Porträt-Telefestbrennweite

Testbericht: Sigma 85 mm F1,4 DG DN Art

2021-02-22 Das Sigma-Art-Lineup umfasst eine Vielzahl hochwertiger Objektive für höchste Ansprüche, Einsatzzwecke und Objektivanschlüsse. Wir haben uns in diesem Test das Sigma 85 mm F1,4 DG DN Art mit E-Mount an der Sony Alpha 7R III genauer angeschaut und erklären, warum uns das Objektiv in einigen Bereichen überzeugen konnte und es uns im Labor in einem Bereich sehr enttäuscht hat.  (Harm-Diercks Gronewold)

  • Bild Sigma 85 mm F1.4 DG DN Art. [Foto: Sigma]

    Sigma 85 mm F1.4 DG DN Art. [Foto: Sigma]

Das Sigma 85 mm F1,4 DG DN Art wurde im August 2020 für Vollformatkameras mit L- und E-Mount-Bajonett angekündigt (siehe weiterführende Links). Schon die Eckdaten des Objektivs "schreien" förmlich nach Porträtfotografie und das zu Recht, wie sich im Laufe dieses Berichts herausstellen wird.

Das 85 mm F1,4 DG DN Art ist für Vollformatkameras mit 36x24mm-Sensor konzipiert, darauf weist das DG-Kürzel in der Typenbezeichnung hin. Das DN steht hingegen für die Objektivrechnung für spiegellose Systemkameras. Wir haben das Sigma 85 mm F1,4 DG DN Art an einer Sony Alpha 7R III mit 42 Megapixel auflösendem Kleinbild-Vollformat-Sensor im Labor und der freien Wildbahn getestet. Das 85 mm F1,4 DG DN Art wird von Sigma für knapp 1.100 Euro angeboten.

Verarbeitung und Ausstattung

Das etwa zehn Zentimeter Lange, acht Zentimeter durchmessende und 630 Gramm schwere Objektiv ist ein ziemlicher Brocken aus Glas und Metall. Am vorderen Ende ist ein unbewegliches, 77 Millimeter großes Filtergewinde aus Kunststoff untergebracht und auch das Bajonett zur Montage der Streulichtblende ist hier zu finden. Dank interner Dichtungen und einer Gummilippe ist das Objektiv gegen Spritzwasser und Staub geschützt, allerdings ist es nicht vollständig wasserdicht.

Objektive haben üblicherweise nur wenige Bedienelemente. Beim 85 mm F1,4 DG DN Art sind es zwei Ringe, drei Schalter und eine über die Kamera programmierbare Taste. Der kleinere der beiden Ringe ist für die Blendeneinstellung zuständig. Er ist etwa einen Zentimeter breit und besitzt auf 3/4 seines Umfangs eine griffige Riffelung. Das restliche 1/4 ist mit einer Blendenskala von F1,4 bis 16 bedruckt. Die Blenden lassen sich in 1/3-Stufen angenehm einstellen. Darüber hinaus ist eine A-Position am Ende der Blendenskala vorhanden. In dieser Position kann der Ring mit einem der Schalter am Objektiv verriegelt werden, um im Automatikbetrieb die Blendensteuerung an die Kamera zu übergeben. Ist der Ring in der Zeitautomatik oder dem manuellen Modus eingerastet, so muss die Blende über die Bedienräder an der Kamera eingestellt werden. In der Blendenautomatik und der Programmautomatik ist es hingegen egal, wo der Blendenring steht, denn die Kamera bestimmt sowieso die Blendeneinstellung.

  • Bild Trotz der großen Frontlinse ist das Sigma 85 mm F1.4 DG DN Art an der Sony Alpha 7R III nur leicht kopflastig. [Foto: MediaNord]

    Trotz der großen Frontlinse ist das Sigma 85 mm F1.4 DG DN Art an der Sony Alpha 7R III nur leicht kopflastig. [Foto: MediaNord]

Die Blende wird in jeder Bedienart elektrisch verstellt. Hier kommt eine magnetische Ansteuerung zum Einsatz. Diese ist präzise, hat aber eine minimale zeitliche Verzögerung, wenn der Ring sehr schnell auf eine neue Position gedreht wird. Eine weitere Besonderheit des 85 mm F1,4 DG DN Art ist die Möglichkeit, das Klicken der Blende zu deaktivieren. Damit wird die Blende quasi stufenlos steuerbar und es gibt beim Ändern der Blende weder ein Geräusch, noch eine Vibration. Das ist für die Fotografie nicht relevant, dafür umso mehr für die Videografie.

