Preisgünstige Standard-Festbrennweite

Testbericht: Nikon Z 40 mm F2

2021-12-26 Mit unter 300 Euro ist das Nikon Z 40 mm F2.0 aktuell das günstigste Kleinbildobjektiv für das Nikon-Z-System. Dennoch bietet es eine ordentliche Lichtstärke von F2,0 und findet als sehr kompaktes Objektiv Platz in jeder Fototasche. An einer Z 6 (II) oder Z 7 (II) angesetzt ist die Kombination zudem sehr gut tragbar. Ob aber auch die Bildqualität stimmt und das Z 40 mm F2.0 damit vielleicht sogar zum Preis-Leistungs-Tipp avanciert, haben wir an der fast 46 Megapixel auflösenden Vollformatkamera Nikon Z 7II getestet.  (Benjamin Kirchheim)

  • Bild Mit einer Länge von 4,6 cm und einem Durchmesser von 7 cm sowie einem Gewicht von lediglich 170 Gramm ist das Nikon Z 40 mm F2.0 sehr klein und leicht. [Foto: Nikon]

    Mit einer Länge von 4,6 cm und einem Durchmesser von 7 cm sowie einem Gewicht von lediglich 170 Gramm ist das Nikon Z 40 mm F2.0 sehr klein und leicht. [Foto: Nikon]

Verarbeitung

Mit einer Länge von 4,6 Zentimetern und einem Durchmesser von sieben Zentimetern ist das Nikon Z 40 mm F2.0 eines der kompaktesten Objektive im Z-Objektivprogramm. Nur das Z 28 mm F2.8 SE ist noch einen Millimeter kürzer. Auch das Gewicht fällt mit 170 Gramm erstaunlich gering aus (das Z 28 wiegt zwölf Gramm weniger). An der Testkamera Z 7II spürt man es somit kaum, schließlich wiegt die Kamera fast 700 Gramm, so dass die Kombination es auf 865 Gramm bringt.

Das geringe Gewicht kommt nicht von ungefähr. Einerseits ist das Objektiv mit F2,0 für eine Festbrennweite nur mittelmäßig lichtstark. Der Frontlinsendurchmesser beträgt lediglich 2,1 Zentimeter. Überhaupt kommt die optische Konstruktion mit lediglich sechs Linsen aus, wobei diese zur Objektivrückseite hin immer größer werden. Die Hinterlinse bringt es auf einen vergleichsweise stattlichen Durchmesser von 3,4 Zentimetern. Das dürfte dafür sorgen, dass die Lichtstrahlen möglichst senkrecht auf den Bildsensor fallen, was für eine höhere Abbildungsleistung sorgt.

Der andere Grund für das geringe Gewicht lässt sich mit einem abwertenden "Plastik" zusammenfassen. Überall kommt Kunststoff zum Einsatz: Beim Bajonett, beim Objektivgehäuse und selbst beim 52mm-Filtergewinde. Ein Bajonett für eine Streulichtblende fehlt vollends, entsprechend bekommt man auch optional keine als Zubehör. Dabei fühlt sich das Objektiv trotz des geringen Gewichts gar nicht so billig an, wie man jetzt vielleicht vermuten würde. Das Gehäuse gibt auch bei beherztem Drücken nicht nach und die Verarbeitung ist sauber.

  • Bild Zwar ist das Nikon Z 40 mm F2.0 selbst gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet, aber ausgerechnet am Bajonett fehlt die Dichtung. [Foto: Nikon]

    Zwar ist das Nikon Z 40 mm F2.0 selbst gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet, aber ausgerechnet am Bajonett fehlt die Dichtung. [Foto: Nikon]

Was man auf den ersten Blick nicht vermuten würde: Sogar Dichtungen zum Schutz vor Staub und Spritzwasser sind verbaut. Leider fehlt aber ausgerechnet an der Nahtstelle zur Kamera der Dichtungsring. Was sich die Ingenieure dabei gedacht haben, ist uns ein Rätsel. Ob der Kunststoff gegen das Metallbajonett wohl trotzdem ausreichend abdichtet? Riskieren würden wir es nicht.

