Pancake-Weitwinkel

Testbericht: Leica Elmarit-TL 1:2,8 / 18 mm Asph.

2018-03-15 Zusammen mit der CL kündigte Leica Ende November 2017 die besonders flache Festbrennweite Elmarit-TL 1:2,8 / 18 mm Asph. an. Mit einem Gewicht von knapp unter 80 Gramm und einer Dicke von knapp über zwei Zentimetern fällt die kleine Festbrennweite an der CL kaum auf. Nur 475 Gramm wiegt die Kombination. Ob die Bildqualität des mit knapp 1.200 Euro nicht gerade günstigen Objektivs etwas taugt, zeigt unser Test.  (Benjamin Kirchheim)

  • Bild Das Leica Elmarit-TL 1:2,8/18 Asph. ist ein äußerst kompaktes und leichtes "Pancake"-Objektiv für die Leica T, TL, TL2 und CL. [Foto: Leica]

    Das Leica Elmarit-TL 1:2,8/18 Asph. ist ein äußerst kompaktes und leichtes "Pancake"-Objektiv für die Leica T, TL, TL2 und CL. [Foto: Leica]

  • Bild Das Leica Elmarit-TL 1:2,8/18 Asph. gibt es auch in Schwarz, das ändert aber nichts am mit fast 1.200 Euro sehr hohen Preis. [Foto: Leica]

    Das Leica Elmarit-TL 1:2,8/18 Asph. gibt es auch in Schwarz, das ändert aber nichts am mit fast 1.200 Euro sehr hohen Preis. [Foto: Leica]

Exakt 79,2 Gramm drückt der Winzling Leica Elmarit-TL 1:2,8 / 18 mm Asph. auf unsere Feinwaage, jedenfalls in der silbernen Ausführung, die uns Leica zum Test schickte. Besonders schick sieht es an der schwarzen CL allerdings nicht aus, auch unauffällig ist es dadurch nicht gerade. Dabei taugt das flache Objektiv mit der kleinbildäquivalenten Brennweite von 27 Millimetern prinzipiell wunderbar für die unauffällige Streetfotografie. 1.190 Euro verlangt Leica jedoch für das nur gut 20 Millimeter flache Objektiv, das entspricht rund 15 Euro pro Gramm. Aber Grammjäger wissen: Besonders leicht ist oft auch besonders teuer. Der Durchmesser von 63 Millimetern entspricht genau dem des L-Bajonetts.

Trotz des geringen Gewichts besteht das Gehäuse aus Metall, allerdings gibt es keinen Spritzwasser- und Staubschutz. Die Linsen sind selbstverständlich aus Glas gefertigt, können aufgrund der geringen Lichtstärke von lediglich F2,8 aber sehr klein im Durchmesser ausfallen. Der gesamte Zwischenraum ist, abgesehen von der Elektronik, mit Kunststoff ausgefüllt, der die Linsen hält. Beim silbernen Objektiv erkennt man ihn besonders einfach: Er ist nämlich schwarz. So richtig Freude will dabei nicht aufkommen, denn das gewisse hochwertige Leica-Feeling entsteht hier einfach nicht. Wir wiederholen uns: Dafür ist das Objektiv schön leicht. 475 Gramm drückt die CL samt dieses "Pancake"-Objektivs auf die Waage.

Übrigens kann man 200 Euro sparen, wenn man die CL gleich zusammen mit dem Leica Elmarit-TL 1:2,8 / 18 mm Asph. kauft. 3.500 Euro sind dennoch eine Stange Geld. Die 6,5 Zentimeter "flache" Kombination verschwindet problemlos in so mancher Jackentasche. Schade, dass das Objektiv nicht lichtstärker ist, mit F2 wäre es sicher besser für Available-Light-Situationen geeignet.

Trotz der kurzen Bauweise hat Leica einen immerhin fünf Millimeter breiten Fokusring angebracht, der sogar aus Metall besteht und äußerst griffig geriffelt ist. Die Steuerbefehle überträgt er jedoch rein elektronisch an den Innenfokus, der absolut lautlos und angemessen flott arbeitet, auch wenn er trotz der sehr kurzen Stellwege keine Geschwindigkeitsrekorde aufstellt. Die Umschaltung zwischen automatischem und manuellem Fokus erfolgt mangels Schalter am Objektiv an der Kamera. Dank Fokuslupe und Fokuspeaking gelingt die manuelle Fokussierung kinderleicht. Die Naheinstellgrenze von 30 Zentimetern, das entspricht rund 25 Zentimetern ab Objektivfront, klingt zunächst super. Aufgrund des geringen Auszugs, bedingt durch die flache Bauweise, wird dabei allerdings lediglich ein maximaler Abbildungsmaßstab von 1:14 erreicht, was für Nah- und erst Recht Makroaufnahmen völlig ungeeignet ist. Das minimale Bildfeld entspricht etwas mehr als einem DIN-A4-Blatt.

