Kurzes Makroobjektiv

Testbericht: Panasonic Lumix G Macro 30 mm 2.8 Asph OIS

2015-11-12 Mit dem Lumix G Macro 30 mm 2.8 Asph OIS bietet Panasonic nun auch ein relativ kurzbrennweitiges und vor allem preiswertes Makroobjektiv mit Micro-Four-Thirds-Anschluss an. Dabei muss der Käufer keinesfalls auf einen nützlichen optischen Bildstabilisator verzichten. Selbstverständlich erreicht das Makro einen Abbildungsmaßstab von 1:1. Wie es um die Bildqualität und Praxistauglichkeit bestellt ist, soll unser Test an der Panasonic Lumix DMC-GX8 zeigen.  (Benjamin Kirchheim)

  • Bild Mit dem Lumix G Macro 30 mm 2,8 Asph. O.I.S. hat Panasonic für nur knapp 350 Euro ein ausgesprochen preiswertes Makroobjektiv im Angebot. [Foto: Panasonic]

    Mit dem Lumix G Macro 30 mm 2,8 Asph. O.I.S. hat Panasonic für nur knapp 350 Euro ein ausgesprochen preiswertes Makroobjektiv im Angebot. [Foto: Panasonic]

  • Bild Trotz des geringen Preises bietet das Panasonic Lumix G Macro 30 mm 2,8 Asph. O.I.S. eine ausgesprochen gute Verarbeitung mit Metalltubus. Es ist sogar "Made in Japan". [Foto: Panasonic]

    Trotz des geringen Preises bietet das Panasonic Lumix G Macro 30 mm 2,8 Asph. O.I.S. eine ausgesprochen gute Verarbeitung mit Metalltubus. Es ist sogar "Made in Japan". [Foto: Panasonic]

Mit 59 Millimetern Durchmesser und rund 64 Millimetern Länge fällt das 30mm-Makro recht kompakt aus. Auch das leichte Gewicht von lediglich 180 Gramm lässt nicht vermuten, dass es einen Metalltubus besitzt, der einen robusten und hochwertigen Eindruck macht. Und das bei einem lediglich 350 Euro teuren Makro "Made in Japan"! Es besitzt sogar einen optischen Bildstabilisator und selbst ein Objektivbeutel gehört zum Lieferumfang. Eine Sonnenblende hingegen bekommt man weder für Geld noch warme Worte, dem 30er fehlt schlicht das passende Bajonett. Hier hilft im Zweifel nur eine Universalblende aus dem Drittanbieterzubehör, denn immerhin besitzt das 30mm Makro ein 46mm-Filtergewinde für den Anschluss von Zubehör.

Nicht nur der Tubus besteht aus Metall, sondern selbstverständlich auch das Bajonett. Außer dem geriffelten Kunststoff-Fokusring, der seine Drehbewegungen elektronisch weiterreicht, gibt es keinerlei Bedienelemente. So fehlt einerseits ein Schalter zum Ausschalten des Bildstabilisators aber auch ein Fokusbegrenzer. Der Fokusbereich von 10,5 Zentimetern bis unendlich steht also immer zur Verfügung. Angesichts des 64 Millimeter langen Objektivs zuzüglich der rund 17 Millimeter Auflagemaß kann also bereits ab ca. 2,5 Zentimetern vor der Frontlinse fokussiert werden. Für Fluchttiere wie Insekten eignet sich das Objektiv damit nicht, dies ist sowieso das Hoheitsgebiet von längerbrennweitigen Makros. Kurze Makroobjektive sind eher für Nahaufnahmen von etwa Pflanzen geeignet, wobei im Gegensatz zur längeren Brennweite der Hintergrund besser mit einbezogen wird und die Schärfentiefe etwas größer ausfällt.

