Vollformat-Systemkamera

Testbericht: Sony Alpha 7 III

Seite 2 von 2, vom 2018-10-02 (Autor: Benjamin Kirchheim)Zur Seite 1 wechseln

Bildqualität

Der rückwärtig belichtete CMOS-Sensor im Kleinbild-Vollformat mit seinen relativ bescheidenen 24 Megapixeln Auflösung verspricht über einen großen Empfindlichkeitsbereich eine hohe Bildqualität. Zum Test kam das Sony FE 24-105 mm F4 G OSS (SEL24105G) zum Einsatz, das uns bereits im Einzeltest mit seiner für ein Standardzoom hohen Bildqualität überzeugte. Wir haben die Kombination des Objektivs mit der Alpha 7 III nicht nur in der Praxis, sondern auch in unserem Testlabor genauestens auf Bildqualität getestet. Die detaillierten Ergebnisse können wie immer über die weiterführenden Links kostenpflichtig abgerufen werden. Die Labortests mit ausführlichen Diagrammen und erklärenden Texten bieten wir aber auch in einer Prepaid-Flatrate an, die zeitlich begrenzt vollen Zugriff auf über 1.700 Labortests von Kameras und Objektiven bietet. Außerdem unterstützen uns die Käufe bei der Arbeit an ausführlichen, kostenlosen Testberichten wie diesem. Die folgenden Betrachtungen beruhen auf dem Labortest (siehe weiterführende Links). 

Die optischen Fehler des Standardzooms Sony FE 24-105 mm F4 G OSS (SEL24105G) werden vom schnellen Prozessorgespann der Alpha 7 III defaultmäßig korrigiert. Das merkt man im Labortest, denn die Randabdunklung bewegt sich, mit Ausnahme vom kurzen Brennweitenende, bei Offenblende unter einer halben Blendenstufe. Die maximale Randabdunklung liegt bei lediglich 0,7 Blendenstufen bei F4 und 24 Millimetern. Dabei ist der Helligkeitsabfall stets sehr sanft zum Bildrand hin, sodass er praktisch kaum auffällt. Die Verzeichnung ist mit 0,8 Prozent Tonnenform im Weitwinkel am stärksten, was jedoch ebenfalls in der Praxis kaum auffällt. Bei mittlerer Brennweite zeigt sich hingegen eine minimal kissenförmige Verzeichnung von etwa 0,2 Prozent, in Telestellung ist sogar keine Verzeichnung mehr messbar. Wie zu erwarten war, sind auch die chromatischen Aberrationen minimal, sie betragen im Durchschnitt weniger als einen halben Pixel und erreichen selbst im Maximum nicht einmal einen Pixel Ausdehnung und bleiben damit praktisch unterhalb der Wahrnehmungsschwelle.

  • Bild Die vielen Schnittstellen der Sony Alpha 7 III sitzen hinter recht einfach gehaltenen Abdeckungen. Über USB-C ist ein Dauerbetrieb der Kamera möglich. [Foto: MediaNord]

    Die vielen Schnittstellen der Sony Alpha 7 III sitzen hinter recht einfach gehaltenen Abdeckungen. Über USB-C ist ein Dauerbetrieb der Kamera möglich. [Foto: MediaNord]

Üblicherweise haben solche digitalen Korrekturen durchaus negative Auswirkungen auf andere Bildqualitätsmerkmale, so reduziert eine Verzeichnungskorrektur normalerweise die Randauflösung, eine Vignettierungskorrektur führt zu vermehrtem Rauschen in den Bildecken. Letzteres ist bei der Alpha 7 III überhaupt kein Problem, der rückwärtig belichtete Vollformatsensor mit seinen großen Pixeln verfügt über reichlich Reserven. Die Auflösung erreicht im Bildzentrum ein Maximum von knapp über 70 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) und ist damit für einen physikalisch "nur" 24 Megapixel auflösenden Bildsensor äußerst hoch. Erreicht wird sie bei einer Brennweite von 24 Millimetern bereits bei Offenblende. Beim Zoomen verliert das Objektiv etwas Auflösung, sie sinkt auf knapp über 60 lp/mm bei mittlerer und knapp unter 60 lp/mm bei langer Brennweite, was für 24 Megapixel erwartbare und damit gute Auflösungen sind.

