Winzige Kamera für spezielle Anwendungen

Testbericht: Sony DSC-RX0M2 (RX0 II) mit Handgriff VCT-SRG1

2019-06-10 Die mit weitem Abstand kleinste "Premium-Kompaktkamera", die Sony DSC-RX0, bekommt ein verbessertes Schwestermodell, das nun vor allem endlich das kann, was man bei der ursprünglichen RX0 schmerzlich vermisst hatte: 4K-Videos können jetzt auch intern auf der Speicherkarte gespeichert werden (mit 24, 25 oder 30 fps). Bislang ging das nur über einen externen Recorder, was dem Konzept der klitzekleinen, wasserdichten und robusten Kamera doch sehr zuwider lief. Dazu gibt es nun auch einen Schwenk-Monitor und eine Videostabilisierung.  (Jan-Markus Rupprecht)

  • Bild Die winzige Sony DSC-RX0 II ist wasserdicht und robust. Für eine gute Bildqualität nutzt sie den bekannten 1-Zoll-Sensor von Sony, von dem sie aber leider nur rund 75 Prozent seiner Fläche nutzt. [Foto: MediaNord]

    Die winzige Sony DSC-RX0 II ist wasserdicht und robust. Für eine gute Bildqualität nutzt sie den bekannten 1-Zoll-Sensor von Sony, von dem sie aber leider nur rund 75 Prozent seiner Fläche nutzt. [Foto: MediaNord]

Mit der "Mark 2" schickt Sony die zweite Ausgabe seiner winzigen RX0 ins Rennen. Neuerungen sind ein nun klappbarer Monitor und die interne 4K-Video-Aufzeichnung, die wir bei der ersten Ausgabe schmerzlich vermisst hatten, sowie eine Videostabilisierung. Dafür legt die RX0 II etwas an Gehäusetiefe und Gewicht zu, nicht aber beim Preis. Seit Einführung der ersten RX0 hat Sony einiges an Zubehör dafür auf den Markt gebracht. Wir haben davon den Griff VCT-SGR1 mit ausprobiert, der die Handhabung der winzigen Kamera verbessern könnte.

Wer die erste RX0 nicht kennt, dem empfehlen wir die Lektüre unseres Testberichts zur Sony DSC-RX0. Im Testbericht hatten wir damals versucht einzuordnen was die winzige RX0 eigentlich ist und was nicht. Ein bisschen Action-Kamera, aber irgendwie auch nicht. Ein bisschen Outdoor-Kamera. Ein bisschen Premium-Kompaktkamera, aber auch nicht richtig. Eine Smartphone-Zusatzkamera, aber viel Mehrwert bringt das nicht. Anwendungsmöglichkeiten für die Kamera hatten wir aber auch einige gefunden: Spionage-Kamera, Edel-Dashcam und Superzeitlupen-Kamera. Das war durchaus ernst gemeint. Das alles gilt für die zweite Ausgabe natürlich weiterhin. Durch den Schwenkmonitor und die nun mögliche interne Videoauflösung ergeben sich natürlich neue Anwendungsmöglichkeiten. Die RX0 II ist – zumindest für bestimmte Situationen – eine passable Videokamera. Und wir finden Sie auch als Kamera für die Street-Fotografie nicht ganz schlecht, denn mit dem Schwenkmonitor kann man sie sehr unauffällig halten und sozusagen aus der Hüfte fotografieren und dadurch unauffällig Szenen einfangen, die mit einer größeren, auffälligeren Kamera vielleicht nicht gelungen wären.

