Outdoorkamera mit LED-Makro-Ringlicht

Testbericht: Ricoh WG-6

Seite 2 von 2, vom 2019-09-02 (Autor: Harm-Diercks Gronewold)Zur Seite 1 wechseln

Wie schon erwähnt, bietet die Ricoh WG-6 bei der Konnektivität bis auf den USB-C-Anschluss Standardkost. Wieso eine Kamera in diesem Preisrahmen auf eine WLAN- beziehungsweise Bluetooth-Funktion verzichtet, ist unverständlich, liegt vielleicht aber daran, dass Ricoh sowieso zur Zeit keine gut ausgestattete App anbietet. Die Alternative ist eine optionale FlashAir-SD-Karte von Toshiba. Diese wird von der Kamera unterstützt und erlaubt die Übertragung von Foto- und Videodaten. Als Fernauslöser kann immerhin die optionale IR-Fernbedienung OR-C1 eingesetzt werden. 

  • Bild Auf der Unterseite der Ricoh WG-6 ist der geringe Abstand von Stativgewinde zum Akkufach deutlich sichtbar. [Foto: MediaNord]

    Auf der Unterseite der Ricoh WG-6 ist der geringe Abstand von Stativgewinde zum Akkufach deutlich sichtbar. [Foto: MediaNord]

Bei der GPS-Funktion ist die WG-6 hingegen gut ausgestattet und kann neben GPS- auch GLONASS-Daten auswerten. Neben der Möglichkeit, die Positionsdaten einzublenden, bietet sie auch einen konfigurierbaren Kompass und einiges mehr. Die Positionsdaten werden außerdem beim Fotografieren in die Metadaten der Aufnahmen gespeichert und können später von Programmen wie Lightroom ausgewertet werden.

Bildqualität

Der Bildqualität der Ricoh WG-6 sind wir nicht nur in der Praxis, sondern auch in unserem Testlabor auf den Grund gegangen. Der Labortest, auf dem die folgenden Betrachtungen beruhen, kann über die weiterführenden Links gegen ein kleines Entgelt abgerufen werden. Er enthält neben Erklärungen zu den verschiedenen Messungen sämtliche ermittelten Werte in übersichtlichen Diagrammen. Außerdem bieten wir im Testlabor aufgenommene Fotos gegen ein kleines Entgelt zum Download an. Der Zugriff ist aber auch über eine Labortest-Flatrate möglich, die nicht nur Zugang zur kompletten Kamera- und Objektiv-Labortest-Bibliothek gewährt, sondern auch auf die Testbilder.

Wie schon Eingangs erwähnt, handelt es sich bei dem 5-fach-Zoom um ein Periskop-Objektiv. Diese Bauart hat zwar Vorteile bei der Kamerakonstruktion, aber einige Nachteile besonders bei der Bildqualität. Erfreulicherweise gehört die Verzeichnung nicht zu den Problemen des Objektivs, da die tonnenförmige Verzeichnung weniger als 0,5 Prozent beträgt. Dafür schlägt die Kamera bei den Farbsäumen zu. Diese sind nämlich in allen Brennweitenbereichen, besonders aber im Telebereich, zu den Bildrändern sehr stark und in der Bildmitte immer noch stark zu sehen.

  • Bild Auf der linken Seite der Ricoh WG-6 befindet sich eine massive Gurtöse. [Foto: MediaNord]

    Auf der linken Seite der Ricoh WG-6 befindet sich eine massive Gurtöse. [Foto: MediaNord]

Die gemessene Auflösung der Kamera bleibt nicht nur weit hinter dem zurück, was ein 20 Megapixel auflösender Sensor leisten könnte, sondern liegt sogar unter der Auflösung des kleineren Schwestermodells WG-60. Im Weitwinkel ist das Auflösungsmaximum (bei 50 Prozent Kontrast) mit 32,6 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) in der Bildmitte und 18,8 lp/mm am Bildrand bei Blende 4,2 erreicht. Damit fällt die Auflösung um fast 50 Prozent zum Rand ab. Die WG-6 ist damit die Outdoorkamera der jüngsten Generation mit der schlechtesten Auflösung, die wir bislang getestet haben. 

