Lichtstarkes Autofokus-Weitwinkel für die Sony-Alpha-7-Familie

Testbericht: Zeiss Batis 2/25 mm

2015-09-18, aktualisiert 2015-09-22 Mit der Batis-Serie kündigte Zeiss im April 2015 erstmals Autofokus-Objektive mit Sony-E-Anschluss für die Kleinbild-Vollformatserie Alpha 7 an. Das Zeiss Batis 2/25 mm ist die aktuell weitwinkligste Festbrennweite für die Alpha-7-Familie. Als Besonderheit weist das Batis neben einer staub- und spritzwassergeschützten Konstruktion ein OLED-Display anstelle einer mechanischen Fokusskala auf. So kann die Skala auch im Dunkeln abgelesen werden und gibt genauere Auskünfte als eine mechanische Skala. Wie sich das Batis 2/25 mm in der Praxis und vor allem bei der Bildqualität schlägt, klärt unser Test an der 42 Megapixel auflösenden Sony Alpha 7R II.  (Benjamin Kirchheim)

  • Bild Das robust (staub- und spritzwassergeschützt) aus Metall und Kunststoff gebaute Zeiss Batis 2/25 mm besitzt ein innovatives OLED-Display als Ersatz für eine mechanische Entfernungsskala. [Foto: Zeiss]

    Das robust (staub- und spritzwassergeschützt) aus Metall und Kunststoff gebaute Zeiss Batis 2/25 mm besitzt ein innovatives OLED-Display als Ersatz für eine mechanische Entfernungsskala. [Foto: Zeiss]

Mit 335 Gramm weist das Batis 25 mm ein angenehmes Gewicht auf und drückt zusammen mit der Sonnenblende und der Sony Alpha 7R II knapp ein Kilogramm auf die Waage. Während im Inneren auch Kunststoff zum Einsatz kommt, besteht das modern designte Gehäuse äußerlich im hinteren und vorderen Teil aus Metall. Dazwischen befindet sich ein gummierter, griffiger Fokusring, der elektronisch arbeitet. Die gesamte Konstruktion ist gegen Staub und Spritzwasser geschützt, zu erkennen beispielsweise am blauen Gummiring, der das Bajonett zur Kamera abdichtet. Exakt passend zum Design ist auch die zum Lieferumfang gehörende Kunststoff-Sonnenblende ausgeführt, die den sich nach vorne verbreiternden "Schwung" des Objektivs aufnimmt. Angesetzt wirken Sonnenblende und Objektiv wie aus einem Guss. Dieses Design verwendete Zeiss übrigens schon bei der noch hochwertigeren, aber manuell zu fokussierenden Otus-Serie und es kommt auch bei den jüngst vorgestellten sechs Milvus-Objektiven zum Einsatz. Das Zeiss Batis 2/25 mm ist zwar vom Durchmesser her mit knapp über acht Zentimetern recht korpulent geraten, aber mit gut neun Zentimetern nicht allzu lang. Es macht an der Alpha 7R II einen durchaus ausgewogenen Eindruck und ist zudem die aktuell weitwinkelstärkste Festbrennweite für die Alpha-7-Familie. Der diagonale Bildwinkel beträgt 82 Grad.

Die Batis-Serie ist die einzige Autofokus-Objektivserie, die Zeiss für das Kleinbild-Vollformat anbietet. Der Innenfokus arbeitet flüsterleise und sehr flott sowie zielsicher. Dabei bewegt sich, wie der Name schon sagt, weder die Frontlinse noch ändert sich die Objektivlänge. Ideal für den Einsatz von Filtern, die in das 67-mm-Gewinde geschraubt werden können. Schaltet man die Kamera auf manuellen Fokus um, ein Objektivschalter dafür existiert nicht, so kann mit dem Fly-by-wire-Fokusring sehr genau und feinfühlig scharf gestellt werden. Dass der Fokusring elektronisch arbeitet, ist dabei nur von Vorteil, können doch schnelle und langsame Fokusringbewegungen in einem anderen Übersetzungsverhältnis auf den Motor übertragen werden. Fokuslupe und Fokuspeaking an der Kamera tun ihr übriges, um zielsicher manuell fokussieren zu können.

