Lichtstarkes Reportageobjektiv

Testbericht: Sigma A 35 mm F1,4 DG HSM

2015-07-15 Mit der "Art"-Serie begründete Sigma auf der Photokina 2012 eine neue, besonders hochwertige Festbrennweiten-Objektivserie. Diese umfasst aktuell drei Modelle mit 24, 35 und 50 Millimetern Brennweite, jeweils bei einer hohen Lichtstärke von F1,4. Beim A 35 mm F1,4 DG HSM handelt es sich um eine klassische Reportagebrennweite, die aber ausgesprochen lichtstark, damit aber auch nicht ganz so kompakt ausfällt. Es ist mit Anschlüssen für Canon-, Nikon-, Pentax-, Sony und Sigma-DSLRs erhältlich. Wie das 35 mm abschneidet, zeigt der Test an der 36 Megapixel auflösenden Nikon D800E.  (Benjamin Kirchheim)

Die Testkamera Nikon D800E ist vorläufig noch die höchstauflösende Vollformatkamera, die uns im Labor zur Verfügung steht, potentiell könnte sie aber bald von der 52 Megapixel auflösenden Canon EOS 5DS R abgelöst werden. Dennoch ist die Nikon D800E noch aus einem anderen Grund die beste Kamera für den Test des Sigma A 35 mm F1,4 DG HSM: An der D800E haben wir im letzten Jahr bereits das Pendant von Nikon getestet, das Nikkor AF-S 35 mm 1.4 G. An diesem wird sich das Sigma, auch wenn es nur rund die Hälfte kostet, messen müssen.

  • Bild Das Sigma A 35 mm F1.4 DG HSM besteht aus robust und edel wirkendem Kunststoff. Durch das Fenster ist eine Entfernungsskala zu sehen. [Foto: Sigma]

    Das Sigma A 35 mm F1.4 DG HSM besteht aus robust und edel wirkendem Kunststoff. Durch das Fenster ist eine Entfernungsskala zu sehen. [Foto: Sigma]

Zwar besteht der Tubus des Sigma A 35 mm F1.4 DG HSM größtenteils aus Kunststoff, dieser wirkt aber äußerst robust und edel verarbeitet. Jeweils am zur Kamera zeigenden Ende stabilisieren Metallringe sowohl den Fokusring als auch den Objektivtubus. Auch das Bajonett besteht aus Metall, allerdings ist hier keine Gummilippe als Dichtung zu finden. Dem gehobenen Preis von knapp 1.000 Euro wird die Verarbeitung aber allemal gerecht. Auf einen optischen Bildstabilisator wurde verzichtet. Mit einer Länge von über neun Zentimetern und einem Durchmesser von knapp acht Zentimetern fällt das 35 mm recht wuchtig aus, auch das Gewicht von fast 700 Gramm inklusive Sonnenblende ist nicht ohne. Eigentlich ist das nicht so schön für ein Reportageobjektiv, das u. a. auch unauffällig sein sollte. Aber die hohe Lichtstärke fordert ihren Tribut. Optische Filter lassen sich dank des 67mm-Gewindes vor das Objektiv schrauben.

Die Fokussierung erfolgt über einen lautlosen Ultraschallmotor ("HSM"). Dabei ändert sich die Baulänge des Objektivs nicht, da es sich um einen Innenfokus handelt. Ein kleines Sichtfenster gibt den Blick auf die Entfernungsskala frei, die allerdings nur Schärfentiefeangaben für F16 bietet. Der griffig gummierte Fokusring erlaubt jederzeit eine Korrektur des Fokus, aber auch zum komplett manuellen Fokussieren eignet er sich recht gut. Allerdings fällt der Stellweg mit etwas mehr als einer Viertel-Umdrehung nicht allzu groß aus. Ein Schalter an der Seite des Objektivs schaltet von Autofokus auf manuellen Fokus.

