Drahtloses Mikrofonset

Joby Wavo Air Funkmikrofon-Set im Test

2022-06-16 Im April 2022 hat Zubehör-Spezialist Joby fünf Mikrofone für Streamer und ambitionierte Filmer vorgestellt. Darunter auch das Wavo Air das Audiodaten über ein 2,4 GHz Netz bis zu 50 Meter weit übertragen soll, freie Sichtlinie vorausgesetzt. Das üppig ausgestattete Set wird mit viel Zubehör geliefert, einschließlich zweier Lavaliermikrofone. Pfiffig sind auch die wechselbaren Befestigungen. Die getestete Reichweite übersteigt die Herstellerangabe deutlich und liegt im Bereich den andere ähnliche Mikrofone dieser Art schaffen. Andere Details haben uns leider weniger gefallen.  (Harm-Diercks Gronewold)

  • Bild Das Joby Wavo Air Set bestehend aus zwei Sendern und einem Empfänger. [Foto: MediaNord]

    Das Joby Wavo Air Set bestehend aus zwei Sendern und einem Empfänger. [Foto: MediaNord]

Das Joby Wavo Air ist ein Set bestehend aus zwei sendefähigen Mikrofonen und einem Empfänger sowie jeder Menge Zubehör wie zum Beispiel drei kurze (etwa 16 Zentimeter) USB-C-Kabel, zwei Lavalliermikrofone zum Anstecken sowie zwei aufsteckbare mechanische Windschutz-Felle und zwei 3,5 Millimeter Klinkenstecker Spiralkabel. Außerdem ist eine "Nadel" wie man sie von Smartphones zur SIM-Karten-Entnahme kennt mit dabei sowie Halteclips für die Befestigung an einem Gürtel oder Kleidungssaum. Zu dem Zubehör später mehr.

Die aktiven Komponenten des Sets sind die beiden Mikrofone und der Empfänger. Die Mikrofone (Sender) tragen die Bezeichnung Air-TX (Transmitter) und der Empfänger trägt die Bezeichnung Air-RX (Receiver). Im Auslieferungszustand sind die Sender schon mit dem Empfänger gekoppelt, der Käufer muss also nur noch die Geräte per USB-C-Anschluss aufladen und kann dann loslegen.

Während die Sender jeweils etwa 33 Gramm wiegen bei Abmessungen von 65 x 42 x 16 Millimeter ist der Empfänger mit 27 Gramm etwas leichter und auch kleiner (63 x 35 x 16 mm). Das Gehäusematerial das Joby für die Sender und den Empfänger einsetzt, ist ganz im "Joby-Stil" Joby ist ja durch seine GorillaPod-Ministative bekannt geworden, die aus Kunststoff bestehen. Und so fühlen sich auch die Mikrofone irgendwie wie billiges Plastikspielzeug an, obwohl der verwendete Kunststoff natürlich durchaus hochwertig ist. Nicht schön ist, dass das Anfassen der Mikrofone während der Aufnahme deutliche Geräusche verursacht, die mit aufgezeichnet werden. Am besten fasst man die Sender bei der Aufnahme nicht mehr an.

Beide Sender haben auf der Oberseite ein Mono-Mikrofon. Links und rechts daneben die Vorrichtung, um den mechanischen Kunstfell-Windschutz auf dem Sender zu befestigen. Das geht zwar ziemlich leicht, dennoch sitzen die zum Lieferumfang gehörenden fusseligen Gesellen sehr sicher auf den Sendern.

  • Bild Das Bajonett am Wavo Air ermöglicht die Montage der verschiedenen Befestigungslösungen. [Foto: Joby]

    Das Bajonett am Wavo Air ermöglicht die Montage der verschiedenen Befestigungslösungen. [Foto: Joby]

  • Bild Dank des mitgelieferten Windschutzes lässt sich das Wavo Air auch in windiger Umgebung ohne Windgeräusche verwenden. Befestigt wird der Windschutz über eine kleine Klemmung. [Foto: Joby]

    Dank des mitgelieferten Windschutzes lässt sich das Wavo Air auch in windiger Umgebung ohne Windgeräusche verwenden. Befestigt wird der Windschutz über eine kleine Klemmung. [Foto: Joby]

Der Empfänger besitzt seitlich eine 3,5mm-Buchse, die den Ton an die aufzeichnende Kamera oder einen Audio-Rekorder weiterreicht. Außerdem ist an der gleichen Seite auch der Knopf für manuelles Pairing untergebracht. Um diesen zu aktivieren ist allerdings die bereits erwähnte "Nadel" notwendig, da man mit dem Finger unmöglich die kleine Taste erreichen kann. Hier hätte es auch ein leicht versenkter Knopf getan, der mit einem langen Druckimpuls das manuelle Pairing auslöst. Die winzige Nadel selber ist ein Zubehör, dass einfach prädestiniert ist verloren zu gehen und die garantiert nicht zur Hand ist, wenn man sie mal braucht.

