Einsteiger-Outdoorkamera

Testbericht: Ricoh WG-60

Seite 2 von 2, vom 2019-08-06 (Autor: Harm-Diercks Gronewold, Benjamin Kirchheim)Zur Seite 1 wechseln

Pfiffig ist die Selfie-Funktion. Zwar lässt sich der Bildschirm nicht nach vorne klappen, um den Bildausschnitt zu beurteilen, aber die Kamera erkennt Gesichter und hilft mit den Makro-LEDs beim Ausrichten der Kamera. Auch ein Lächelauslöser und natürlich eine Hautglättungsfunktion fehlen nicht.

  • Bild Dank der breiten Metallöse lassen sich verschiedenste Gurte an der Ricoh WG-60 anbringen. [Foto: MediaNord]

    Dank der breiten Metallöse lassen sich verschiedenste Gurte an der Ricoh WG-60 anbringen. [Foto: MediaNord]

Bei der Autofokus-Geschwindigkeit bricht die Kamera keine Rekorde, ist aber auch nicht extrem langsam, zumindest im Weitwinkel. Hier findet die Kamera innerhalb von etwa 0,2 Sekunden den richtigen Fokuspunkt und löst aus. Im Telebereich muss man sich schon etwas mehr "gedulden", hier beträgt die Auslöseverzögerung mit Autofokus etwa 0,7 Sekunden. Die reine Auslöseverzögerung liegt bei 0,12 Sekunden im Weitwinkel beziehungsweise 0,2 im Telebereich. Wem der Kontrast Autofokus zu wenig ist, der kann entweder manuell fokussieren oder die Kamera anweisen, bestimmte Fokusbereiche voreinzustellen, wie beispielsweise den Mikroskop-Modus oder Fix-Fokus für Landschaftsaufnahmen. Apropos Fokus-Voreinstellung: Wer den Auslöser direkt voll betätigt, statt zuerst mit der ersten Druckstufe zu fokussieren, riskiert vor allem im Nahbereich unscharfe Bilder, da die Kamera dann einen werksseitig voreingestellten Fokuspunkt anspringt, statt präzise auf das Motiv zu fokussieren.

Auch die Serienbildgeschwindigkeit bricht keine Rekorde. Mit etwa 1,2 Bildern pro Sekunde ist die Kamera eher gemütlich unterwegs und der Serienbild-"Dauerlauf" endet nach 34 JPEG-Aufnahmen. Damit schreibt die Kamera etwa 6 Megabyte pro Sekunde auf die Speicherkarte. Darüber hinaus gibt es eine "High-Speed"-Funktion mit zehn Bildern pro Sekunde, aber die Auflösung ist dann auf fünf beziehungsweise zwei Megapixel begrenzt, je nachdem, welches Seitenverhältnis ausgewählt wurde. Möchte man also die Serienbildgeschwindigkeit und die Videofunktion voll auskosten, so muss man lediglich eine Speicherkarte kaufen, die mindestens sechs Megabyte pro Sekunde Schreibgeschwindigkeit hat.

  • Bild Die sechs rund um das Objektiv der Ricoh WG-60 angeordneten LEDs glimmen nur recht dunkel, eine gute Motivausleuchtung ist damit nur auf äußerst kurze Distanzen möglich. [Foto: MediaNord]

    Die sechs rund um das Objektiv der Ricoh WG-60 angeordneten LEDs glimmen nur recht dunkel, eine gute Motivausleuchtung ist damit nur auf äußerst kurze Distanzen möglich. [Foto: MediaNord]

Bei der Konnektivität gibt sich die Kamera eine ziemliche Blöße. Sie besitzt nämlich nur eine Micro-USB-2.0- und eine Micro-HDMI-Schnittstelle. Bluetooth oder WLAN ist nicht vorhanden und damit auch keine Konnektivität an ein Smartgerät. Lediglich eine WLAN-SD-Karte könnte als suboptimaler Ersatz dienen, Ricoh empfiehlt die FlashAir-Speicherkarte von Toshiba. Für den optionalen Infrarotauslöser (OR-C1) besitzt die Kamera hingegen sogar vorne und hinten je einen Sensor.

Bildqualität

Der Bildqualität der Ricoh WG-60 sind wir nicht nur in der Praxis, sondern auch in unserem Testlabor auf den Grund gegangen. Der Labortest, auf dem die folgenden Betrachtungen beruhen, kann über die weiterführenden Links gegen ein kleines Entgelt abgerufen werden. Er enthält neben Erklärungen zu den verschiedenen Messungen sämtliche ermittelten Werte in übersichtlichen Diagrammen. Außerdem bieten wir im Testlabor aufgenommene Fotos gegen ein kleines Entgelt zum Download an. Der Zugriff ist aber auch über eine Labortest-Flatrate möglich, die nicht nur Zugang zur kompletten Kamera- und Objektiv-Labortest-Bibliothek gewährt, sondern auch auf die Testbilder.