Mit dem zweiten, 2,5 Zentimeter breiten und gummierten Ring wird der Fokus eingestellt, sofern der Fokus-Modusschalter am Objektiv auf MF und nicht auf AF eingestellt wurde. Wie der Blendenring, hat auch der Fokusschalter keine direkte mechanische Verbindung zur Fokuseinheit beziehungsweise den Blendenlamellen. Die beiden Ringe erzeugen nur elektrische Signale, die dann von der Elektronik umgesetzt werden. Beim Fokus ist es ein Schrittmotor mit präziser Steuerung. Die manuelle Fokussierung arbeitet nicht linear. Das bedeutet, dass die Fokusdistanz sich stärker ändert wenn der Fokusring schneller bewegt wird. Während sich Fotografen über diese Nicht-Linearität freuen, würden Filmer eher eine lineare Steuerung bevorzugen, da schnelle Fokuswechsel bei vorgegebenen Motivabständen nur mit viel Einarbeitung möglich sind.

Doch was hat es mit der Taste am Objektiv auf sich? Dabei handelt es sich in der Standardeinstellung um einen "Fokus-Lock", also einen Fokusspeicher. Man fokussiert auf ein Objekt, hält den Knopf gedrückt und stellt dann den Bildausschnitt ein, und macht dann das Foto. Alternativ kann der Knopf auch mit anderen Funktionen in der Kamera belegt werden, sofern die Kamera eine solche Konfiguration unterstützt.

Sigma gibt die Naheinstellgrenze des 85 mm F1,4 DG DN Art mit 85 Zentimetern von der Sensorebene an. Das resultiert dann in einem Abbildungsmaßstab von 1:8,3. In der Praxis haben wir eine Naheinstellung von 78 Zentimetern von der Sensorebene beziehungsweise etwa 66 Zentimeter von der Frontlinse ermittelt. Der Abstand zur Frontlinse ist groß genug, dass die Gefahr von Abschattungen durch die Kamera eher unwahrscheinlich sind. Auf der ermittelten Naheinstellgrenze von 78 Zentimetern beträgt das Bildfeld etwa 25,7 x 17,1 Zentimeter. Das entspricht einem Abbildungsmaßstab von etwa 1:7,1. Damit ist der Abbildungsmaßstab etwas besser im Nahbereich als von Sigma angegeben.

Bildqualität

Objektive mit 85 Millimetern Brennweite gehören zu den Arbeitstieren der Porträtfotografie und das ist auch im Fall des Sigma 85 mm F1,4 DG DN Art so. Die Anatomie des Abbildungsverhaltens von Spitzlichtern im unscharfen Bereich vor beziehungsweise hinter dem Objekt wird als Bokeh bezeichnet. Das Sigma 85 mm F1,4 DG DN Art besitzt sowohl im Vorder- als auch Hintergrund ein sehr homogenes Bokeh, was dank der elf Blendenlamellen schön rund ist. Die Eignung für Porträts ist also problemlos gegeben.

  • Bild In der Draufsicht ist der breite, gummierte Fokusring des Sigma 85 mm F1.4 DG DN Art gut erkennbar. [Foto: MediaNord]

    In der Draufsicht ist der breite, gummierte Fokusring des Sigma 85 mm F1.4 DG DN Art gut erkennbar. [Foto: MediaNord]

Im Inneren des 85 mm F1,4 DG DN Art kommen 15 Linsen in elf Gruppen zum Einsatz. Davon sind fünf aus SLD-Glas gefertigt, also einem Glas mit geringem Brechindex, das Farbsäumen vorbeugen und Auflösungsverlust zum Rand entgegenwirken soll. Eine weitere Linse besitzt einen asphärischen Schliff, auch diese sorgt für eine verbesserte Abbildungsleistung im Randbereich und Reduzierung der Farbsäume.

In Streu- und Gegenlichtsituationen zeigt sich das Sigma 85 mm F1,4 DG DN Art außerordentlich gut. Blendenflecke sind zwar sichtbar, aber wenig scharf abgegrenzt und nicht störend. Bei direktem Gegenlicht reduziert sich der Kontrast, aber nicht sehr stark. Die mitgelieferte Streulichtblende hilft, dem vorzubeugen, zumindest bis in spitze Lichteinfalls-Winkel.

Das Sigma 85 mm F1,4 DG DN Art erreicht an der Sony Alpha 7R III seine maximale Auflösung bei F2,8, sie liegt bei 94 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) in der Bildmitte und 66 lp/mm am Bildrand. Der Auflösungsverlust von knappe 30 Prozent ist für eine Festbrennweite hoch, die Auflösung am Rand reicht aber immer noch für großformatige Ausdrucke aus. Bei Blende F5,6 liegt der Auflösungsverlust zum Bildrand bei etwas unter 20 Prozent. Die Auflösung in der Bildmitte liegt bei etwa 91 lp/mm. Dies stellt den besten Kompromiss bei der Auflösung in der Bildmitte und dem Rand dar. Auch die Auflösung bei offener Blende mit über 74 lp/mm im Bildzentrum und einem Randabfall von unter 25 Prozent kann sich sehen lassen.

Farbsäume zeigt das Sigma 85 mm F1,4 DG DN Art keine und auch die Randabdunklung beträgt bei offener Blende nur 0,8 EV. Das Objektiv zeigt sich also sehr gut auf die Kamera und deren Korrekturfunktion abgestimmt.

