Testbericht

Nikon D700

2008-08-01 Geballte D3-Power – und das fast zum halben Preis jener. So könnte man Nikons neue D700 kurz und prägnant beschreiben. Ihre ersten Eindrücke zur D700 hat die digitalkamera.de-Redaktion bereits am Tag ihrer offiziellen Ankündigung geliefert, aber hiermit folgt nun der ausführliche Test, in dem die "D3 Junior" den vollständigen Testparcours absolvieren musste. Ob und wie sie diesen gemeistert hat, lässt sich dabei in den nachfolgenden Zeilen nachlesen.  (Yvan Boeres)

Nikon D700 Dichtungen [Foto: Nikon] Ergonomie und Verarbeitung Sozusagen "aus einem Guss" (und zwar einem aus Magnesium) und "rundum abgedichtet" (siehe Bild) ist die D700 genauso hart im Nehmen wie eine D300 oder D3. Die Verarbeitung ist vom Feinsten, und die einzigen Plastikteile sind die Bedienelemente, die Zugangstüren zum Akku- und Speicherkartenfach sowie der Teil des Prismengehäuses, der den eingebauten Miniaturblitz beherbergt. Trotz ihres größeren Bildsensors ist die D700 mit ihren Ausmaßen von 147 x 123 x 77 Millimetern und ihrem Gewicht von knapp 1,1 Kilo (mit Speicherkarte und Akku, aber ohne Objektiv) nur unwesentlich voluminöser und schwerer als die vom Äußeren her sehr ähnliche D300.

Dank sehr ausgewogener Gewichtsverteilung sowie ausgezeichneter Ergonomie lässt sich die D700 ihr Gewicht kaum anmerken. Und wenn, dann fällt es eher positiv auf. Das Sicherheitsgefühl ist jedenfalls gut; Gummiapplikationen in genarbter Lederoptik tragen zur Grifffestigkeit bei. Nur bei Hochformataufnahmen kann man sich einen noch höheren Haltekomfort wünschen, den man sich  aber mit dem optionalen Multifunktionsgriff MB-D10 erkaufen kann. Die Bedienungsfreundlichkeit lässt in dieser Preis-/Ausstattungsklasse nichts zu wünschen übrig: Die D700 ist zwar mit Knöpfen und Schaltern übersät, aber man braucht für alle wichtigeren Einstellungen keinen Ausflug ins Kameramenü zu machen, und alles ist ohne Fingerakrobatik intuitiv bedienbar. Dank vorderem und hinterem Einstellrad lassen sich Blende und Verschlusszeit mit einer Hand gleichzeitig eingeben; eine Übersicht der vorgenommenen Einstellungen und aktiven Kameraparameter bekommt man auf der oberen Flüssigkristallanzeige (alias Status-LCD) und – ergänzend dazu – per Druck auf die Info-Taste auf dem hinteren 7,6cm-Farbbildschirm der Kamera.

Nikon D700 [Foto: MediaNord] Der Bildschirm dient dabei nicht nur der Anzeige diverser Parameter und Einstellungen (die z. T. auch via die Steuertasten auf dem Bildschirm verändert werden können), der Darstellung der Menüs und der Bildwiedergabe, sondern auch als Sucher-Ersatz oder -Alternative im LiveView-Betrieb. Mit ausgezeichneten Abbildungsleistungen (Auflösung von rund 920.000 Pixeln, Betrachtungswinkel von 170° h/v, hohe Brillanz  und Farbtreue, geringes Rauschen bei schwachem Licht, sehr flüssige Bilddarstellung auch bei schnellen Kameraschwenks) ist der Monitor auch ein würdiger Sucher-Ersatz; bei der Bildfeldabdeckung ist der Bildschirm (Bildfeld: 100 %) sogar dem Sucher (Bildfeld: 95 %) überlegen. In den Sucher guckt man durch die Nikon-typische runde Augenmuschel. Eine Dioptrieneinstellung (-3 bis +1 dpt.) ist selbstverständlich vorhanden – weniger selbstverständlich ist dessen Arretierungsmöglichkeit sowie die Präsenz eines eingebauten Okularverschlusses. Das Sucherbild ist mit seiner 0,72-fachen Vergrößerung angenehm groß und dank Glasprisma recht hell. Aufgrund der Eintrittspupille von 18 mm überblicken auch Brillenträger das gesamte Sucherfeld, und das im Sucher einblendbare Gitternetz (ermöglicht durch eine in der Mattscheibe eingebettete Flüssigkristallschicht) kompensiert z. T. die fehlende Möglichkeit, die Suchermattscheiben zu wechseln.