OLED-Fokusdisplay

Beim Scharfstellen ist eine Innovation hilfreich, die erstmals bei der Zeiss-Batis-Serie zum Einsatz kommt: Anstelle eines Sichtfensters auf eine manuelle Fokusskala ist an selber Stelle ein OLED-Display verbaut. Im Gegensatz zu Smartphones und Fernsehern, wo die Hersteller krampfhaft versuchen, gebogene Displays als Innovation zu verkaufen, wäre ein gebogenes Display bei einem ohnehin runden Objektiv tatsächlich naheliegend. Leider hat Zeiss ein solches nicht verbaut, sondern ein planes Display recht tief im Objektivgehäuse versenkt. Im Gegensatz zu einer manuellen Skala lässt sich das Display auch bei Dunkelheit perfekt ablesen – bei sehr hellem Umgebungslicht hingegen wird es wie bei eigentlich allen Displays etwas schwierig, die dann scheinbar nur noch schwach leuchtende Schrift noch zu erkennen. Jede Medaille hat ihre zwei Seiten. Das Display zeigt nicht nur die Fokusentfernung an, sondern in Abhängigkeit von der gewählten Blende und der Sensorgröße auch die Schärfentiefe. Im Nahbereich wird die Entfernung allerdings nur auf zehn Zentimeter genau angezeigt, was nicht besonders präzise ist, während die Schärfentiefe auf einen Zentimeter genau angezeigt wird. Bei weiter entfernten Motiven wird die Schärfentiefe je nach Entfernung auf Meter oder Dezimeter genau angezeigt. Auf Wunsch zeigt das Display diese Werte nicht nur bei manueller, sondern auch bei automatischer Fokussierung an. Wer das Display gar nicht mag, kann es auch ganz ausschalten und wem Entfernungsangaben in Fuß lieber sind als in Meter, kann auch dies umstellen. Die Einstellung geschieht bei manuellem Fokus durch das Drehen des Fokusrings über die Naheinstellgrenze beziehungsweise über die Unendlichkeitsstellung hinaus, und zwar um mindestens 360 Grad. Man muss also etwas am Fokusring "kurbeln", dafür verstellt sich nichts versehentlich, nur weil man an den "virtuellen" Anschlag dreht, der übrigens auch auf dem Display mit einem Symbol dargestellt wird.

  • Bild An der Sony Alpha 7R II macht das Zeiss Batis 2/25 mm eine sehr gute Figur. Die knapp ein Kilogramm schwere Kombination wirkt ausgewogen und fokussiert automatisch. [Foto: MediaNord]

    An der Sony Alpha 7R II macht das Zeiss Batis 2/25 mm eine sehr gute Figur. Die knapp ein Kilogramm schwere Kombination wirkt ausgewogen und fokussiert automatisch. [Foto: MediaNord]

Die für ein Weitwinkel sehr geringe Naheinstellgrenze von 20 Zentimetern ab Sensorebene beziehungsweise 13 Zentimetern ab Objektivvorderkante (ohne die vier Zentimeter lange Sonnenblende) erlaubt dramatische Perspektiven mit einem maximalen Abbildungsmaßstab von 1:5,2. Dabei lässt sich dank der neun Blendenlamellen sogar ein recht gleichmäßiges und weiches Bokeh erzielen. Allerdings zeigt das Batis vor und hinter der Fokusebene recht deutliche Farbsäume (Farblängsfehler), sogenannte Unschärfe-Farbsäume oder auch Bokeh-CA. Vor der Schärfeebene sind diese Farbsäume Magenta und hinter der Schärfebene Cyan, sie zeigen sich jeweils an Hell-Dunkel-Kontrastkanten. Aber auch Farbquerfehler weist das Objektiv auf, die typischerweise zum Bildrand hin zunehmen. Die Auflösung des Batis 25 mm hingegen ist atemberaubend, selbst in den Bildecken ist kaum ein Auflösungsabfall zu sehen. Verzeichnung und Randabdunklung spielen in der Praxis keine Rolle. Auch Gegenlicht ist keine Herausforderung für die T*-vergütete Konstruktion. Zeiss setzt bei seinen Objektiven auf die Konstruktion eines "schwarzen Lochs", das idealerweise erreicht werden soll. Dafür werden die Linsenränder schwarz lackiert und auch die mattschwarzen inneren Objektivränder sollen kein Streulicht reflektieren. Dies ist Zeiss beim 25er Batis gut gelungen, bei Gegenlicht kommt es weder zu einem sichtbaren Kontrastabfall, noch zu Lensflares oder Geisterbildern.

Bildqualität

Diese guten praktischen Erfahrungen bestätigt auch der Laborttest an der mit 42 Megapixel sehr hoch auflösenden Sony Alpha 7R II. Obwohl die Verzeichnungskorrektur der Kamera ausgeschaltet ist, gibt es eine mit 0,5 Prozent Tonnenform für ein solches Weitwinkel sehr niedrige Verzeichnung, die in der Praxis keine Rolle spielt. Die optische Korrektur der Verzeichnung wirkt sich äußerst positiv auf die Randschärfe aus, dazu später mehr. Die Randabdunklung ist mit einem EV (50 Prozent Helligkeitsverlust) in der äußersten Bildecke bei Offenblende sehr gering, abgeblendet um eine Stufe sinkt die Randabdunklung auf 0,6 EV und bleibt bei weiterem Abblenden konstant auf diesem Niveau. Die Randabdunklung nimmt zum Bildrand derart sanft zu, dass sie in der Praxis nicht auffällt. Die Randabdunklung wird allerdings kameraintern korrigiert. Das gilt auch für die Farbsäume, die aber trotzdem zum Bildrand hin deutlich sichtbar auftreten und sich über bis zu fünf Pixel erstrecken. Diese nachträglich in der Bildbearbeitung zu korrigieren ist aber kein großer Akt.

