Supertele-Zoom

Testbericht: Nikon AF-S 200-500 mm 1:5,6E ED VR

Seite 2 von 2, vom 2016-01-12 (Autor: Benjamin Kirchheim)Zur Seite 1 wechseln

Bildqualität

Im Testlabor musste das AF-S Nikkor 200-500 mm 1:5,6E ED VR an der D800E ran. Weder Randabdunklung noch Farbsäume spielen eine große Rolle. Beide Messwerte dieser optischen Fehler fallen äußerst gering aus und können praktisch vernachlässigt werden. Bei der Verzeichnung hingegen sieht es schon etwas anders aus. Diese beträgt bei jeder gemessenen Brennweite in etwa ein Prozent Kissenform (siehe Diagramm aus dem Labortest unten). Das mag dem Betrag nach nicht viel erscheinen, aber kissenförmige Verzeichnungen fallen in der Praxis mehr auf als tonnenförmige. Andererseits sind kissenförmige Verzeichnungen für ein extremes Teleobjektiv nichts Ungewöhnliches, genauso wie tonnenförmige für extreme Weitwinkel. Lange Rede, kurzer Sinn: Man wird die Verzeichnungen je nach Motiv durchaus gut sehen können, sie stören aber nur leicht und lassen sich mit moderner Bildbearbeitung ohnehin gut in den Griff bekommen. Dass dadurch das Bild etwas beschnitten wird, dürfte bei einem Tele meistens nicht weiter stören.

Problematisch kann bei einem Teleobjektiv oft auch die Auflösung sein. Alleine die größeren Luftschichten zwischen Motiv und Kamera bei entsprechend kleinem Bildwinkel sorgen unter Umständen schon für genug Beeinträchtigungen. Aber auch Erschütterungen bis hin zum Spiegelschlag und der Verschlussbewegung sorgen bei langen Brennweiten eher für leichte Auflösungseinbußen als bei extremen Weitwinkeln. Bei der Labormessung mit 50 Prozent Kantenkontrast (MTF50) setzt das AF-S Nikkor 200-500 mm 1:5,6E ED VR entsprechend auch nicht zu neuen Höhenflügen an, schlägt sich aber wacker. Bei "kurzer" Brennweite nimmt die Auflösung beim Abblenden von 60 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) ausgehend zunächst leicht zu. Bei F11 wird mit 64 lp/mm das Maximum erreicht. Jenseits von F16 nimmt die Beugung stark zu, ein Abblenden ist aber sogar bis F32 möglich, wo die Auflösung nur noch gut bei 30 lp/mm liegt. Bei Offenblende ist ein guter Auflösungsabfall zum Bildrand hin mess- und sichtbar, er beträgt etwas mehr als 20 Prozent. Beim Abblenden zieht die Randauflösung jedoch auch bis F11 kräftig an und liegt nur noch marginal unter der Auflösung im Bildzentrum. Die Bilder sind also bis zum Rand hin nahezu genauso scharf wie im Zentrum – der Unterschied ist eher akademischer beziehungsweise messtechnischer Natur und spielt in der Praxis keine Rolle mehr.

Bei mittlerer Brennweite liegt die Auflösung insgesamt etwas niedriger, zudem bleibt ein gewisser Randabfall über praktisch alle Blenden erhalten. Das Auflösungsmaximum wird hier mit knapp 59 lp/mm bei F11 im Bildzentrum erreicht, auch der Bildrand hat hier sein Maximum mit knapp über 51 lp/mm, der Randabfall bewegt sich bei rund 15 Prozent oder etwas weniger. Bei genauem Hinsehen und entsprechend detaillierten Motiven kann man das erkennen, dafür braucht es aber schon entsprechende Vergrößerungen bei geringem Betrachtungsabstand. Am langen Brennweitenende liegt die Auflösung nochmal etwas niedriger, das Maximum wird bei F8 mit knapp 53 lp/mm erreicht. Der Randabfall ist deutlich höher als bei den anderen Brennweiten, das Auflösungsmaximum beträgt hier lediglich 41 lp/mm und wird erst bei F16 erreicht. Wie bei den meisten Zooms, erst recht bei extremen Teles, liegt die Achillesferse also am langen Brennweitenende.

Fazit

Das AF-S Nikkor 200-500 mm 1:5,6E ED VR ist ein empfehlenswertes Telezoom für Nikon Vollformatler und auch APS-C-DSLRs. Für so ein großes Objektiv ist es nichtmal besonders teuer, besitzt aber eine gute Ausstattung und eine vernünftige Verarbeitung. Weder der obligatorische Wetterschutz, noch der Bildstabilisator oder Fokusbegrenzer fehlen. Natürlich sind auch eine Sonnenblende und die Stativschelle dabei. Die Bildqualität ist gut bis sehr gut. Optische Fehler, bis auf eine geringe Verzeichnung, zeigt das Objektiv kaum, die Auflösung ist gut, wenn auch nicht überragend. Die 1.600 Euro, die Nikon für das AF-S Nikkor 200-500 mm 1:5,6E ED VR verlangt, sind aber allemal angemessen, man bekommt im wahrsten Sinne des Wortes viel Objektiv für sein Geld.

Nikon AF-S 200-500 mm 5.6E ED VR mit Nikon D800E (v6.0)

Verzeichnung

Im digitalkamera.de-Testlabor werden mit Hilfe der Software Analyzer von DXOMARK verschiedene Bildqualitätsparameter gemessen. Der Labortest mit klar gestalteten und leicht verständlichen Diagrammen, Erklärungstexten in Form einer ausführlichen PDF-Datei zum Download kostet je nach Umfang 0,49 bis 1,49 EUR im Einzelabruf für eine Kamera und 0,49 bis 0,69 EUR für ein Objektiv. Flatrates, die den Zugriff auf das gesamte Labortest-Archiv erlauben, sind ab 2,08 EUR pro Monat buchbar. Eine Flatrate hat keine automatische Verlängerung und wird im Voraus für einen festen Zeitraum gebucht und bezahlt.

Hersteller Nikon
Modell AF-S 200-500 mm 5.6E ED VR
Unverbindliche Preisempfehlung 1.599,00 €
Bajonett Nikon F
Brennweitenbereich 200-500 mm
Lichtstärke (größte Blende) F5,6 (durchgängig)
Kleinste Blendenöffnung F32
Linsensystem 19 Linsen in 12 Gruppen
inkl. ED Linse(n)
KB-Vollformat k. A.
Anzahl Blendenlamellen 9
Naheinstellgrenze 2.200 mm
Bildstabilisator vorhanden ja
Autofokus vorhanden ja
Wasser-/Staubschutz nein
Filtergewinde 95 mm
Abmessungen (Durchmesser x Länge) 108 x 268 mm
Objektivgewicht 2.300 g

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Die Bildqualität in unseren Tests ermitteln wir seit 2011 mit DXOMARK Analyzer.

Kurzbewertung

  • Kaum optische Fehler wie Randabdunklung oder Farbsäume
  • Spritzwasser- und Staubschutz
  • Gute Auflösung bei kurzer und mittlerer Brennweite
  • Fokusbegrenzer
  • Bildstabilisator mit optionalem Sportmodus
  • In Telestellung etwas geringe Auflösung und hoher Randabfall
  • Leicht sichtbare Verzeichnung
  • Groß und schwer (auch wenn es in der Natur der Sache liegt)