Nikon D700 [Foto: MediaNord] Geht es im Sucher ziemlich übersichtlich zu, gilt das auch für die Menüs. Die Menüstruktur ist klar, d. h. logisch aufgegliedert und die Menüpunkte sind dank kontrastreicher Darstellung jederzeit gut ablesbar; zusammen mit den 50 Individualfunktionen umfasst das Menü um die 111 Menüpunkte, mit denen weit über 200 verschiedene  Einstellungen möglich sind. Es dürfte also einige Zeit dauern, bis man alle Möglichkeiten der D700 entdeckt hat, und weil es kaum möglich ist, sie alle gleichzeitig zu nutzen, wird man sich wohl zuerst mit den umfangreichen Personalisierungsmöglichkeiten (frei/neu belegbare Tasten, Einstellungs-Sets, Umstrukturierung des Kamera-Menüs usw.) vertraut machen. Zu vielen Menüpunkten gibt es auf Knopfdruck einen kurzen Erklärungstext (Hilfe-Funktion), und mit einer simplen Tastenkombination stellt man die D700 augenblicklich auf die Werkseinstellungen zurück (Quick-Reset); man kann sogar seine Einstellungen (getrennt auch die Bildparameter-Einstellungen) "mitnehmen" bzw. auf eine andere D700 übertragen, indem man sie auf die CompactFlash-Karte speichert.

Die Speicherkarte ist dabei im eigenen Fach untergebracht, das – im Gegensatz zur D3 – aber nur einen Steckplatz aufweist. Also müssen sich Bilder und ggf. Einstellungen den Platz auf der Karte teilen. Der EN-EL3e-Akku der D700 (Li-Ion) wird seinerseits von unten herein, d. h. über den Akkufach-Zugang, an der Kamera-Unterseite in die Kamera hinein gesteckt und kann dank großzügigem Abstand zwischen dem Akkufach und dem Stativgewinde (1/4"-Metallgewinde) in der optischen Achse auch bei Verwendung größerer Stativ-Schnellwechselplatten ohne jegliche Abschraub-Aktionen herausgenommen werden.

Ausstattung Dass die D700 eine Kameraklasse für sich ist und keine "abgespeckte" D3, beweisen einige markante Unterschiede zwischen den beiden Kameras. So verfügt die D700 zum Beispiel über die automatische Sensorreinigung, die der D3 fehlt. Merkwürdig nur, dass die D700 kein Air-Flow-System besitzt – wie man es von der D60 her kennt. Gemeinsam haben beide Kameras allerdings die Art, wie der Staub vom Sensor runter soll. Piezoelektrische Elemente am Tiefpassfilter-Plättchen vorm Bildsensor erzeugen Nikon D700 Status-LCD [Foto: Nikon] wellenförmige Vibrationen, welche die Staubpartikel davon herunter "stoßen" sollen; laut "ColorFoto"-Test in der Ausgabe 6/2008 funktioniert das schon bei der D60 ziemlich gut (jedenfalls besser als die "Schüttelmethode" von Sony, Pentax und Samsung), und es gibt keinen Grund davon auszugehen, dass das bei der D700 schlechter gehen soll. Nur sehr  feiner Staub soll noch an der antistatisch beschichten Oberfläche des Sensors bzw. Tiefpassfilters haften bleiben, aber wenn dem auch bei der D700 so sein sollte, gibt es immer noch die Möglichkeit das manuellen Sensorputzens (mit geeignetem "Putzwerkzeug" aus dem Zubehörhandel) und/oder der Staubreferenzierung (anhand eines Referenzbilds können die vom Staub verursachten dunklen Stellen im Bild auch nachträglich aus den Bildern herausgerechnet werden).

