Kompaktkamera

Testbericht: Sony DSC-V1

2003-07-03 Während des so genannten "Blitzkriegs" war die V1 die geheime Waffe der Deutschen. Weitaus weniger feindlich gesinnt ist Sony mit seiner DSC-V1, bei der fast der ganze Funktions- bzw. Ausstattungsumfang der großen DSC-F717 in einem erstaunlich kompakten Gehäuse untergebracht ist. Ob die kleine DSC-V1 mit ihrem 5-Megapixel-Sensor die geheime Waffe von Sony gegen die Konkurrenz ist, haben wir in diesem digitalkamera.de-Erfahrungsbericht untersucht.  (Yvan Boeres)

   Sony DSC-V1 [Foto: MediaNord]
 

Tatsächlich steht die DSC-V1 beim Anblick der technischen Daten der bereits von uns getesteten DSC-F717 in kaum einer Hinsicht nach und bietet sogar Features (wie z. B. den intelligenten Blitzschuh und den MPEG-VX-Videomodus) an, die die DSC-F717 nicht hat. Mit einem etwas kleineren Zoomfaktor und ohne schwenkbares Objektiv ist die DSC-V1 schon fast das, was man als "Taschenversion" der DSC-F717 bezeichnen könnte. Denn klein (99 x 65 x 57 mm) und leicht (296 Gramm im betriebsbereiten Zustand) ist die Sony DSC-V1 schon; nur mit der Handlichkeit klappt es nicht so ganz. Denn so kompakt die Kamera auch ist, so zusammengepfercht sind auch die Bedienelemente. Die Zoomwippe (die Zoomrichtung kann vom Benutzer festgelegt werden), der Sucher, das Jog-Dial und die Navigations-Tasten liegen so eng beieinander, dass der Daumen manchmal etwas "Platzangst" bekommt – ganz besonders, wenn man den optischen Sucher der V1 ans Auge hält. Dieser ist übrigens hell und frei von jeglichem Farbstich, lässt aber eine Dioptrieneinstellung vermissen und wird gerne von einem der restlichen Fingern bedeckt, da der Suchereingang unmittelbar über dem "Griff" (den man gerade noch als solchen bezeichnen kann) der Kamera angesiedelt ist. Überhaupt haben die Hand bzw. die Finger Probleme damit, bei der DSC-V1 eine optimale Haltung zu finden. Hält man die V1 nämlich – wie es eigentlich sein sollte – mit zwei Händen fest, hindert die linke Hand bzw. deren Finger den eingebauten Pop-Up-Blitz daran, aus dem Gehäuse herauszuspringen. Die DSC-V1 scheint also für den Einhand-Betrieb entworfen zu sein (im Interesse verwacklungsfreier Fotos sollte man allerdings trotzdem beide Hände verwenden).

Sony schafft es mit der DSC-V1, Fehler zu vermeiden, die andere, z. T. größere Kameras wie die Canon PowerShot G3/G5, aufweisen. Der Sucher der V1 wird nicht vom Objektiv abgedeckt und auch der Blitz wird dank Springmechanismus nicht vom Objektiv abgeschattet (selbst in Teleposition, in der die Linse schon ziemlich weit aus dem Gehäuse der Kamera herausfährt). Das Objektiv trägt die "Handschrift" von Carl Zeiss und bietet einen vierfachen Zoom- bzw. Brennweitenbereich (entspr. 34-136 mm bei KB) bei einer moderaten Lichtstärke (F2,8-4) an. Geschützt wird der Achtlinser (8 Linsen in 7 Gruppen) bei ausgeschalteter Kamera durch einen Lamellen-Schutzvorhang, der sich automatisch öffnet, sobald die Kamera eingeschaltet wird. Der Einschaltvorgang (ca. 3,7 s) und die Zeit, in der die V1 den gesamten Brennweitenbereich durchfährt (16 Stufen in rund 3 Sekunden), kann man als praxistauglich bezeichnen; das Zoomgeräusch ist kaum hörbar. Gut bis sehr gut sind die optischen Leistungen des Objektivs: Die Verzeichnung ist gering bis nicht sichtbar, die Vignettierung hält sich in Grenzen (ca. 1/2 Blende Lichtabfall in den Bildecken) und chromatische Aberrationen sind nur in einigen wenigen Fällen mit Mühe erkennbar. Sony DSC-V1- Rückansicht [Foto: MediaNord]Wer die DSC-V1 um optisches Zubehör erweitern will, kann mittels des Objektivadapter VAD-VHA Filter, Nahlinsen und Konverter mit einem Gewindemaß von 58 mm an der Kamera montieren. Im Sony-Zubehörprogramm für die DSC-V1 aufgelistet sind der Weitwinkel-Konverter VCL-DEH07V (0,7-fach), der Tele-Konverter VCL-DEH17V (1,7-fach) sowie diverse Filterkits (Polfilter, Neutraldichtefilter, Spezialeffektfilter). Anhand eines winzigen Schalters im Objektivring erkennt die DSC-V1, ob solches Zubehör an der Kamera montiert ist oder nicht.