Im Gegensatz zu den Sendern besitzt der Empfänger keine ringförmig um den Ein-/Aus-Taster angeordneten LEDs. Vielmehr hat er zwei LEDs, eine direkt an der USB-C-Schnittstelle und die andere direkt über dem Ein- und Aus-Taster. Während die LED an der USB-Schnittstelle den Ladestatus bei angeschlossenem Netzteil anzeigt, ist die zweite LED für den Status der Verbindung zwischen den Sendern und dem Empfänger zuständig.

Der Ladevorgang wird durch eine dauerhaft grün leuchtende LED am Sender beziehungsweise Empfänger angezeigt. Wenn die LED erlischt, ist der Akku voll geladen. Man darf allerdings nicht davon ausgehen, dass jedes Ladegerät mit dem Joby Wavo Air funktioniert. An einem USB-C-Ladegerät von einem Google Pixel Smartphone ließ sich der Empfänger nicht laden.

  • Bild Mit den Clips lässt sich das Wavo Air beispielsweise an einem Hemdsaum befestigen. [Foto: Joby]

    Mit den Clips lässt sich das Wavo Air beispielsweise an einem Hemdsaum befestigen. [Foto: Joby]

  • Bild Der Empfänger des Wavo Air wird mit dem Blitzschuhadapter einfach in den Blitzschuh einer Kamera geschoben. [Foto: Joby]

    Der Empfänger des Wavo Air wird mit dem Blitzschuhadapter einfach in den Blitzschuh einer Kamera geschoben. [Foto: Joby]

Sehr reduziert bzw. im Grunde gar nicht vorhanden ist leider eine Anzeige der Rest-Akku-Laufzeit. Die Batterie-Status-Anzeige sowohl der Sender als auch der Empfänger kennt nur drei Zustände: Aus heißt, die Akku-Spannung ist gut. Rot leuchtend heißt, der Akku hat Kapazität für 90 Minuten oder weniger. Blinken heißt der Akku muss geladen werden. Das ist natürlich nicht optimal. Zudem ist die LED so schwach, dass sie in heller Umgebung absolut nicht zu sehen ist. Im Prinzip bleibt einem nur die Möglichkeit, Sender und Empfänger vor der Benutzung voll aufzuladen, denn man weiß nie, wie viel Rest-Laufzeit noch vorhanden ist. Voll geladen liefern die Akkus genug Energie für bis zu sechs Stunden Aufnahme.

Bei den Sendern sind die LEDs allerdings ringförmig angebracht und signalisieren über das leere Akku hinaus noch weitere Informationen zu Kopplung und zur Dämpfung der Tonaufnahme an. Die Dämpfung hat sechs Stufen. Jeweils zwei Stufen werden durch eine leuchtende LED dargestellt. In der Grundeinstellung ist die Dämpfung deaktiviert und drei der vier LEDs leuchten. Die ganze Signalisierung mit verschiedenen bunten, nicht klar beschrifteten LEDs empfinden wir als sehr unglücklich gelöst.

Die Bedienelemente der Sender und des Empfängers sind übersichtlich. Während der Empfänger mit einem Ein- und Aus-Taster auskommt, besitzen die Sender neben dem Ein- und Aus-Taster auch eine separate Plus- und Minus-Taste, um die Dämpfung der Aufnahme in drei Stufen anzupassen. Ansonsten besitzt der Sender noch eine 3,5mm-Klinkenstecker Buchse, die es ermöglicht eines der beiden mitgelieferten Lavaliermikrofone anzuschließen. Dann kann man den Sender unauffällig am Körper tragen und vermeidet, das denn auffälligen Sender mit seiner quietschig roten Signalfarbe im Bild zu haben.

Die Bedienung der Komponenten ist glücklicherweise relativ leicht verständlich, dennoch kommt man ohne Bedienungsanleitung nicht aus. Diese liegt dem Mikrofon-Set als winziges gedrucktes Heftchen in den Sprachen Englisch und Französisch bei. Nur die im Anhang enthaltenen rechtlichen Hinweise sind auch in anderen Sprachen enthalten. Wer die mikroskopisch kleine Schrift nicht lesen kann, hat die Möglichkeit sich die gleiche Anleitung als PDF-Druckdatei von der Joby-Website herunterzuladen und auf einem Bildschirm größer anzuzeigen (wir haben die Anleitung unten verlinkt).

  • Bild Der Lieferumfang des Wavo Air ist beachtlich groß, leider gehört keine Aufbewahrungslösung dazu. [Foto: Joby]

    Der Lieferumfang des Wavo Air ist beachtlich groß, leider gehört keine Aufbewahrungslösung dazu. [Foto: Joby]

Die Reichweite der Sender gibt Joby mit 30 bis 50 Meter an, was ungewöhnlich wenig für solche Mikrofone wäre (die Konkurrenz bietet das ausnahmslos mehr Reichweite). Tatsächlich haben wir etwas mehr als 150 Meter im praktischen Versuch ermittelt. Allerdings musste bei so großer Entfernung der Sender in Richtung Empfänger zeigen, drehte sich der Sprecher um, so brach auch die Verbindung zusammen (das ist üblich, die Entfernungen werden normalerweise bei direkter Sichtverbindung angegeben). Die Tonqualität stellte sich als ausgesprochen gut und plastisch dar.