Der andere große Unterschied zwischen der D700 und D3 ist das eingebaute Miniaturblitzgerät Ersterer. Über dessen Nutzen ist man in der Szene geteilter Meinung. Die Anti-Bordblitz-Fraktion führt an, dass das Blitzlicht eh von den meisten Objektiven abgeschattet wird, dass man der D700 ohne Bordblitz ein größeres Sucherprisma hätte spendieren können (um u. U. auf eine Bildfeldabdeckung von 100% zu kommen) und dass ein eingebauter Blitz ein weiteres Teil ist, das bei einem Aufprall der Kamera kaputt gehen kann. Die Pro-Bordblitz-Fraktion weist darauf hin, dass zur Not (Aufsteckblitz im Auto vergessen, kaputt, leer o. ä.) ein eingebauter Blitz besser ist als gar keiner, dass der Bordblitz im drahtlosen TTL-Blitzverbund Nikon D700 Sensorreinigungssystem [Foto: Nikon] als Steuergerät verwendet werden kann und dass man auf kurzen Distanzen bzw. zum Aufhellblitzen auch nicht gleich ein leistungsstärkeres Systemblitzgerät braucht. Egal wie man selbst die Sache sieht: Der Blitz ist nun mal da, und die iTTL-Blitzbelichtungsmessung und -steuerung sorgt auch beim eingebauten Miniaturblitz (LZ 12) für perfekte Blitzergebnisse. Auch sonst (Blitzabdeckung bis 24 mm entspr. KB, Farbneutralität des Blitzlichts, Blitzsynchronzeit von max. 1/250 s, ausreichende Aufstellhöhe zur weitläufigen Vermeidung des Rot-Augen-Phänomens, Anzahl Blitzfunktionen und -einstellungen etc.) macht der kleine Lichtspender eine (sehr) gute Figur.

Zur Ausstattung der D700 gehören auch eine Reihe integrierter Bildverarbeitungsfunktionen, die z. T. schon bei der Aufnahme ins Bildergebnis eingreifen. Fast schon Standard bei allen neueren Digitalkameras von Nikon (zumindest bei denen mit leistungsstarkem Expeed-Prozessor) ist das Active-D-Lighting zum elektronischen Kontrastausgleich in Echtzeit. Schatten werden dabei automatisch und lichterschonend aufgehellt, d. h. ohne dass dabei die hellsten Bildpartien zu überstrahlen bzw. "auszubrennen" drohen. Da das Active-D-Lighting manchmal auch zu viel des Guten tun kann, ist es in drei Stufen regelbar, komplett ausschaltbar und in der manuellen Form (D-Lighting ohne Active-Präfix) auch nachträglich auf bereits aufgenommene Bilder anwendbar. Nicht im Menü finden konnten wir die im Prospekt beworbene Korrektur chromatischer Aberrationen – nach Rücksprache mit Nikon Nikon D700 [Foto: MediaNord] erfuhren wir, dass diese Funktion automatisch im Hintergrund wirkt und demnach nicht ein- und ausschaltbar ist. Einstellbar sind dagegen die elektronische Vignettierungskorrektur (Aus, Moderat, Normal, Stark), die Rauschunterdrückung bei Langzeitbelichtungsaufnahmen (Aus, Ein) sowie die Rauschunterdrückung bei hohen Empfindlichkeitseinstellungen (Aus, Schwach, Normal, Stark). In einem eigenen Menü findet man noch Funktionen zur nachträglichen Entfernung roter Augen (automatische Erkennung und Retusche), Beschneidung der Bilder, Konvertierung von Fotos in monochrome Bilder (S/W bzw. Graustufen, Sepia, Blauton), Nachahmung verschiedener Filter (Skylight, Warmton-Filter), Farbtonkorrektur und Bild-Montage (alternativ zur Mehrfachbelichtungsfunktion der Kamera).

Die Funktionen und Einstellmöglichkeiten der D700 sind allgemein so umfangreich, dass alleine schon deren vollständige Aufzählung den Rahmen dieses Tests sprengen würde. Erwähnen sollte man aber die wichtigsten davon, wie z. B. die RAW/NEF-Einstellungen (wahlweise verlustfrei/verlustbehaftet/nicht komprimiert, 12 oder 14 bit), die Intervallfunktion, die Weltzeituhr-Funktion, die Bildkommentar-Funktion (Text-Eingabe), die Bild-Authentifikationsfunktion, die Funktion zum Hinzufügen eines Copyright-Vermerks (in die eingebetteten IPTC-Daten), die Kameraausrichtungshilfen (auf dem Monitor als "virtueller Horizont" und/oder als Neigungsindikator über die Strichanzeige der Belichtungswaage) oder die AF-Feinabstimmung (zur Korrektur eventueller Front- oder Backfocus-Probleme). Die 50 Individualfunktion verbergen noch eine Unmenge weiterer Funktionen und Einstellungen von der Feinabstimmung der Belichtungsmessung (für jede Belichtungsmessart lässt sich ein fester Belichtungskorrekturwert eingeben, dem dann der Nullwert bei der Belichtungskorrekturanzeige/-funktion zugewiesen wird) bis hin zur Spiegelung der Skalen (also wahlweise - 0 + oder + 0 -). Zusammenfassend kann man sagen, dass die D700 von den Funktionen und Einstellungen her eine Kamera der (fast) unbegrenzten Möglichkeiten ist.