Bei der DSC-V1 versieht das gleiche Autofokus-System seinen Dienst wie man es bei der DSC-F717 vorfindet. Demnach hat man es auch bei der DSC-V1 mit einem 5-Punkt-Autofokus mit Laser-Hilfslicht (so genannter Hologramm-AF) zu tun. Leider funktioniert die manuelle Wahl des AF-Feldes ähnlich umständlich wie bei der DSC-F717: Anstatt das AF-Feld über die Navigationstasten anzuwählen, muss man weiterhin das Jog-Dial so lange drehen, bis das gewünschte AF-Feld auf dem LCD-Farbbildschirm "aufleuchtet". Verbessert wurden allerdings die Genauigkeit und die Ansprechzeit des Autofokus: Letztere ist von durchschnittlich 0,9 Sekunden (DSC-F717) auf nunmehr ca. 0,6 Sekunden reduziert worden, womit die DSC-V1 einen neuen Rekord in Sachen Fokussiergeschwindigkeit bei Kompaktdigitalkameras setzt! Kombiniert mit einer ultrakurzen Auslöseverzögerung (die wir mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln nicht einmal seriös messen können), macht die schnelle Fokussierung die DSC-V1 durchaus für echte Schnappschüsse und z. T. auch schon für Sport- und Actionfotos tauglich. Der Autofokus arbeitet übrigens in einem Bereich von 40 cm bis unendlich; ein Makro-Modus erlaubt es, den Mindestabstand zum Motiv bis auf 10 cm zu verkürzen. Eine manuelle Scharfstellung ist bei der DSC-V1 ebenfalls möglich, indem mit dem Jog-Dial fest eingestellte Entfernungspositionen abgerufen werden.

Fast genauso vorbildlich wie beim Fokussieren verhält sich die DSC-V1 beim Belichten. Die 49 Messfelder, die der Matrix- bzw. Mehrfeld-Belichtungsmesszelle der Kamera zur Verfügung stehen, sprechen für eine höhere Zuverlässigkeit bei der Ermittlung der richtigen Belichtung – und das wird auch anhand der Bilder von der DSC-V1 bestätigt. Nur mit Gegenlichtsituationen kommt die DSC-V1 nicht so richtig klar: Obwohl Sony sogar damit wirbt, dass der eingebaute Miniaturblitz der Kamera automatisch bei Gegenlicht in Aktion tritt, reagierte die Kamera bei unseren Versuchen weder mit einem automatischen Aufhellblitz noch mit einer automatischen Belichtungskompensation. Werden die Belichtungsparameter in der Vollautomatik oder in der Programmautomatik von der Kamera ausgewählt und gesteuert, kann man beim Aufrufen der Semi-Automatiken (Blenden- und Zeitenautomatik) oder des manuellen Belichtungsmodus die Verschlusszeit (1/1.000 bis 30 s in 46 Stufen) und/oder die Blende (F2,0 bzw. F4,0 bis F8,0) vorgeben. Je nach Brennweite stehen einem bei der Blendenwahl 7 bis 10 Blendenstufen zur Auswahl. Fühlt sich ein Anwender mit solchen Einstellmöglichkeiten überfordert, kann er/sie in der Programm- bzw. Vollautomatik bleiben oder auf eines der am Programmwählrad mit SCN gekennzeichneten Motivprogramme (Strand, Schnee, Landschaft, Dämmerung, Porträt bei Dämmerung, Porträt) zurückgreifen. Sony DSC-V1 mit Sony Blitz HVL-F32X [Foto: MediaNord]Wer die Kreativität in den Vordergrund stellt, wird hingegen die verstellbaren Lichtempfindlichkeitsstufen (entspr. ISO 100/200/400/800), die Belichtungskorrekturfunktion (+/- 2 EV in Drittelstufen), die im Aufnahme- und Wiedergabemodus funktionierende Histogrammanzeige, die zusätzlichen Messverfahren (mittenbetonte Integralmessung, Spotmessung) und die Belichtungsreihenautomatik zu schätzen wissen. Weiterhin lassen sich Scharfzeichnung, Bildkontrast und Farbsättigung einstellen – und zwar in jeweils drei Stufen (weniger, normal, mehr).