Die neunlamellige Blende schließt nahezu kreisrund und äußerst gleichmäßig. Dabei wird ein angenehmes, recht cremiges Bokeh erzeugt. Mit Gegenlicht geht das 35 mm sehr souverän um. Keine Lensflares oder Kontrastverluste stören das Bild, selbst wenn die Sonne direkt im Bild ist. Da ist die mitgelieferte Kunststoff-Sonnenblende fast schon überflüssig. Eine Benutzung ist dennoch anzuraten, falls sich vielleicht doch einmal ein Flare ins Bild verirren sollte. Zudem sind die Aufnahmen mit dem Sigma nahezu verzeichnungsfrei, auch die Schärfe ist hoch, vor allem im Bildzentrum. Am Bildrand ist das Objektiv sichtbar weicher, es sei denn, man blendet es stark ab. Bei Offenblende sind, liegen helle Bildbereiche in den Bildecken, diese leicht dunkler. Zum Lieferumfang gehört übrigens auch ein schöner Objektivköcher mit Gürtelschlaufe.

Im Labortest zeigt das Sigma A 35 mm F1.4 DG HSM tatsächlich eine äußerst geringe Verzeichnung von nur rund 0,6 Prozent Tonnenform. Das Nikon-Pendant dagegen verzeichnet mit rund 1,4 Prozent mehr als doppelt so stark, was man im direkten Vergleich bei entsprechenden Motiven gut sehen kann. Bei der Randabdunklung hingegen zeigt das Sigma einen stärkeren Helligkeitsabfall. Bei Offenblende sind es gut 1,2 Blendenstufen Helligkeitsverlust, das sind fast 60 Prozent des Lichts. Erst um zwei Stufen abgeblendet sinkt die Randabdunklung deutlich auf 20 Prozent und ist damit kaum noch sichtbar. Mit 0,9 Blendenstufen bei Offenblende besitzt das Nikon AF-S 35 mm 1.4 G eine etwas geringere Randabdunklung.

  • Bild Optische Fehler sind beim Sigma A 35 mm F1.4 DG HSM zwar hervorragend auskorrigiert, etwas abgeblendet bietet es aber eine höhere Auflösung als offen. [Foto: MediaNord]

    Optische Fehler sind beim Sigma A 35 mm F1.4 DG HSM zwar hervorragend auskorrigiert, etwas abgeblendet bietet es aber eine höhere Auflösung als offen. [Foto: MediaNord]

  • Bild Für ein Reportageobjektiv fällt das Sigma A 35 mm F1.4 DG HSM recht wuchtig aus, ist dafür aber lichtstark und macht an der Nikon D800E eine gut ausbalancierte Figur. [Foto: MediaNord]

    Für ein Reportageobjektiv fällt das Sigma A 35 mm F1.4 DG HSM recht wuchtig aus, ist dafür aber lichtstark und macht an der Nikon D800E eine gut ausbalancierte Figur. [Foto: MediaNord]

Farbsäume in Form von chromatischer Aberration sind beim Sigma im Mittel sehr gering. Nur in den extremen Ausprägungen nahe des Bildrands werden sie mit bis zu 2,5 Pixeln leicht sichtbar. Starkes Abblenden auf mindestens F8 reduziert die Farmsäume auch in den Bildecken deutlich. Das Nikon zeigt ähnliche Farbsäume, nur dass sie beim Abblenden nicht verschwinden. Die aufwändigere optische Konstruktion des Sigmas mit 13 Linsen in elf Gruppen gegenüber zehn Linsen in sieben Gruppen beim Nikon macht sich bei den optischen Fehlern also praktisch nur bei der geringeren Verzeichnung des Sigmas bemerkbar.