Nikon D700 – Status-Display [Foto: Yvan Boeres]
Nikon D700 – Vignettierungskorrektur [Foto: Yvan Boeres]
Nikon D700 – Bildnachbearbeitungsfunktionen [Foto: Yvan Boeres]
Nikon D700 – Bildparameter-Einstellungen [Foto: Yvan Boeres]
Nikon D700 – Virtueller Horizont [Foto: Yvan Boeres]
Nikon D700 – Bildparameter-Einstellungsübersicht [Foto: Yvan Boeres]
Mit einer Bildfrequenz im Serienbildmodus von bis zu 5 Bildern pro Sekunde (zwei Geschwindigkeitsstufen stehen zur Auswahl) gehört die D700 schon zu den schnelleren DSLRs. Mit dem optionalen MB-D10-Griff und einem Satz kräftiger AA/Mignon-Zellen bekommt die Kamera genug Power, damit die Bildfolgerate auf noch flottere 8 Bilder pro Sekunde steigt. Wie viele Bilder in Folge gemacht werden können, hängt in erster Linie vom Datendurchsatz der verwendeten Speicherkarte ab (die D700 unterstützt den UDMA-Modus schnellster CompactFlash-Karten), da es keine feste Begrenzung der Bildfolgezahl gibt und prinzipiell so lange weiter drauf los "gefeuert" werden darf, wie sich kein "Rückstau" im Pufferspeicher bildet. Belichtungsreihen beherrscht die D700 selbstverständlich auch (und das sogar mit umfassenden Konfigurationsmöglichkeiten), wobei die Reihenautomatiken sich aber auf automatische Belichtungsreihen, Blitzbelichtungsreihen und Weißabgleichsreihen beschränken. Automatische Schärfe-, Farbsättigungs- und/oder Kontrastreihen, wie sie z. B. die deutlich günstigere Pentax K20D anbietet, lässt die D700 vermissen. Auf jeden Fall aber mit dabei sind eine Abblendfunktion/-taste und eine Spiegelvorauslösungsfunktion. Auf der Hardware-Seite bringt die D700 neben der PictBridge-kompatiblen USB-2.0-Highspeed-Schnittstelle (Datendurchsatz: ca. 12 MByte/s), dem Netzeingang (herstellerspezifischer 9-Volt-Stecker) und dem niedrig auflösenden Standard-Videoausgang (Klinkenbuchse) eine PC-Synchronbuchse, einen HDMI-Videoausgang (Einstellungen: 480p bis 1080i) und einen 10-poligen Systemstecker (zum Anschluss eines GPS-Empfängers, WiFi/WLAN-Moduls oder weiteren Fernauslösungs-Zubehörs) mit.

Objektiv Bei der D700 darf man wohl davon ausgehen, dass die Käuferschaft eine individuelle Objektivwahl treffen möchte bzw. schon passende Objektive besitzt, so dass sie von Nikon nicht im Set mit irgendwelchen Objektiven verkauft wird. Deshalb gibt es auch kein Setobjektiv, auf das wir eingehen müssten; es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass manche Händler im Rahmen diverser Sonderaktionen eigene Pakete zusammenschüren werden.

Die D700 wird u. U. viele Altbesitzer von Nikon-Kameras und -Objektiven ansprechen, kann man doch seine liebgewonnenen Optiken ohne funktionelle Einschränkungen weiterverwenden. Dank des Bildsensors in der Größenordnung von Kleinbild-, d. h. 35mm-Film (im Volksmund "Vollformat-Sensor") fotografiert man mit seinen alten Objektiven wie gewohnt; es wird derselbe Bildausschnitt wie sonst erfasst, da keine Bildwinkelverengung (im Volksmund "Brennweitenverlängerung") stattfindet. Prinzipiell lässt sich die D700 mit beliebig alten Objektiven zusammen verwenden – sofern diese mit dem seit 1959 bestehenden Nikon-F-Bajonett kompatibel sind. Dabei hat man bei Nikon natürlich auch daran gedacht, die D700 mit einem mechanischen Blendenmitnehmer auszustatten, der zum Beispiel den D40-Modellen, der D60 und der D80 fehlt. So bleibt auch bei Objektiven ohne elektronische Blendenübertragung die Belichtungsmessung und -steuerung fast vollständig erhalten. Sofern man jedenfalls im Kameramenü unter den Systemeinstellungen den Menüpunkt "Objektivdaten" aufruft, um die größte Blendenöffnung und/oder die Brennweite des Objektivs einzugeben, funktionieren selbst bei den Objektiven der Ai- und Ai-S-Serie (Non-Ai-Objektive können u. U. auf Ai umgebaut werden) & Co. die Color-Matrixmessung, die Anpassung des Zoomreflektors externer Blitzgeräte, die Anzeige des Blendenwertes an der Kamera (LC-Statusdisplay, Sucher) in den Bilddaten sowie die Anpassung der Blitzleistung bei Änderung der Blende. Nur die Programmautomatik und die Blendenautomatik fallen weg, da die Blendenübertragung logischerweise nur in einer Richtung (vom Objektiv zur Kamera) geht. Scharf gestellt wird bei Non-AF-Objektiven dann per Hand, aber mit Unterstützung des Fokusindikators und der Drehrichtungs-Anzeige (kleine Pfeile symbolisieren die Richtung, in die der Fokussierring gedreht werden muss).