Auch bei der WG-6 zeigt sich erneut, dass beim Einsatz von kleinen Sensoren alle Komponenten optimal aufeinander abgestimmt sein müssen. Wenn ein Glied in der Kette von Objektiv, Sensor und Bildverarbeitung qualitativ aus der Reihe tanzt, wird es kritisch bei den Bildergebnissen. Wenn zwei Teilbereiche nicht optimal abgestimmt sind, dann wird es fatal. Wie schon bei der WG-60 sind auch die Bilder der WG-6 auf 20 x 30 cm sichtbar unscharf und kratzen bei höheren ISO-Einstellungen haarscharf an einem starken unscharfen Eindruck entlang. Hier kann eine Anhebung der internen Nachschärfung helfen. Eine nachträgliche differenzierte Schärfung in einem Bildbearbeitungsprogramm wird durch das Fehlen einer Rohdatenaufzeichnung leider torpediert.

Das Bildrauschen wird minimal ab ISO 400 sichtbar, beschränkt sich aber auf unauffälliges, feinkörniges Helligkeitsrauschen. Farbrauschen ist in keiner ISO-Einstellung ein Problem. Die Messung der Signal-Rauschabstandes zeigt, dass es nur wenig Abstand zwischen dem Bildsignal und dem Rauschen des Sensors gibt. Dies wirkt sich auf die Darstellung von feinen Details aus, die schon ab ISO 200 nicht mehr wirklich gut dargestellt werden können. 

  • Bild Auf der rechten Seite der Ricoh WG-6 sind gleich zwei Halterungen für Riemen zu finden. [Foto: MediaNord]

    Auf der rechten Seite der Ricoh WG-6 sind gleich zwei Halterungen für Riemen zu finden. [Foto: MediaNord]

Wir testen Kameras im Labor immer mit den Basiseinstellungen. Ricoh hat sich vor einiger Zeit entschlossen, die Standard-Farbcharakteristik von “natürlich" auf “lebhaft" zu ändern. Das hat zur Folge, dass bestimmte Farbbereiche richtig aus dem Ruder laufen. Während die meisten Farben des Testcharts eine noch durchschnittliche Farbabweichung von etwa acht DeltaE haben, liegt die maximale Farbabweichung bei etwa 30 DetltaE. Da kann man dann nicht mehr von “Farbtreue" sprechen. Die stärksten Änderungen gibt es bei Orange, Gelb, Grün und Blaugrün. Die Farbtiefe ist bis ISO 400 gut und sinkt bei höheren ISO-Einstellungen auf akzeptable Werte ab. 

Die Eingangsdynamik liegt bis ISO 1.600 im befriedigenden Bereich und erreicht nur bei ISO 125 mit zehn Blendenstufen einen guten Wert. Die Tonwertübertragung ist bauchig durch die Anhebung der mittleren Helligkeitsbereiche. Dies ist üblich für Kameras, deren Bilder sofort verwendet werden sollen. 

Fazit

Mit der Ricoh WG-6 zeigt der japanischer Hersteller, dass eine Unterwasserkamera kein klobiger, futuristisch designter und unhandlicher Klotz sein muss. Ricoh ist es gelungen, Eleganz in dieses Kamera-Segment zu bringen und das Gehäuse könnte die Overtüre für ein außerordentliche Kamera sein. Leider kann die WG-6 auf der technischen Seite nicht wirklich überzeugen. Der Verzicht auf einen manuellen Modus ist vielleicht noch zu verschmerzen, aber wieso ist keine Blenden- beziehungsweise Zeitvorwahl vorhanden? 

