Leichtes Porträttele

Testbericht: Sigma 65 mm F2 DG DN Contemporary

Seite 2 von 2, vom 2021-02-18 (Autor: Harm-Diercks Gronewold)Zur Seite 1 wechseln

Bildqualität

Im Inneren des Sigma 65 mm F2 DG DN Contemporary sorgen zwölf Linsen in neun Gruppen und eine Blende mit neun Lamellen für geordnete Lichtstrahlen. Neben zwei asphärisch geschliffenen Linsen ist auch eine Linse aus SLD-Glas verbaut. Während die asphärischen Linsen ihre Wirkung durch ihren besonderen Schliff bekommen, baut das SLD-Glas auf den geringeren Brechindex, der durch besondere Materialkomponenten entsteht, die bei der Glasproduktion zugeführt werden. Beide Linsenarten sollen die Auflösung zum Bildrand verbessern und Farbsäume reduzieren.

Bevor wir zur optischen Leistung des 65 mm F2 DG DN Contemporary kommen, wollen wir einige Worte zum Bokeh des Objektivs verlieren. Als Bokeh wird die Darstellung von Spitzlichtern im unscharfen Bereich eines Objektivs bezeichnet. Dabei wird zwischen Vorder- und Hintergrund-Bokeh unterschieden. Beim 65 mm F2 DG DN Contemporary ist das Bokeh im Vorder- und Hintergrund gleichmäßig in seiner Helligkeit und rund in seiner Anatomie. Beste Voraussetzungen also für die Porträtfotografie, für die sich das Objektiv aufgrund seiner leichten Telebrennweite sehr gut eignet.

Das Sigma 65 mm F2 DG DN Contemporary zeigt sich im Labor sehr gut auf die Sony Alpha 7R III abgestimmt. Es arbeitet sowohl mit der internen Korrektur der chromatischen Aberrationen (Farbsäume) als auch der Randabdunklung zusammen. Während Farbsäume faktisch unsichtbar sind, zeigt sich die Randabdunklung bei offener Blende mit 0,6 EV zumindest in geringem Maße. Wird die Blende geschlossen, sinkt die Randabdunklung auf 0,5 und 0,4 EV ab und ist damit vernachlässigbar gering.

Die Auflösung des Sigma 65 mm F2 DG DN Contemporary ist brutal hoch. Schon bei offener Blende erreicht die Bildmitte etwas mehr als 83 Linienpaare pro Millimeter (lp/mm). Der Auflösungsverlust zum Rand beträgt dabei nur etwas unter 20 Prozent. Die maximale Auflösung erreicht das Objektiv bei Blende F2,8 mit etwas mehr als 97 lp/mm in der Bildmitte. Leider reduziert sich die Auflösung zum Bildrand um gut 30 Prozent. Der optimale Kompromiss stellt Blende F4 dar. Hier erreicht die Auflösung in der Bildmitte etwas mehr als 96 lp/mm und der Auflösungsverlust zum Bildrand liegt nur bei etwa 25 Prozent. Mit steigender Blendenzahl gleicht sich die Auflösung von Bildmitte zum Bildrand immer mehr an, allerdings sinkt die Auflösung beugungsbedingt immer mehr ab.

Einzig und allein die Verzeichnung sorgt für einen negativen Eindruck bei der Bildqualität. Zwar lässt sie sich durch die optional hinzuschalbare kamerainterne oder eine externe Korrekturfunktionen leicht beseitigen, doch das kostet Auflösung im Randbereich. Beim Sigma 65 mm F2 DG DN Contemporary zeigt sich eine kissenförmige Verzeichnung von etwas mehr als zwei Prozent. Das ist deutlich sichtbar, vor allem weil sich die Verzeichnung schon ab 60 Prozent radialem Abstand von der Bildmitte bemerkbar macht.

  • Bild Das Sigma 65 mm F2 DG DN Contemporary zeigt an der Sony Alpha 7R III bereits ab Offenblende eine hohe Auflösung, verzeichnet aber ungewöhnlich stark. [Foto: MediaNord]

    Das Sigma 65 mm F2 DG DN Contemporary zeigt an der Sony Alpha 7R III bereits ab Offenblende eine hohe Auflösung, verzeichnet aber ungewöhnlich stark. [Foto: MediaNord]

Bei starkem Streulicht zeigen sich Blendenflecke und eine leichte Kontrastreduktion bei hohem Dynamikumfang des Motivs. Beides ist aber nicht wirklich dramatisch. Bei hoher Blendeneinstellung und direktem Gegenlicht zeigt das 65 mm F2 DG DN Contemporary einen schönen Sonnenstern mit 18 Strahlen, wobei die Blendenflecken zwar zunehmen, aber nie zu dominant werden. Das zeigt, dass Sigma bei der Vergütung der Linsen und der Konstruktion der Innenseite des Objektivtubus sehr gute Arbeit geleistet hat.