  • Bild Unser Testexemplar des Leica Elmarit-TL 1:2,8 / 18 mm Asph. ist silber, was unserer Ansicht nach an der schwarzen CL nicht unbedingt vorteilhaft aussieht. In Schwarz wäre die Kombination schön unauffällig für die Streetfotografie. [Foto: MediaNord]

    Unser Testexemplar des Leica Elmarit-TL 1:2,8 / 18 mm Asph. ist silber, was unserer Ansicht nach an der schwarzen CL nicht unbedingt vorteilhaft aussieht. In Schwarz wäre die Kombination schön unauffällig für die Streetfotografie. [Foto: MediaNord]

Zum Lieferumfang gehören neben einem Schutzbeutel lediglich ein Front- sowie ein Rückdeckel. Das Filtergewinde misst 39 Millimeter, was preisgünstige Filter bedeutet. Eine Streulichtblende ist hingegen nicht vorhanden, es gibt sie auch nicht als Zubehör. Ein entsprechendes Bajonett ist der kompakten Bauweise zum Opfer gefallen.

Bildqualität

Nötig wäre eine Streulichtblende allerdings durchaus, denn das Leica Elmarit-TL 1:2,8 / 18 mm Asph. ist nicht gerade als Gegenlichtfest zu bezeichnen. Zwar bleiben die Kontraste hoch, es zeigen sich jedoch Blendenreflexe und bei direkter Sonneneinstrahlung im Bildfeld kann man sogar von der Sonne ausgehende Lichtstrahlen im Bild beobachten. Leica-Fotografen wissen sicher, diese künstlerisch einzusetzen. Für eine ordentliche Bildqualität sollen immerhin vier asphärische Oberflächen sorgen, insgesamt besteht die optische Konstruktion aus acht Linsen, die in sechs Gruppen angeordnet sind.

Im Labor wie auch in der Praxis erfreut das Leica Elmarit-TL 1:2,8 / 18 mm Asph. mit der geringen Randabdunklung von höchstens 0,6 Blendenstufen selbst bei Offenblende, einer nur minimalen Verzeichnung von lediglich 0,5 Prozent Tonnenform und den kaum vorhandenen chromatischen Aberrationen, die selbst im Maximum am Bildrand unter einem Pixel liegen. Die maximale Auflösung an der 24 Megapixel auflösenden Leica CL liegt bei 47 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) im Bildzentrum auf F4 abgeblendet. Dabei sei anzumerken, dass die CL äußerst ehrlich abgestimmt ist und praktisch kaum nachschärft. Bei Offenblende jedoch schwächelt das Objektiv mit lediglich knapp 37 lp/mm etwas (siehe Diagramm aus dem Labortest unten). Beim weiteren Abblenden über F4 hinaus sorgt die Beugung bereits für einen Rückgang der Auflösung, bei F8 werden die 40 lp/mm knapp unterschritten.

  • Bild Das Leica Elmarit-TL 1:2,8 / 18 mm Asph. trägt lediglich zwei Zentimeter auf und wiegt lediglich 79 Gramm. Zusammen mit der betriebsbereiten Kamera werden lediglich 475 Gramm erreicht. [Foto: MediaNord]

    Das Leica Elmarit-TL 1:2,8 / 18 mm Asph. trägt lediglich zwei Zentimeter auf und wiegt lediglich 79 Gramm. Zusammen mit der betriebsbereiten Kamera werden lediglich 475 Gramm erreicht. [Foto: MediaNord]

Am Bildrand schwächelt das Objektiv deutlich. Hier bewegt sich die Auflösung von F2,8 bis F8 bei lediglich rund 25 lp/mm, womit der Randabfall bis zu 46 Prozent beträgt. Das ist für eine Festbrennweite, selbst unter Berücksichtigung des Weitwinkels, etwas beschämend. Aber auch hier sei dem Objektiv die flache Bauweise zu Gute gehalten, die wahrscheinlich eine höhere Randauflösung verhindert, für die eine deutlich aufwändigere optische Korrektur notwendig wäre. Das Bokeh übrigens ist unauffällig. Die Blende besteht aus sieben Lamellen. Angesichts der geringen Lichtstärke und Brennweite, verbunden mit dem mageren maximalen Abbildungsmaßstab, ist nämlich ohnehin kein besonders ausgeprägtes Spiel mit der Schärfe und Unschärfe möglich.