Doch auch Besitzer aktuellerer Nikon-Objektive werden nicht "im Stich gelassen". Wer von einer Nikon-DSLR mit kleinerem Bildsensor (APS-C- bzw. DX-Format) zur D700 aufsteigt, kann ggf. seine DX-Objektive weiterverwenden. Die D700 erkennt automatisch, wenn ein solches auf sie montiert wird, und nutzt dann nur den Bereich des Bildsensors, der auch vom Objektiv (wegen des kleineren Bildkreises bzw. Linsendurchmessers) abgedeckt wird. Der Sucher passt sich gleich an den veränderten Bildausschnitt mit an; die nicht erfassten Bildbereiche werden "abgeblendet" bzw. schattiert dargestellt (die Flüssigkristallschicht in der Mattscheibe macht es möglich). Allerdings sollte einem klar sein, dass die Teilnutzung des Bildsensors natürlich auch mit einem (drastischen) Auflösungsverlust verbunden ist. Die Auflösung sinkt von 12 Megapixeln auf nur noch 5,1 Megapixel, aber das ist der Preis, den man für die Weiterverwendung von DX-Objektiven zu zahlen hat.

Sofern man mit einem Autofokus-Objektiv arbeitet, hat man für die LiveView-Funktion die Auswahl zwischen zwei Betriebsarten. Im so genannten Freihand-Modus erfolgt die automatische Scharfstellung über das Prinzip der Phasendetektion bzw. wird vom MultiCAM-3500FX-Autofokusmodul im Kameraboden Gebrauch gemacht. Für die Zeit der Fokussierung muss der Spiegel für den Bruchteil einer Sekunde hochklappen – was aufgrund des bei jedem Antippen des Auslösers hörbaren Spiegelschlags und der kurzen Bildunterbrechung auf dem Kameramonitor anfangs etwas irritierend sein kann. Unterbrechungsfrei, aber bei der Scharfstellung geringfügig langsamer geht es hingegen im so genannten Stativ-Modus zu. Hier wendet die Kamera die – von Kompaktdigitalkameras her bekannte – Methode des Kontrastvergleichs an und bedient sich dazu des Nikon D700 Sucherbild [Foto: Nikon] Bildsensors. Der Autofokus wird nicht mehr über den Auslöser oder die AF-ON-Taste, sondern ausschließlich über die AF-ON-Taste aktiviert. Während man (oder die Kamera) im Freihand-Modus auf 51 AF-Messfelder (hinter 15 davon "stecken" besonders entdeckungsfreudige Kreuzsensoren) des MultiCAM-3500FX zurückgreifen kann, stellt die D700 im Stativ-Modus auf eine beliebige Stelle in der anvisierten Szene scharf, wobei man das "AF-Messfeld" dann mit den Steuertasten frei auf dem Bildschirm bewegen und platzieren kann. Sowohl im Freihand- als auch im Stativmodus kann man die Schärfe über die Bildlupenfunktion kontrollieren, und man hat auch in beiden Modi die Wahl zwischen drei Auslöseeinstellungen (Einzelbild, Serienaufnahme langsam, Serienaufnahme schnell). Welcher Livebild-Betriebsart man letzten Endes den Vorzug gibt, oder ob man überhaupt von der Livebild-Funktion Gebrauch macht, hängt letzten Endes von der Aufnahmesituation und/oder den persönlichen Vorlieben bzw. Fotografiergewohnheiten ab.

