Große Edelkompakte

Testbericht: Zeiss ZX1

Seite 2 von 2, vom 2021-04-26 (Autor: Harm-Diercks Gronewold, Benjamin Kirchheim)Zur Seite 1 wechseln

Für eine manuelle Fokussierung gibt es zwei Optionen. Entweder man dreht einfach nach automatischer Fokussierung am Fokusring und kann damit den Autofokus überschreiben, oder man schaltet vorher am Objektiv auf manuellen Fokus um. In beiden Fällen wird man von einer Lupenfunktion mit 2- oder 4-facher Vergrößerung sowie Fokus-Peaking unterstützt. Der Lupenausschnitt lässt sich dank des Touchscreens verschieben. Zudem wird der eingestellte Fokusabstand oben links im Display zentimetergenau angezeigt. Allein das ist schon eine Seltenheit, aber obendrein zeigt die Kamera auch noch die Schärfentiefe mit derselben Genauigkeit an.

Die Entfernungen gelten ab Sensorebene, deren Markierung leider dem minimalistischen Design zum Opfer gefallen ist. Der geringste Aufnahmeabstand beträgt 30 Zentimeter. Wenn diese exakt stimmt, liegt die Sensoreben etwa zwei Millimeter hinter der Vorderkante des Blitzschuhs. Als minimales Bildfeld haben mit 26,4 mal 17,6 Zentimeter ermittelt, was einem Abbildungsmaßstab von 1:7,33 entspricht. Praktischerweise blendet die Kamera nach einer fehlgeschlagenen automatischen Fokussierung den Hinweis "zu nah" auf dem Bildschirm ein.

Der Fokusring arbeitet übrigens elektronisch und nicht linear, das heißt der Verstellweg ist nicht nur vom Drehwinkel, sondern auch der Drehgeschwindigkeit abhängig. Man kann mit einer langsamen halben Umdrehung von 30 auf 34 Zentimeter fokussieren, mit einer halben schnellen Umdrehung aber auch von 30 Zentimeter auf unendlich. Damit ist eine äußerst feinfühlige und präzise manuelle Fokussierung möglich.

  • Bild Auf der linken Seite der Zeiss ZX1 ist die USB-C-Schnittstelle ohne Abdeckung untergebracht. [Foto: MediaNord]

    Auf der linken Seite der Zeiss ZX1 ist die USB-C-Schnittstelle ohne Abdeckung untergebracht. [Foto: MediaNord]

Bei der Videofunktion bietet die Zeiss ZX1 zwei unterschiedliche Auflösungen an. Man kann zwischen 4K (3.840 x 2.160) mit 30 Bildern pro Sekunde oder FullHD (1.920 x 1.080) mit 60 Bildern pro Sekunde wählen. Begrenzt ist die Aufnahmedauer auf 15 Minuten. Beide Videoformate werden auf den Bildwinkel eines 55-Millimeter-Objektivs gecroppt und füllen das gesamte Display aus, inklusive der Funktionsleiste. Zudem kann der Autofokus automatisch nachgeführt oder manuell angepasst werden. Auch die Aussteuerung des internen Stereomikrofons oder eines per USB angeschlossenen Mikrofons kann manuell vorgenommen werden.

Bei den Wiedergabefunktionen kann die Zeiss ZX1 richtig auftrumpfen. Neben der üblichen WLAN-Fernbedienungsfunktion und Positionsdatenübertragung per gekoppeltem Bluetooth-Smartgerät besitzt die Kamera die Möglichkeit, Bilder und Videos direkt in soziale Medien hochzuladen, per E-Mail zu versenden oder direkt Bilder und Videos in einen Cloudspeicher (Dropbox, Google-Drive oder Flickr) hochzuladen.

Wer seine Daten lieber auf einem eigenen Netzwerkspeicher (NAS) sichern möchte, der kann den Zugang zu diesem auch in der Kamera einrichten. Die Einrichtung der ganzen Konten beziehungsweise Konfigurationen ist zwar etwas aufwendig, langfristig lohnt sich das aber schon, da man praktisch aus jedem WLAN seine Aufnahmen verteilen kann, ohne dass man etwas anderes machen muss, als die Kamera mit dem entsprechenden Netzwerk zu verbinden.