Fazit

Das Leica Elmarit-TL 1:2,8 / 18 mm Asph. ist zwar ein teures, aber für die CL ein durchaus sehr passendes Objektiv, wenn man es denn in der richtigen Farbe wählt. Das Objektiv ist unglaublich leicht und äußerst flach, sodass man es immer dabeihaben kann. Die Kamera wird damit zu einem unauffälligen Werkzeug zur Streetfotografie. Für Available-Light-Situationen reicht hingegen die Lichtstärke nicht, zumal es auch keinen Bildstabilisator gibt. Die Verarbeitung aus Metall ist durchaus gelungen, auch wenn für unseren Geschmack für den Preis von knapp 1.200 Euro etwas viel Kunststoff zum Einsatz kommt. Dank des elektronischen Fokusrings ist eine manuelle Fokussierung gar kein Problem, allerdings erreicht das Pancake-Objektiv nicht gerade einen üppigen Abbildungsmaßstab. Optisch zeigt das Leica Elmarit-TL 1:2,8 / 18 mm Asph. eine gute Performance, Randabdunklung, Verzeichnung und Farbsäume sind gering. Allerdings löst es nur im Bildzentrum um mindestens eine Stufe abgeblendet hoch auf, am Bildrand hingegen gar nicht. Auch der Umgang mit Gegenlichtsituationen will geübt sein, um die Eigenheiten des Objektivs stilvoll einzusetzen.

Leica Elmarit-TL 1:2,8 / 18 mm Asph. mit Leica CL (Typ 7323) (v6.0)

Auflösung MTF


CL (Typ 7323)

F2,8F4,0F5,6F8,0F11,0F16,0
18 mm Bildmitte36,5 lp/mm46,7 lp/mm43,6 lp/mm39,3 lp/mm33,5 lp/mm26,8 lp/mm
18 mm Bildrand24,7 lp/mm25,3 lp/mm25,4 lp/mm24,8 lp/mm21,9 lp/mm18,0 lp/mm

Im digitalkamera.de-Testlabor werden mit Hilfe der Software DxO Analyzer verschiedene Bildqualitätsparameter gemessen. Der Labortest mit klar gestalteten und leicht verständlichen Diagrammen, Erklärungstexten sowie einer ausführlichen PDF-Datei zum Archivieren und Ausdrucken kostet 1,40 EUR im Einzelabruf für eine Kamera und 0,50 EUR für ein Objektiv. Flatrates, die den Zugriff auf das gesamte Labortest-Archiv erlauben, sind ab 2,08 EUR pro Monat buchbar. Eine Flatrate hat keine automatische Verlängerung und wird im Voraus für einen festen Zeitraum gebucht und bezahlt.

Hersteller Leica
Modell Elmarit-TL 1:2,8 / 18 mm Asph.
Preis (UVP) 1.190,00 EUR
Bajonettanschluss L-Mount
Brennweite 18,0 mm
Lichtstärke (größte Blende) F2,8
Kleinste Blendenöffnung F16
KB-Vollformat nein
Linsensystem 8 Linsen in 6 Gruppen
inkl. asphärische Linse(n)
Anzahl Blendenlamellen 7
Naheinstellgrenze 300 mm
Bildstabilisator vorhanden nein
Autofokus vorhanden ja
Wasser-/Staubschutz nein
Filtergewinde 39 mm
Abmessungen (Durchmesser x Länge) 62 x 21 mm
Objektivgewicht 80 g

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Objektiv-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Kurzbewertung

  • Mit zwei Zentimetern sehr flach
  • Trotz Metallgehäuse 80 Gramm leicht
  • Nur sehr geringe optische Fehler
  • Mit F2,8 nicht sonderlich lichtstark
  • Zwischen Metallgehäuse und Glaslinsen kommt viel Plastik zum Einsatz
  • Schwache Randauflösung
  • Recht hoher Preis
  • Etwas gegenlichtempfindlich

Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 41, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.