Mittelformat-Ultraweitwinkel

Testbericht: Fujifilm GF 23 mm F4 R LM WR

2021-03-28 Das Fujifilm GF 23 mm F4 R LM WR ist mit einer kleinbildäquivalenten Brennweite von 18 Millimetern ein Ultraweitwinkelobjektiv, dessen maximale Blendenöffnung allerdings nur F4 beträgt. Rechnet man die Schärfentiefe ebenfalls ins Kleinbildäquivalent um, entspricht das immerhin F3,2. Wichtiger ist aber die Abbildungsleistung, denn mit einer geringen Verzeichnung und gleichmäßig hohen Auflösung bis an den Bildrand würde es sich hervorragend für Architektur- und Landschaftsaufnahmen eignen. Ob das zutrifft, haben wir an der mit 100 Megapixeln sehr hochauflösenden Fujifilm GFX100S getestet.  (Benjamin Kirchheim)

  • Bild Satte 1,7 Kilogramm bringen die Fujifilm GFX100S und das GF 23 mm F4 R LM WR zusammen auf die Waage. Angesichts der vor allem von F5,6 bis F11 hervorragenden Bildqualität lohnt sich das Schleppen jedoch definitiv. [Foto: MediaNord]

    Satte 1,7 Kilogramm bringen die Fujifilm GFX100S und das GF 23 mm F4 R LM WR zusammen auf die Waage. Angesichts der vor allem von F5,6 bis F11 hervorragenden Bildqualität lohnt sich das Schleppen jedoch definitiv. [Foto: MediaNord]

Verarbeitung

Mittelformat-typisch ist das Fujifilm GF 23 mm F4 R LM WR mit einer Länge von zehn und einem Durchmesser von neun Zentimetern trotz seiner maximalen Blendenöffnung von lediglich F4 nicht gerade klein. Mit einem Gewicht von 845 Gramm wiegt es fast so viel wie die 906 Gramm schwere Testkamera Fujifilm GFX100S. Inklusive der mitgelieferten tulpenförmigen Streulichtblende ergibt sich ein Gesamtgewicht von genau 1,8 Kilogramm. Das ist zwar absolut gesehen schwer, aber im Verhältnis zum hochauflösenden Mittelformatsensor eine durchaus mobile Kombination, die man auch gut zu einem abgelegenen Motiv oder bei einem Städtetrip für anspruchsvolle Architekturaufnahmen mitnehmen kann.

Fujifilm-typisch und dem Preis von fast 2.800 Euro angemessen besteht das Gehäuse aus Metall und ist perfekt verarbeitet. Auch das 82mm-Filtergewinde ist aus Metall gefertigt. Die Spaltmaße sind minimal und die Oberflächen sind in seidenmattem Schwarz gehalten. Zahlreiche Dichtungen schützen vor dem Eindringen von Staub und Spritzwasser, so dass das Objektiv auch unter widrigen Aufnahmebedingungen eingesetzt werden kann.

Zum Lieferumfang gehören ein Objektivbeutel mit festem Boden sowie eine tulpenförmige Streulichtblende. Diese besteht im Gegensatz zum Objektiv komplett aus Kunststoff. Innen ist sie matt geriffelt, damit kein Licht reflektiert wird. Per Bajonett samt Schnappsicherung rastet die Blende sowohl in Arbeitsstellung als auch umgekehrt in Transportstellung sicher ein. Mittels eines kleinen Knöpfchens lässt sich die Blende entriegeln.

Ausstattung und Bedienung

Nicht nur das Design des Fujifilm GF 23 mm F4 R LM WR ist geradlinig und minimalistisch, sondern auch seine Ausstattung mit Bedienelementen beschränkt sich aufs Wesentliche. Es gibt lediglich einen Blenden- und einen Fokusring. Umgeschaltet zwischen Autofokus und manuellem Fokus wird über den entsprechenden SCM-Wahlhebel auf der Kamerarückseite (S für Single-Autofokus, C für Continous-Autofokus und M für manuellen Fokus).