Nikon D700 [Foto: MediaNord] Bildqualität Grundsatzdiskussionen, ob das "Vollformat" der richtige Weg ist und ob es bei einer modernen digitalen Spiegelreflexkamera dieser Klasse mehr als 12,1 Megapixel sein dürfen, wollen wir hier nicht führen bzw. anzetteln, deshalb beschränken wir uns auf die Beurteilung der Bildqualität auf Basis der im Download-Bereich von digitalkamera.de zu findenden DCTau-Testprotokolle. Im Münchener Testlabor wurde die D700 zusammen mit dem Nikon AF-S Micro Nikkor 60mm 1:2.8G ED getestet – was auf den ersten Blick vielleicht eine etwas ungewöhnliche Wahl sein mag, aber aufgrund der besonders hohen Ansprüche, die Makro- und Repro-Aufnahmen (den Spezialitäten von Makro-Objektiven) an die Bildqualität stellen, nicht unbedingt die abwegigste. Wer trotzdem gerne wissen möchte, was für eine Bildqualität die D700 in Kombination mit anderen, gängigeren Objektiven (z. B. dem AF-S Zoom-Nikkor 14-24 mm 1:2,8G ED, dem AF-S VR Nikkor 200 mm 1:2G IF-ED, dem AF-S VR Zoom-Nikkor 70-200 mm 1:2,8G IF-ED oder auch dem PC-E NIKKOR 24mm/3,5D ED) erreicht, kann auf Abruf (gegen geringe Gebühr) die entsprechenden DCTau-Testprotokolle auf unseren Seiten einsehen.

Tatsächlich könnte man meinen, dass das Nachfolgemodell des legendären Micro-Nikkor 60mm mit seinen ED-Gläsern und seiner Nanokristallvergütung an der D700 zur Höchstform aufläuft. Und bei der Detailwiedergabe ist das wirklich so! Das Auflösungsvermögen des AF-S Micro Nikkor 60mm 1:2.8G ED ist bereits ab offener Blende so hoch wie auch Nikon D700 [Foto: MediaNord] homogen und nimmt sogar durch Abblenden noch minimal zu (die ab Blende 11 auftretenden Beugungsunschärfen sind auch absolut vernachlässigbar). Dass das Objektiv nicht dämpfend auf die aggressive kamerainterne Aufbereitung feiner Bilddetails wirkt, zeigt sich leider auch in Form deutlicher Helligkeits- und Farbmoirés auf manchen Bildern. Doch noch viel deutlicher als die Moirés ist die (nahe den Bildrändern stark zunehmende) heftige Vignettierung von über zweieinhalb Blenden bei offener Blende. Zwar arbeitet man bei Makro-Aufnahmen selten mit der größten Blendenöffnung, doch hier zeigt sich am deutlichsten, dass eine Vollformat-Kamera und ein Hochleistungs-Objektiv zusammen kein Garant für durchgehend höchste Abbildungsleistungen sind. Nimmt die Vignettierung durch Schließen der Blende ab, zeigt sich – sofern im Menü eingeschaltet – die kamerainterne Vignettierungskorrektur wirkungslos bis kontraproduktiv (Überkompensierung der Randabschattungen). Ein sehr ähnliches Verhalten bezüglich der Vignettierung und Vignettierungskorrektur bemerkte das Testlabor z. B. auch beim AF-S Zoom-Nikkor 24-70 mm 1:2,8G ED an der D700, und es erhärtet sich somit der Verdacht, dass die D700 allgemein da noch nicht optimal abgestimmt ist. In Erwartung einer entsprechend überarbeiteten Firmware (aktuell ist die Version 1.00) sollte man also die Vignettierungskorrektur vielleicht besser abschalten. Überzeugender scheint da die kamerainterne Korrektur chromatischer Längsaberrationen zu funktionieren. Farbsäume konnten wir jedenfalls nicht auf den Bildern entdecken. Sehr gering ist die Verzeichnung bei der getesteten Kamera/Objektiv-Kombination; die kaum sichtbare kissenförmige Verzeichnung ist wohl auf die zoomähnliche innere Architektur des innen fokussierenden Objektivs zurückzuführen und dürfte lediglich als Einschränkung in der Reprofotografie wahrgenommen werden.