Der Fokusring arbeitet zwar rein elektronisch, aber dafür lässt sich damit durchaus sehr feinfühlig arbeiten. Fokuspeaking und Fokuslupe der GX8 helfen bei der Einstellarbeit. Auf einen schnellen und leisen Autofokus muss dabei nicht verzichtet werden. Dank Innenfokussierung fährt kein Tubus aus und das Filtergewinde dreht sich auch nicht. Motive werden zackig fokussiert und das 30mm eignet sich zweifelsohne auch für Motive außerhalb der Makrowelt. Nicht zuletzt der optische Bildstabilisator sorgt für Universaleinsatzfähigkeiten. Einzig auf eine ausgesprochen hohe Lichtstärke muss man makrotypisch verzichten. Mit einem Frontlinsendurchmesser von gut 27 Millimeter wird eine maximale Lichtstärke von F2,8 erreicht. Auch bei den Blendenlamellen war Panasonic mit sieben Stück etwas sparsam. Dem durchaus ansehnlichen Bokeh tut dies aber keinen Abbruch.

Bildqualität

In der Praxis zeichnet das Objektiv bereits bei Offenblende außerordentlich scharf. Eine Verzeichnung ist nicht sichtbar und auch Farbsäume sowie die Randabdunklung halten sich angenehm zurück, wobei letztere beim Abblenden noch etwas sinkt. Dass sich keine Sonnenblende anschließen lässt, wird nur selten zum Problem. Das 30mm ist recht unempfindlich bei Gegenlicht. Es zeichnet hohe Kontraste selbst bei Sonne direkt im Bildfeld. Leicht außerhalb kann es nur bei ganz bestimmten Winkeln zu einem leichten magentafarbenen Überstrahlungseffekt kommen.

  • Bild An der Panasonic Lumix DMC-GX8 macht das Lumix G Macro 30 mm 2,8 Asph. O.I.S. eine ausgesprochen gute Figur. Die höchste Auflösung wird bereits bei Offenblende erreicht, verzeichnungsfrei ist es auch. [Foto: MediaNord]

    An der Panasonic Lumix DMC-GX8 macht das Lumix G Macro 30 mm 2,8 Asph. O.I.S. eine ausgesprochen gute Figur. Die höchste Auflösung wird bereits bei Offenblende erreicht, verzeichnungsfrei ist es auch. [Foto: MediaNord]

  • Bild Mit einer Naheinstellgrenze von nur 2,5 Zentimeter ab Frontlinse eignet sich das Panasonic Lumix G Macro 30 mm 2,8 Asph. O.I.S. eher für Motive, die nicht weglaufen bzw. wegfliegen. [Foto: MediaNord]

    Mit einer Naheinstellgrenze von nur 2,5 Zentimeter ab Frontlinse eignet sich das Panasonic Lumix G Macro 30 mm 2,8 Asph. O.I.S. eher für Motive, die nicht weglaufen bzw. wegfliegen. [Foto: MediaNord]

Die Labormessung bestätigt die Verzeichnungsfreiheit an der Lumix DMC-GX8. Auch Farbsäume sind insgesamt gering. Die Randabdunklung beträgt bei Offenblende lediglich 0,8 Blendenstufen (entspricht etwa 40 Prozent Lichtverlust in den Ecken). Bereits um zwei Stufen abgeblendet sinkt sie gut um die Hälfte. Die Auflösung bei 50 Prozent Kantenkontrast ist laut Labormessung bei Offenblende tatsächlich sehr hoch, sie liegt im Bildzentrum bei gut 50 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm). Die Auflösung lässt sich auch durch Abblenden nicht weiter steigern, im Gegenteil, sie sinkt sogar minimal. Deutlich spürbar setzt die Beugung, auch wenn die Verluste bei F8 und F11 schon gut messbar sind, erst bei kleineren Blendenöffnungen als F11 ein. Weiter sollte man das Makro also nur im Notfall abblenden und im Idealfall bei F2,8 bis F5,6 einsetzen. Auch die Randauflösung ist auf einem sehr guten Niveau. Sie liegt im Bereich von F2,8 bis F5,6 bei gut 40 lp/mm (siehe Diagramm aus dem Labortest unten). Das sind 20 Prozent weniger als im Bildzentrum, was in der Praxis selten eine große Rolle spielt. Für die Reprofotografie würde man freilich ein Objektiv bevorzugen, das bei einer Blende keinen Auflösungsverlust zum Bildrand hin besitzt, dies kann das 30er Makro allerdings nicht bieten.