Wie bereits erwähnt, handelt es sich beim Fünffach-Zoom der WG-60 um ein sogenanntes Periskop-Objektiv. Dies bringt einige Vorteile bei der Konstruktion mit sich, dafür zieht es andere Probleme, gerade bei der Bildqualität, nach sich. Erfreulicherweise ist das Objektiv in keiner Brennweite von starken Verzeichnungen geplagt. Lediglich in der mittleren Brennweite kann, mit sehr gutem Auge, eine tonnenförmige Verzeichnung weit weniger als 0,5 Prozent ausgemacht werden. Weniger erfreulich sind die Farbsäume. Diese produziert die Kamera in sehr spendabler Form im Weitwinkel und leicht in der mittleren Brennweite. 

  • Bild Das Plastik-Stativgewinde der Ricoh WG-60 sitzt sehr weit am Rand und steht so unglücklich hervor, dass manche Stativbefestigung mangels Auflagefläche nicht gut hält. [Foto: MediaNord]

    Das Plastik-Stativgewinde der Ricoh WG-60 sitzt sehr weit am Rand und steht so unglücklich hervor, dass manche Stativbefestigung mangels Auflagefläche nicht gut hält. [Foto: MediaNord]

Bei der Auflösung bleibt die Kamera deutlich unter dem zurück, was bei einer 16-Megapixelkamera möglich wäre. So erreicht die WG-60 eine kleinbildäquivalente Maximalauflösung im Weitwinkel bei Blende F4,2 von etwa 35 Linienpaare pro Millimeter (lp/mm) bei 50 Prozent Kontrast in der Bildmitte und etwa 25 lp/mm am Bildrand. Der Abfall zum Bildrand beträgt also gut 1/3 der Gesamtauflösung. Damit bildet die Kamera das Auflösungsschlusslicht im Vergleich zur Olympus TG-6 und Panasonic DC-FT7.

Auch bei der WG-60 zeigt sich, dass kleine Sensoren und hohe Auflösungen oftmals keine gute Kombination sind, wenn nicht alle Komponenten optimal aufeinander abgestimmt sind. Die interne Scharfzeichnung der WG-60 ist so weich abgestimmt, dass die Bilder schon sichtbar unscharf sind. Beheben lässt sich sowas eigentlich mit der Anhebung der internen Nachschärfung, doch auch das brachte im Fall der WG-60 keine signifikante Steigerung der Auflösung mit sich. Hier muss also der Fotograf die Bilder differenziert in einer Bildbearbeitungssoftware bearbeiten. Da es keine Möglichkeit gibt, Rohdaten aufzunehmen, müssen die JPEG-Aufnahmen der Kamera als Basis herhalten.

Beim Bildrauschen setzt die Ricoh die enttäuschende Tendenz fort. Bei ISO 125 erreicht die WG-60 mit Ach und Krach die Grenze des akzeptablen Signal-Rauschabstandes und bei höheren ISO Einstellungen sinkt dieser darunter. Feine Details mit wenig Kontrast gehen im Bildrauschen verloren, den Rest erledigt die Rauschunterdrückung, die feinste Details gar nicht erst auf die Speicherkarte lässt. Bei der Anatomie des Bildrauschens zeigt sich das besonders störende Farbrauschen immerhin erst oberhalb von ISO 1.600, darunter ist es weniger ein Problem. Das weniger störende Helligkeitsrauschen zeigt sich leicht schon etwas oberhalb von ISO 200. Ab ISO 1.600 wird das Bildrauschen immer stärker sichtbar. Erfreulicherweise bleibt es dabei sehr feinkörnig.

  • Bild Akku und SD-Speicherkarte lassen sich auf der Unterseite der Ricoh WG-60 entnehmen. [Foto: MediaNord]

    Akku und SD-Speicherkarte lassen sich auf der Unterseite der Ricoh WG-60 entnehmen. [Foto: MediaNord]

Negativ überrascht hat uns auch die Farbwiedergabe der Kamera. Diese ist zwar in einigen Farbbereichen genau richtig, aber in anderen Bereichen sehr weit entfernt von der ursprünglichen Farbe des Testcharts. Der Bereich der akzeptablen Farbabweichung sind etwa 10 Delta E (dE). Die Kamera liegt bei einer durchschnittlichen Farbabweichung von knapp 8 dE, also ziemlich dicht an der Grenze. Die Maximale Farbabweichung maßen wir bei etwa 20 dE. Von den größten Abweichungen sind türkise, gelbe, magenta und rote Farbtöne betroffen. Grund dafür ist, dass die Kamera in der Basiseinstellung, die wir testen, die Farbvoreinstellung "leuchtend" benutzt. Die Farbtiefe bleibt bis ISO 200 gut und bleibt dann im akzeptablen Bereich.