Das mitgelieferte Zubehör abseits der aktiven Komponenten ist ebenfalls erwähnenswert, da es sich über ein Bajonettsystem an dem Empfänger beziehungsweise den Sendern befestigen lässt. Damit ist es beispielsweise leicht möglich einen magnetischen Halter gegen einen Gürtelclip auszutauschen oder dem Empfänger mit einer Stativklemme zu versehen. Sogar an die Möglichkeit eines der Mikros bequem als "Kette" um den Hals zu tragen wurde gedacht. Woran nicht gedacht wurde ist an eine kleine Transporttasche für das gesamte Zubehör. So hat mal einen großen Haufen Zubehör, den man irgendwie zusammenhalten und verstauen muss.

Wer noch mehr Befestigungszubehör benötigt, kann das Wavo Air Befestigungs-Set für knappe 50 Euro kaufen. In diesem ist ein Klettverschluss-Halter, ein Mittenkontakt-Aufsatz, ein Halter für selbstklebende Pads sowie ein Halter mit 1/4 und 3/8 Zoll Gewinde. Zusätzlich enthält das recht überteuerte Befestigungsset einen Zubehörhalter mit acht Steckplätzen. Genug Platz also, um auch das Zubehör aus dem Mikrofonset wenigstens zum Teil unterzubringen. Der Preis für die paar Plastikteile ist aber happig.

  • Bild Das Joby Wavo Air Mounting Pack besteht aus einem Halter mit Klettverschluss, einem Stativgewinde, einem Kugelkopf sowie einem Halter mit Klettstreifen. [Foto: Joby]

    Das Joby Wavo Air Mounting Pack besteht aus einem Halter mit Klettverschluss, einem Stativgewinde, einem Kugelkopf sowie einem Halter mit Klettstreifen. [Foto: Joby]

  • Bild Das Joby Wavo Air Mounting Pack besitzt eine Plastikschiene mit Bajonetten für das Zubehör und vier freien Plätzen für das beim Mikrofon enthaltene Zubehör. [Foto: Joby]

    Das Joby Wavo Air Mounting Pack besitzt eine Plastikschiene mit Bajonetten für das Zubehör und vier freien Plätzen für das beim Mikrofon enthaltene Zubehör. [Foto: Joby]

  • Bild Zu dem Zubehör gehört unter anderem ein Klettverschlusshalter ... [Foto: Joby]

    Zu dem Zubehör gehört unter anderem ein Klettverschlusshalter ... [Foto: Joby]

  • Bild ... und ein 3/8"-Stativgewinde mit 1/4"-Reduziergewinde. [Foto: Joby]

    ... und ein 3/8"-Stativgewinde mit 1/4"-Reduziergewinde. [Foto: Joby]

Das Joby Wavo Air ist für knapp 250 Euro im Fachhandel erhältlich. Der Einzelkauf von Sendern und Empfängern ist zurzeit (Stand 06/2022) noch nicht möglich. Auch wenn die Tonqualität des Sets gut und die Reichweite höher als die Herstellerangabe ist, finden wir den Preis – auch gerade im Vergleich zu den Geräten der Konkurrenz, die teilweise deutlich mehr Komfort und mehr Funktionen bieten – zu hoch angesetzt.

Fazit

Das Wavo Air von Joby erzeugt gemischte Gefühle. Der Preis ist hoch, mit dem extra Zubehör-Set sogar sehr hoch. Dazu wollen die Plastik-Anmutung, die rudimentären LED-Anzeigen und der magere Funktionsumfang nicht so recht passen. Dafür ist eine große Menge Zubehör im Lieferumfang enthalten. Darunter sind zwei Lavaliermikrofone (die man sonst überall extra bezahlt), mehrere Halterungen, diverse Kabel – jedoch keine Tasche, in der man das ganze Geraffel verstauen könnte. Dafür ist die Tonqualität der Mikrofone prima und die Reichweite ist dreimal so groß wie vom Hersteller angegeben.

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Kurzbewertung

  • Sehr hohe Reichweite
  • Leichte Bedienung
  • Gute Tonqualität
  • Sehr viel Zubehör
  • Gehäusematerial wirkt billig
  • Unzugängliche Pairing-Taste
  • Ungewöhnliche Ladestatusanzeige
  • Keine Tasche für das Zubehör

Autor

Harm-Diercks Gronewold

Harm-Diercks Gronewold, 51, ist gelernter Fotokaufmann und hat etliche Jahre im Fotofachhandel gearbeitet, bevor er 2005 in die digitalkamera.de-Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Produktdatenbanken, Bildbearbeitung, Fototipps sowie die Berichterstattung über Software und Zubehör. Er ist es auch, der meistens vor der Kamera in unseren Videos zu sehen ist und die Produkte vorführt.