Fazit

Für nur 350 Euro bekommt man mit dem Panasonic Lumix G Macro 30 mm 2.8 Asph OIS ein ausgesprochen gutes Makro- wie Universalobjektiv. Es besitzt nicht nur eine hochwertige Verarbeitung, sondern ist auch mit einem optischen Bildstabilisator ausgestattet. Ein schützender Objektivbeutel gehört sogar zum Lieferumfang und das Objektiv ist "Made in Japan". Nur eine Sonnenblende gibt es leider nicht. Zum Glück ist das Makro aber auch recht gegenlichtresistent. Bei der Bildqualität überzeugt es mit der Abwesenheit von Verzeichnung und einer ausgesprochen guten Auflösung schon bei Offenblende. Vor allem im Bereich von F2,8 bis F5,6 liefert es sehr gute Bildergebnisse mit nur einem leichten Auflösungsabfall zum Bildrand.

Panasonic Lumix G Macro 30 mm 2.8 Asph OIS mit Panasonic Lumix DMC-GX8

Auflösung MTF


Lumix DMC-GX8

F2,8F4,0F5,6F8,0F11,0F16,0F22,0
30 mm Bildmitte50,1 lp/mm48,0 lp/mm49,4 lp/mm46,5 lp/mm42,1 lp/mm31,3 lp/mm22,7 lp/mm
30 mm Bildrand39,0 lp/mm40,6 lp/mm40,2 lp/mm37,9 lp/mm32,6 lp/mm25,8 lp/mm18,6 lp/mm

Im digitalkamera.de-Testlabor werden mit Hilfe der Software DxO Analyzer verschiedene Bildqualitätsparameter gemessen. Der Labortest mit klar gestalteten und leicht verständlichen Diagrammen, Erklärungstexten sowie einer ausführlichen PDF-Datei zum Archivieren und Ausdrucken kostet 1,40 EUR im Einzelabruf für eine Kamera und 0,50 EUR für ein Objektiv. Flatrates, die den Zugriff auf das gesamte Labortest-Archiv erlauben, sind ab 2,08 EUR pro Monat buchbar. Eine Flatrate hat keine automatische Verlängerung und wird im Voraus für einen festen Zeitraum gebucht und bezahlt.

Hersteller Panasonic
Modell Lumix G Macro 30 mm 2.8 Asph OIS
Preis (UVP) 349,00 EUR
Bajonettanschluss Micro Four Thirds
Brennweite 30,0 mm
Lichtstärke (größte Blende) F2,8
Kleinste Blendenöffnung F22
KB-Vollformat nicht relevant
Linsensystem 9 Linsen in 9 Gruppen
inkl. asphärische Linse(n)
Anzahl Blendenlamellen 7
Naheinstellgrenze 105 mm
Bildstabilisator vorhanden ja
Autofokus vorhanden ja
Wasser-/Staubschutz nein
Filtergewinde 46 mm
Abmessungen (Durchmesser x Länge) 59 x 64 mm
Objektivgewicht 180 g

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Objektiv-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Kurzbewertung

  • Günstiger Preis
  • Schnelle und leise Fokussierung
  • Gute Auflösung im Bildzentrum schon ab Offenblende
  • Keine Verzeichnung
  • Gute Verarbeitung
  • Kein Anschluss für eine Sonnenblende
  • Bei 1:1 Fluchtgefahr des Motivs
  • Fehlender Fokusbegrenzer

Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 41, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.