  • Bild Durch die elf Blendenlamellen entsteht bei geschlossener Blende ein komplexer Sonnenstern. Außerdem ist bei Gegenlicht nur eine geringe Kontrastreduktion zu beobachten. Blendenflecke treten bei etwas flacherem Lichteinfallswinkel auf. [Foto: MediaNord]

    Durch die elf Blendenlamellen entsteht bei geschlossener Blende ein komplexer Sonnenstern. Außerdem ist bei Gegenlicht nur eine geringe Kontrastreduktion zu beobachten. Blendenflecke treten bei etwas flacherem Lichteinfallswinkel auf. [Foto: MediaNord]

Während die Auflösung gute bis sehr gute Ergebnisse liefert, Farbsäume unsichtbar sind und die Randabdunklung gering ist, zeigt sich die Verzeichnung extrem kissenförmig. Im digitalkamera.de-Labortest haben wir eine kissenförmige Verzeichnung von 2,5 Prozent als Obergrenze des Diagramms definiert, weil höhere kissenförmige Verzeichnungen eigentlich nicht auftreten. Das Sigma 85 mm F1,4 DG DN Art durchbricht diese und erreicht etwa 3,1 Prozent Verzeichnung. Die Verzeichnung startet schon ab knapp 10 Prozent radialem Abstand von der Bildmitte, also sehr früh. So werden auch Porträtaufnahmen, wo sich das Motiv meist in der Mitte befindet, von diesem Problem beeinflusst. Dieser Fehler lässt sich zwar durch die interne Verzeichnungskorrektur in der Kamera beseitigen, aber dadurch geht Auflösung am Bildrand verloren.

Fazit

Das Sigma 85 mm F1,4 DG DN Art besticht durch seine Verarbeitung und Haptik, es bietet Komfortfunktionen für Fotografen und Videofilmer. Auch die optische Leistung des 85 mm F1,4 DG DN Art ist gut. So treten keine Farbsäume auf, das Objektiv ist offenblendtauglich und die Auflösung ist hoch. Außerdem macht ihm Streulicht nicht viel aus und das Bokeh ist für Porträtaufnahmen sehr angenehm.

Die positiven Eindrücke werden leider durch die sehr hohe kissenförmige Verzeichnung stark getrübt. Wieso ein Objektiv für knapp 1.100 Euro sich darauf verlässt, dass seine Verzeichnung nachträglich korrigiert wird, ist unverständlich. Und nachträglich korrigieren ist leider Pflicht, da sich die kissenförmige Verzeichnung schon fast in der Mitte des Bildes manifestiert.

Sigma 85 mm F1.4 DG DN Art mit Sony Alpha 7R III

Verzeichnung

Im digitalkamera.de-Testlabor werden mit Hilfe der Software Analyzer von DXOMARK verschiedene Bildqualitätsparameter gemessen. Der Labortest mit klar gestalteten und leicht verständlichen Diagrammen, Erklärungstexten in Form einer ausführlichen PDF-Datei zum Download kostet je nach Umfang 0,49 bis 1,49 EUR im Einzelabruf für eine Kamera und 0,49 bis 0,69 EUR für ein Objektiv. Flatrates, die den Zugriff auf das gesamte Labortest-Archiv erlauben, sind ab 2,08 EUR pro Monat buchbar. Eine Flatrate hat keine automatische Verlängerung und wird im Voraus für einen festen Zeitraum gebucht und bezahlt.

Hersteller Sigma
Modell 85 mm F1.4 DG DN Art
Unverbindliche Preisempfehlung 1.099,00 €
Bajonettanschluss Sony E, L-Mount
Brennweite 85,0 mm
Lichtstärke (größte Blende) F1,4
Kleinste Blendenöffnung F16
KB-Vollformat ja
Linsensystem 15 Linsen in 11 Gruppen
inkl. ED und asphärische Linsen
Anzahl Blendenlamellen 11
Naheinstellgrenze 850 mm
Bildstabilisator vorhanden nein
Autofokus vorhanden ja
Wasser-/Staubschutz ja
Filtergewinde 77 mm
Abmessungen (Durchmesser x Länge) 83 x 94 mm
Objektivgewicht 630 g

Passende Publikationen

digitalkamera.de-Bezahlinhalte (in Flatrate enthalten)


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Die Bildqualität in unseren Tests ermitteln wir seit 2011 mit DXOMARK Analyzer.

Kurzbewertung

  • Schönes Bokeh
  • Hohe Auflösung bei offener Blende
  • Breiter Fokusring
  • Deklickbare Blende
  • Keine Farbsäume
  • Hohe Verzeichnung

Autor

Harm-Diercks Gronewold

Harm-Diercks Gronewold, 50, ist gelernter Fotokaufmann und hat etliche Jahre im Fotofachhandel gearbeitet, bevor er 2005 in die digitalkamera.de-Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Produktdatenbanken, Bildbearbeitung, Fototipps sowie die Berichterstattung über Software und Zubehör. Er ist es auch, der meistens vor der Kamera in unseren Videos zu sehen ist und die Produkte vorführt.