Die maximale Eingangsdynamik der WG-60 ist mit etwa zehn Blendenstufen gut, wird aber nur bei ISO 125 erreicht. Bis ISO 1.600 liegt sie im akzeptablen Bereich zwischen neun und zehn Blendenstufen. Die Übertragung der Tonwerte spielt zwar nicht in das Testergebnis hinein, aber ein Blick auf die Kurve verrät viel über die Ausrichtung der Bildaufbereitung. Bei der WG-60 ist die Kurve sehr bauchig. Der mittlere Tonwertbereich wird also etwas aufgehellt. Dies ist oft bei Kameras zu beobachten, deren Bilder für den sofortigen Einsatz vorgesehen sind. Das steht bei der WG-60 im Widerspruch zu sehr geringen Bildschärfung.

Bei der Anzahl der übertragenen Tonwerte legt die Kamera erneut keine Bestleistung hin. Hier startet sie bei niedriger Empfindlichkeit mit guten 160 von 256 möglichen Helligkeitsstufen, sinkt dann aber bereits bei ISO 200 auf nur noch etwas mehr als 128 Helligkeitsstufen (7-Bit) ab. Bei ISO 400 liegt der Tonwertumfang nur noch bei etwas mehr als 96 Stufen.

Fazit

Es ist schon sehr verwunderlich, dass die Kamera eines namhaften Herstellers in nahezu allen Bereichen eines Testberichts enttäuscht. Weder die Haptik des Gehäuses sorgt für Begeisterung, noch die Menünavigation, trotz ihrer niedrigen Lernschwelle. Über die lediglich Full-HD auflösende Videofunktion kann man nur noch müde lächeln. Einzig und allein die Robustheit des Gehäuses und die Makrofunktion überzeugten. Die Bildqualität ist die bislang schlechteste der aktuell von uns getesteten Outdoorkameras. In Kombination mit der ohnehin schwachen Bildqualität wirken sich die geringe Lichtstärke des Objektivs und der fehlende optische Bildstabilisator in der Praxis doppelt negativ aus, denn bereits bei bewölktem Himmel oder beim Zoomen muss die Kamera zwangsläufig die ISO-Empfindlichkeit erhöhen, um Bewegungsunschärfen zu vermeiden. Helles Sonnenlicht, bei dem dann allerdings der dunkle Bildschirm problematisch wird, ist für eine halbwegs anständige Bildqualität quasi Pflicht.

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Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Steckbrief

Steckbrief
HerstellerRicoh
ModellWG-60
SensorCMOS 1/2,3" 6,2 x 4,6 mm (Cropfaktor 5,6)
16,8 Megapixel (physikalisch)
16,0 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch1,3 µm
Auflösung (max.)4.608 x 3.456 (4:3)
Video (max.)1.920 x 1.080 30p
ObjektivF3,5-5,5/28-140mm
Filtergewinde46 mm (optional)
Monitor2,7" (6,9 cm)
  Auflösung230.000 Bildpunkte
  kippbar
  drehbar
  schwenkbar
  Touchscreen
AV-AnschlussHDMI-Ausgang Micro (Typ D)
Vollautomatikja
Motivautomatikja
Motivprogramme22
Programmautomatikja
Programmshift
Blendenautomatik
Zeitautomatik
Manuell
Bulb-Langzeitbelichtung
HDR-Funktionja
Panoramafunktion
BelichtungsmessungMehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
kürzeste Verschlusszeit1/4.000 s
Blitzeingebaut
  Synchronzeit1/4.000 s
  Blitzanschluss
WLAN
NFC
GPS
Fernauslöserja, Infrarotauslöser
Intervallaufnahmeja
Speichermedium
SD (SDHC, SDHC, SDXC)
Empfindlichkeit
  automatischISO 125-6.400
  manuellISO 125-6.400
Weißabgleich
  automatischja
  manuelle Messungja
  Kelvin-Eingabe
  Feinkorrektur
Autofokusja
  Anzahl Messfelder9 Kontrastsensoren
  Geschwindigkeit0,19 bis 0,71 s
  AF-HilfslichtLED
Abmessungen (BxHxT)123 x 62 x 30 mm
Gewicht (betriebsbereit)193 g
Stativgewindeaußerhalb der optischen Achse
Zoom
  ZoomverstellungZoomwippe (motorisch)
Akkulaufzeit300 Aufnahmen gem. CIPA-Standard

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

Kurzbewertung

  • Robustes Gehäuse
  • Einfache Menünavigation
  • Pfiffige, wenn auch etwas dunkle Makrolichter
  • Sehr gut vergrößernde Makrofunktion
  • Unzeitgemäße Videofunktion ohne 4K
  • Langsame Serienbildgeschwindigkeit
  • Bildaufbereitung sehr weich
  • Sehr kleine Tasten