Die ZX1 Companion App ist kostenlos im iOS-Store und bei GooglePlay verfügbar. Sie besitzt zwei Hauptaufgaben. Die erste Aufgabe ist die Versorgung der Kamera mit Positionsdaten bei permanenter Kopplung per Bluetooth. Die zweite Aufgabe ist die "Fernsteuerung". Bei dieser handelt es sich um eine sehr einfache Fernauslösung mit Live-View. Aufnahmeeinstellungen können über die App nicht vorgenommen werden.

Die Kopplung eines Smartgeräts (Smartphone oder Tablet) ist etwas umständlich, da man sich entscheiden muss, ob die Kamera ein WLAN-Hotspot sein soll, mit dem sich das Smartgerät verbindet, oder ob die Verbindung von Kamera und Smartgerät über ein vorhandenes Drahtlosnetzwerk vonstattengehen soll. Die Hotspot-Funktion ist immer dann empfehlenswert, wenn man "on Location" kein WLAN zur Verfügung hat und mit dem Smartgerät auslösen möchte. Ist man im Bereich eines schnellen WLANs, dann ist diese Verbindungsoption optimal, weil sie gleichzeitig die Netzwerk-Funktionen der ZX1 ermöglicht.

Der üppige Speicher der Kamera verlangt nach einer schnellen und komfortablen Verwaltungsfunktion. Hier liefert die ZX1 eine echt gute Benutzererfahrung. Zum einen ist das Display Multitouch-fähig und ermöglicht so die Pinch-in-and-out-Funktion, um in den Bildindex hinein oder herauszuzoomen. Bilder und Videos lassen sich in Alben (Ordner) sortieren und verschieben. Diese Alben können in der Kamera angelegt werden, wobei sie sogar fragt, ob alle zukünftigen Aufnahmen in diesem Album gespeichert werden sollen.

Diese Auswahl ist allerdings nur beim Erstellen eines Albums möglich. Nachträglich geht das nur über die Funktionsleiste im Aufnahmemodus. Dennoch macht es diese Funktion sehr einfach, thematisch oder chronologisch zu arbeiten. Außerdem lassen sich ganze Alben in verbundene Speicher, auf Online-Plattformen und sogar als E-Mail exportieren.

  • Bild Auf der Unterseite der Zeiss ZX1 befinden sich das Stativgewinde und die Batteriefachklappe. [Foto: MediaNord]

    Auf der Unterseite der Zeiss ZX1 befinden sich das Stativgewinde und die Batteriefachklappe. [Foto: MediaNord]

Eigene Bildbearbeitungsfunktionen besitzt die ZX1 nicht; wozu auch, wenn Adobe Lightroom Mobile auf der Kamera vorinstalliert ist. Es lassen sich einzelne Bilder und auch ganze Alben zu Lightroom exportieren. Dort kann der Fotograf dann zum kreativen Bildbearbeiter werden. Damit Lightroom Mobile funktioniert, muss ein Adobe-Account vorhanden sein. Zudem muss die Kamera bei der Registrierung von Lightroom Mobile mit dem Internet verbunden sein. Danach soll die Software auch ohne Internetverbindung aktiv bleiben und der Kreativität kann freien Lauf gelassen werden.

Der große Nachteil an Lightroom Mobile ist, dass es nach zwölf Monaten kostenpflichtig wird (Abo), zumindest dann, wenn man die Premium-Funktionen weiter nutzen möchte. Kann man auf die Premium-Funktionen (siehe weiterführende Links) sowie die geräteübergreifende Synchronisierung verzichten, dann kann Lightroom Mobile auch weiterhin kostenlos genutzt werden. Ist man im Besitz eines Adobe-Creative-Cloud-Foto-Abonnements, so inkludiert das die Lightroom-Mobile-Version auf der Zeiss ZX1.

