Rubriken: Bildbearbeitung, Bildgestaltung, Bildpräsentation

Büttenrand per EBV erstellen

2011-01-03 Alte Fotos haben oftmals einen nicht gerade verlaufende Schnittkante, sondern ein ungleichmäßiges "Zackenmuster", einen solchen Rand bezeichnet man als Büttenrand. Dieser entstand früher wie heute durch das Handschöpfen von Papier. Von 1930 bis 1950 wurde auch Fotopapier mit einem solchen Rand sehr gerne gewählt, war aber nicht handgeschöpft, sondern durch Stanzen so geformt worden. Wie man einen solchen Rand schnell und ohne viel Aufwand selber erzeugen kann, soll in diesem Fototipp mit Photoshop CS5 erläutert werden.  (Harm-Diercks Gronewold)

Auch Gimp-Nutzer werden mit Ablaufanpassungen zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Damit Photoshop-Elements-Nutzer nicht vergessen werden, gibt es auch für sie einen "heißen" Tipp, um Büttenränder um Fotos zu bekommen. Um den Fototipp optimal nutzen zu können, sollte man sich ein wenig mit Einstellungsebenen, Masken und Pfaden auskennen. Letztere haben wir auf digitalkamera.de in einigen Fototipps behandelt.

Fototipp: Büttenrand per EBV – Arbeitsfläche erweitern [Foto: MediaNord]Wie immer steht als erstes die Bildauswahl, wir haben uns für das Foto aus dem Fototipp "Fotos auf Alt Trimmen" entschieden, weil es von der Aufmachung durchaus für einen Büttenrand geeignet ist. Ist die Entscheidung gefallen, geht es auch schon los mit der Bearbeitung. Zunächst wird die Hintergrundebene auf eine neue Ebene kopiert, dies funktioniert mit den entsprechenden Funktionen ("Alles auswählen", "kopieren", "Neue Ebene" und "einfügen"), jedoch ist die Tastenkombination strg+j hier viel effektiver, denn diese kopiert die aktive Ebene auf eine neue Ebene.

In der Menüleiste oben findet sich unter "Bild" der Abschnitt "Arbeitsfläche". Diesen anklicken und in dem aufgetauchten Dialog zuerst in den Pull-Down-Menüs "Prozent" auswählen und dann einen Haken bei "Relativ" setzen. Die nun eingetragenen Werte werden automatisch zu der Arbeitsfläche hinzugefügt. In unserem Fall wurde jeweils 5 % gewählt, und wenn "OK" geklickt wird erscheint ein Rand in der Hintergrundfarbe. Da dies nicht gewollt ist, klickt man auf das "Auge" vor der "Hintergrundebene" und blendet diese somit aus.

Fototipp: Büttenrand per EBV – Ebenenpalettenübersicht [Foto: MediaNord]Auch wenn die Hintergrundebene ausgeblendet ist, wird sie nun mit einem Klick aktiviert und erzeugt eine neue Ebene darüber. Die Schaltfläche findet sich unten in der Ebenenpalette und heißt "Neue Ebene erstellen". Diese soeben erzeugte Ebene wird die Randerweiterung des Bildes beinhalten und sollte auch als "Büttenrand" bezeichnet werden. Diese Ebene muss mit einer passenden Farbe gefüllt werden. Hierzu nimmt man üblicherweise einen hellen Farbton aus dem Bild. Diesen Farbton nimmt man mit dem Farbaufnehmer für die Vordergrundfarbe auf. Vorder- und Hintergrundfarbe sind die übereinander gelegten Quadrate in der Werkzeugpalette. Einfach einen Mausklick in das obere Quadrat und schon öffnet sich der Farbauswahldialog. Um die Farbe aufzunehmen klickt man nun einfach auf die Farbe im Bild. Die Farbanzeige springt nun sofort zu dieser Farbe und man kann "OK" klicken. Dann wählt man den "Farbeimer" aus und füllt die noch leere Ebene "Büttenrand". Nun färbt sich der Rand in der gewählten Farbe.

