Ultraweitwinkelzoom

Testbericht: Fujifilm XF 10-24 mm F4 R OIS WR

2021-05-04 Das Fujifilm XF 10-24 mm F4 R OIS WR ist ein bei der Gehäusekonstruktion gegenüber dem Vorgängermodell von 2014 (noch ohne WR) verbessertes Ultraweitwinkelzoom der Mittelklasse. Mit seinem großen Bildwinkel, der durchgehenden Lichtstärke, dem kompakten Gehäuse und einem Preis von knapp unter 1.000 Euro ist es ein leistbares Objektiv für alle, die sich viel Bildwinkel in einem reisefreundlichen Format wünschen. Ob es auch eine gute Bildqualität liefert, haben wir im Test herausgefunden.  (Benjamin Kirchheim)

  • Bild Das XF 10-24 mm F4 R OIS WR deckt einen diagonalen Bildwinkel von 61 bis 110 Grad ab, was einen 15-36mm-Kleinbildobjektiv entspricht. [Foto: Fujifilm]

    Das XF 10-24 mm F4 R OIS WR deckt einen diagonalen Bildwinkel von 61 bis 110 Grad ab, was einen 15-36mm-Kleinbildobjektiv entspricht. [Foto: Fujifilm]

  • Bild Das Gehäuse des Fujifilm XF 10-24 mm F4 R OIS WR besteht größtenteils aus Metall, zudem verfügt es über einen Spritzwasser- und Staubschutz. [Foto: Fujifilm]

    Das Gehäuse des Fujifilm XF 10-24 mm F4 R OIS WR besteht größtenteils aus Metall, zudem verfügt es über einen Spritzwasser- und Staubschutz. [Foto: Fujifilm]

Superweitwinkelobjektive für spiegellose Systemkameras lassen sich aufgrund des im Vergleich zu DSLRs deutlich geringeren Auflagemaßes besonders kompakt und leicht bauen. Das Fujifilm XF 10-24 mm F4 R OIS WR ist da keine Ausnahme. Es misst unter acht Zentimeter im Durchmesser und ist weniger als neun Zentimeter lang. Direkt hinter der Objektivfront verschlankt sich das Objektiv sogar auf sieben Zentimeter Durchmesser. Trotz des geringen Gewichts von 385 Gramm besitzt es mit Ausnahme des letzten Tubusteils zwischen Bajonett und Blendenring, der aus Kunststoff besteht, ein hochwertiges Metallgehäuse (inkl. den Einstellringen), das gegenüber dem Vorgängermodell sogar einen Spritzwasser- und Staubschutz bietet sowie frostsicher bis -10 °C ist.

Selbst das 72 Millimeter große Filtergewinde besteht aus Metall. Diese Größe kommt durch den Ultraweitwinkelcharakter zustande, schließlich sollen optische Filter selbst bei 10 Millimetern Brennweite, die einem 15mm-Kleinbildobjektiv entsprechen, zu keinen Randabschattungen führen. Dass überhaupt optische Filter eingesetzt werden können, ist bei dem diagonalen Bildwinkel von 110 Grad keine Selbstverständlichkeit. Möglich wird das auch durch die 3,7 Zentimeter kleine Frontlinse, die sich nur wenig nach vorne wölbt.

An der Außenseite der Objektivfront befindet sich das Bajonett für die mitgelieferte Streulichtblende. Diese besteht aus Kunststoff und wiegt daher nur 21 Gramm. Sie rastet gut, aber ohne Sperrmechanismus, ein. Die Blende ist stark tulpenförmig, wodurch sie seitlich nur 1,2, oben und unten aber gut 3,5 Zentimeter über die Objektivfront hinausragt. Der Durchmesser beträgt maximal 9,7 Zentimeter. Zum Transport kann die Blende verkehrt herum montiert werden. Dank der Tulpenform kommt man dann sogar noch an den Zoom- sowie den Fokusring heran. Ebenfalls zum Lieferumfang gehört ein einfacher Mikrofaserbeutel, der auch zum Putzen der dank einer Fluorbeschichtung schmutzabweisenden Frontlinse verwendet werden kann.

Bedienung und Ausstattung

Beim Zoomen von zehn auf 24 Millimeter Brennweite behält das Objektiv zwar seine Baulänge, tatsächlich bewegt sich dabei aber die Frontlinse im feststehenden äußeren Tubusteil um knapp 1,1 Zentimeter vor und zurück. Am weitesten vorne befindet sie sich bei zehn Millimetern Brennweite, bei ca. 17 Millimetern ist sie maximal weit hinten und bewegt sich bis 24 Millimeter wieder leicht nach vorne. Damit ändert sich das Volumen des Zooms kaum, so dass Fujifilm auf eine spezielle Luftschleuse verzichtet hat, die bei manch anderem wetterfesten Zoomobjektiv zum Einsatz kommt, etwa dem XF 8-16 mm F2.8 R LM WR.

Mit weniger als einer Viertel-Umdrehung lässt sich mit dem 1,7 Zentimeter breit gummierten und geriffelten Zoomring, der in der Mitte des Objektivs sitzt, butterweich die Brennweite einstellen. Bei 10, 14, 18 und 24 Millimetern gibt es gut ablesbare, weiße Beschriftungen, das entspricht den kleinbildäquivalenten Brennweiten von rund 15, 21, 28 und 35 Millimetern.