Ganz ohne zusätzliche Software kommt die Diashow-Funktion der ZX1 aus. Diese ist aus den Alben auf der Kamera erreichbar. Der Fotograf kann die Verweildauer der Bilder anpassen (eine bis neun Sekunden) und auch die Art der Überblendung sowie ob die Show nach dem Ende wieder von vorne anfangen soll. Musikuntermalung gibt es dabei keine.

Bildqualität

Um die Bildqualität der Zeiss ZX1 genau zu analysieren, haben wir sie nicht nur in der Praxis getestet, sondern auch in unserem Testlabor. Sowohl die Testbilder (eine ISO-Reihe in Raw und JPEG) als auch der Labortest der ZX1, auf dem die folgenden Betrachtungen beruhen, sind über die weiterführenden Links gegen ein kleines Entgelt abrufbar.

Der Labortest enthält zahlreiche Diagramme mit allen Messwerten und Erklärungen zu den Diagrammen. Zudem bieten wir eine Prepaid-Labortest-Flatrate für den zeitlich begrenzten Zugriff auf das gesamte Archiv mit über 1.800 Labortests, Testbildpaketen von über 200 Kameras und über 50 Premium-Kameratests mit erweitertem Informationsgehalt im PDF-Format an.

Wie bereits erwähnt, sorgt ein von Zeiss entwickelter, 37 Megapixel auflösender, 36 x 24 Millimeter großer Kleinbild-Aufnahmesensor für die Umwandlung von Licht in Daten. Dabei handelt es sich um einen CMOS-Sensor mit klassischer Front-Belichtung, das heißt gegenüber modernen BSI-Sensoren wird die lichtempfindliche Fläche teilweise von den Leiterbahnen auf dem Chip verdeckt, was zu einer etwas geringeren Lichtausbeute führt. Das spielt aber vor allem bei höheren Auflösungen beziehungsweise kleineren Pixeln eine größere Roll als bei der Auflösung der ZX1. Das Distagon-Objektiv mit seiner Brennweite von 35 Millimetern sorgt dafür, dass das Licht in geordnete Bahnen auf den Sensor trifft.

  • Bild Der große Lithium-Ionen-Akku der Zeiss ZX1 kann auf der Unterseite entnommen werden. Geladen wird er jedoch direkt in der Kamera via USB-C Power Delivery. [Foto: MediaNord]

    Der große Lithium-Ionen-Akku der Zeiss ZX1 kann auf der Unterseite entnommen werden. Geladen wird er jedoch direkt in der Kamera via USB-C Power Delivery. [Foto: MediaNord]

Das Distagon bietet an der ZX1 eine sehr gute optische Qualität, so liegt die maximale Randabdunklung bei allen Blenden bei 0,2 EV. Auf Nachfrage gab Zeiss an, dass die Randabdunklung in der Kamera korrigiert wird. Auch bei den Farbsäumen zeigt sich die ZX1 nicht auffällig. Sie sind meistens unsichtbar und werden nur an sehr hohen Kontrastkanten leicht sichtbar. Gut auskorrigiert ist auch die Verzeichnung, die maximal nur etwa 0,5 Prozent Tonnenform erreicht. Weder hier noch bei den Farbsäumen soll laut Zeiss eine elektronische Korrektur erfolgen. Das bedeutet, dass das Objektiv tatsächlich optisch so gut korrigiert ist, was natürlich teilweise den hohen Preis der Kamera erklärt.

Mit knapp 59 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) bei 50 Prozent Kontrast ist die Auflösung für einen 37-Megapixel-Sensor auffallend gering; so gering, dass wir es nach der ersten Messung nicht glauben konnten und eine weitere Messreihe gemacht haben, die das Ergebnis bestätigte. Des Rätsels Lösung ergibt sich beim Blick auf die Messung der Schärfeartefakte. Bei der ZX1 sind nämlich überhaupt keine Artefakte vorhanden, das ist schon ungewöhnlich und bedeutet, dass die Kamera keine messbare Nachschärfung der JPEG Aufnahmen durchführt.

