Lichtstarkes Reportageobjektiv

Testbericht: Tamron SP 35 mm F1.8 Di VC USD (F012)

2016-01-20 Mit dem SP 35 mm F1.8 Di VC USD (F012) und dem SP 45 mm F1.8 Di VC USD (F013) bietet Tamron zwei neue lichtstarke Festbrennweiten mit Canon- und Nikon-Anschluss an. Damit nimmt Tamron neben den bisherigen Makroobjektiven auch hochwertige, lichtstarke Festbrennweiten in sein Programm auf. Das Tamron SP 35 mm F1.8 Di VC USD (F012) entspricht der klassischen Reportagebrennweite, eignet sich mit seinem gemäßigten Weitwinkel aber auch für viele andere Motivwelten. Im Labortest an der Canon EOS 5DS R muss das Tamron 35 mm zeigen, was in ihm steckt.  (Benjamin Kirchheim)

  • Bild Das Tamron SP 35 mm F1.8 Di VC USD besitzt ein recht großes Gehäuse (gut acht Zentimeter lang und dick) und ist mit knapp einem halben Kilo auch kein Leichtgewicht. Dichtungen schützen das robuste Gehäuse vor Witterungseinflüssen. [Foto: Tamron]

    Das Tamron SP 35 mm F1.8 Di VC USD besitzt ein recht großes Gehäuse (gut acht Zentimeter lang und dick) und ist mit knapp einem halben Kilo auch kein Leichtgewicht. Dichtungen schützen das robuste Gehäuse vor Witterungseinflüssen. [Foto: Tamron]

Als Vollformatobjektiv fällt das Tamron SP 35 mm F1.8 Di VC USD (F012) alles andere als zierlich aus. Fast ein halbes Kilogramm drückt es auf die Waage und mit einem Durchmesser von fast acht Zentimetern füllt es die Hand gut aus. Damit ist der Zylinder fast genauso dick wie lang. Im hinteren Teil des Tubus' kommt Metall zum Einsatz. In diesem Bereich wirkt das Objektiv absolut stabil und gibt auch kräftigem Drücken nicht nach. Der gummierte und geriffelte Fokusring fällt äußerst griffig aus. Der vordere Teil mit Streulichtblendenbajonett und 67mm-Filtergewinde hingegen besteht aus Kunststoff. Dichtungen am Bajonett und Objektiv sollen Spritzwasser und Staub fernhalten. Übrigens gehört die tulpenförmige Streulichtblende, die sich zum Transport auch verkehrt herum ansetzen lässt, im Gegensatz zu einer Schutztasche zum Lieferumfang.

Bewegt man den Fokusring, so fällt auf, dass es sich um eine simple, auszugsfokussierte Konstruktion handelt. Dabei bewegt sich die gesamte Linsenkonstruktion als Einheit innerhalb des Tubus. Aber auch bei der Naheinstellgrenze von 20 Zentimetern bleibt der innere Tubus hinter dem Filtergewinde, sodass hier keine "Kollisionsgefahr" droht. Die Naheinstellgrenze ermöglicht einen relativ großen Abbildungsmaßstab von 1:2,5, ein neun mal sechs Zentimeter kleines Motiv lässt sich damit formatfüllend abbilden. An der automatischen Fokussierung gibt es nichts zu kritisieren, sie erfolgt trotz der veralteten Auszugsfokustechnik schnell, leise und zuverlässig. Der breite Fokusring dreht sich dabei nicht mit, es kann sogar jederzeit manuell nachgeregelt werden. Einer der beiden Schalter am Objektiv erlaubt die Deaktivierung des Autofokus'. Mit Hilfe des manuellen Fokusrings lässt sich der gesamte Fokusbereich mit einer halben Umdrehung durchfahren. Im Bereich von 20 Zentimetern bis zwei Metern kann damit präzise manuell fokussiert werden. Nur der Bereich zwei Meter bis unendlich wird mit einem winzig kleinen Dreh durchfahren, aber hier ist aufgrund der höheren Schärfentiefe auch kein so genaues Einstellen mehr erforderlich.