Schwenkmonitor

Der Schwenkmonitor, oder genauer gesagt, die Mechanik des Schwenkmonitors, ist super gut gelungen. Die winzige Kamera ist ja weiterhin wasserdicht und robust – trotz schwenkbarem Monitor. Diese schnappt mit einem satten "Klack" von Magneten unterstützt wieder ans Gehäuse heran, wenn man ihn wieder anklappt. Ausgeklappt kann er komplett bis zur Selfie-Stellung (180 Grad) nach oben geklappt werden oder um bis zu neunzig Grad nach unten. Die Scharniere machen einen äußerst stabilen Eindruck, brauchen allerdings auch Platz. Die Mechanik sitzt jetzt etwa dort, wo vorher der Monitor eingebaut war. Der Monitor selbst sitzt in einem stabilen Rahmen, der das Gehäuse 5 Millimeter dicker und 22 Gramm schwerer macht. Die Proportionen bleiben aber weiterhin durchaus gelungen und weder die Größen- noch die Gewichtszunahme dürften ein Grund sein, stattdessen lieber zum Vorgänger zu greifen. Dass der Monitor jetzt schwenkbar ist, ist super. Dass er immer noch so winzig klein ist, ist hingegen nach wie vor Mist. Rechts vom Monitor und unter ihm sitzen sechs ebenso winzige Tasten. Mit diesen soll man weiterhin ein Menü bedienen, das mit dem von anderen Sony-Kameras praktisch identisch ist. So schön es ist, dass sich Sony-Anwender darin sofort zurechtfinden: Was nützt das, wenn die winzige Schrift für viele Menschen nur mit Lupe oder Lesebrille entzifferbar ist? Zudem krankt das Bedienkonzept weiterhin daran, dass selbst allerwichtigste Funktionen, wie der Wechsel von Foto auf Video bzw. die Auswahl des Betriebsmodus nur äußerst umständlich über mehrere Tastendrücke und angestrengten Blick auf das Briefmarken-kleine Display möglich sind. Ein Platz für einen extra Video-Start-Stopp-Knopf hätte sich auf der aufgeräumten Oberseite sicherlich noch gefunden. Dort sitzen lediglich der Ein/Aus-Schalter und der (immerhin zweistufige) Auslöser.

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Hinsichtlich der Bedienung, die wir bei der RX0 sehr kritisiert hatten, hat sich also rein gar nichts verbessert. Wir haben es deshalb mal mit dem Handgriff VCT-SGR1 versucht. Der hat nämlich getrennte Knöpfe für Foto und Video. Damit kann man dann tatsächlich wahlweise direkt Fotos und Videos aufnehmen, ohne den Modus umständlich übers Menü zu wechseln. Der Griff hat auch eine Zoom-Wippe, die allerdings bei der RX0 und RX0 II kaum Sinn macht, da diese ja keinen optischen Zoom haben. Zwar kann man theoretisch bei Videos etwas digital zoomen, ohne das Bild hochrechnen zu müssen. Aber das ist nicht der Rede wert. Auch von dem sogenannten "Klarbild-Zoom", bei dem die kamerainterne Bildbearbeitung ihr Möglichstes tut, die Ausschnittsvergrößerung gut aussehen zu lassen, halten wir nichts. Der Griff kommuniziert über ein Kabel und MikroUSB-Anschluss mit der RX0 II und mit jeder Kamera, zu der er kompatibel ist – das sind eine ganze Menge aktueller Sony-Kameras. Bei der RX0 muss man dazu die Klappe links hinten auf der Rückseite öffnen und sinnvollerweise abnehmen. Man muss sich dabei trauen, ihr Haltebändchen aus der Kamera zu "reißen". Dabei beschädigt man sie nicht, sondern sie geht genauso gut auch wieder hinein. Das ist vom Hersteller so vorgesehen. Eine Meisterleistung japanischer Ingenieurskunst ist das sicher nicht. Nachteilig an der komplett offenen Anschlussleiste ist natürlich, dass dann kein Wetterschutz mehr gegeben ist. Wer will, kann die mit der Kamera gelieferte Kabelsicherung einsetzen, die etwas mechanischen Schutz bietet. Der Griff ist übrigens auch ein halbwegs praktisches Tisch-Stativ, bei dem man allerdings lediglich die Neigung einstellen kann. Insgesamt hält sich unsere Begeisterung für das einzeln offiziell 119 Euro teure Accessoire in Grenzen. Die unverbindliche Preisempfehlung für den Griff erscheint uns deutlich zu hoch angesetzt. Bei einigen Händlern gibt es den Griff mittlerweile allerdings deutlich günstiger. Dann kann er eine Überlegung wert sein.

