zoll, und ein Zoll sind 2,54 cm. Rechnet man damit das Format 10 x 15 cm durch, so erhält man ziemlich genau 2 Megapixel. Schaut man sich die Anforderungen der Bilderdienste an, so rechnen diese auch durchaus mit niedrigeren Auflösungen bzw. halten auch geringere Auflösungen noch für qualitativ vertretbar. Jedes Mehr an Bildinformation führt also auch hier zu keiner Verbesserung. Im Gegenteil: Da der Dateiupload per Internet geschieht, werden hier also Daten unnötigerweise geschickt und lähmen so den ohnehin schwachen DSL-Upload zusätzlich. Je nach Bildmenge kann so ein Upload dann schon mal eine Stunde dauern. Freilich gibt es intelligente Upload-Manager, welche die Bildgröße schon vor dem Upload runterrechnen, so dass dieses Problem nicht entsteht. Nur eins ist sicher: Die einstmals verfügbare Datenmenge etwa von einer 10-Megapixel-Kamera wurde eingedampft, weil einfach das Ausgabemedium nicht mehr hergibt bzw. nicht mehr benötigt oder umsetzen kann.

Nimmt man die oben beschriebenen drei Beispiele zusammen, so könnte man diese Ausgabeformate also ohne jeglichen Qualitätsverlust mit einer 2-Megapixel Kamera bedienen, ohne dabei Qualitätsunterschiede zu Megapixel-Boliden zu erkennen. Dies zu wissen und sich darüber im Klaren zu werden, was man mit seinen Digitalbildern hinterher wirklich machen will, ist sicher ein Schlüssel dafür, die Megapixel-Aussagen der Hersteller entsprechend einordnen zu können bzw. beim Kauf dann auch eine Marketingaussage von einem wirklichen persönlichen Nutzen unterscheiden zu können.

Pixelanzahl
[Megapixel]
Dateigröße,
unkomprimiert [MB]
JPEG-Dateigröße
(hohe Qualität),
komprimiert [ca. MB]
 2 1,2
 6 18 2,4
 8 24 4,8
 10 30 6,4
 12 36 7,2
Ganz außer Acht gelassen bei der obigen Betrachtung haben wir die unterschiedlichen Bildformate, einerseits der Digitalkameras (verbreitet sind 4:3- bzw. 3:2-Formate), andererseits der Ausgabemedien. Immer dann, wenn beide Formate nicht zusammenpassen und man hinterher keine abgeschnittenen Bilder haben möchte, kann nur ein Teil der Ausgabefläche verwendet werden. Auf dem Fernseher oder PC-Monitor sind das dann die berühmten schwarzen Balken. Hierdurch sinkt die Anzahl der (notwendigen bzw. verarbeitbaren) Megapixel weiter.

Nun könnte man geneigt sein zu sagen: "Nun gut, betrachten wir das Mehr an Megapixeln einfach als Reserve für die Zukunft. Alles wird größer und schöner und das in rasantem Tempo. Irgendwann wird es dann wohl mal passen, und so bin ich für die Zukunft gerüstet." Dieser Gedanke geht allerdings davon aus, dass ein Mehr an Megapixeln zwar keine Vorteile, aber eben auch keine Nachteile mit sich bringt. Nur stimmt das so leider nicht! Gehen wir zunächst auf ein scheinbar unwichtiges Thema ein, nämlich die Dateigröße. Es ist eine Binsenweisheit, die sich sicher jeder leicht vorstellen kann: Ein 10-Megapixel-Bild enthält fünfmal so viele Megapixel wie das einer 2-Megapixel Kamera. Ergo sind auch die Dateien, welche die 10-Megapixel-Kamera erzeugt, fünfmal so groß. D. h. der Speicherchip der Kamera fasst nur noch ein Fünftel der Bilder (also z. B. nur noch 30 statt 150) bzw. muss eben fünfmal so groß sein, um dieselbe Bildmenge aufzunehmen. Bei der heimischen Festplatte verhält es sich ebenso: Die ist eben fünfmal so schnell voll, die Datenübertragung dauert fünfmal so lange. Ein meist vorhandenes Backupproblem (Wie sichere ich die Dateien für die Ewigkeit?) ist fünfmal so groß. Und passten die 2-Megapixel-Urlaubsbilder noch bequem auf die CD, muss es nun schon eine DVD sein. Und diese Riesenbilder auf der DVD beschäftigen den DVD-Player bei der Wiedergabe natürlich mehr und länger, denn die Riesenbilder müssen ja erstmal gelesen und runtergerechnet werden. Und das alles wieder ohne erkennbare Vorteile, die mit diesem Mehraufwand einhergehen.


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Hier stellen wir für unsere Leser einige Hintergrund-Artikel mit Tipp-Charakter zusammen.

Zusammenfassung

Die Megapixel-Zahlen der Hersteller steigern sich ins Unermessliche: 12 Megapixel in der Kompaktklasse sind heute keine Seltenheit mehr. Nur: Wie viel braucht man wirklich? Die klassischen Ausgabemedien wie Fernsehgerät, TFT-Monitor und 10x15cm-Abzug begnügen sich meist mit 2 Megapixeln. Mehr ist schlicht nicht darstellbar. Der Größenwahn ist meist nicht nur nutzlos, umständlich und teuer: Die Qualität der Fotos als solche leidet. So macht eine 6-Megapixel-Kompaktamera meist die besseren Bilder als ein 12-Megapixel-Bolide. Der zweiteilige Fototipp zeigt, warum weniger durchaus mehr sein kann. In Teil 1 geht es zunächst um die Bildausgabe.