  • Bild Im Tamron SP 35 mm F1.8 Di VC USD ist sogar ein optischer Bildstabilisator erlaubt, sodass man bei schlechten Lichtverhältnissen später ein Stativ benötigt als ohne den Stabilisator. [Foto: Tamron]

    Im Tamron SP 35 mm F1.8 Di VC USD ist sogar ein optischer Bildstabilisator erlaubt, sodass man bei schlechten Lichtverhältnissen später ein Stativ benötigt als ohne den Stabilisator. [Foto: Tamron]

Der zweite Schalter am Objektiv erlaubt übrigens die Deaktivierung des optischen Bildstabilisators. Dieser kann auch bei einer so weitwinkligen Festbrennweite unter bestimmten Umständen sehr hilfreich sein und die Notwenigkeit eines Stativeinsatzes hinauszögern.

Bildqualität

Das Bokeh des Tamron SP 35 mm F1.8 Di VC USD (F012) fällt angenehm aus, auch wenn sich dieses vor allem ausbildet, wenn im Nahbereich fokussiert wird. Die neun Blendenlamellen jedenfalls sorgen für eine gleichmäßige, nahezu runde Öffnung. Auch Farbsäume zeigen die Aufnahmen kaum, weder im Schärfe-, noch im Unschärfebereich. Die hochwertige Mehrschichtvergütung sorgt für hohe Kontraste auch bei Gegenlicht. Der Labortest bestätigt die gute Korrektur des Objektivs. Obwohl die EOS 5DS R über keine entsprechenden Korrekturdaten verfügt, fallen die Farbsäume gering aus. Trotz der hohen Auflösung bewegen sie sich im Mittel bei etwa einem Pixel und im Maximum bei höchstens 1,5 Pixeln. Auch die Verzeichnung kann mit weniger als einem Prozent Tonnenform vernachlässigt werden. Die Randabdunklung beträgt bei Offenblende F1,8 sowie bei F2,0 jeweils mehr als eine Blendenstufe und wird damit sichtbar. Der Verlauf ist aber insgesamt sanft und nur in der äußersten Bildecke etwas steiler. Der Bildkreis ist also durchaus knapp bemessen. Schon beim Abblenden auf F2,8 reduziert sich die Randabdunklung auf eine halbe Blendenstufe, weiteres Abblenden sorgt kaum für noch weniger Randabdunklung.

  • Bild Optische Fehler zeigt das Tamron SP 35 mm F1.8 Di VC USD an der Canon EOS 5DS R trotz nicht vorhandener elektronischer Korrektur kaum. Die Verzeichnung ist gering wie auch die Farbsäume. [Foto: MediaNord]

    Optische Fehler zeigt das Tamron SP 35 mm F1.8 Di VC USD an der Canon EOS 5DS R trotz nicht vorhandener elektronischer Korrektur kaum. Die Verzeichnung ist gering wie auch die Farbsäume. [Foto: MediaNord]

  • Bild Das Fokusfenster des Tamron SP 35 mm F1.8 Di VC USD informiert über die eingestellte Entfernung. Der breite, griffige Fokusring erlaubt dank langer Stellwege vor allem im Bereich von 20 Zentimeter bis zwei Meter eine präzise Fokussierung. [Foto: MediaNord]

    Das Fokusfenster des Tamron SP 35 mm F1.8 Di VC USD informiert über die eingestellte Entfernung. Der breite, griffige Fokusring erlaubt dank langer Stellwege vor allem im Bereich von 20 Zentimeter bis zwei Meter eine präzise Fokussierung. [Foto: MediaNord]

