Hochlichtstarkes Luxus-Normalobjektiv

Testbericht: Nikon Z 58 mm F0.95 S Noct

2021-11-14 Mit einem Marktpreis von gut 8.000 Euro ist das Nikon Z 58 mm F0.95 S Noct selbst für Nikon-Liebhaber ein echtes Luxusobjektiv, zumal es nur einen manuellen Fokus besitzt. Dafür soll es aber auch eine erstklassige Verarbeitung und vor allem Bildqualität liefern, was bei so extrem lichtstarken Objektiven keine Selbstverständlichkeit ist, wie vergangene digitalkamera.de-Tests gezeigt haben. An der über 45 Megapixel auflösenden Nikon Z 7II muss das Nikon Z 58 mm F0.95 S Noct nun zeigen, was es auf dem Kasten hat.  (Benjamin Kirchheim)

  • Bild Das Nikon Z 58 mm F0,95 S Noct ist das lichtstärkste Objektiv im Z-System. [Foto: Nikon]

    Das Nikon Z 58 mm F0,95 S Noct ist das lichtstärkste Objektiv im Z-System. [Foto: Nikon]

Knapp 9.000 Euro beträgt die unverbindliche Preisempfehlung Nikons für das Z 58 mm F0.95 S Noct. Fotohändler bieten es aber inzwischen auch für Preise von unter 8.000 Euro an. Für den stattlichen Preis bekommt man als Käufer aber auch ein echtes Erlebnis geliefert. Das Objektiv kommt in einem 46,5 x 36,5 x 18 Zentimeter großen, wasserdichten Kunststoff-Koffer, in dem es mit Schaumstoffpolstern bestens geschützt transportiert werden kann. 5,8 Kilogramm wiegt dieser mit Inhalt – selbstverständlich ohne Kamera. Öffnet man den Koffer, liegt das Objektiv perfekt gebettet vor einem. Die Streulichtblende und die Anleitungen finden in gesonderten Fächern ihren Platz und vorne sind sogar noch zwei 16,7 x 7,9 x 10 (erweiterbar auf 11,5) Zentimeter große Fächer frei, in die man je eine Kamera oder ein Objektiv hineinlegen könnte, wobei man je nach verbleibender Luft noch für etwas Abpolsterung sorgen sollte.

Das Nikon Z 58 mm F0.95 S Noct selbst ist ebenfalls riesig und schwer. Man könnte es glatt mindestens für ein Mittelformatobjektiv halten. Es ist komplett aus Metall gefertigt und bringt exakt zwei Kilogramm auf die Waage. Zusammen mit der 57 Gramm leichten Metall-Streulichtblende und der Nikon Z 7II zerren 2,75 Kilogramm am Kameragurt. Selbstverständlich ist das Objektiv gegen Spritzwasser und Staub abgedichtet. Es misst zehn Zentimeter im Durchmesser und 15 Zentimeter in der Länge. Abgerundet wird die Robustheit von der Fluorbeschichtung der frontlinse, wodurch diese schmutzabweisend wirkt. Wasser perlt an ihr ab und sie lässt sich einfach reinigen.

Ausstattung

Zudem dürfte das Z 58 mm F0.95 S Noct wohl das einzige Normalobjektiv mit einer Stativschelle sein. Das ist angesichts des enormen Gewichts aber auch bitter nötig, ohne würde das Kamera-Stativgewinde sehr stark belastet werden und Stativ-Kugelköpfe wären aufgrund der enormen Frontlastigkeit nur schwer einzustellen. Die Schelle ist fest mit dem Objektiv verbunden und lässt sich nach dem Lösen der Fixierschraube stufenlos und butterweich drehen. Kleine Punkte sind in 90-Grad-Schritten angebracht, um bei der Ausrichtung zu helfen. Die Stativschelle besitzt nur einen winzig kleinen Fuß mit einem 1/4"-Stativgewinde und einer Verdrehsicherung (auch Videopin genannt). Mit angesetzter Z 7II sitzt das Stativgewinde leicht vor dem Schwerpunkt, auch bei angeschraubter Streulichtblende.

  • Bild Das Nikon Z 58 mm F0.95 S Noct wird in einem robusten, wasserdichten Transportkoffer geliefert. [Foto: MediaNord]

    Das Nikon Z 58 mm F0.95 S Noct wird in einem robusten, wasserdichten Transportkoffer geliefert. [Foto: MediaNord]

  • Bild Im Transportkoffer findet nicht nur das Nikon Z 58 mm f0.95 S Noct samt Zubehör Platz, sondern im vorderen Bereich gibt es noch zwei weitere Fächer, etwa für Kameras oder Objektive. [Foto: MediaNord]

    Im Transportkoffer findet nicht nur das Nikon Z 58 mm f0.95 S Noct samt Zubehör Platz, sondern im vorderen Bereich gibt es noch zwei weitere Fächer, etwa für Kameras oder Objektive. [Foto: MediaNord]

An der Front scheint das Nikon Z 58 mm F0.95 S Noct gleich zwei Filtergewinde zu besitzen. Tatsächlich dient das größere äußere Gewinde aber zum Einschrauben der knapp drei Zentimeter kurzen Streulichtblende. Diese ist aus Metall gefertigt, innen mit einem mattschwarzen Samt ausgekleidet und vorne mit einem Gummiring versehen, so dass man das Objektiv gut mit der Frontlinse nach unten abstellen kann. Das eigentliche Filtergewinde misst 82 Millimeter im Durchmesser. Die Blende besitzt denselben Durchmesser wie das Objektiv und bildet mit diesem optisch eine sehr schöne Einheit.