Laut Zeiss ist die fehlende Nachschärfung volle Absicht. Die Fotos richten sich auch im JPEG-Format an Fotografen, die ihre Bilder nachbearbeiten wollen. So lautet die Philosophie der Kamera auch passen "shoot, edit, share" und eben nicht "shoot&share". Wir haben zumindest angeregt, optional eine bessere JPEG-Bildaufbereitung für diejenigen anzubieten, die ihre Fotos nicht immer bearbeiten möchten.

Momentan bietet die ZX1 nämlich keinerlei Anpassungsmöglichkeiten, diese sind ebenfalls dem minimalistischen Bedienkonzept zum Opfer gefallen. Außerdem ist unserer Meinung nach eigentlich ohnehin eher das DNG-Rohdatenformat, das die ZX1 parallel zu den JPEGs oder alternativ dazu speichern kann, die bessere Bildbearbeitungsbasis.

Doch zurück zur Auflösung. Diese besteht schließlich nicht nur aus dem Maximum von 59 lp/mm, die bei F2,8 und F4 im Bildzentrum erreicht wird. Bei Offenblende ist die Auflösung mit 53 lp/mm auch schon "gut" (relativ zum Maximum gesehen), jenseits von F5,6 sinkt sie ziemlich linear um 6 lp/mm bei jeder Blendenstufen von 54 lp/mm bei F5,6 ausgehend.

Am Bildrand startet die Auflösung bei Offenblende deutlich schwächer bei lediglich 32 lp/mm, was 40 Prozent Randabfall bedeutet. Zwischen F4 und F8 wird die höchste Randauflösung mit jeweils über 40 lp/mm erreicht mit einem Maximum von 45 lp/mm bei F5,6. Ab hier ist der Randabfall mit unter 20 Prozent gering.

Wir haben uns angesichts der nicht vorhandenen Nachschärfung auch einmal die Auflösung bei deutlich geringerem Kontrast von zehn Prozent angeschaut. Hierbei handelt es sich um die Grenzauflösung, die für den visuellen Auflösungseindruck, der eher bei 50 Prozent Kontrast entsteht, wenig zu tun hat. Immerhin bestätigt sich aber hier die von Zeiss behauptete und mit Bildbearbeitung herauskitzelbare hohe Auflösung. Sie liegt im Bildzentrum ab Offenblende bei 104 lp/mm, mehr gibt ein 37-Megapixel-Sensor nicht her.

  • Bild Wichtige Informationen kann die Zeiss ZX1, wenn Sie denn mit dem WLAN verbunden ist, direkt einblenden. [Foto: MediaNord]

    Wichtige Informationen kann die Zeiss ZX1, wenn Sie denn mit dem WLAN verbunden ist, direkt einblenden. [Foto: MediaNord]

  • Bild Die Android-Oberfläche der Zeiss ZX1 verhält sich bei der Bedienung wie ein Smartphone beziehungsweise Tablet. [Foto: MediaNord]

    Die Android-Oberfläche der Zeiss ZX1 verhält sich bei der Bedienung wie ein Smartphone beziehungsweise Tablet. [Foto: MediaNord]

Am Bildrand startet die Auflösung bei Offenblende mit 76 lp/mm und steigert sich bis F5,6 auf ebenfalls 104 lp/mm. Das grundsätzliche Auflösungsverhalten mit dem Auflösungs-Randabfall bei Offenblende und dem Maximum bei F5,6 zeigt sich also auch hier. Jenseits von F8 fällt auch bei zehn Prozent Kontrast die Auflösung kontinuierlich, wobei sich das erst jenseits von F11 deutlich bemerkbar macht.