  • Bild Das Fujifilm GF 23 mm F4 R LM WR bietet einen angenehm breiten Fokusring, der elektronisch arbeitet. Ob er linear oder nicht-linear arbeitet, lässt sich im Kameramenü festlegen. [Foto: Fujifilm]

    Das Fujifilm GF 23 mm F4 R LM WR bietet einen angenehm breiten Fokusring, der elektronisch arbeitet. Ob er linear oder nicht-linear arbeitet, lässt sich im Kameramenü festlegen. [Foto: Fujifilm]

Der 3,9 Zentimeter breite Fokusring ist auf einer Breite von 3,4 Zentimetern griffig geriffelt und gummiert. Es handelt sich um einen rein elektronisch arbeitenden Ring, dessen Steuerbefehle zum Einstellen der internen Autofokuseinheit umgesetzt werden. Dabei ist praktischerweise die Kamera mit im Spiel, denn hier lässt sich im Menü wählen, ob die Steuerbefehle linear oder nicht-linear umgesetzt werden sollen. Der Unterschied ist, dass ein Drehwinkel im linearen Betrieb unabhängig der Drehgeschwindigkeit immer zum selben Verstellweg für den Fokus umgesetzt wird, während bei nicht-linearem Betrieb langsame Bewegungen zu einer feineren Fokuseinstellung führen als schnelle.

So kann sich jeder seinen bevorzugten Modus wählen. Allerdings sind hierbei die schweren Linsengruppen des Objektivs zu spüren, denn zwischen der Bewegung des Fokusrings und der Reaktion des Fokusmotors ist eine minimale Verzögerung zu bemerken, die bei Kamerasystemen mit kleineren Sensoren weniger auffallen als beim GF 23mm

Als Fokushilfen stehen im Livebild auf dem Bildschirm oder im elektronischen Sucher neben einer Lupe und Fokuspeaking auch eine Fokusskala samt Schärfentiefeanzeige zur Verfügung. Gerade letztere kann bei Kenntnis der Entfernung und der Tiefe des Motivs sehr hilfreich sein, zumal sich die Skalierung auf Pixelebene einstellen lässt. So kann man sicherstellen, dass das gewünschte Motiv auch wirklich komplett scharf abgebildet wird.

Im Autofokusbetrieb stellt das Objektiv flott scharf, wobei man je nach Verstellweg durchaus bemerkt, dass eine gewisse Masse in Bewegung versetzt wird. Der Autofokus ist sehr leise, wenn auch nicht ganz unhörbar. Erstaunlich ist die minimale Fokusdistanz von 34 Zentimetern. Sie ist damit sogar vier Zentimeter kürzer als von Fujifilm angegeben. Aufgrund des großen Bildwinkels von 100 Grad diagonal fällt das minimale Bildfeld von 42 mal 31,5 Zentimeter dennoch recht groß aus. Der maximale Abbildungsmaßstab beträgt zwar nur 1:9,5, übertrifft damit aber immerhin die Herstellerangabe von 1:11,1.

  • Bild Das Fujifilm GF 23 mm F4 R LM WR besitzt einen Blendenring, dessen Rastung sich jedoch nicht abstellen lässt. Für die Custom- und Automatikstellung gibt es eine automatische Arretierung. [Foto: MediaNord]

    Das Fujifilm GF 23 mm F4 R LM WR besitzt einen Blendenring, dessen Rastung sich jedoch nicht abstellen lässt. Für die Custom- und Automatikstellung gibt es eine automatische Arretierung. [Foto: MediaNord]

Des Weiteren verfügt das Fujifilm GF 23 mm F4 R LM WR über einen 1,5 Zentimeter breiten Blendenring, der eine 1,1 Zentimeter breite Metallriffelung besitzt. In Drittelstufen rastend lässt sich die Blende von F4 bis F32 einstellen. Die gravierten und weiß ausgelegten Ziffern lassen sich gut ablesen, wobei Fujifilm jedoch auf die Markierungen der Drittelstufen verzichtet. Eine De-Click-Funktion fehlt leider. Leiser lässt sich die Blende über die Kamera einstellen. Hierfür bietet der Blendenring gleich zwei Einstellungen, nämlich "A" und "C". Beide sind mit einer Sicherung versehen, so dass man sie nur verlassen kann, wenn man den Sicherungsknopf drückt. In der C-Stellung kann die Blende manuell über ein Bedienrad der Kamera gewählt werden, in A-Stellung steuert die Kamera die Blende automatisch.

Auf einen optischen Bildstabilisator verzichtet Fujifilm beim GF 23 mm F4 R LM WR. Die Stabilisierung übernimmt im Fall der GFX100S aber ohnehin der beweglich gelagerte Bildsensor.

Fortsetzung auf Seite 2

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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 43, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.