Im Auflösungstest bei 50 Prozent Kantenkontrast muss das Sigma A 35 mm F1.4 DG HSM zeigen, was wirklich in ihm steckt (siehe Diagramm aus dem Labortest unten). Im Bildzentrum macht die Auflösung eine ausgesprochen gute Figur. Schon bei Offenblende werden fast 60 Linienpaare pro Millimeter (lp/mm) erreicht, bei F2,8 kratzt das Sigma an der Marke von 70 lp/mm. Das Auflösungsmaximum wird bei F5,6 und F8 mit fast 75 lp/mm erreicht, ein hervorragender Wert. Darüber sinkt die Auflösung beugungsbedingt, bei F16 liegt sie im Bildzentrum knapp unter 70 lp/mm. Weiter lässt sich die Festbrennweite ohnehin nicht abblenden. Am Bildrand allerdings bekleckert sich das Sigma vor allem bei großen Blendenöffnungen nicht gerade mit Ruhm. 25 lp/mm bei F1,4 sind wenig. Erst bei F8 wird die Marke von 60 lp/mm am Bildrand überschritten, der Auflösungsverlust liegt dann nur noch bei 17 Prozent. Das Maximum der Randauflösung wird bei F11 mit 67 lp/mm erreicht, wo die Zentrumsauflösung bereits wieder leicht abnimmt. Bei dieser Blende wird die höchste und gleichmäßigste Auflösung erreicht. Kommt es also darauf an, sollte entsprechend kräftig abgeblendet werden. Liegt das Hauptmotiv ohnehin im Bildzentrum und am Rand nur Unwichtiges, stört die Randunschärfe auch nicht.

Das mit 1.880 Euro nicht ganz doppelt so teure AF-S Nikkor 35 mm 1.4 G liegt bei der Bildauflösung im Zentrum stets etwas unterhalb des Sigmas, aber am Bildrand bei offenen Blenden wiederum deutlich darüber. Erst bei F8 und F11 übersteigt auch die Randauflösung des Sigmas die des Nikkors. Wer also auf hohe Randschärfe bei offener Blende verzichten kann, darf ruhigen Gewissens zum Sigma greifen – wer hohe Randschärfe benötigt, sollte das Nikon nehmen.

Fazit Das Sigma A 35 mm F1,4 DG HSM ist ein hochwertig verarbeitetes, besonders lichtstarkes Reportageobjektiv für das Kleinbildformat. Aufgrund der hohen Lichtstärke fällt es aber nicht ganz so kompakt und leicht aus, wie man es sich für ein Reportageobjektiv vielleicht wünschen würde. Der Autofokus arbeitet leise und schnell, vor allem aber die Bildqualität weiß zu überzeugen. Optische Fehler sind beim Sigma gering, das trifft insbesondere auf die Verzeichnung zu. Farbsäume und Randabdunklung lassen sich durch starkes Abblenden auf minimales Niveau senken. Während die Auflösung im Bildzentrum durchgängig sehr hoch ist, muss das Sigma für eine hohe Randschärfe kräftig abgeblendet werden.

Sigma 35 mm F1.4 DG HSM Art mit Nikon D800E (v6.0)

Auflösung MTF


D800E

F1,4F2,0F2,8F4,0F5,6F8,0F11,0F16,0
35 mm Bildmitte57,6 lp/mm63,8 lp/mm69,0 lp/mm73,1 lp/mm74,8 lp/mm74,7 lp/mm73,3 lp/mm69,0 lp/mm
35 mm Bildrand24,5 lp/mm28,9 lp/mm35,2 lp/mm40,3 lp/mm52,1 lp/mm62,6 lp/mm67,2 lp/mm62,7 lp/mm

Hersteller Sigma
Modell 35 mm F1.4 DG HSM Art
Preis (UVP) 999,00 EUR
Bajonettanschluss Canon EF, Nikon F, Pentax K, Sigma SA, Sony AF, Sony E, L-Mount
Brennweite 35,0 mm
Lichtstärke (größte Blende) F1,4
Kleinste Blendenöffnung F16
KB-Vollformat ja
Linsensystem 13 Linsen in 11 Gruppen
inkl. ED und asphärische Linsen
Anzahl Blendenlamellen 9
Naheinstellgrenze 300 mm
Bildstabilisator vorhanden nein
Autofokus vorhanden ja
Wasser-/Staubschutz nein
Filtergewinde 67 mm
Abmessungen (Durchmesser x Länge) 77 x 94 mm
Objektivgewicht 665 g

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Hersteller
Modell

Kurzbewertung

  • Quasi ohne optische Fehler
  • Schneller, leiser Autofokus
  • Fokusskala im Fenster
  • Trotz Kunststofftubus sehr solide Verarbeitung
  • Gutes Kontrastverhalten, selbst bei Gegenlicht
  • Muss für hohe Auflösung stark abgeblendet werden
  • Leichte Lensflares bei Lichtquellen im Bildfeld
  • Recht groß und schwer

Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 41, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.