Das Bildrauschen einer Kamera lässt sich an verschiedenen Parametern messen. Der Signal-Rauschabstand zeigt etwa, wie groß der Abstand vom erwünschten Bildsignal zum unerwünschten Störsignal ist. Ein Wert von 35 Dezibel (dB) gilt hier als Grenzwert, bei dessen Unterschreitung feine Details im Störsignal "untergehen" können. Je höher also die ISO-Empfindlichkeit ist, bei der dieser Grenzwert unterschritten wird, desto besser.

Bei der ZX1 von Zeiss wird der Grenzwert bereits bei knapp über ISO 800 unterschritten. Auch visuell gibt die Kamera feine Bilddetails bis ISO 800 gut wieder. Das ist nicht sonderlich viel für einen Kleinbildsensor. Oberhalb von ISO 6.400 sind die unbearbeiteten JPEG-Aufnahmen nicht mehr sinnvoll zu gebrauchen.

Die Anatomie des Bildrauschens ist durchgängig fein und bis ISO 6.400 zeigt sich kaum sichtbares Farbrauschen. Helligkeitsrauschen wird ab ISO 1.600 sichtbar und mit steigender Empfindlichkeit stärker, so dass ab ISO 6.400 das Luminanzrauschen stark sichtbar wird. Die Messkurve im Diagramm lässt dabei die Schlussfolgerung zu, dass die Rauschunterdrückung oberhalb von ISO 800 loslegt.

Die Messung der Texturschärfe zeigt ein bis fast ISO 6.400 lineares, aber aufgrund der fehlenden Nachschärfung grenzwertig niedriges Niveau. Von ISO 6.400 bis 12.800 sinkt die Texturschärfe dann verhältnismäßig deutlich ab. Messwerte oberhalb dieser Empfindlichkeit waren leider nicht möglich, da die Testaufnahmen so stark verrauscht waren, dass die Analysesoftware das Testchart im Rauschen nicht mehr eindeutig finden konnte.

Bei den Ausgangstonwerten zeigt sich die Zeiss ZX1 sehr linear sinkend. So stellt die Kamera bei ISO 100 fast 256 Tonwerte dar und erst ab ISO 1.600 wird die Grenze von sieben Bit (128 Helligkeitsstufen) pro Kanal unterschritten. Ab etwa ISO 3.200 kann die Kamera nur noch schwerlich 64 Helligkeitsstufen darstellen. Das ist nicht sonderlich gut für einen Vollformatsensor, dürfte aber ebenfalls zu einem guten Teil an der "schlechten" Bildaufbereitung liegen.

Die Eingangsdynamik ist mit etwas unter 9,5 Blendenstufen mittelmäßig gut, auch hier erreichen Kameras mit besserer Bildaufbereitung deutlich mehr. Immerhin hält die Kamera diese Dynamik absolut stabil bis ISO 1.600 durch. Darüber hinaus geht es steil bergab und erreicht etwas oberhalb von ISO 6.400 nur noch schlechte sechs Blendenstufen.

  • Bild Das Aufnahmedisplay der Zeiss ZX1 kann bis zu einem gewissen Grad angepasst werden (Gitterlinien). Um zu den Einstellungen zu gelangen, muss man auf der linke Seite nach oben wischen. [Foto: MediaNord]

    Das Aufnahmedisplay der Zeiss ZX1 kann bis zu einem gewissen Grad angepasst werden (Gitterlinien). Um zu den Einstellungen zu gelangen, muss man auf der linke Seite nach oben wischen. [Foto: MediaNord]

  • Bild Die Aufnahme-Funktionen können auf dem abgeknickten Teil des Displays der ZX1 ausgewählt und spezifiziert werden. [Foto: MediaNord]

    Die Aufnahme-Funktionen können auf dem abgeknickten Teil des Displays der ZX1 ausgewählt und spezifiziert werden. [Foto: MediaNord]

  • Bild Die Touchsteuerung der ZX1 ist schnell verinnerlicht. Das liegt zum einen an dem präzisen Display und zum anderen an der Abstinenz eines großen Einstellungsumfangs. So verzichtet die Kamera beispielsweise auf unterschiedliche Auflösungsstufen. [Foto: MediaNord]