Die – mit Ausnahme des Verhaltens bei Gegenlichtsituationen – durchaus leistungsfähige Belichtungsmessung und -steuerung hat Sony bei der DSC-V1 auch auf die Blitzbelichtungssteuerung angewandt. Dabei hat man bei der DSC-V1 die Wahl, ob man den kleinen eingebauten Kamerablitz, mit einer von uns gemessenen Leitzahl von 14, oder einen leistungsstärkeren Zusatzblitz am Blitzschuh der Kamera befestigt. Der eingebaute Blitz schaltet sich automatisch bei schwachen Lichtverhältnissen und (theoretisch) bei Gegenlicht zu und erreicht – den Herstellerangaben zufolge – Motive bis zu einer Distanz von 0,5 bis 3,5 Metern (WW/Tele). Tatsächlich ist innerhalb dieses Distanzbereiches mit sowohl von der Ausleuchtung als auch von der Abdeckung und der Farbneutralität des Blitzlichtes her sauber belichteten Blitzbildern zu rechnen; Rote Augen produziert der Blitz der DSC-V1 allerdings trotz Pop-Up-Mechanismus und selbst bei eingeschalteter Roter-Augen-Korrektur. Allerdings leuchten die Roten Augen der abgebildeten Menschen nicht so stark wie bei mit manch anderen Kameras gemachten Fotos, so dass die DSC-V1 hier zumindest sprichwörtlich mit einem "blauen Auge" wegkommt. Die ultimative Waffe gegen die Roten Augen ist natürlich ein externes Blitzgerät und hier funktioniert das Zusammenspiel zwischen Kamera und Blitzgerät ganz besonders bei dem speziell für die DSC-V1 entwickelten Systemblitz HVL-F32X. Der mittelstarke Blitz (von uns gemessene Leitzahl 32) unterstützt – z. T. dank zusätzlichen Kontakten an Kamera-Blitzschuh und Blitzgerät – alle erweiterten Funktionen des Blitzsystems (Mess-Vorblitz, AF-Hilfslicht-Funktion, Modellierlicht, Stromsparbetrieb, manueller Betrieb mit/ohne Teilleistungen usw.) und verfügt über einen nach oben schwenkbaren Reflektor. Beim indirekten Blitzen rastet der Blitzkopf in den Positionen 0, 45, 60, 75 und 90 Grad ein; beim direkten Blitzen kann eine eingebaute Weitwinkel-Streuscheibe vor den Reflektor geschwenkt werden. Das Einzige, was dem HVL-FX32 noch fehlt, ist ein Motor-Zoom zur Anpassung der Reflektor-Stellung an die Kamerabrennweite sowie der drahtlose Blitzbetrieb mit mehreren Blitzgeräten. Obwohl die Belichtungsmessung beim Blitzen sowohl mit dem eingebauten Blitz als auch mit dem HVL-F32X kein echtes TTL-System zu sein scheint, ist in den meisten Fällen (sogar im Makro-Bereich) kaum mit Überblitzeffekten zu rechnen. Erweiterte Blitzfunktionen bietet die DSC-V1 und/oder der HVL-FX32 in Form einer Langzeitbelichtungssynchronisations-Funktion, einer dreistufigen Blitzbelichtungskorrektur sowie der möglichen Abschaltung des Messblitzes (praktisch beim Arbeiten mit Studioblitzanlagen). Dass es Sony gelungen ist, ohne auf bestehende Produkte zurückgreifen zu können, ein homogenes Blitzsystem zu entwickeln, das in manchen Punkten sogar die Blitzsysteme der etablierten Konkurrenz übertrifft, verdient Anerkennung.