Video

Kommen wir zur größten Neuerung, der nun möglichen internen 4K-Videoaufzeichnung direkt in der Kamera. Wer die Sache bei dem Vorgängermodell RX0 nicht verfolgt hat, wundert sich wahrscheinlich, warum wir das "intern" immer so betonen. Tatsächlich konnte auch die RX0 schon in 4K filmen, aber das nicht auf die eingelegte MicroSD-Karte speichern, sondern nur an die HDMI-Buchse ausgeben. Man konnte also, zumindest in der Theorie, einen großen externen Recorder an die HDMI-Buchse anschließen und das 4K-Video der Kamera aufnehmen, d. h. im Grund speichern. Sicherlich lassen sich irgendwelche besonderen Anwendungen konstruieren, in denen sowas Sinn macht. Praktisch ist das aber nicht und läuft auch irgendwie dem Konzept der kleinen Kamera entgegen.

  • Bild Da die Sony DSC-RX0 II kein Programmwahlrad hat, muss selbst die Umschaltung z. B. von Foto auf Video mit mehreren Tastendrücken umständlich über den kleinen Bildschirm und die Richtungstasten gemacht werden. [Foto: MediaNord]

    Da die Sony DSC-RX0 II kein Programmwahlrad hat, muss selbst die Umschaltung z. B. von Foto auf Video mit mehreren Tastendrücken umständlich über den kleinen Bildschirm und die Richtungstasten gemacht werden. [Foto: MediaNord]

Die RX0 II kann das 4K-Video also jetzt direkt auf die Speicherkarte speichern. Warum das nun bei der RX0 II geht und bei der RX0 nicht, ist nicht überliefert. Wir vermuteten im letzten Test entweder thermische Probleme oder dass der Mini-Akku dann zu schnell schlapp machen würde. 4K-Videos sind sehr rechenintensiv und diese zu erzeugen und zu speichern erzeugt viel Wärme. Vielleicht hat Sony das durch das minimal größere Gehäuse bzw. die "Auslagerung" des Monitors jetzt irgendwie gelöst. Beide Bedenken bestätigen sich leider. Beim Filmen in 4K hat die Kamera im Setup-Menü zwei Einstellungen, die entscheidend für die Aufzeichnungsdauer sind. Im Standard-Modus wird die RX0 II äußerlich nur handwarm, aber die Videos brechen, je nach Start-Temperatur, bereits unter "Schreibtisch-Bedingungen" (keine Sonneneinstrahlung) nach maximal ca. 13 Minuten ab und die Kamera schaltet sich aus. Startet man die Aufnahme dann gleich neu, kann auch schon nach 2 Minuten wieder Schluss sein. Lässt man sie länger abkühlen, sind es mal 8 Minuten, mal 12 Minuten. Insgesamt konnten wir so in fünf Clips 47 Minuten 4K-Video aufzeichnen, dann war der leistungsschwache 700mAh-Akku leer.

Stellt man sie im Setup auf "Hohe Temperatur" um, erscheint bei jedem Einschalten ein Warnhinweis, dass man die Kamera so nicht in der Hand betreiben, sondern z. B. auf einem Stativ montieren soll. In dieser Einstellung filmt die Kamera dann wirklich durchgehend, bis die Speicherkarte voll oder das Akku leer ist ist. Wir haben Sie zum Test einmal eine 64GB-Speicherkarte bei 4K mit 60 MBit/s vollgemacht. 2 Stunden und 24 Minuten in einem Stück waren das Ergebnis. Das Alu-Gehäuse der Kamera dient dabei als Kühlkörper und wird mit der Zeit tatsächlich sehr warm. So warm, dass man sie wirklich nicht mehr gerne in der Hand halten mag (verbrennen tun man sich aber auch nicht wirklich). In diesem Modus wäre dann der Handgriff nützlich. Normalerweise wird die Kamera aber sicherlich irgendwo fest montiert sein.

