Makroobjektiv

Testbericht: Leica Apo-Macro-Elmarit-TL 1:2,8/60 mm Asph.

2018-03-16 Makroobjektive sind bei Leica äußerst rar gesät, umso besser, dass es für das L-Bajonett zumindest für die APS-C-Kameras T, TL, TL2 und CL, mit dem Apo-Macro-Elmarit-TL 1:2,8/60 mm Asph. eines gibt. Es erreicht selbstverständlich einen maximalen Abbildungsmaßstab von 1:1 und besitzt eine kleinbildäquivalente Brennweite von 90 Millimetern, wodurch ein gewisser Abstand zum Motiv gewahrt bleibt. Im ausführlichen Test klären wir, wie es um die Bildqualität bestellt ist und ob das Objektiv praxistauglich ist.  (Benjamin Kirchheim)

  • Bild Das APO-Macro-Elmarit-TL 1: 2,8 60 mm Asph., hier in der silbernen Ausführung, ist eines der ganz wenigen Makroobjektive, die Leica anbietet. Die stattliche Länge von 8,5 Zentimetern lässt sich durch den Innenfokus erklären. [Foto: Leica]

    Das APO-Macro-Elmarit-TL 1: 2,8 60 mm Asph., hier in der silbernen Ausführung, ist eines der ganz wenigen Makroobjektive, die Leica anbietet. Die stattliche Länge von 8,5 Zentimetern lässt sich durch den Innenfokus erklären. [Foto: Leica]

  • Bild Das Leica APO-Macro-Elmarit-TL 1: 2,8 60 mm Asph. gibt es auch in edlem Schwarz. Der Preis liegt jedoch, unabhängig von der Farbe, bei stolzen 2.250 Euro. [Foto: Leica]

    Das Leica APO-Macro-Elmarit-TL 1: 2,8 60 mm Asph. gibt es auch in edlem Schwarz. Der Preis liegt jedoch, unabhängig von der Farbe, bei stolzen 2.250 Euro. [Foto: Leica]

Lediglich sieben APS-C-Objektive gibt es für das L-Bajonett, umso besser, dass ein Makro darunter ist, schließlich gehört ein solches zum Standardrepertoire. Für ein Objektiv eines spiegellosen Systems fällt es mit einer Länge von fast neun und einem Durchmesser von gut 6,5 Zentimetern recht wuchtig aus, kommt einem für die Größe mit einem Gewicht von knapp 330 Gramm aber erstaunlich leicht vor. Das liegt nicht am Metallgehäuse oder daran, dass nur wenige Linsen zum Einsatz kommen, sondern am nicht gerade sparsamen Umgang mit Kunststoff, der beim silbernen Objektiv mehr als deutlich zu erkennen ist, da er schwarz ist. Eigentlich ist das eines immerhin 2.250 Euro teuren Objektivs und erst recht des Namens Leica nicht würdig, aber die Verarbeitung wirkt dank des Metallgehäuses gut. Auf einem Spritzwasser- und Staubschutz muss man jedoch verzichten.

Dass Leica bei der mitgelieferten Streulichtblende ebenfalls auf eine Metallaußenhülle mit darin eingeklebtem Kunststoff setzt, rächt sich jedoch. Jedenfalls hatte bei unserem Testexemplar die Verklebung versagt, die natürlich unter den vielen Temperaturwechseln beim häufigen Versand solcher Testexemplare besonders leidet. Bleibt zu hoffen, dass der Leica-Service mit solcherlei Schäden kulant umgeht und den Materialmix bei zukünftigen Entwicklungen überdenkt. Neben der Streulichtblende sind auch ein Front- und ein Rückdeckel sowie eine Tasche im Lieferumfang. Das Filtergewinde besitzt mit 60 Millimetern ein etwas ungewöhnliches Maß, jedenfalls wenn man sich außerhalb der Leica-Welt bewegt.

Als modernes Makroobjektiv ist das Leica Apo-Macro-Elmarit-TL 1:2,8/60 mm Asph. mit einem Innenfokus versehen, das heißt, die Frontlinse dreht sich nicht und fährt auch nicht nach vorne aus wie bei klassischen Makroobjektiven. Das erklärt auch ein wenig die große Länge des Objektivs. Der Fokus arbeitet nahezu lautlos und ist für ein Makroobjektiv erstaunlich schnell, selbst wenn es in den Nahbereich geht. Die Naheinstellgrenze liegt bei 16 Zentimetern, was einem Arbeitsabstand von etwas über fünf Zentimetern entspricht. So manches Insekt wird dann sicherlich bereits die Flucht ergreifen, aber für genügend Ausleuchtung kann man durchaus noch sorgen. Der Abbildungsmaßstab beträgt dann 1:1, sodass sich rund 2,4 mal 1,6 Zentimeter kleine Motive formatfüllend abbilden lassen.