Im normalen Serienbildmodus nimmt die DSC-V1 lediglich drei Bilder in Folge in voller Auflösung auf. Die Bildfolgerate ermittelten wir mit ca. 2,3 Bildern pro Sekunde (Herstellerangabe: 2 Bilder/s). Bedauerlicherweise lassen sich weder die Bildzahl noch die Geschwindigkeit durch Heruntersetzen der Auflösung und/oder Kompression erhöhen. Wer schnellere Bildfolgen braucht, muss auf den Multibildmodus ausweichen, bei dem die Kamera 16 Miniatur-Einzelaufnahmen in einem Bild unterbringt. Dabei muss man den so genannten Multi-Burst-Modus im Setup-Menü der Kamera aktivieren und die DSC-V1 in den Video-Modus umschalten. Dann kann man im Menü das Bildintervall (1/25, 1/12,5 oder 1/6,3 s) festlegen, was in der Praxis Bildfolgeraten von ca. 7, 15 und 31 Bilder/s ergibt. Allerdings ist der Multi-Burst-Modus nur bedingt für Serienbilder brauchbar, da die Gesamtauflösung in diesem Modus nur 1.280 x 960 Pixel beträgt und so jedes einzelne Bild gerade mal 320 x 240 Pixel groß ist. Praxistauglicher ist der MPEG-VX-Videomodus, die derzeit höchste Entwicklungsstufe der unzähligen MPEG-Varianten, die Sony bisher auf den Markt gebracht hat (MPEG, MPEG-EX, MPEG-HQ, MPEG-HQX). Sony DSC-V1- Speicher- und Akkufach [Foto: MediaNord]Der MPEG-VX-Modus verbindet hohe Auflösung (640 x 480 Pixel) mit einer halbwegs flüssigen Bildfrequenz (16 Bilder/s) und der gleichzeitigen Tonaufnahme – und das alles in einer Länge, die nur durch die Speicherkapazität des eingesetzten Memory Sticks begrenzt wird). Während des Filmens findet weder eine Nachfokussierung statt noch ist das Zoomen möglich; zwei Punkte, die Sony als Camcorder-Pionier eigentlich besser machen könnte. Ergänzt werden die Bildfolge- bzw. Auslöse-Funktionen durch den – für Sony fast schon traditionellen – Clip-Motion-Modus (für animierte GIFs), einen Selbstauslöser mit 10 Sekunden Vorlaufzeit sowie die Fernauslösung mit dem optional erhältlichen elektrischen Kabel-Fernauslöser RM-VD1 (eine "Fern"-Auslösung ist auch mit dem Stativ VCT-D680RM möglich).

Da die DSC-V1 schon Videos mit Ton aufnimmt, bietet sie die Tonaufzeichnung auch als 5-sekündige Sprachnotiz zu einem Foto an. Die Audiosequenzen (sei es innerhalb eines Videoclips oder als Sprachnotiz) können über den "Bordlautsprecher" wiedergegeben werden. Doch mit den bisher erwähnten Funktionen ist nur ein Bruchteil des Funktionsumfangs der DSC-V1 abgedeckt. Jede einzelne Funktion hier aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Erfahrungsberichtes sprengen. Deshalb konzentrieren wir uns auf zwei wichtigsten Features: den so genannten NightShot-Modus (bereits von Sony Camcordern bekannt) und den NightFraming-Modus, zwischen denen man per Schiebeschalter an der Kameraoberseite wechselt. Beim NightShot-Modus agiert die DSC-V1 wie ein Nachsichtgerät: Eine zwischen Objektiv und Blitz eingebaute Infrarot-Leuchtdiode sendet für das menschliche Auge unsichtbares Infrarotlicht aus, lediglich ein schwacher Rotschimmer ist von der Diode aus sichtbar. Das Infrarotlicht wird bei automatisch weg geklapptem Infrarot-Sperrfilter vom CCD-Sensor in grünliche Monochrombilder (Stand- oder Bewegtbilder) umgewandelt. Wie beim Hologramm-AF haben die IR-Leuchtdioden ihre eingeschränkte Reichweite (etwa drei Meter) und einen recht eng gebündelten Radius, d. h. in Weitwinkelstellung wird nur ein innerer Kreis von der IR-LED ausgeleuchtet, der nicht einmal der Höhe des Bildformates entspricht. Für Spanner und Hobby-Detektive, aber auch für seriöse Anwendungen wie z. B. Tierfotografie bietet Sony aus dem Camcorder-Bereich die aufsteckbare IR-Leuchte HVL-IRC als optionales Zubehör an, die auf dem Blitzschuh der DSC-V1 Platz findet und den Aktionsradius des NightShot-Modus auf etwa 20 Meter erhöht. Während der NightShot-Modus eher dem Gebiet der Spezialanwendungen bzw. der Spielereien zugeordnet werden kann, kommt der NightFraming-Modus auch der Alltagsfotografie zugute. Hier wird der NightShot-Modus nur zum Anvisieren bzw. bei der Bildgestaltung genutzt. Wenn man dann den Auslöser drückt, macht die Kamera ganz normale Bilder in der ganzen Farbenpracht und keine grünlich-monochromen Bilder wie im NightShot-Modus. In diesen Situationen ist das Licht normalerweise so schwach, dass der Blitz zugeschaltet wird.