  • Bild Der winzige Monitor der Sony DSC-RX0 II lässt sich an einem stabilen Scharnier weit nach hinten ausklappen und kann dann sowohl nach oben, als auch nach unten oder in die Selfie-Stellung geschwenkt werden. [Foto: MediaNord]

    Der winzige Monitor der Sony DSC-RX0 II lässt sich an einem stabilen Scharnier weit nach hinten ausklappen und kann dann sowohl nach oben, als auch nach unten oder in die Selfie-Stellung geschwenkt werden. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der Monitor der Sony DSC-RX0 II kann um bis zu 90 Grad nach unten und bis zu 180 Grad nach oben geklappt werden. [Foto: Sony]

    Der Monitor der Sony DSC-RX0 II kann um bis zu 90 Grad nach unten und bis zu 180 Grad nach oben geklappt werden. [Foto: Sony]

  • Bild Der Monitor der Sony DSC-RX0 II wird mitsamt seinen Tasten bewegt. Das macht Sinn. [Foto: MediaNord]

    Der Monitor der Sony DSC-RX0 II wird mitsamt seinen Tasten bewegt. Das macht Sinn. [Foto: MediaNord]

Solche langen Aufnahmezeiten gehen natürlich nicht mit dem internen Akku, er ist dann nach rund 45 Minuten leer. Wer länger filmen will, kann die RX0 II aber einfach an eine externe Stromversorgung per Micro-USB anschließen (z. B. ein externes Smartphone-Zusatz-Akku oder ein USB-Ladegerät, auch z. B. ein USB-Adapter im Auto) und hat damit dann praktisch unbegrenzte Akku-Kapazität (so haben wir die knapp 2,5 Stunden erreicht, bis die Speicherkarte voll war). Der zum Video mit aufgezeichnete Ton ist übrigens auch über die internen Mikrofone wirklich klar und gut und hat eine prima Stereo-Wirkung. Die Mikrofone dafür sitzen nicht, wie bei Actioncams üblich, irgendwo oben oder seitlich am Gehäuse verstreut, sondern ganz sauber an der Front nebeneinander. Wer will kann dennoch per Stereo-Mini-Klinke ganz unproblematisch ein externes Mikrofon anschließen.

Bildqualität bei Foto

Wir haben die Sony RX0 II wie jede andere Digitalkamera ganz normal im Labor getestet. Das war angesichts des 24mm-Objektivs (im Kleinbildäquivalent) überhaupt kein Problem. Der detaillierte Labortest mit allen Diagrammen, auf denen die folgenden Betrachtungen beruhen, kann über die weiterführenden Links gegen ein kleines Entgelt abgerufen werden. Im Labor beeindruckt das Objektiv trotz seiner Weitwinkelbrennweite mit seiner absoluten Verzeichnungsfreiheit, auch Farbsäume spielen praktisch keine Rolle, sie liegen selbst im Maximum deutlich unter einem Pixel Breite. Recht gering ist zudem die Randabdunklung mit etwas weniger als 30 Prozent. Das sieht man kaum, zumal der Helligkeitsabfall zum Bildrand sehr gleichmäßig verläuft. Die Auflösung bei 50 Prozent Kontrast ist ebenfalls sehr gut, sie beträgt glatte 58 Linienpaare pro Millimeter im Kleinbildäquivalent, für etwas mehr als 15 Megapixel ein guter Wert und eine Steigerung zum Vorgängermodell von etwa 20 Prozent. Zum Bildrand hin fällt die Auflösung auf etwa 42 Linienpaare pro Millimeter ab, was die Qualität des Objektivs unterstreicht. Wäre die Verzeichnung etwa digital korrigiert, so würde die Randauflösung viel mehr darunter leiden. Die Blende ist übrigens auf F4 fixiert und nicht verstellbar.