Für eine manuell zu fokussierende Festbrennweite bietet das Nikon Z 58 mm F0.95 S Noct erstaunlich viele Bedienelemente. Ein Display, zwei Tasten und zwei Einstellringe sind es. Der hintere misst knapp einen Zentimeter in der Breite und ist auf sieben Millimetern Breite griffig geriffelt. Er lässt sich stufenlos drehen, arbeitet elektronisch und kann zum Einstellen der Blende, Belichtungskorrektur oder ISO-Empfindlichkeit verwendet werden. Links am Objektiv befindet sich eine L-Fn-Taste, deren Funktion ebenfalls in der Kamera konfiguriert werden kann.

Das OLED-Display auf der Objektivoberseite passt sich leider nicht der Rundung des Objektivs an, obwohl dies heutzutage problemlos möglich wäre, gerade bei OLEDs. Dafür passt das Display exakt zum Design der Statusanzeige der Nikon Z 7II (und auch der anderen Vollformat-Z-Modelle mit Statusdisplay). Die Anzeige muss mit der daneben angeordneten Taste aktiviert werden und geht leider nach kurzer Zeit wieder aus, auch wenn man sie noch weiter brauchen würde. Beim manuellen Fokussieren könnte sie beispielsweise gerne automatisch anspringen.

Mit der Taste neben dem Display lassen sich zwei Anzeigemodi durchschalten: Blende oder Entfernung samt Schärfentiefe. Die Blendenanzeige ist eine reine Doppelung mit der Anzeige auf dem Kamera-OLED und wirkt damit etwas redundant beziehungsweise überflüssig. Viel nützlicher ist hingegen die Entfernungsanzeige. Statt konkreter Entfernung wandert hier allerdings eine Skala von links nach rechts beziehungsweise je nach Drehrichtung in umgekehrter Richtung über das Display.

  • Bild Wie der Transportkoffer ist das auch das Nikon Z 58 mm F0,95 S Noct gegen Spritzwasser und Staub abgedichtet. [Foto: Nikon]

    Wie der Transportkoffer ist das auch das Nikon Z 58 mm F0,95 S Noct gegen Spritzwasser und Staub abgedichtet. [Foto: Nikon]

  • Bild Der aufwendige optische Aufbau des Nikon Z 58 mm 0.95 S Noct besteht aus 17 Linsen, die in zehn Gruppen angeordnet sind. Darunter befinden sich vier ED-Glas-Linsen und drei asphärischen Linsen. [Foto: Nikon]

    Der aufwendige optische Aufbau des Nikon Z 58 mm 0.95 S Noct besteht aus 17 Linsen, die in zehn Gruppen angeordnet sind. Darunter befinden sich vier ED-Glas-Linsen und drei asphärischen Linsen. [Foto: Nikon]

Statt also die digitalen Möglichkeiten voll auszuschöpfen, wird hier eine analoge Anzeige nachgeahmt. Immerhin gibt es auch eine Anzeige der Schärfentiefe abhängig von Entfernung und Blende. Aber auch diese beschränkt sich auf einen schmaler und breiter werdenden Balken. Die Lösung der Batis-Objektivserie von Zeiss wirkt hier mit seinen konkreten Zahlenwerten doch noch etwas nützlicher. Hält man die Display-Taste gedrückt, lassen sich übrigens die Displayhelligkeit und die Maßeinheit der Anzeige (metrisch oder angloamerikanisch) einstellen. Viel praktischer wäre allerdings eine automatische Helligkeitsregelung, denn auf größter Helligkeit blendet es im Dunkeln und auf dunkelster und mittlerer ist es bei Sonnenschein nicht ablesbar.

Einen optischen Bildstabilisator besitzt das Nikon Z 58 mm F0.95 S Noct nicht. Stattdessen setzt Nikon auf den Sensor-Shift-Bildstabilisator seiner Vollformatkameras. Wir konnten problemlos 1/4 Sekunde lang verwackelungsfrei belichten. Das entspricht vier Blendenstufen gegenüber 1/60 Sekunde, die man als Faustformel (Umkehrwert der Brennweite) verwackelungsfrei halten kann. Nicht vergessen sollte man die hohe Pixeldichte, die bei entsprechender Vergrößerung gnadenlos alle Verwackelungen sichtbar macht.

