Rubrik: Motive und Situationen

Von der Glaubwürdigkeit digitaler Fotos

2007-03-26 Wie beweist man als Fotograf die Authentizität eines digital aufgenommenen Fotos? Ist dies überhaupt möglich? Schließlich gibt es kein Negativ im klassischen Sinn als Beweismittel. Eine RAW-Datei wird zwar als digitales Negativ bezeichnet, dies bedeutet jedoch nicht, dass es zwangsläufig authentisch und unverfälscht ist. Denn für Experten ist es kein Problem, beliebige Bilder (und somit auch Nachbearbeitete, Manipulierte) im RAW-Format abzuspeichern. Für Hobbyfotografen, die digital fotografieren, ist es zwar nicht immer wichtig, dass ihre Fotos auch "Beweiskraft" haben, und Bildbearbeitung bedeutet hier Spaß und Kreativität.  (Martin Rohrmann)

Bild 1: Große Katze, Montage Just for Fun Fangen wir mit den Fun-Fotos aus dem Amateurbereich an. Die "große" Katze (Bild 1) ist relativ leicht als Fotomontage-Gag zu entlarven. Professionelle Bildjournalisten sind jedoch darauf angewiesen, dass ihren Fotos Glaubwürdigkeit beigemessen wird. Sie verkaufen nicht nur ein Foto, sondern zugleich auch eine Story mit Anspruch auf Wahrheit. Wenn man den Fotos trauen will, muss man dem Fotografen trauen. Heute sind nicht mehr die Fotos glaubwürdig, sondern der Fotograf, der das Foto macht, bzw. die Redaktion, die es veröffentlicht. Hier ist es fatal, wenn montierte Bilder den Kontext verzerren, schlimmer noch: Wenn die montierten Bilder und die damit vermittelte Aussage vom Betrachter für bare Münze genommen werden. Einige professionelle Digitalkameras haben eingebaute Funktionen, um Bild 2: Original und bösartige Manipulation: US-Präsident George W. Bush mit Buch auf dem Kopf mittels einer Software das RAW-Bild als unbearbeitet und authentisch zu deklarieren. Doch wo immer ein Schutz ist, findet sich schnell auch jemand, der ihn umgehen kann. Die Bilder 2 und 3 sind zwei Beispiele von berühmten Fotomontagen, die selbst über einen längeren Zeitraum unentdeckt blieben.  

Doch woran erkennt man montierte Bilder? Bild 3: Hai und Helicopter, Montage, Nomination zum Foto des Jahres bei National GeographicsWar ein Profi am Werk, ist es meist sehr schwer, für Laien gänzlich unmöglich, ein Bild als Montage zu entlarven. Mit viel Übung erkennt man in montierten oder bearbeiteten Fotos winzige Fehler wie unerklärliche Schatten, minimale Überlappungen von Bildelementen, ungleichmäßigen Kontrast, Sättigung, Schärfe oder Unstimmigkeiten in den Proportionen. Oft sind es aber auch logische Fehler oder Fehler im Kontext, die eine Montage auffliegen lassen, wie das Beispiel in Bild 4 zeigt.

Es stellt sich die Frage nach der Kennzeichnung von bearbeiteten oder montierten Fotos.  Im Sektor der Bildagenturen gibt es längst Diskussionen, um Standards bei der Kennzeichnung einzuführen. So hat beispielsweise die weltweit tätige Agentur Tony Stone ein Kennzeichnungssystem herausgebracht, das viele weitere Agenturen schon  übernommen haben. Seit 1995 kennzeichnet Tony Stone digital manipulierte Bilder anhand dreier verschiedenener Kategorien:

  1. Digital Composite (DC): Bilder, bei denen eine Komponente verschoben, entfernt oder hinzugefügt wurde
  2. Digital Enhancement (DE): Bilder, bei denen wesentliche Elemente verändert wurden
  3. Colour Enhancement (CE): Bilder, bei denen Farben wesentlich verändert wurden.


Bild 4: Flugzeug mit Kurs World Trade Center, offensichtliche Montage Zweifelsfrei ist die Kennzeichnung manipulierter Fotos ein wichtiger Schritt. Doch wer glaubt, dass damit die Glaubwürdigkeit von Fotos gerettet wäre oder gar die Bildbearbeitung eingeschränkt würde, der irrt. Unbeantwortet ist die Frage, wann überhaupt eine Kennzeichnung stattfinden muss. Wo hört Retusche auf und wo fängt die Montage, die Verfremdung an? Ist beispielsweise das Wegretuschieren eines störenden Laternenpfahls nur eine Retusche oder schon die Entfernung eines Bildelementes? Doch digitale Fotos sind "verletzlich", und wenn sie bearbeitet sind, haben sie irgendwo eine "Achillesferse", die unter Laborbedingungen nachgewiesen werden kann. Es gibt unterschiedliche statistische Parameter und Eigenschaften, komplex-mathematische Algorithmen, die bei den meisten unmanipulierten Fotos vorhanden und extrem schwer zu fälschen sind. Vergleicht man nun diese Parameter eines Digitalbilds, das verändert wurde, so ist wahrscheinlich, dass – bei einer hohen mathematischen Rate der Abweichung von dem typischen Muster – eine Fälschung vorliegt, sprich das Ursprungsbild digital verändert wurde. Doch so, wie der früher als "unknackbar" geltende Kopierschutz eines Films auf Videokassette inzwischen gecrackt ist, so wird es auch in wenigen Jahren Möglichkeiten geben, ein Bild so perfekt zu manipulieren, dass es nicht mehr von einem Original zu unterscheiden sein wird.

So liegt es dann am Betrachter von Fotos, welchem Bild er traut und welchem nicht. Die Frage der Wahrhaftigkeit richtet sich daher inzwischen eher an den einzelnen Fotografen, den Journalisten oder Bildberichterstatter oder die Zeitungsredaktion.


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Zusammenfassung

Wie beweist man als Fotograf die Authentizität eines digital aufgenommenen Fotos? Ist dies überhaupt möglich? Schließlich gibt es kein Negativ im klassischen Sinn als Beweismittel. Eine RAW-Datei wird zwar als digitales Negativ bezeichnet, dies bedeutet jedoch nicht, dass es zwangsläufig authentisch und unverfälscht ist. Denn für Experten ist es kein Problem, beliebige Bilder (und somit auch Nachbearbeitete, Manipulierte) im RAW-Format abzuspeichern. der digitalkamera.de-Fototipp zeigt Beispiele von und Strategien gegen Manipulationen.