  • Bild Trotz winziger Größe hat die Sony DSC-RX0 II sogar einen HDMI- und einen direkten Mikrofon-Anschluss. Beim Speicherkarten-Steckplatz setzt Sony weiterhin auf die doppelte Kompatibiliät zu MicroSD und MemoryStick. [Foto: MediaNord]

    Trotz winziger Größe hat die Sony DSC-RX0 II sogar einen HDMI- und einen direkten Mikrofon-Anschluss. Beim Speicherkarten-Steckplatz setzt Sony weiterhin auf die doppelte Kompatibiliät zu MicroSD und MemoryStick. [Foto: MediaNord]

  • Bild Zum Schutz der filigranen Buchsen befindet sich im Lieferumfang der Sony DSC-RX0 II ein Kabelführungs-Schacht, der das Abknicken der Stecker verhindern soll. [Foto: MediaNord]

    Zum Schutz der filigranen Buchsen befindet sich im Lieferumfang der Sony DSC-RX0 II ein Kabelführungs-Schacht, der das Abknicken der Stecker verhindern soll. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der winzige 700mAh-Akku wird seitlich in die Sony DSC-RX0 II eingeschoben. Die Klappe ist wasserdicht und gut verriegelt. [Foto: MediaNord]

    Der winzige 700mAh-Akku wird seitlich in die Sony DSC-RX0 II eingeschoben. Die Klappe ist wasserdicht und gut verriegelt. [Foto: MediaNord]

Der Signal-Rauschabstand ist in Ordnung und liegt von ISO 80 bis 1.600 im akzeptablen Bereich von 35 bis 40 dB. Oberhalb von ISO 1.600 hingegen hebt sich das Bildsignal nicht mehr deutlich genug vom Rauschen ab. Dabei unterdrückt die Rauschunterdrückung das Bildrauschen ziemlich gut. Bis ISO 3.200 tritt praktisch kaum Rauschen auf, darüber wird lediglich leichtes Helligkeitsrauschen sichtbar. Das störendere Farbrauschen spielt keine Rolle. Die starke Überschärfung des Vorgänger gehört bei der RX0 II der Vergangenheit an und Artefakte erzeugen keine künstlichen Details im Bild. Ab ISO 800 sinken die Artefakte auf Normalniveau ab, oberhalb von dieser Empfindlichkeit gehen langsam feinste Details verloren, weil sie zusammen mit dem Bildrauschen des Sensors entfernt werden. Etwa bei ISO 3.200 werden die Aufnahmen dann sichtbar unscharf ohne dabei unbrauchbar zu werden. Selbst die maximale ISO-Einstellung von ISO 12.800 kann bedingt eingesetzt werden.  

Die RX0 II liefert also bis in hohe ISO-Empfindlichkeiten noch viele Details. Dem steht jedoch das lichtschwache Objektiv entgegen. Eine Kamera mit F2 lichtstarkem Objektiv käme mit ISO 400 aus, wo man die RX0 bereits auf ISO 1.600 einstellen müsste. Das "frisst" den Vorteil des großen Sensors bezüglich Bildrauschen und Details fast komplett auf. Doch auch in einem anderen Bereich hat ein Sensor mit großen Pixeln Vorteile: Der Eingangsdynamik. Hier enttäuscht die RX0 II im Gegensatz zum Vorgänger etwas. Zwischen ISO 400 und 800 liefert sie über zehn Blendenstufen Dynamikumfang. Bis ISO 6.400 verliert sie rund zwei Blendenstufen, bei ISO 12.800 eine weitere auf magere sieben Blendenstufen Dynamikumfang.