Nun geht man erneut auf die Hintergrundebene zurück und erzeugt eine Einstellungsebene "Volltonfarbe". Diese wird zunächst auf die Farbe Weiß gesetzt, das kann später jedoch einfach geändert werden. Diese Ebene ist für die Hintergrundfarbe zuständig, auf der das Foto "liegen" soll. Wir haben diese Volltonfarbebene daher als "H-Farbe" benannt. Nach dem Klick auf "OK" ist noch nichts zu sehen, doch das ändert sich im nächsten Schritt. Dieser ist eine Wiederholung der Arbeitsflächenvergrößerung und erneut 5 % relativer Vergrößerung. Nach dem bestätigen mit "OK" ist das Ergebnis deutlich zu sehen. Ein Weißer Hintergrund, auf dem die farbige Ebene "Büttenrand" zu sehen ist und darauf das Foto.

Nun wird die Ebene "Büttenrand" aktiviert und mit dem Zauberstabwerkzeug eine Auswahl erstellt. Einfach mit dem "Zauberstab" in die farbige Umrandung beim Bild klicken und schon ist die Auswahl erstellt. Diese Auswahl wird nun in einen Pfad umgewandelt, dazu muss man mit dem Zauberstab einfach innerhalb der Auswahl sein – das "Zauberstab"-Werkzeug ändert dann sein Aussehen – und die rechte Maustaste drücken. In dem nun aufgetauchten Kontextmenü "Arbeitspfad erstellen" auswählen und ohne Änderung der Toleranz mit "OK" bestätigen. Natürlich kann man den Pfad auch noch so verändern, dass er nicht gerade ist. Dies hat zur Folge, dass auch der Büttenrand eine sehr organische Struktur annimmt.

Fototipp: Bütterrand per EBV – Pinseldialog und Ebenenübersicht [Foto: MediaNord]Die Vorbereitung des Bildes ist bis hierhin abgeschlossen. Nun geht es daran, das Werkzeug für den Büttenrand vorzubereiten. Hier ist der Vorteil, dass dies nur einmalig gemacht werden muss, weil Photoshop diese Einstellungen speichern kann und somit jederzeit wieder abrufbar macht. Als erstes wählt man das Pinselwerkzeug, in der Statusleiste oben taucht nun Pinselform auf und daneben eine "Karteikarte" mit Pinseln darauf. Diese klickt man an und kommt in das Voreinstellungsmenü für Pinseleigenschaften. Hier wählt man zuerst eine Pinselform aus, diese sollte quadratisch sein, ggf. müssen die Pinsel noch der Pinselbibliothek hinzugefügt werden. Dazu mit aktiviertem Pinselwerkzeug mit einem Rechtsklick das Kontextmenü öffnen, den kleinen Pfeil nach rechts anklicken und "quadratische Spitzen" auswählen. Dabei muss "Anfügen" und nicht "ersetzen" gewählt werden, da die Standardpinsel sonst verschwinden. Die Einstellungen des Werkzeugs sind wie folgt zu wählen: Unter Werkzeugspitzenform den Durchmesser 34 Pixel; Winkel 40°; Rundheit 90 %; Malabstand aktiviert und 30 %. Unter Formeigenschaften: Größen-Jitter 74 %; Mindestdurchmesser 49 %; Winkel-Jitter 84 %; Rundheit-Jitter 84 %. Steuerung überall aus. Unter Streuung: Streuung 68 %; Anzahl 1; Anzahl-Jitter 0 % und Steuerung jeweils aus. Unter Duale Werkzeugspitze: Modus "farbig nachbelichten"; Durchmesser 1 Px; Abstand 42 %; Streuung 129 % und kein Haken bei "Beide Achsen"; Anzahl 1. Nun kann die Werkzeugvorgabe gespeichert werden, dazu muss das "Neuen Pinsel erstellen" angeklickt und danach ein Name eingetragen werden. Ist das Geschehen, dann kann diese Pinselvorgabe immer wieder benutzt und auch nach belieben verändert werden.