  • Bild Vor allem punktet das Zeiss Batis 2/25 mm an der Sony Alpha 7R II mit seiner hervorragenden Bildqualität. Die hohe Lichtstärke, geringe Verzeichnung und hohe Bildschärfe sowie geringe Naheinstellgrenze machen es zum universellen Multitalent. [Foto: MediaNord]

    Vor allem punktet das Zeiss Batis 2/25 mm an der Sony Alpha 7R II mit seiner hervorragenden Bildqualität. Die hohe Lichtstärke, geringe Verzeichnung und hohe Bildschärfe sowie geringe Naheinstellgrenze machen es zum universellen Multitalent. [Foto: MediaNord]

Fast schon phänomenal gut ist die Auflösung bei 50 Prozent Kantenkontrast, und zwar nicht nur im Bildzentrum, sondern auch am Bildrand (siehe Diagramm aus dem kostenpflichtigen Labortest unten). Schon bei Offenblende F2 werden im Bildzentrum und auch am Bildrand über 50 Linienpaare pro Millimeter (lp/mm) aufgelöst. Abgeblendet auf F2,8 sind es im Zentrum bereits über 70 lp/mm, die erst bei Blendenwerten größer als F11 beugungsbedingt wieder unterschritten werden. Der Bildrand verfehlt die 70 lp/mm zwar knapp, bleibt aber bis F11 ebenfalls deutlich über 60 lp/mm. Das Objektiv ist also über einen großen Blendenbereich knackscharf von der Bildmitte bis zum Bildrand. Das ist vor allem angesichts des großen Bildwinkels phänomenal.

Fazit

Sowohl Landschafts- als auch Architekturfotografen werden mit dem Zeiss Batis 2/25 mm ihre Freude haben. Aber auch Freunde von geringem Umgebungslicht (Low-Light-Fotografen), etwa bei der Theater- oder Konzertfotografie und selbst Liebhaber dramatischer Perspektiven kommen mit dem 25er Batis voll auf ihre Kosten. Das Objektiv ist von der Bildmitte bis zum Bildrand knackscharf, verzeichnet dank hervorragender optischer Korrektur praktisch nicht und zeigt auch nur eine sehr geringe Randabdunklung. Die etwas starken Farbsäume sind die einzige Kröte, die man bei diesem knapp 1.300 Euro teuren Objektiv schlucken muss. Dank der robusten Konstruktion braucht man sich vor widrigen Aufnahmebedingungen nicht scheuen und das OLED-Display sowie der breite, gummierte Fokusring sorgen für eine wunderbare Ergonomie.

Zeiss Batis 2/25 mm mit Sony Alpha 7R II (v6.0)

Auflösung MTF


Alpha 7R II

F2,0F2,8F4,0F5,6F8,0F11,0F16,0F22,0
25 mm Bildmitte52,7 lp/mm71,6 lp/mm71,8 lp/mm74,9 lp/mm73,6 lp/mm70,1 lp/mm63,5 lp/mm48,6 lp/mm
25 mm Bildrand59,8 lp/mm63,0 lp/mm67,8 lp/mm68,3 lp/mm66,9 lp/mm63,9 lp/mm50,9 lp/mm29,9 lp/mm

Im digitalkamera.de-Testlabor werden mit Hilfe der Software DxO Analyzer verschiedene Bildqualitätsparameter gemessen. Der Labortest mit klar gestalteten und leicht verständlichen Diagrammen, Erklärungstexten sowie einer ausführlichen PDF-Datei zum Archivieren und Ausdrucken kostet 1,40 EUR im Einzelabruf für eine Kamera und 0,50 EUR für ein Objektiv. Flatrates, die den Zugriff auf das gesamte Labortest-Archiv erlauben, sind ab 2,08 EUR pro Monat buchbar. Eine Flatrate hat keine automatische Verlängerung und wird im Voraus für einen festen Zeitraum gebucht und bezahlt.

Hersteller Zeiss
Modell Batis 2/25 mm
Preis (UVP) 1.299,00 EUR
Bajonettanschluss Sony E
Brennweite 25,0 mm
Lichtstärke (größte Blende) F2
Kleinste Blendenöffnung F22
KB-Vollformat ja
Linsensystem 10 Linsen in 8 Gruppen
inkl. ED und asphärische Linsen
Anzahl Blendenlamellen 9
Naheinstellgrenze 200 mm
Bildstabilisator vorhanden nein
Autofokus vorhanden ja
Wasser-/Staubschutz ja
Filtergewinde 67 mm
Abmessungen (Durchmesser x Länge) 81 x 78 mm
Objektivgewicht 335 g

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Objektiv-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Kurzbewertung

  • Staub- und spritzwassergeschützte Konstruktion
  • Sehr hohe Auflösung in der Bildmitte und am Bildrand
  • Innovatives OLED-Display mit Anzeige der Schärfentiefe
  • Geringe Verzeichnung
  • Schärfeskala auch im Dunkeln ablesbar
  • Recht ausgeprägte Farbsäume
  • Mit 1.300 Euro ziemlich stattlicher, aber durchaus angemessener Preis
  • OLED-Display in sehr heller Umgebung schlecht ablesbar

Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 41, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.