Nikon D700 [Foto: MediaNord] Details zum Rauschverhalten der D700 finden interessierte Leser im kostenpflichtigen DCTau-Protokoll auf unseren Seiten, aber zusammenfassend kann man sagen, dass die D700 der großen Schwester D3 hier in kaum etwas nachsteht. Nikons Entscheidung, zugunsten größerer Pixel auf Rekordauflösungen zu verzichten, machen die D700 und D3 mit ihrer leistungsstarken Elektronik (12,1-Megapixel-CMOS mit 12 Datenauslesungskanälen, Expeed-Prozessor, 14-bit-Analog/Digital-Wandlung, 16-bit-Signalverarbeitung) in Kombination mit lichtstarken Objektiven zu den Kameras für die Available-Light-Fotografie schlechthin. Von ISO 100 bis 1.600 zeigt sich die D700 sowohl vom Rauschverhalten als auch von der Eingangsdynamik her in Bestform. Bei ISO 3.200 zeigt sich minimales Helligkeitsrauschen in detailreichen Bildpartien und geht die Eingangsdynamik leicht zurück; bei ISO 6.400 nimmt das Rauschen weiter zu und die Eingangsdynamik weiter ab, doch der eigentliche Qualitätseinbruch (bei dem das Rauschen auf Kosten der feinen Bilddetails überproportional zunimmt und die Eingangsdynamik im Sinkflug ist) findet erst ab ISO 12.800 statt. Aber es ist schon erstaunlich, dass man selbst bis ISO 25.600 noch durchaus brauchbare Bilder aus der Kamera bekommt.

Nicht gerade die "feine japanische Art" ist Nikons Trick, bei verschiedenen Empfindlichkeitsstufen die Farbinformation feinster Bilddetails zu reduzieren, um so tiefpassfilterbedingte Farbmoirés zu vermeiden. Bei sehr starker Bildvergrößerung kann sich demnach in besonders detailreichen Bildpartien eine Art ungewollter "Schwarz-Weiss-Effekt" bemerkbar machen. Kritik unsererseits gibt es noch für den auch von Nikon nicht so richtig beherrschten automatischen Nikon D700 [Foto: MediaNord] Weißabgleich unter Glühlampenlicht sowie für die – bei höchster Auflösungsstufe – zu starke Komprimierung (1:40) in der Qualitätsstufe "Basic"; angenehm fielen hingegen die relativ neutrale Tonwertwiedergabe und die zurückhaltende (d. h. das Bildresultat nicht zu stark verfremdende) Scharfzeichnung auf. Von allererster Güte ist selbstverständlich die Belichtung beim Fotografieren mit oder ohne Blitz. Bereits seit 1996 bzw. seit der F5 sorgt Nikons Colormatrixmessung durch Berücksichtigung der groben Farbverteilung im Bild (anhand eines nur für die Belichtungsmessung bestimmten 1.005-Pixel-CCDs) für eine bisher unübertroffene Belichtungsgüte, und mit der D3 sowie D300 wurde dieses System nochmals verfeinert. Durch den Einsatz einer Art "Strahlenteiler" vor dem 1.005-Pixel-Sensor konnte die Messgenauigkeit bei gleich bleibender Pixelzahl erhöht werden. Die (3D-)Colormatrixmessung ist durch die genaueren bzw. feineren Messdaten jetzt in der Lage, die Farbinformationen dem Bildvordergrund oder Hintergrund zuzuordnen und kann so – im Zusammenspiel mit den 51 AF-Sensoren der Kamera und der Distanzinformation der Objektive – nicht nur die Position des Hauptmotivs im Bild ziemlich zuverlässig bestimmen, sondern die anvisierte Szene regelrecht analysieren (Nikon spricht gar von einer "Motiverkennung"). Das funktioniert nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis äußerst eindrucksvoll (die Fehlbelichtungsrate liegt quasi bei Null); die gesammelten Informationen kommen übrigens auch dem Autofokus und dem Weißabgleich zugute.

Fazit Sicherlich liegt die Nikon D700 auch in der finanziellen Reichweite irgendwelcher technikvernarrter "Geeks" und solcher Amateure, die meinen, dass gute Bilder nur ab einer bestimmten Sensorgröße bzw. einem bestimmten technischen Niveau möglich sind. Doch im Grunde genommen ist sie ein grundsolides Werkzeug, das eigentlich nur in die Hände solcher Fotografen (egal ob Hobby- oder Berufsfotografen) gehört, welche die D700 eben nicht auf die Pixelzahl und die Sensorgröße reduzieren. Bei der D700 ist sehr viel ultramoderne Technik mit an Bord, die aber nicht da ist, um die Konkurrenz alt aussehen zu lassen, sondern um diskret in den Hintergrund zu treten und den Fotografen dabei zu unterstützen, seine Kreativität besser zum Ausdruck zu bringen. Die D700 bietet einem da so viele neue Möglichkeiten an, dass man sich schon sehr lange mit ihr auseinander setzen muss, um sie alle kennen zu lernen. Alleine deswegen ist die D700 nichts für solche Fotografennaturen, die immer nur dem neuesten Stand der Technik nachlaufen; auf diesem ist sie zwar, aber die D700 gehört zu den Kameras für eine "längerfristige Beziehung", wo die Begeisterung über die von ihr gebotenen Möglichkeiten auch dann nicht nachlässt, wenn sie nach ein paar Monaten wieder als technisch überholt gilt.