    Die Touchsteuerung der ZX1 ist schnell verinnerlicht. Das liegt zum einen an dem präzisen Display und zum anderen an der Abstinenz eines großen Einstellungsumfangs. So verzichtet die Kamera beispielsweise auf unterschiedliche Auflösungsstufen. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der Autofokus der Zeiss ZX1 besitzt einen Flächen-AF und einen verschiebbaren einzelnen Messpunkt. Eine Verfolgungsfunktion oder Augen-AF sucht man vergeblich. [Foto: MediaNord]

    Der Autofokus der Zeiss ZX1 besitzt einen Flächen-AF und einen verschiebbaren einzelnen Messpunkt. Eine Verfolgungsfunktion oder Augen-AF sucht man vergeblich. [Foto: MediaNord]

  • Bild Mit einer komfortablen Albenfunktion hilft die ZX1, Ordnung zu halten auf der fest eingebauten SSD. [Foto: MediaNord]

    Mit einer komfortablen Albenfunktion hilft die ZX1, Ordnung zu halten auf der fest eingebauten SSD. [Foto: MediaNord]

Angesichts der geringen Schärfeartefakte könnte man erwarten, dass auch die Tonwertkurve linear, also unverfälscht beziehungsweise nicht aufbereitet ist. Hier zeigt die ZX1 jedoch eine bauchige Kurve. Die Mittenkontraste werden also vom Bildprozessor angehoben, um gefälliger wirkende Bilder zu erzeugen. Das ist etwas seltsam, denn alle anderen Messergebnisse sagen "Kein Shoot-to-Print", die Tonwertübertragung aber sagt das Gegenteil.

Die Farbabweichung der ZX1 ist zwar im Schnitt noch tolerierbar, in einigen Farbbereichen aber inakzeptabel stark. Besonders die Farbbereiche Magenta, Grün und Orangerot sind von starken Abweichungen geplagt. Die tatsächliche Farbtiefe ist bis ISO 1.600 gut und bis ISO 200 sogar in der Lage, über 4,2 Millionen Farbnuancen wiederzugeben.

Die ISO-Einstellungen 25.600 und 51.200 sind faktisch nicht sinnvoll einsetzbar. Das Bildrauschen wird extrem stark und dementsprechend hoch ist die Rauschunterdrückung unterwegs und "bügelt" Details gnadenlos weg. Zudem zeigen sich farbige Entrauschungsartefakte und eine drastische Farbarmut sowie Farbverschiebungen.

Fazit

Die Zeiss ZX1 ist eine echt schöne Kamera, auch wenn sie mit Sicherheit nicht mehr als "Kompakte" im Sinne von kompakten Abmessungen klassifiziert werden kann. Die Verarbeitung ist hervorragend und die Kamera fühlt sich sehr wertig an. Trotz der minimalistischen Bedienelemente wurde leider drauf verzichtet, verriegelbare Drehräder einzubauen. Das ist besonders beim Blendenring fatal, weil dieser sich ohne großen Widerstand vom Automatikmodus in den manuellen Betrieb verschieben ließ. Die Bedienung über den Touchscreen ist sehr präzise und übersichtlich, aber ist nicht ohne Fallstricke.

Bei den Verwaltungs-Funktionen zeigt sich die ZX1 leicht verständlich und gut durchdacht. Auch die Konnektivität zu Social Media, Cloudspeichern und einer NAS-Anbindung sind leicht zu handhaben. Gut gefallen hat uns die Möglichkeit, Bilder direkt auf der Kamera via Lightroom Mobile zu bearbeiten. Deswegen ist es auch zu verzeihen, dass die Kamera keine eingebauten Effekte oder andere Bearbeitungsmöglichkeiten hat.