Der Blendenring besteht wie gewohnt aus auf einer Breite von acht Millimetern grob geriffeltem Metall. Er rastet zwischen F4 und F22 spür- und hörbar in Drittelstufen ein. Die Automatik jenseits der Blende F22 ist quasi eine Blendenstufe weit weg platziert, aber ohne Zwischenrastungen. Neu ist die in Automatikstellung von alleine einrastende Arretierung. So kann es nicht mehr passieren, dass man ungewollt mit F22 statt mit Blendenautomatik fotografiert. Um den Ring aus der Automatik zu drehen, muss der kleine Knopf gedrückt werden.

Ganz vorne am Objektiv sitzt der auf 1,1 Zentimetern Breite fein geriffelte Fokusring aus Metall. Er ist sehr leichtgängig, fast schon zu sehr nach unserem Geschmack. Er arbeitet rein elektronisch, was je nach Einstellung in der Kamera (bei der Testkamera X-E4 kann man zwischen linear und nicht-linear wählen) unterschiedlich starke Reaktionen auf schnelle und langsame Bewegungen erlaubt. Das sorgt wiederum dafür, dass man äußerst feinfühlig manuell fokussieren kann. Dank diverser Anzeigehilfen auf dem Kameradisplay beziehungsweise im Sucher, wie etwa einer Fokuslupe, einer Entfernungsskala samt Anzeige der Schärfentiefe, Fokuspeaking und je nach Kameramodell sogar einem digitalen Schnittbildindikator, wird das manuelle Fokussieren zum Kinderspiel.

  • Bild Das Fujifilm XF 10-24 mm F4 R OIS WR ist ein recht kompaktes Ultraweitwinkelzoom. Es gehört zu den ersten XF-Objektiven mit Verriegelung in der Automatikstellung des Blendenrings. [Foto: MediaNord]

    Das Fujifilm XF 10-24 mm F4 R OIS WR ist ein recht kompaktes Ultraweitwinkelzoom. Es gehört zu den ersten XF-Objektiven mit Verriegelung in der Automatikstellung des Blendenrings. [Foto: MediaNord]

  • Bild Im Bildzentrum zeigt das Ultraweitwinkelzoom Fujifilm XF 10-24 mm F4 R OIS WR bei allen Brennweiten und Blenden eine sehr hohe Auflösung, die jedoch zum Bildrand hin vor allem bei Offenblende stark abfällt. Ab F5,6 ist der Randabfall deutlich geringer. [Foto: MediaNord]

    Im Bildzentrum zeigt das Ultraweitwinkelzoom Fujifilm XF 10-24 mm F4 R OIS WR bei allen Brennweiten und Blenden eine sehr hohe Auflösung, die jedoch zum Bildrand hin vor allem bei Offenblende stark abfällt. Ab F5,6 ist der Randabfall deutlich geringer. [Foto: MediaNord]

Doch auch der Autofokus arbeitet zuverlässig und flott. Die Fokusgruppe muss nur kurze Wege zurücklegen, was äußerst leise geschieht. Die Naheinstellgrenze beträgt laut Datenblatt 24 Zentimeter, wir konnten jedoch bei zehn Millimetern Brennweite bereits ab 18,5 Zentimeter von der Sensorebene entfernt fokussieren, was acht Zentimeter ab Objektivfront entspricht. Das minimale Bildfeld misst dabei 22 mal 14,7 Zentimeter, was einem maximalen Abbildungsmaßstab von 1:9,3 entspricht.

Bei 24 Millimetern Brennweite konnten wir ab 21,5 Zentimeter von der Sensorebene beziehungsweise elf Zentimeter von der Objektivfront fokussieren. Das minimale Bildfeld misst hier 11,7 mal 7,8 Zentimeter, was sogar einem Abbildungsmaßstab von 1:5 entspricht und damit den von Fujifilm abgegebenen Wert von 1:6,3 deutlich übertrifft. Die geringen Aufnahmeabstände erlauben beeindruckende Perspektiven mit im Vergleich zum kleinen Hintergrund riesig erscheinenden Objekten im Vordergrund.

Das Fujifilm XF 10-24 mm F4 R OIS WR besitzt sogar einen optischen Bildstabilisator, was für ein Ultraweitwinkelzoom äußerst ungewöhnlich ist. Vor allem an der Testkamera Fujifilm X-E4 ist das sehr praktisch, fehlt ihr doch der Sensor-Shift-Bildstabilisator, den beispielsweise die X-S10, X-H1 und X-T4 bieten. Wir konnten unabhängig von der Brennweite bis etwa 1/5 Sekunde noch scharfe Fotos aus der Hand aufnehmen, was bei 10 Millimetern Brennweite zwar nur knapp 1,5 Blendenstufen entspricht, bei 24 Millimetern sind es aber immerhin drei Blendenstufen länger als nach Faustregel ohne Bildstabilisator.

Fortsetzung auf Seite 2

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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 43, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.