Am Bildrand ist die Randauflösung fast unabhängig von der Brennweite. Die höchste Randauflösung wird jedoch nicht bei Offenblende erreicht, hier liegen eher um die 40-45 lp/mm an, sondern stark abgeblendet auf F11 bis F16, wo die Randauflösung je nach Brennweite 49-55 lp/mm erreicht. Vor allem im Weitwinkel ist die Auflösung damit bei Offenblende etwas ungleichmäßig, immerhin gut ein Drittel geht "auf dem Weg" zum Bildrand verloren. Für ein solches Vollformatzoom ist das aber durchaus nicht ungewöhnlich. Bei mittlerer und langer Brennweite ist der Randabfall geringer, vor allem erreicht man bei F11 bis F16 eine nahezu gleichmäßige Auflösung vom Zentrum bis zum Bildrand auf einem Niveau von 48 bis 56 lp/mm. Dass die Auflösung im Weitwinkel nicht ganz so gleichmäßig ist, liegt aber vor allem an der höheren Auflösung im Bildzentrum, die selbst bei F16 noch bei gut 62 lp/mm liegt, worüber man sich wirklich nicht beklagen kann. Beugung jedenfalls setzt erst jenseits von F16 überhaupt nennenswert ein, doch selbst bei der kleinsten Blende F22 liegt die Auflösung bei über 40 lp/mm. Hier kann man tatsächlich nichts derart falsch machen, dass es die Fotos verdirbt, was einer der klareren Vorteile der großen Pixel ist.

Bleibt festzuhalten, dass der Sensor der Alpha 7 III die physikalische Auflösung sehr gut nutzt und das Objektiv problemlos mithalten kann. Doch der rückwärtig belichtete CMOS-Sensor verspricht noch deutlich mehr, schließlich bietet die Empfindlichkeit einen großen Spielraum von ISO 50 bis 204.800. Der Signal-Rauschabstand bewegt sich bis ISO 800 auf sehr hohem Niveau von über 40 dB und kratzt bei ISO 50 sogar an der 45-dB-Marke. Erst oberhalb von ISO 6.400 sinkt der Signal-Rauschabstand unter die kritische Marke von 35 dB, sodass sich das Bildsignal nicht mehr so gut vom Rauschen unterscheidet. Das Rauschen bleibt stets feinkörnig und wird ab ISO 12.800 in Form von Helligkeitsrauschen leicht und ab ISO 51.200 stark sichtbar, Farbrauschen tritt hingegen nur bei ISO 204.800 leicht sichtbar auf.

  • Bild Der 24 Megapixel auflösende Vollformat-BSI-CMOS-Sensor der Sony Alpha 7 III bietet bis ISO 800 eine exzellente und bis ISO 6.400 eine sehr gute Bildqualität mit ISO 12.800 als Reserve mit akzeptabler Bildqualität. [Foto: MediaNord]

    Der 24 Megapixel auflösende Vollformat-BSI-CMOS-Sensor der Sony Alpha 7 III bietet bis ISO 800 eine exzellente und bis ISO 6.400 eine sehr gute Bildqualität mit ISO 12.800 als Reserve mit akzeptabler Bildqualität. [Foto: MediaNord]

Die Rauschunterdrückung der Alpha 7 III geht vor allem bei niedrigen Empfindlichkeiten sehr sanft zu Werke. Bis ISO 1.600 gibt sie äußerst viele Details wieder, zeigt allerdings auch eine sichtbare Überschärfung, die Schärfeartefaktrate liegt bei etwa zehn Prozent. Oberhalb von ISO 6.400 greift die Rauschunterdrückung sicht- und messbar stärker ein und sorgt für einen zunehmenden Detailverlust. Kritisch wird dies jedoch erst oberhalb von ISO 12.800. Bis ISO 6.400 kann man also – mit ISO 12.800 als "Reserve" – mit hoher Bildqualität und vielen Details fotografieren, bleibt aber für beste Ergebnisse besser im Bereich bis ISO 800 oder 1.600.

Die Eingangsdynamik erreicht bei ISO 100 ihren höchsten Wert mit zwölf Blendenstufen (siehe Diagramm aus dem Labortest unten). Bei ISO 50 geht eine ganze Blendenstufe verloren, was typisch für eine ISO-Erweiterung bei einer Grundempfindlichkeit von ISO 100 ist. Bis ISO 3.200 sinkt der Dynamikumfang langsam auf elf Blendenstufen ab, oberhalb von ISO 6.400 geht sie steiler runter und liegt bei ISO 12.800 bereits bei knapp unter zehn Blendenstufen. Sony kann also auch nicht zaubern, sondern es wird deutlich, bei welcher Empfindlichkeit die Grenzen guter Bildqualität liegen.