Die JPEG-Bildqualität hat uns nicht überzeugt, zumindest nicht vom Gesichtspunkt des "Shoot to Print", also der sofortigen Verwendung der Aufnahmen. Dazu sind die Bilder zu weich. Aber dafür gibt es ja Lightroom Mobile, mit dem man die JPEG- und auch die DNG-Rohdatenaufnahmen sofort verarbeiten kann. Während Aufnahmen bei niedrigen ISO-Empfindlichkeiten viel Potential besitzen, ist der High-ISO-Bereich trotz des großen Kleinbildsensors eher mit Vorsicht zu genießen. Ab ISO 6.400 sollte man am besten gar keine Bilder mehr machen.

Die Zeiss ZX1 ist eine schöne und besondere Kamera für voll vernetzte Fotografen, die Bilder bearbeiten wollen. Zeiss zeigt mit der Kamera, dass ein modernes, wenn auch gut "verstecktes" Android-Betriebssystem auf einer Kamera durchaus Vorteile bietet, hätte man nicht vergessen, einen zeitgemäß schnellen Autofokus, eine geringe Auslöseverzögerung und einen besser einstellbaren Bildprozessor zu integrieren. Die Abmessungen auf Systemkamera-Niveau und die gebotene Bildqualität im High-ISO-Bereich machen den Anschaffungspreis von 6.000 Euro zu einer bitteren Pille.

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Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Steckbrief

Steckbrief
HerstellerZeiss
ModellZX1
SensorCMOS Kleinbild 36,0 x 24,0 mm (Cropfaktor 1,0)
39,5 Megapixel (physikalisch)
37,4 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch4,8 µm
Auflösung (max.)7.488 x 4.992 (3:2)
Video (max.)3.840 x 2.160 30p
ObjektivF2,0/35 mm
Filtergewinde52 mm eingebaut
VideosucherEVF, 100 % Bildfeldabdeckung, 6.220.800 Bildpunkte Auflösung, 0,74-fache Vergrößerung (Sensor-bezogen), 0,74-fache Vergrößerung (KB-Äquiv.), Dioptrienausgleich (-3,0 bis 3,0 dpt)
Monitor4,3" (11,0 cm)
  Auflösung2.764.800 Bildpunkte
  kippbar
  drehbar
  schwenkbar
  Touchscreenja
AV-AnschlussHDMI via USB-C
Vollautomatik
Motivautomatik
Programmautomatikja
Programmshift
Blendenautomatikja
Zeitautomatikja
Manuellja
Bulb-Langzeitbelichtung
HDR-Funktion
Panoramafunktionja, Schwenkpanorama
BelichtungsmessungMehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
kürzeste Verschlusszeit1/2.000 s
  Synchronzeit1/1.000 s
  BlitzanschlussSigma, Standard-Mittenkontakt Blitzschuh
WLANja
NFC
GPSextern, dauerhafte Smartphone Verbindung
Fernauslöserja, Fernsteuerung über Smartphone/Tablet
Intervallaufnahmeja
Speichermediumk. A.
Empfindlichkeit
  automatischISO 100-6.400
  manuellISO 80-51.200
Weißabgleich
  automatischja
  manuelle Messungja
  Kelvin-Eingabeja
  Feinkorrektur
Autofokusja
  Anzahl Messfelder
  Geschwindigkeit0,54 s
  AF-HilfslichtLED
Abmessungen (BxHxT)142 x 94 x 95 mm
Gewicht (betriebsbereit)839 g
Stativgewindein optischer Achse
Zoom
  Zoomverstellungk. A.
Akkulaufzeitkeine Angabe

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

DXOMARK Logo

Die Bildqualität in unseren Tests ermitteln wir seit 2011 mit DXOMARK Analyzer.

Kurzbewertung

  • Hochwertiges, trotz der wuchtigen Größe elegantes Gehäuse
  • Übersichtliche Menüstruktur
  • Umfangreiche Konnektivitätsoptionen
  • Vorinstalliertes Lightroom Mobile
  • High-ISO-Einstellungen nicht zu gebrauchen
  • Bilder nur bedingt "Shoot to Print" tauglich
  • Keine Verriegelung des Blendenrings
  • Zu lange Auslöseverzögerung