  • Bild Das Leica Apo-Macro-Elmarit-TL 1:2,8/60 mm Asph. besitzt zwar ein Metallgehäuse, zwischen Linsen und Gehäuse (Silber) kommt jedoch reichlich Kunststoff (Schwarz) zum Einsatz. [Foto: MediaNord]

    Das Leica Apo-Macro-Elmarit-TL 1:2,8/60 mm Asph. besitzt zwar ein Metallgehäuse, zwischen Linsen und Gehäuse (Silber) kommt jedoch reichlich Kunststoff (Schwarz) zum Einsatz. [Foto: MediaNord]

Die Umschaltung vom automatischen auf den manuellen Fokus muss mangels Schalter am Objektiv an der Kamera erfolgen. Dank des 3,5 Zentimeter breiten und griffig geriffelten Fokusrings kann man wunderbar manuell fokussieren. Die Übertragung erfolgt dabei rein elektronisch, es werden also Stellbefehle an den Fokusmotor übermittelt, was sehr präzise gelingt. Die Fokuslupe und das Fokuspeaking mit der farbigen Markierung der kontrastreichen und damit scharfen Bildelemente unterstützen den Fotografen tatkräftig. Allerdings vermissten wir eine Anzeige der Entfernung und des Abbildungsmaßstabs. Über einen optischen Bildstabilisator verfügt das Objektiv übrigens leider nicht.

Bildqualität

Die Bildqualität des Leica Apo-Macro-Elmarit-TL 1:2,8/60 mm Asph. haben wir in unserem Labor und in der Praxis getestet. So überzeugte das Objektiv beim Fotografieren etwa mit der Gegenlichtfestigkeit. Auch bei heftigem Gegenlicht, selbst mit der Sonne im Bildfeld, bleiben die Kontraste hoch und Blendenreflexe waren kein Thema. Dass wir also die Streulichtblende nicht vernünftig verwenden konnten, war kein Problem. Zudem erzeugen die neun Blendenlamellen eine nahezu kreisrunde Öffnung, das Bokeh macht einen weichen, sehr schönen Eindruck. Die optische Konstruktion besteht aus zehn Linsen, die in neun Gruppen angeordnet sind. Dabei kommen vier asphärische Oberflächen zur Korrektur von optischen Fehlern zum Einsatz, die apochromatische Korrektur soll zudem Farbsäume minimieren.

Gerade letzteres klappt nicht so gut, wie wir das erwartet hätten. Zwar sind die Farbsäume im Mittel gering, die Labormessung zeigt jedoch, dass die maximalen Ausprägungen bis zu zwei Pixel erreichen können (siehe Diagramm aus dem Labortest unten). Das findet naturgemäß Richtung Bildrand statt und ist auch in der Praxis zu sehen. Verzeichnung ist hingegen gar kein Thema, das 60er Makro ist absolut verzeichnungsfrei und eignet sich damit auch zur präzisen Reproduktion wie dem Abfotografieren von Bildern etc. und angesichts des minimalen Bildfelds sogar für die "Digitalisierung" von Briefmarken oder dem Fotografieren von Münzen. Die Randabdunklung ist zwar bei Offenblende mit 0,7 Blendenstufen durchaus vorhanden, nimmt aber sehr sanft zum Bildrand zu und wird dadurch nicht so prägnant sichtbar. Beim Abblenden reduziert sie sich deutlich, bei F8 oder F11 spielt sie praktisch keine Rolle mehr.

Übrigens lässt sich das Objektiv sogar auf bis zu F32 abblenden. Das ist gut gemeint, sorgt aber für kräftige Auflösungsverluste durch die Beugung, wie die Labormessung zeigt. Im Bildzentrum werden gute 45 Linienpaare pro Millimeter (lp/mm) im Kleinbildäquivalent bereits bei Offenblende erreicht, ab F5,6 setzt jedoch bereits die Beugung ein. Die Auflösung mag angesichts der 24 Megapixel Sensorauflösung der Leica CL etwas gering erscheinen, jedoch schärft die Kamera praktisch gar nicht nach, was sie beim Messwert, der bei 50 Prozent Kontrast erhoben wird, deutlich bemerkbar macht. Jenseits von F11 sinkt die Auflösung jedoch unter 30 lp/mm und jenseits von F22 unter 20 lp/mm, so dass die Bilder spätestens dann äußerst weich wirken. Man sollte also so viel wie (für die Schärfentiefe) nötig, aber so wenig wie möglich abblenden.