Fototipp: Büttenrand per EBV – Endprodukt [Foto: Harm-Diercks Gronewold]Nun ist es Zeit für den Büttenrand, hierzu lässt man das Pinselwerkzeug aktiviert. Dann klickt man auf die Ebene "Büttenrand", wechselt zur Pfadpalette und klickt mit einem Rechtsklick in den vorher erstellten Pfad. Hier wählt man den Menüpunkt "Pfadkontur füllen" und CS5 bietet das aktive Werkzeug als erstes an, wenn nicht, dann muss man einfach "Pinsel" auswählen. Nun einfach "OK" klicken und ein Büttenrand entsteht rund um das Foto. Es kann nun vorkommen, dass die Details im Randbereich zu klein oder zu groß sind. Das kann man einfach beheben, in dem man die Erzeugung des Randes rückgängig macht und die den Pinseldurchmesser vergrößert bzw. verkleinert.

Damit man den Büttenrand auch bei wenig Kontrast zum Untergrund sehen kann, bietet Photoshop eine interessante Funktion an, welche sich "Ebenenstil" nennt. Diese aktiviert man mit einem Doppelklick in die betreffende Ebene. Das Dialogfenster hat nun jede Menge Einstellungen. In diesem Fall soll nur ein kleiner Schlagschatten eingefügt werden. Dazu einfach "Schlagschatten" anklicken, so dass der Haken gesetzt wird und die Zeile blau ist. Rechts daneben sind nun die Einstellungen für den Schlagschatten zu sehen. Hier ist dem Bildbearbeiter freie Hand gelassen und man sollte die Einstellungen wählen, welche einem am besten zusagen. Und auch hier sind, der Kontinuität zu liebe, die Einstellungen speicherbar.

Für Benutzer von Photoshop Elements oder alle, die keine Lust auf viel Bildbearbeitung haben, können schnell zu "Büttenrändern" kommen. Einfach die in den weiterführenden Links gezeigten Vorlagen für Büttenränder anklicken und herunterladen. In Photoshop Elements das Foto öffnen. Dann die Arbeitsfläche in der gewünschten Farbe vergrößern, dabei nicht zu sparsam sein. Nun den heruntergeladenen Büttenrand öffnen und mit dem Auswahlwerkzeug die grünen Bereiche entfernen. Das geht am besten mit dem Zauberstab und einer hohen Zoomstufe. Das so ausgeschnittene Bild als neue Ebene auf das Foto legen und ggf. per Transformation den Büttenrand dem Bild anpassen. Dann kann noch ein Schlagschatten über die "Ebenenstilfunktion" erstellt werden.

Fototipp: Büttenrandvorlage 1 [Foto: MediaNord]Fototipp: Büttenrandvorlage 2 [Foto: MediaNord]Fototipp: Büttenrandvorlage 3 [Foto: MediaNord]
 

Die Büttenrand-Vorlagen dürfen für nichtkommerzielle Zwecke ohne Nennung des Urhebers MediaNord benutzt werden.


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Autor

Harm-Diercks Gronewold

Harm-Diercks Gronewold ist gelernter Fotokaufmann und hat etliche Jahre im Fotofachhandel gearbeitet, bevor er 2005 in die digitalkamera.de-Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Produktdatenbanken, Bildbearbeitung, Fototipps sowie die Berichterstattung über Software und Zubehör. Er ist es auch, der meistens vor der Kamera in unseren Videos zu sehen ist und die Produkte vorführt.

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Artikel mit Tipp-Charakter

Hier stellen wir für unsere Leser einige Hintergrund-Artikel mit Tipp-Charakter zusammen.

Zusammenfassung

1930 bis 1950 war der Büttenrand bei Fotos sehr beliebt und schon damals nur eine "Simulation" eines echten Büttenrandes. Der echte Büttenrand ist nur bei handgeschöpften Papier zu finden und hat eine ungleichmäßige Kante. Das nachgemachte Papier wurde per Stanze oder Schere mit einem ungleichmäßigen und oft sehr eckigen Muster versehen. In Zeiten der elektronischen Bildbearbeitung gibt es viele Ansätze, den Stil des Büttenpapiers nachzustellen. Zwei Methoden stellt dieser Fototipp vor.