Die Bildaufbereitung zeigt nicht nur beim Nachschärfen, dass die Fotos für die direkte Verwendung statt die Nachbearbeitung optimiert sind, sondern auch bei der Tonwertkurve. Diese verstärkt vor allem bei mittleren Helligkeiten die Kontraste für ein knackigeres Bildergebnis. Immerhin bewegt sich der Ausgangs-Tonwertumfang bis ISO 800 auf einem hohen Niveau von etwas mehr  als 160 Helligkeitsabstufungen von 256 möglichen. Bei ISO 3.200 wird mit weniger  als 128 Stufen nur noch ein akzeptabler Wert erreicht. Bei ISO 6.400 und erst Recht 12.800 sackt dieser Wert jedoch deutlich ab, sodass Helligkeitsverläufe nur noch sehr ungleichmäßig dargestellt werden.

  • Bild Der Handgriff Sony VCT-SGR1 eignet sich nicht nur für die Sony DSC-RX0 II, sondern auch für viele andere Sony-Kameras. Er kann die Handhabung, vor allem durch die separate Video-Taste, erleichtern. [Foto: Sony]

    Der Handgriff Sony VCT-SGR1 eignet sich nicht nur für die Sony DSC-RX0 II, sondern auch für viele andere Sony-Kameras. Er kann die Handhabung, vor allem durch die separate Video-Taste, erleichtern. [Foto: Sony]

  • Bild Über eine Schiene kann außer der Sony DSC-RX0 II gleichzeitig auch noch ein (optionales) Mikrofon auf dem Handgriff VCT-SGR1 montiert werden. [Foto: Sony]

    Über eine Schiene kann außer der Sony DSC-RX0 II gleichzeitig auch noch ein (optionales) Mikrofon auf dem Handgriff VCT-SGR1 montiert werden. [Foto: Sony]

Mit den Farben nimmt es die Sony RX0 II nicht so genau. So weisen viele Farbtöne, vor allem die, die einen Rotanteil besitzen, eine deutliche Übersättigung auf. Bei der reinen Farbtonabweichung sieht es zum Glück etwas besser aus. Es zeigt sich also auch hier, dass die Bilder knackig und leuchtend aussehen sollen statt neutral. Immerhin ist die RX0 II in der Lage, Farben sehr fein zu differenzieren – und das über einen großen Empfindlichkeitsbereich. Auch dies ist dem großen Sensor zu verdanken. So stellt die Sony bis ISO 1.600 über vier Millionen Farben dar. Bei ISO 6.400 kann die Kamera keine zwei Millionen Farben mehr darstellen, was nicht sonderlich überzeugen kann.

In der Summe zeigen die Fotos im Labor also eine wirklich gute Bildqualität mit hoher Auflösung fast ohne optische Fehler und sind zudem über einen großen Empfindlichkeitsbereich rauscharm, farbenfroh und detailreich. Ab ISO 1.600 setzen Einbußen ein, die bei ISO 3.200 und 6.400 stärker sichtbar werden. ISO 6.400 sollte man eher vermeiden und bei ISO 12.800 sollte man von der  Bildqualität keine Wunder erwarten.

  • Bild Sehr schön: Anders als bei vielen Actioncams, hat die Sony DSC-RX0 II an der Unterseite mittig ein stabiles Stativgewinde aus Metall und lässt sich dadurch mit entsprechendem Standard-Zubehör direkt irgendwo befestigen. [Foto: MediaNord]

    Sehr schön: Anders als bei vielen Actioncams, hat die Sony DSC-RX0 II an der Unterseite mittig ein stabiles Stativgewinde aus Metall und lässt sich dadurch mit entsprechendem Standard-Zubehör direkt irgendwo befestigen. [Foto: MediaNord]

  • Bild Auf der aufgeräumten Oberseite der Sony DSC-RX0 II vermissen wir schmerzlich eine separate Video-Taste oder einen Modus-Wahlschalter. [Foto: MediaNord]

    Auf der aufgeräumten Oberseite der Sony DSC-RX0 II vermissen wir schmerzlich eine separate Video-Taste oder einen Modus-Wahlschalter. [Foto: MediaNord]

  • Bild Das Gehäuse der Sony DSC-RX0 II sieht nicht nur ein wenig aus wie ein Kühlkörper, sondern es hat tatsächlich diese Funktion, denn ohne Temperaturbegrenzung wird die Kamera beim Filmen in 4K sehr warm. [Foto: MediaNord]