Fokussierung

Das Nikon Z 58 mm F0.95 S Noct kann nur manuell fokussiert werden. Entsprechend breit fällt der Fokusring aus, der im Gegensatz zu Autofokusobjektiven tatsächlich manuell an die Fokusgruppe gekoppelt ist. Die Breite des Fokusrings ist gar nicht einfach zu definieren, da der Fokusring die gesamte vordere Außenhülle einnimmt samt Gewinde der Streulichtblende, so dass diese sich mitdreht. Zum Glück dreht sich aber das Filtergewinde nicht mit, bewegt sich aber beim Fokussieren innerhalb der Blende nach vorne.

  • Bild Mit einem Durchmesser von zehn und einer Länge von 15 Zentimetern sowie zwei Kilogramm ist das Nikon Z 58 mm F0,95 S Noct ein echtes Schwergewicht. [Foto: Nikon]

    Mit einem Durchmesser von zehn und einer Länge von 15 Zentimetern sowie zwei Kilogramm ist das Nikon Z 58 mm F0,95 S Noct ein echtes Schwergewicht. [Foto: Nikon]

  • Bild Aufgrund des hohen Gewichts verfügt das Nikon Z 58 mm S 1:0.95 Noct sogar über eine Stativschelle. Sie liegt nur knapp vor dem Schwerpunkt der Kamera-Objektiv-Kombination. [Foto: Nikon]

    Aufgrund des hohen Gewichts verfügt das Nikon Z 58 mm S 1:0.95 Noct sogar über eine Stativschelle. Sie liegt nur knapp vor dem Schwerpunkt der Kamera-Objektiv-Kombination. [Foto: Nikon]

Insgesamt fährt der innere Tubus beim Fokussieren um bis zu zwei Zentimeter nach vorne, bleibt aber innerhalb der aufgeschraubten Streulichtblende. Da der innere Tubus aber über den äußeren Tubus hinausragt, ist die Verwendung der Streulichtblende in der Praxis äußerst empfehlenswert, weil sie den Tubus mechanisch schützt. Der Tubus lässt sich nicht ziehen oder schieben, der Fokus verstellt sich also nicht, wenn man das Objektiv senkrecht auf ihm abstellt.

Die griffige Riffelung des Fokusrings ist 5,8 Zentimeter breit. Im hinteren Bereich sind die Entfernungen eingefräst und kontrastreich sowie gut ablesbar weiß (metrisch) beziehungsweise gelb (angloamerikanisch) ausgelegt. Man ist also nicht unbedingt auf das Status-OLED angewiesen, sofern man sich nicht für die Schärfentiefe interessiert. Mit einer kompletten Umdrehung um 360 Grad kann der Fokus sehr exakt zwischen unendlich und einem halben Meter eingestellt werden. Markierungen gibt es bei 0,5, 0,6, 0,7, 0,8, 1, 1,2, 1,5, 2, 3 und 5 Metern sowie unendlich. Je kürzer die Entfernung wird, desto weiter muss man den Fokusring drehen, so dass mit abnehmender Schärfentiefe auch passend dazu feinfühliger der Fokus eingestellt werden kann.

Auch wenn das Nikon Z 58 mm F0.95 S Noct keinen Autofokus besitzt, sind die AF-Sensoren der Kamera weiterhin aktiv. So werden im Livebild kleine Pfeile eingeblendet, die anzeigen, in welche Richtung man den Fokusring drehen muss, um sie der Schärfeebene des aktuell gewählten Fokuspunkts zu nähern. Zudem lassen sich eine Fokuslupe sowie Fokuspeaking aktivieren, wobei das Peaking nicht für die allergenaueste Feinfokussierung taugt, die Fokuslupe hingegen schon und auch die Pfeile reagieren sehr empfindlich auf feinste Änderungen. Damit ist das Z 58 mm F0.95 S Noct zwar kein Action-Objektiv, taugt aber sehr wohl gut beispielsweise für die Landschafts-, Studio- und auch Porträtfotografie, sofern das Model still genug hält.

  • Bild Auf dem Display wird nicht nur eine Entfernungsskala angezeigt, sondern auch noch die sich aus Blende und Entfernung ergebende Schärfentiefe (das Foto selbst stammt von einem anderen Nikon-Objektiv, das Display ist beim Noct aber identisch). [Foto: MediaNord]

    Auf dem Display wird nicht nur eine Entfernungsskala angezeigt, sondern auch noch die sich aus Blende und Entfernung ergebende Schärfentiefe (das Foto selbst stammt von einem anderen Nikon-Objektiv, das Display ist beim Noct aber identisch). [Foto: MediaNord]

Tatsächlich lässt sich der Fokusring noch etwas über die 0,5-Meter-Marke hinausdrehen, so dass die tatsächliche Naheinstellgrenze 49 Zentimeter ab Sensorebene beträgt. Von der Objektivfront ist das Motiv dann noch 30,5 Zentimeter entfernt. Das minimale Bildfeld haben wir mit 18 mal 12 Zentimeter gemessen, was einem Abbildungsmaßstab von 1:5 entspricht. Nikon selbst gibt keinen Abbildungsmaßstab in den technischen Daten an.

Fortsetzung auf Seite 2

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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 43, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.