Die Auflösung des Tamron SP 35 mm F1.8 Di VC USD (F012) bewegt sich an der Canon EOS 5DS R auf einem hohen Niveau. Gemessen wird diese bei 50 Prozent Kantenkontrast, wo sie subjektiv sehr gut wahrgenommen wird und sich oft gute von schlechten Objektiven viel mehr unterscheiden als bei der Grenzauflösung bei niedrigem Kontrast. Bei Offenblende erreicht das Tamron 35 mm sehr gute 73 Linienpaare pro Millimeter (lp/mm, siehe Diagramm aus dem Labortest unten), kann seine Auflösung aber beim Abblenden bis F4 noch weiter steigern. Hier werden 94 lp/mm erreicht. Darüber reduziert bereits die Beugung die Auflösung, bei F11 liegt sie wieder auf Offenblendniveau. Weiter als bis F16 lässt sich das Tamron nicht abblenden. Am Bildrand liegt die Auflösung um bis zu 30 Prozent niedriger als im Bildzentrum. Das ist kein dramatischer Randabfall, er wird bei stärkeren Vergrößerungen aber durchaus sichtbar. Über 50 Linienpaare pro Millimeter werden jedoch stets erreicht. Das Auflösungsmaximum am Bildrand liegt bei knapp 68 lp/mm, die bei F5,6 und F8 erreicht werden.

Fazit

Das Tamron SP 35 mm F1.8 Di VC USD (F012) ist ein hochwertiges, gut ausgestattetes Objektiv mit einer hohen Bildqualität. Weitere solcher Objektive würden definitiv den Markt bereichern. Der Preis von knapp 1.100 Euro scheint dann aber doch etwas ambitioniert zu sein. Zum Glück liegt der Straßenpreis aber gut 300 bis 400 Euro darunter, für 700 bis 800 Euro bekommt der Käufer also ein optisch sehr gut auskorrigiertes, hochwertig verarbeitetes Objektiv für seine Vollformatkamera. Für APS-C-Modelle hingegen scheint das Objektiv dann doch etwas überdimensioniert zu sein.

Tamron SP 35 mm F1.8 Di VC USD (F012) mit Canon EOS 5DS R (v6.0)

Auflösung MTF


EOS 5DS R

F1,8F2,0F2,8F4,0F5,6F8,0F11,0F16,0
35 mm Bildmitte73,2 lp/mm77,2 lp/mm85,5 lp/mm93,9 lp/mm87,1 lp/mm79,6 lp/mm72,8 lp/mm63,8 lp/mm
35 mm Bildrand53,1 lp/mm55,2 lp/mm64,6 lp/mm66,1 lp/mm67,5 lp/mm67,6 lp/mm64,2 lp/mm55,5 lp/mm

Im digitalkamera.de-Testlabor werden mit Hilfe der Software DxO Analyzer verschiedene Bildqualitätsparameter gemessen. Der Labortest mit klar gestalteten und leicht verständlichen Diagrammen, Erklärungstexten sowie einer ausführlichen PDF-Datei zum Archivieren und Ausdrucken kostet 1,40 EUR im Einzelabruf für eine Kamera und 0,50 EUR für ein Objektiv. Flatrates, die den Zugriff auf das gesamte Labortest-Archiv erlauben, sind ab 2,08 EUR pro Monat buchbar. Eine Flatrate hat keine automatische Verlängerung und wird im Voraus für einen festen Zeitraum gebucht und bezahlt.

Hersteller Tamron
Modell SP 35 mm F1.8 Di VC USD (F012)
Preis (UVP) 1.099,00 EUR
Bajonettanschluss Canon EF, Nikon F, Sony AF
Brennweite 35,0 mm
Lichtstärke (größte Blende) F1,8
Kleinste Blendenöffnung F16
KB-Vollformat ja
Linsensystem 10 Linsen in 9 Gruppen
inkl. ED und asphärische Linsen
Anzahl Blendenlamellen 9
Naheinstellgrenze 200 mm
Bildstabilisator vorhanden ja
Autofokus vorhanden ja
Wasser-/Staubschutz ja
Filtergewinde 67 mm
Abmessungen (Durchmesser x Länge) 80 x 81 mm
Objektivgewicht 480 g

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Objektiv-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Kurzbewertung

  • Hochwertige Verarbeitung mit Spritzwasser- und Staubschutz
  • Optischer Bildstabilisator
  • Geringe Verzeichnung
  • Hohe Auflösung (allerdings bis zu 30 % Randverlust)
  • Veraltete Auszugsfokussierung (wenn auch innerhalb des Tubus laufend)
  • Hoher Preis (UVP)
  • Kunststoff-Filtergewinde
  • Etwas klobig wirkende Konstruktion, verhältnismäßig groß und schwer

Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 41, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.