  • Bild An der kompakten Leica CL wirkt das Apo-Macro-Elmarit-TL 1:2,8/60 mm Asph. ziemlich wuchtig. Der manuelle Fokusring ist üppige 3,5 Zentimeter breit. [Foto: MediaNord]

    An der kompakten Leica CL wirkt das Apo-Macro-Elmarit-TL 1:2,8/60 mm Asph. ziemlich wuchtig. Der manuelle Fokusring ist üppige 3,5 Zentimeter breit. [Foto: MediaNord]

Am Bildrand ist die Auflösung um bis zu 30 Prozent geringer als im Bildzentrum, sie erreicht bei F4 mit 33 lp/mm ihren Maximalwert. Jedoch sinkt die Randauflösung durch die Beugung deutlich langsamer als im Bildzentrum, sodass sich die Werte immer weiter annähern und etwa bei F16 bei gut 25 lp/mm treffen.

Fazit

Das Leica Apo-Macro-Elmarit-TL 1:2,8/60 mm Asph. ist zwar ein recht großes, aber dank des vielen Kunststoffes dennoch recht leichtes Makroobjektiv für die spiegellosen APS-C-Kameras von Leica. Durch das Metallgehäuse wirkt es hochwertig und der griffige, breite Fokusring erlaubt eine präzise manuelle Fokussierung, falls der flotte Autofokus nicht gewünscht ist. Dank der geringen Naheinstellgrenze mit einem Arbeitsabstand von lediglich fünf Zentimetern lassen sich 2,4 mal 1,6 Zentimeter kleine Motive formatfüllend und vor allem verzeichnungsfrei auf den Bildsensor bannen. Dafür muss man jedoch bei einer guten Auflösung im Bildzentrum bereits ab Offenblende geringe Abstriche bei der Randauflösung und vor allem leichte Farbsäume am Bildrand hinnehmen. Der Preis ist, Leica-typisch, mit 2.250 Euro nicht gerade günstig.

Leica Apo-Macro-Elmarit-TL 1:2,8/60 mm Asph. mit Leica CL

Chromatische Aberration

Im digitalkamera.de-Testlabor werden mit Hilfe der Software DxO Analyzer verschiedene Bildqualitätsparameter gemessen. Der Labortest mit klar gestalteten und leicht verständlichen Diagrammen, Erklärungstexten sowie einer ausführlichen PDF-Datei zum Archivieren und Ausdrucken kostet 1,40 EUR im Einzelabruf für eine Kamera und 0,50 EUR für ein Objektiv. Flatrates, die den Zugriff auf das gesamte Labortest-Archiv erlauben, sind ab 2,08 EUR pro Monat buchbar. Eine Flatrate hat keine automatische Verlängerung und wird im Voraus für einen festen Zeitraum gebucht und bezahlt.

Hersteller Leica
Modell Apo-Macro-Elmarit-TL 1:2,8/60 mm Asph.
Preis (UVP) 2.250,00 EUR
Bajonettanschluss Leica L
Brennweite 60,0 mm
Lichtstärke (größte Blende) F2,8
Kleinste Blendenöffnung F32
KB-Vollformat nein
Linsensystem 10 Linsen in 9 Gruppen
inkl. asphärische Linse(n)
Anzahl Blendenlamellen 9
Naheinstellgrenze 160 mm
Bildstabilisator vorhanden nein
Autofokus vorhanden ja
Wasser-/Staubschutz nein
Filtergewinde E60 mm
Abmessungen (Durchmesser x Länge) 68 x 89 mm
Objektivgewicht 330 g

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Objektiv-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Kurzbewertung

  • Wertiges Metallgehäuse
  • Gute Auflösung bereits ab Offenblende
  • Präzise manuelle Fokussierbarkeit
  • Keinerlei Verzeichnung
  • Kein Spritzwasser- und Staubschutz
  • Hoher Preis
  • Am Bildrand etwas starke Farbsäume

Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 40, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.