    Das Gehäuse der Sony DSC-RX0 II sieht nicht nur ein wenig aus wie ein Kühlkörper, sondern es hat tatsächlich diese Funktion, denn ohne Temperaturbegrenzung wird die Kamera beim Filmen in 4K sehr warm. [Foto: MediaNord]

In der Praxis außerhalb des Labors hinterlässt die RX0 II hingegen gemischte Gefühle. Bei viel Licht sind die Fotos mit dem verzeichnungsfreien Weitwinkelobjektiv und dem zu 75 Prozent ausgenutzten 1-Zoll-Sensor tadellos. Warum Sony den Bildkreis des Objektivs auf dem ohnehin größeren Sensor bei Fotos im Format 4:3 oder 16:9 nicht ausnutzt (wie etwa Panasonic bei der LX100), sondern die 3:2-Bilder einfach noch weiter beschneidet, bleibt ebenso ein Rätsel wie der effektive Cropfaktor von 3 anstelle von 2,7. Sobald das Licht aber nachlässt, insbesondere bei Innenaufnahmen, geht die Kamera aufgrund ihres lichtschwachen Objektivs gnadenlos mit der Empfindlichkeit hoch. ISO 6.400 haben wir in der unlimitierten Automatik bei normalen Innenaufnahmen und bei bedecktem Himmel tagsüber erreicht. Oberhalb von ISO 800 bricht aber die Bildqualität wie im Labor ermittelt ein, bei ISO 6.400 sogar stark. Da hilft nur eine Begrenzung der ISO-Automatik auf 800 oder 1.600 – dann aber erreicht die Belichtungszeit schnell Bereiche mit Verwacklungen oder motivseitiger Bewegungsunschärfe. Dem nur F4 lichtschwachen Weitwinkel können wir also nicht viel abgewinnen.

Bildqualität bei Video

Videoaufnahmen von der RX0 II sind von richtig guter Qualität, auch in 4K. Datenraten bis zu 100 MBit/s kann die kleine Kamera auf entsprechend schnellen Speicherkarten schreiben. Entsprechend sauber sind die Videos und haben wenig Kompressionsartefakte. Die Umstellung 25 versus 30 fps erfolgt über die Umschaltung PAL/NTSC, eigentlich ein Anachronismus. Dazu muss die Speicherkarte formatiert werden. Sowas kann nerven, besonders wenn man schon einige Fotos aufgenommen hat und dann filmen will und feststellt, dass die Kamera im falschen Modus läuft (sofern man das auf dem winzigen Bildschirm überhaupt mitbekommt).

Ein neues Feature der zweiten Version der RX0 ist die Video-Bildstabilisierung, die wir uns natürlich auch angeschaut haben. Unsere Begeisterung hält sich allerdings ein Grenzen. In 4K ist die Stabilisierungswirkung ziemlich gering. Weitaus besser ist die Wirkung beim Filmen in FullHD. Der Unterschied liegt darin, dass die Kamera beim Einschalten der Stabilisierung das Bildfeld unterschiedlich stark beschneidet. Bei 4K bleiben links und rechts "nur" jeweils 480 Pixel "Luft", die abgeschnitten werden können. oben und unten sind es jeweils 520 Pixel die zur Stabilisierung genutzt werden können. Das hört sich viel an, reicht in der Praxis aber für gut stabilisierte Freihand-Videos nicht aus. Reine Erschütterungen (auf/ab) werden noch gut stabilisiert, aber insbesondere bei Drehbewegungen der Kamera (in Objektivachse) stößt die Stabilisierung bei 4K-Auflösung schnell an ihre Grenzen. Sichtbar besser sieht das in FullHD aus, denn dort kann die Kamera einen noch kleineren Bildausschnitt wählen, hat also entsprechend mehr Raum, in dem die elektronische  Bildstabilisierung wirken kann– aber auch deutlich weniger Weitwinkel.