Die Tonwertkurve zeigt einen sichtbar angesteilten Verlauf, nur bei ISO 50 ist sie aufgrund der Signaldämpfung etwas flacher. Die JPEGs der Sony Alpha 7 III sind eindeutig für die sofortige Verwendung ausgelegt und machen eine Bildnachbearbeitung überflüssig. Ein guter Kompromiss, denn wer selbst Hand anlegen möchte, nimmt ohnehin bei einer solchen Kamera besser das Rohdatenformat. Der Ausgangs-Tonwertumfang bewegt sich bis ISO 800 auf sehr gutem Niveau von über 224 von 256 möglichen Helligkeitsabstufungen, bis ISO 200 werden die Helligkeitsstufen sogar nahezu komplett ausgenutzt. Bis ISO 3.200 bleibt der Wert mit über 160 gut, kritisch wird es oberhalb von ISO 25.600, wo weniger als 100 Helligkeitsabstufungen übrig bleiben. Stufige Helligkeitsverläufe, beispielsweise im Himmel, sind das Resultat.

  • Bild 710 Aufnahmen mit einer Akkuladung ist derzeitiger Rekord. Das Doppel-Speicherkartenfach der Sony Alpha 7 III nimmt eine SD/SDHC/SDXC-Karte mit schnellem UHS II auf und eine mit UHS I oder wahlweise einen Sony MemoryStick. [Foto: MediaNord]

    710 Aufnahmen mit einer Akkuladung ist derzeitiger Rekord. Das Doppel-Speicherkartenfach der Sony Alpha 7 III nimmt eine SD/SDHC/SDXC-Karte mit schnellem UHS II auf und eine mit UHS I oder wahlweise einen Sony MemoryStick. [Foto: MediaNord]

Die Farbtreue der Alpha 7 III ist ebenfalls gut, im Mittel ist die Farbabweichung gering und selbst im Maximum gibt es keine groben Ausreißer. Leichte Farbverschiebungen sind "normal" und sollen für subjektiv schöne, leuchtende Bildergebnisse sorgen, etwa ein leicht Richtung Gelb verschobenes Hellgrün oder gesättigtere und damit leuchtendere Rottöne, wie es bei der Alpha 7 III der Fall ist. Die tatsächliche Farbtiefe bewegt sich wieder auf sehr hohem Niveau, vor allem bei niedrigen Empfindlichkeiten. Bis ISO 800 erreicht die Sony an die 8,4 Millionen Farbnuancen, bis ISO 6.400 sind es über vier Millionen. Selbst der Wert von über zwei Millionen Farben bei ISO 25.600 ist noch gut, bei noch höheren Empfindlichkeiten sackt der Wert jedoch drastisch ab, bei ISO 204.800 sind es weniger als eine halbe Million Farbnuancen.

Fazit

Die Sony Alpha 7 III macht einen rundum gelungenen Eindruck. Sie vereint eine hochwertige, solide Verarbeitung mit einer guten Ergonomie, einzig die vielen Menüpunkte (vor allem die Abkürzungen) sind vielleicht ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Die technische Ausstattung ist mehr als würdig. Die Alpha 7 III ist reaktionsfreundig und schießt sehr schnelle Bildserien, auch hohe ISO-Empfindlichkeiten sind kein Problem. Der enorm große Pufferspeicher kaschiert ein wenig den Flaschenhals des Speicherkarteninterfaces, aber 12 bis 15 Sekunden lang bei zehn Bildern pro Sekunde inklusive Fokusverfolgung aufnehmen zu können, sollte die meisten Fotografen wirklich zufriedenstellen können, auch wenn die Kamera danach vor allem in JPEG ein wenig mit Speichern beschäftigt ist. Immerhin kann man trotzdem weiter fotografieren. Die Bildqualität ist über einen großen Empfindlichkeitsbereich äußerst hoch. Dank der offensiven Bildaufbereitung der JPEGs, die keine weitere Bildbearbeitung benötigen, ist auch die Auflösung erstaunlich hoch, was nicht zuletzt dem guten Sony FE 24-105 mm F4 G OSS (SEL24105G) zu verdanken ist. Die beste Bildqualität für allerhöchste Ansprüche erhält man im Bereich von ISO 100 bis ISO 800 mit ISO 1.600 als "Reserve", gut bis sehr gut ist die Bildqualität aber bis ISO 6.400 mit ISO 12.800 als "Reserve". Ab und oberhalb von ISO 25.600 zeigen sich jedoch trotz aller Technologie die Grenzen des Bildsensors und der Bildaufbereitung auf. In Situationen mit extrem wenig Licht stellt man also auch der Sony Alpha 7 III am besten eine lichtstarke Festbrennweite an die Seite.