   Sony DSC-V1- Menü Setup 1 [Foto: MediaNord]
  Sony DSC-V1- Menü Kamera 1 [Foto: MediaNord]
  

Unter den noch zu erwähnenden Features der DSC-V1 gehört auf jeden Fall die Menüführung in mehr als zwei Sprachen. Was bei Kameras anderer Marken schon seit jeher eine Selbstverständlichkeit ist, gibt bei Sony erstmals seit der aktuellen Kamerageneration. Zu den bisher wählbaren Menüsprachen (Englisch und Japanisch) gesellt sich nun Deutsch, Spanisch, Französisch, Italienisch und Portugiesisch. Am Rande erwähnt seien noch die Unterstützung des PTP-Bildübertragungsprotokolls (treiberloser Betrieb auf manchen Rechnern möglich), die Unterstützung von EXIF 2.2/Print sowie das SmartZoom-Digitalzoom (fotografiert der Anwender mit einer geringeren als der maximalen Pixelauflösung, verwendet die DSC-V1 die nicht genutzten Pixel zum virtuellen Zoomen).

Doch was sind alle Funktionen ohne die entsprechende Bildqualität? Wie bei so vielen kürzlich von uns getesteten (z. B. die Pentax Optio 550, die Olympus C-5050 Zoom oder die Minolta Dimage F300) und vorgestellten Digitalkameras (z. B. die Canon PowerShot G5 oder die Nikon Coolpix 5400) kommt bei der DSC-V1 ein 5-Megapixel-CCD im 1/1,8"-Formfaktor zum Einsatz. Vermutlich handelt es sich beim Herzstück aller gerade genannten Kameras sogar um den gleichen CCD (Sony ICX452). Bisweilen sind wir in unseren Erfahrungsberichten zu 5-Megapixel-Kameras mit solch kleinem Bildwandler immer wieder zum Schluss gekommen, dass die geringe Größe der einzelnen Pixel (2,775 µ) den Chip mit einem – je nach Güte der Rauschunterdrückungsalgorithmen der Kamera – mehr oder weniger stark ausgeprägten Rauschverhalten belastet. Auch Sony als Hersteller des ICX452 bekommt den Sensor nicht besser in den Griff als die Konkurrenz. Das Rauschverhalten der DSC-V1 ist zwar – dank zahlreicher Rauschunterdrückungsalgorithmen (Clear Colour-NR, Lumincance-NR, Slow Shutter-NR) – minimal besser als bei manch anderen Kameras mit gleich großem Bildwandler, sticht aber nicht wirklich aus der Menge hinvor und erreicht bei weitem nicht die Rauscharmut der DSC-F717 mit ihrem größeren 2/3"-CCD. Bereits ab ISO 200 beginnt man das Bildrauschen wahrzunehmen; bei ISO 400 und ISO 800 ist eine gründliche "Reinigung" mit Programmen wie Neat Image oder der Rauschunterdrückungsoption im Canon-Druckertreiber unabdingbar, wenn man das Maximum an Qualität aus den Bildern herauskitzeln will. Schade, dass Sony in dieser Hinsicht es dem Benutzer nicht erlaubt, sich an "unbehandelten" Bildern zu "vergreifen". Denn die maximal 2.592 x 1.944 Pixel großen Bilder, die die DSC-V1 liefert, werden ausschließlich im TIFF- oder JPEG-Format auf Memory Stick- und Memory Stick-PRO-Karten gespeichert (Speicherzeit mit dem mitgelieferten 32 MByte Memory Stick: JPEG durchschnittlich 2,5 s bei ca. 1,8 MByte, TIFF ca. 44 s bei 14,4 MByte). Die nervenstrapazierend lange Speicherzeit im TIFF-Modus sowie der hohe Preis ausreichend groß dimensionierter Memory Sticks lassen den Wunsch nach einem Platz sparenden RAW-Modus nur weiter gedeihen. Während "Handarbeit" in dieser Hinsicht nicht möglich ist, wird sie bei einem anderen Aspekt sogar Pflicht. Sony DSC-V1- rechte Kameraseite [Foto: MediaNord]Denn während der automatische Weißabgleich der DSC-V1 unter fast allen Tageslichtbedingungen angemessen reagiert, ist das unter Glühlampenlicht nicht der Fall. Während die Automatik in der Situation stark rotstichige Bilder liefert, bekommt man mit der Voreinstellung für Glühlampenlicht gelbstichige Bilder und die anderen Voreinstellungen bescheren einem noch andere Farbstich-Varianten. Dann hilft nur noch ein manueller Weißabgleich, der dann auch prompt Weiß auch als solches darstellt. Weitere Handarbeit ist u. U. auch bei der Farbsättigung angesagt: Die Bilder der DSC-V1 wirken für manche ein wenig "ausgewaschen" – was allerdings Geschmacksache ist. Da die DSC-V1 dreistufige Einstellungen für den Bildkontrast, die kamerainterne Scharfzeichnung – und eben die Farbsättigung – für alle Fälle parat hält, kann man die Farbe leicht anheben. Ansonsten ist an der elektronisch bedingten Bildqualität wenig auszusetzen. Die Auflösung und Bildschärfe ist gut, die Farbbalance ebenso und auch bei anderen Qualitätsfaktoren (bewältigter Kontrastumfang, Blooming, Moiré-Bildung usw.) leistet sich die DSC-V1 keine Patzer.