Fazit

Das Sigma 65 mm F2 DG DN Contemporary ist ein echter Festbrennweiten-Knaller. Die knackige Auflösung bei Blende F2,8 und auch bei offener Blende kann sich sehen lassen. Der Randabfall ist mit bis zu über 30 Prozent zwar recht hoch, aber das stört nicht, wenn Porträts oder andere Aufnahmen gemacht werden, bei dem das Hauptmotiv vornehmlich in der Bildmitte zu finden ist. Die Verzeichnung kann schon eher stören, gerade wenn es um Geometrie im Bild geht. Hier sollte man tatsächlich auf die interne Korrektur der Kamera oder eine externe Software setzen.

Bei der Verarbeitung gibt sich das 65 mm F2 DG DN Contemporary keine Blöße und überzeugt mit einem robusten, formschönen Gehäuse, sauber arbeitenden Bedienelementen sowie einem Filtergewinde und Objektivbajonett aus Metall. Die fehlende Gummierung am Fokusring ist ein Luxusproblem, über das man bei der Leistung des Objektivs hinwegsehen kann.

Sigma 65 mm F2 DG DN Contemporary mit Sony Alpha 7R III

Verzeichnung

Im digitalkamera.de-Testlabor werden mit Hilfe der Software Analyzer von DXOMARK verschiedene Bildqualitätsparameter gemessen. Der Labortest mit klar gestalteten und leicht verständlichen Diagrammen, Erklärungstexten in Form einer ausführlichen PDF-Datei zum Download kostet je nach Umfang 0,49 bis 1,49 EUR im Einzelabruf für eine Kamera und 0,49 bis 0,69 EUR für ein Objektiv. Flatrates, die den Zugriff auf das gesamte Labortest-Archiv erlauben, sind ab 2,08 EUR pro Monat buchbar. Eine Flatrate hat keine automatische Verlängerung und wird im Voraus für einen festen Zeitraum gebucht und bezahlt.

Hersteller Sigma
Modell 65 mm F2 DG DN Contemporary
Unverbindliche Preisempfehlung 699,00 €
Bajonettanschluss Sony E, L-Mount
Brennweite 65,0 mm
Lichtstärke (größte Blende) F2
Kleinste Blendenöffnung F22
KB-Vollformat ja
Linsensystem 12 Linsen in 9 Gruppen
inkl. ED und asphärische Linsen
Anzahl Blendenlamellen 9
Naheinstellgrenze 550 mm
Bildstabilisator vorhanden nein
Autofokus vorhanden ja
Wasser-/Staubschutz ja
Filtergewinde 62 mm
Abmessungen (Durchmesser x Länge) 72 x 75 mm
Objektivgewicht 410 g

Passende Publikationen

digitalkamera.de-Bezahlinhalte (in Flatrate enthalten)


Passende Meldungen zu diesem Thema

Artikel-Vorschläge der Redaktion

Luminar AI: Das Must-have für bessere Fotos

Luminar AI: Das Must-have für bessere Fotos

Weniger Zeit für die Bildbearbeitung aufbringen und trotzdem atemberaubende Ergebnisse erzielen – mittels KI. mehr…

Jinbei bringt vier neue Profi-Studioblitze auf den Markt

Jinbei bringt vier neue Profi-Studioblitze auf den Markt

Die "MSN Pro" richten sich an Profi-Fotografen und bringen gegenüber den Vorgängern zahlreiche Verbesserungen mit sich. mehr…

Testbericht: DxO PhotoLab 4 Elite Edition

Testbericht: DxO PhotoLab 4 Elite Edition

In diesem Test haben wir die Software genau unter die Lupe genommen und zeigen, ob sich ein Update oder Umstieg lohnt. mehr…

Testbericht: Capture One 21

Testbericht: Capture One 21

In diesem Test stellen wir den umfangreichen Rohdatenkonverter vor und beurteilen seine Einsteigerfreundlichkeit. mehr…

Objektiv-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

DXOMARK Logo

Die Bildqualität in unseren Tests ermitteln wir seit 2011 mit DXOMARK Analyzer.

Kurzbewertung

  • Sehr hohe Auflösung in der Bildmitte
  • Hohe Auflösung bei offener Blende
  • Schönes Bokeh
  • Geringe Streulichtempfindlichkeit
  • Recht hohe Verzeichnung
  • Keine Gummierung am Fokusring