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Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Steckbrief

Steckbrief
HerstellerSony
ModellAlpha 7 III
SensorCMOS Kleinbild 36,0 x 24,0 mm (Cropfaktor 1,0)
25,3 Megapixel (physikalisch)
24,2 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch6,0 µm
Auflösung (max.)6.000 x 3.376 (16:9)
Video (max.)3.840 x 2.160 30p
ObjektivSony FE 200-600 mm F5.6-6.3 G OSS (SEL200600G) (Zoom-Objektiv), Sony FE 24-105 mm F4 G OSS (SEL24105G) (Zoom-Objektiv)
VideosucherEVF, 100 % Bildfeldabdeckung, 2.359.296 Bildpunkte Auflösung, 0,78-fache Vergrößerung (Sensor-bezogen), 0,78-fache Vergrößerung (KB-Äquiv.), Dioptrienausgleich (-4,0 bis 3,0 dpt)
Monitor3,0" (7,5 cm)
  Auflösung921.600 Bildpunkte
  kippbarja
  drehbar
  schwenkbar
  Touchscreenja
AV-AnschlussHDMI-Ausgang Micro (Typ D)
Vollautomatikja
Motivautomatik
Motivprogramme7
Programmautomatikja
Programmshiftja
Blendenautomatikja
Zeitautomatikja
Manuellja
Bulb-Langzeitbelichtungja
HDR-Funktionja
Panoramafunktionnein
BelichtungsmessungMatrix/Mehrfeld-Messung (1.200 Felder), Mittenbetonte Integralmessung, Spotmessung
kürzeste Verschlusszeit1/8.000 s
Blitz
  Synchronzeit1/250 s
  BlitzanschlussBlitzschuh: Sony Multi Interface, Standard-Mittenkontakt
WLANja
NFCja
GPSextern, dauerhafte Smartphone Verbindung
Fernauslöserja, Kabelauslöser, Bluetooth-Auslöser, Fernsteuerung über Smartphone/Tablet
Intervallaufnahme
Speichermedium
SD (SDHC, SDXC, UHS I, UHS II)
  Slot 2
Memory Stick (Duo, Duo Pro)
SD (SDHC, SDXC, UHS I)
Empfindlichkeit
  automatischISO 100-51.200
  manuellISO 50-204.800
Weißabgleich
  automatischja
  manuelle Messungja
  Kelvin-Eingabeja
  Feinkorrekturja
Autofokusja
  Anzahl Messfelder693
425 Kontrastsensoren
  Geschwindigkeit0,38 s
  AF-HilfslichtLED
Abmessungen127 x 96 x 74 mm
Gewicht (betriebsbereit)658 g (nur Gehäuse)
1.319 g (mit Objektiv)
Stativgewindein optischer Achse
Zoom
  Zoomverstellungmanuell am Objektiv
Akkulaufzeit710 Aufnahmen (gem. CIPA-Standard)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

DXOMARK Logo

Die Bildqualität in unseren Tests ermitteln wir seit 2011 mit DXOMARK Analyzer.

Kurzbewertung

  • Kompaktes, robustes, ergonomisches Gehäuse
  • Sehr gute Bildqualität bis ISO 6.400
  • Hohe Serienbildrate gepaart mit schnellem Autofokus und großem Pufferspeicher
  • Lange (aktuell klassenbeste) Akkulaufzeit
  • Großes Objektivangebot
  • Belichtungskorrekturrad zu exponiert und leicht verstellbar
  • Mit unverständlichen Abkürzungen durchsetztes Menü
  • Trotz UHS II relativ langsame Schreibrate