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Meldungen die auf diese Meldung verweisen

Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Kameras

Steckbrief
Hersteller Nikon
Modell D700
Preis ca. 2600 EUR**
Sensor Auflösung 12,1 Megapixel
Max. Bildauflösung
(Seitenverhältnis)
4.256 x 2.832
(3:2)
Objektiv AF-S Micro Nikkor 60mm F2,8 G ED (nicht mitgeliefert)
Filtergewinde 62 mm
Sucher
Sichtfeld
Vergrößerung
  Dioptrienausgleich
Pentaprisma
95%
0,72-fach
-3 bis +1 dpt.
LCD-Monitor
  Auflösung
  drehbar
  schwenkbar
  als Sucher
3"
920.000


ja
Videoausgang
  als Sucher
Composite, HDMI
ja
Programmautomatik  ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Bel.
  BULB-Langzeit-
  belichtung
ja
ja
Motivprogramme
  Porträt
  Kinder/Baby
  Landschaft
  Makro
  Sport/Action
  weitere






Belichtungsmessung 3D-Colormatrix-
messung II mit 1005-Pixel-Sensor, Integral, Spot
Blitz
  Leitzahl
  Blitzanschluss
ja
12
Systemblitzschuh
Fernauslöser ja
Intervallaufnahme ja
Speichermedium CF (Typ I)
Videomodus
  Format
  Codec
  Auflösung (max.)
  Bildfrequenz (max.)  




Empfindlichkeit
  automatisch

  manuell

200-25.600
(Obergrenze einstellbar)
ISO 100-25.600
Weißabgleich
  Automatik
  Sonne
  Wolken
  Leuchtstofflampe
  Glühlampe
  Sonstiges

  Manuell

ja
ja
ja
ja
ja
Schatten, Blitz, Farbtemperatureingabe
ja
Autofokus
  Anzahl
  Messfelder
  AF-Hilfslicht
  Geschwindigkeit

51

weiße Leuchtdiode
0,3-0,7 s
Sprachen Deutsch
und 14 weitere
Einschaltzeit 0,12 s (exkl. Sensorreinigung)
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
Gewicht
(Betriebsbereit)
1.097 g (nur Gehäuse)
1.522 g (mit Objektiv***)
Serienbildfunktion
  Serienbildanzahl
  Frequenz
    (Bilder/s)
  Dauerlauf
    (Bilder/s)
  mit Blitz

100 (JPEG/RAW)
5
8****
ja

nur mit externem Blitz
Zoom
  Zoomverstellung
  Zoomstufen
  Zeit WW bis Tele

am Objektiv
stufenlos
Speicher-
geschwindigkeiten*
  JPEG
  RAW


0,1 s (2,3 MByte)
0,6 s (10,6 MByte)
Auslösung während d. Speicherns möglich ja
Akkulaufzeit ca. 1.000 Bilder

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
* mit SanDisk Extreme III 1 GByte CF-Speicherkarte
** ohne Objektiv
*** mit Objektiv AF-S Micro Nikkor 60mm F2,8 G ED
**** mit optionalem Batterie-/Hochformatgriff MB-D10

Kurzbewertung

  • Ausgeprägte Rauscharmut selbst bei höchsten Empfindlichkeitsstufen (max. ISO 25.600)
  • Extrem hoher Funktions- und Ausstattungsumfang, im Vergleich zur D3 nur minimal abgespeckt
  • Fortschrittlichstes und bestes Belichtungsmesssystem auf dem Markt
  • Einigermaßen effektives Sensorreinigungssystem
  • Grell-weißes AF-Hilfslicht
  • Keine Belichtungsvorschau im LiveView-Modus (auch nicht als gesonderte Einstellung)
  • Eingebauter Blitz nicht mit Serienbildfunktion nutzbar (auch nicht bei verringerter Bildfrequenz)
  • Vignettierungskorrektur bei aktuellem Firmware-Stand wirkungslos bis kontraproduktiv

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 90 %
Ausstattung 12,5 % 94 %
Handhabung 12,5 % 92 %
Geschwindigkeit 12,5 % 97 %
Bildqualität 50,0 % 89 %
Gesamtnote 91 %