Fokus

Das einzige Bedienelement des Z 40 mm F2.0 ist der 1,6 Zentimeter breite Multifunktionsring, dessen Kunststoffoberfläche auf voller Breite geriffelt ist. Mit diesem lässt sich nicht nur der Fokus verstellen, sondern auf Wunsch je nach Konfiguration der Kamera auch andere Aufnahmeparameter, etwa die Blende. Auf einen AF-MF-Schalter hat Nikon hingegen leider verzichtet, so muss auch diese Umschaltung an der Kamera erfolgen.

Einen optischen Bildstabilisator besitzt das Z 40 mm F2.0 nicht. Dieser wird auch nicht unbedingt benötigt, denn den bringen zumindest die Vollformatkameras von Nikon dank des beweglich gelagerten Bildsensors bereits mit. Wer das Objektiv hingegen als 60mm-Normalbrennweite an seiner APS-C-Nikon einsetzen möchte, muss ohne Bildstabilisator auskommen. An unserer Testkamera Z 7II konnten wir bei fünf Blendenstufen längeren Belichtungszeiten als nach Faustregel möglich noch scharfe Aufnahmen erzielen. Statt 1/40 Sekunde Belichtungszeit konnten wir auch 0,77 Sekunden (1/1,3 Sekunden) lange Belichtungen aus der Hand schießen, was ein respektabler Wert ist.

Doch zurück zum Fokus. Der Autofokus arbeitet leise und zuverlässig. Im Labortest fiel uns jedoch ein sehr unangenehmer Effekt auf: Fokussiert man mit einer Blende zwischen F2 und F5,6 und ändert nach dem Fokussieren die Blende, dann wandert die Schärfeebene etwas. Das fällt zwar vor allem bei den empfindlichen Labormessungen auf, wir würden jedoch sicherheitshalber empfehlen, grundsätzlich bei Arbeitsblende zu fokussieren. Das Objektiv schließt nämlich bis F5,6 sogar die Blende für das Livebild, also auch zum Fokussieren. Normalerweise kann man beim Fokussieren bei Offenblende aufgrund der geringeren Schärfentiefe eine höhere Fokusgenauigkeit erzielen. Hier ist das Gegenteil der Fall: Beim Abblenden wandert hier die Schärfeebene so weit, dass bei Entfernungen um die zwei Meter die zunehmende Schärfentiefe das Wandern der Schärfeebene nicht ausgleichen kann.

Dank des internen Fokus ändert sich die Länge des Objektivs beim Fokussieren nicht. Dafür konnten wir Fokusatmen beobachten, auch wenn es nur gering ausfällt. Das heißt, dass sich der Bildausschnitt beim Fokussieren leicht ändert. Die Naheinstellgrenze beträgt laut technischen Daten 29 Zentimeter ab Sensorebene. Wir konnten sowohl beim manuellen als auch beim automatischen Fokus in der Praxis sogar 26 Zentimeter erreichen. Der Arbeitsabstand beträgt dabei rund 20 Zentimeter. Der maximale Abbildungsmaßstab beträgt laut Datenblatt 1:5,9, in der Praxis konnten wir einen 18 x 12 cm kleinen Bereich formatfüllend abbilden, was sogar einem Abbildungsmaßstab von 1:5 entspricht.

  • Bild Die Kombination des Nikon Z 40 mm F2.0 mit der Z 7II wiegt 865 Gramm. [Foto: MediaNord]

    Die Kombination des Nikon Z 40 mm F2.0 mit der Z 7II wiegt 865 Gramm. [Foto: MediaNord]

Der Fokusring arbeitet übrigens rein elektronisch und erlaubt eine sehr präzise Steuerung, zumal mit einer Lupe und dem Fokus-Peaking sowie einem Fokusindikator und Hilfspfeilen praktische Einstellhilfen im Livebild zur Verfügung stehen. Der Fokusring arbeitet nicht linear, das heißt bei langsamen Bewegungen reagiert er feinfühliger und der Drehwinkel muss für dieselbe Fokusverstellung größer sein, als wenn man den Ring schnell dreht. Für Fotografen ist das sehr gut, erlaubt es doch eine feinfühligere Fokusjustage.

Fortsetzung auf Seite 2

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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 43, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.