  • Bild Lieferumfang der Sony DSC-RX0 II: Kamera, Akku, Handschlaufe (vorne), USB-Kabel, Ladegerät und Kabelführung. [Foto: MediaNord]

    Lieferumfang der Sony DSC-RX0 II: Kamera, Akku, Handschlaufe (vorne), USB-Kabel, Ladegerät und Kabelführung. [Foto: MediaNord]

Immerhin kommt bei 4K am Ende noch "echtes 4K" raus und es wird nicht – wie bei aktuellen Actioncams, z. B. von GoPro oder DJI mit kleinem 4:3-Format 12-Megapixel-Sensor – für die Stabilisierung erstmal auf einen Wert von weniger als 4K heruntergecroppt und das stabilisierte Ergebnis dann auf 4K hochskaliert. Dennoch ist es – gerade auch für die Bildstabilisierung – sehr schade, dass das Objektiv in der RX0 und RX0 II nur einen Teil der Fläche des 20-Megapixel-Sensors nutzt. Würde die volle Fläche genutzt, wäre auch in 4K viel mehr Spielraum für die Bildstabilisierung vorhanden. Die kurzen Highspeed-Videos, die die RX0 II mit bis zu 1.000 Bildern/s aufzeichnen kann, sind sichtbar verrauscht, aber Welten besser als das, was z. B. Actioncams bei maximal 240 Bilder/s derzeit abliefern.

Fazit

Die Sony RX0 II ist eine Kamera für Spezialanwendungen. Auch wenn Sony sie als Fotokamera bezeichnet, scheint doch die Videofunktion ebenso wichtig, insbesondere, da die Kamera in ihrer zweiten Ausgabe nun 4K-Video intern aufzeichnen kann. Die Bild- (und Ton-) Qualität von Fotos und Videos ist richtig gut. Die Wirkung der Video-Bildstabilisierung, insbesondere bei 4K, ist gering und ersetzt keinesfalls einen Gimbal. Die Bedienbarkeit der RX0 empfinden wir als unterirdisch. Der schwenkbare Monitor ist zwar praktisch, aber er ist viel zu klein und die Menüs nicht darauf abgestimmt. Personen mit weniger guter Sehstärke werden die Kamera aufgrund der komplexen Menüs auf winzigem Monitor wahrscheinlich als unbedienbar ansehen. Die Smartphone-App lindert das nur bedingt. Zudem fehlen elementare Bedienelemente, nicht einmal ein dedizierter Videoauslöser ist vorhanden.

  • Bild Sony RX0 und RX0 II präsentiert bei einer Filiale der Firma Big Camera in Tokyo (das Foto wurde mit unserem RX0 II Testgerät aufgenommen). [Foto: MediaNord]

    Sony RX0 und RX0 II präsentiert bei einer Filiale der Firma Big Camera in Tokyo (das Foto wurde mit unserem RX0 II Testgerät aufgenommen). [Foto: MediaNord]


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Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Kurzbewertung

  • sehr kleines, robustes Gehäuse
  • wasserdicht bis 10 Meter
  • für eine Kamera dieser Größe sehr gute Bildqualität (auch bei 4K-Video)
  • viele Schnittstellen (inkl. HDMI und Mikrofon)
  • schwenkbarer Monitor
  • sehr lichtschwaches Objektiv
  • winziger Monitor
  • Bildschirmmenüs nicht an kleine Monitorgröße angepasst
  • wichtige Bedienelemente fehlen
  • sehr geringe Akku-Kapazität

Autor

Jan-Markus Rupprecht

Jan-Markus Rupprecht, 54, fotografiert mit Digitalkameras seit 1995, zunächst beruflich für die Technische Dokumentation. Aus Begeisterung für die damals neue Technik gründete er 1997 digitalkamera.de, das Online-Portal zur Digitalfotografie, von dem er bis heute Chefredakteur und Herausgeber ist. 2013 startete er digitalEyes.de als weiteres Online-Magazin, das den Bogen der digitalen Bildaufzeichnung noch weiter spannt.