Bleibt ein letzter Kritikpunkt aufzugreifen: die Sony-untypische, völlig unzufrieden stellende Batterielaufzeit. Die DSC-V1 ist im Vergleich zu ihrer direkten Vorgängerin, der DSC-S85, so klein ausgefallen, dass die größeren Akkus der NP-FM-Serie leider einem winzigen NP-FC11-Akku weichen mussten. Der InfoLithium-Akku NP-FC11 ist gerade mal so groß wie fünf aufeinandergestapelte Memory Sticks und leistet 2,8 Wh (3,6 V bei 780 mAh). Zum Vergleich: Der NP-FM50-Akku der DSC-F717 kommt auf 8,5 Wh (7,2 V bei 1.150 mAh). Dementsprechend kurz fällt auch die Batterielaufzeit bei der DSC-V1 aus. Sind mit der DSC-F717 – je nach Beanspruchung der Kamera – bis zu 400 Bilder mit einer Akkuladung möglich, schafft die DSC-V1 (besonders in den ersten Tagen nach dem Kauf, wenn man viel mit der Kamera herumspielt) gerade mal ein Viertel davon. Sony DSC-V1 [Foto: MediaNord]Selbst beim späteren, sparsameren Umgang mit der Kamerapower kommt man bestenfalls auf 150 bis 180 Bilder.

Fazit: Rein vom technischen Aspekt her ist die Sony DSC-V1 eine leistungsfähige und moderne Kamera. Der Autofokus der DSC-V1 setzt in puncto Reaktionsgeschwindigkeit bei Kompaktdigitalkameras neue Maßstäbe, das Belichtungsmesssystem und das Blitzsystem sind auf dem aktuellen Stand der Technik (in manchen Punkten sogar für die etablierte Konkurrenz richtungsweisend) und der Funktions- bzw. Ausstattungsumfang der Kamera lässt selbst beim anspruchsvollen Fotografen kaum noch Wünsche aufkommen. Anders sieht es vom praktischen Aspekt her aus: Gleichzeitig eine Stärke (Kompaktheit) als auch deren größtes Handicap ist die Größe der DSC-V1. Alle Hauptkritikpunkte an der DSC-V1 sind mehr oder weniger direkt mit der geringen Gehäusegröße verbunden. Der kleine (und leider auch schwachbrüstige) Akku, die etwas unglückliche Ergonomie (Handlage, Rote-Augen-Veranlagung, Verwacklungsrisiko, durch die Hand abgedeckter Blitz usw.) sowie das durch den kleinen CCD-Chip bedingte Bildrauschen sind alles Faktoren, die den Spaß an der DSC-V1 trüben und sich leichter vermeiden ließen, wenn die DSC-V1 ein paar Zentimeter größer ausgefallen wäre. Wer aber die DSC-V1 gerade wegen ihrer Kompaktheit in die engere Wahl genommen hat und sich der o. g. Einschränkungen bewusst ist, erhält mit der DSC-V1 eine ausgesprochen potente 5-Megapixel-Kamera, die auch die Ansprüche einer kleinen Reportagekamera erfüllt.

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