  • Bild Unter der mit einem zusätzlichen Sperrschalter gesicherten Akkufachklappe der Ricoh WG-6 befinden sich der Akku, die SD-Speicherkarte sowie die USB-C- und Micro-HDMI-Schnittstelle. [Foto: MediaNord]

    Unter der mit einem zusätzlichen Sperrschalter gesicherten Akkufachklappe der Ricoh WG-6 befinden sich der Akku, die SD-Speicherkarte sowie die USB-C- und Micro-HDMI-Schnittstelle. [Foto: MediaNord]

Dass Ricoh der WG-6 einen 20-Megapixel-Sensor spendiert hat, zahlt sich leider nicht aus. Die Kamera schafft es nicht, das Potential der Auflösung zu nutzen und dümpelt stattdessen auf dem Auflösungsniveau der WG-60 mit 16 Megapixel-Sensor herum – und selbst die war bei der Bildauflösung eher unterdurchschnittlich. Feine Details sind nicht die Stärke der WG-6 und die Farbwiedergabe ist in der Werkseinstellung unvorteilhaft für eine naturgetreue Farbreproduktion. Auch die teils heftigen Farbsäume, besonders im Telebereich, sind alles andere als überzeugend. Was dem Ganzen dann aber die Krone aufsetzt, ist die fehlende Möglichkeit der Rohdatenaufzeichnung. Mit dieser hätte man nämlich die Schärfe und auch das Bildrauschen differenziert bearbeiten können, auch den Farbsäumen könnte man damit deutlich besser zu Leibe rücken. Das geht zwar auch mit JPEG-Aufnahmen, aber lange nicht so gut.

Das, was die Kamera aber dennoch zu einer Kaufempfehlung macht, ist die absolut fantastische Makro-Funktion mit den sehr hellen LED-Lampen. Die Kamera bietet mit dieser Funktion etwas, was beispielsweise in der Dermatologie oder in der Industrie zur werkstofflichen Detailkontrolle zum Einsatz kommen kann. 

Dass die WG-6 nur über eine USB-C-Schnittstelle Kontakt mit einem Computer aufbauen kann und eine WLAN- beziehungsweise Bluetooth-Funktion nicht anbietet, ist zwar Schade, aber in Anbetracht des Funktionsumfangs der Ricoh-App kein wirklich großer Verlust.

Die Ricoh WG-6 ist eine “inselbegabte" Kamera. Sie sieht gut aus, ist handlich und hat den erwähnten außerordentlichen Makro-Modus. Auf der anderen Seite sind die Probleme der Auflösung, Farbsäume und Bildverarbeitung nicht wegzudiskutieren. Die Kamera bleibt weit hinter ihrem Potential zurück, ist aber dennoch für bestimmte Anwendungen hervorragend einsetzbar.

Passende Publikationen

digitalkamera.de-Bezahlinhalte (in Flatrate enthalten)


Passende Meldungen zu diesem Thema

Artikel-Vorschläge der Redaktion

Kaufberatung: Welche Speicherkarte ist die richtige für meine Kamera?

Kaufberatung: Welche Speicherkarte ist die richtige für meine Kamera?

Wir erklären, welcher Speicherkartenstandard und welche Geschwindigkeitsklasse je nach Anwendung gebraucht wird. mehr…

digitalkamera.de veröffentlicht Original-Testaufnahmen von 170 Kameras

digitalkamera.de veröffentlicht Original-Testaufnahmen von 170 Kameras

Eine komplette ISO-Reihe je Kamera, auch im Raw-Format, ermöglicht den direkten Vergleich von Kameras untereinander. mehr…

DigitalPhoto FotoBibel 2019 als PDF kostenlos auf digitalkamera.de

DigitalPhoto FotoBibel 2019 als PDF kostenlos auf digitalkamera.de

Das Sonderheft der DigitalPhoto-Redaktion ist Testkompendium und Einkaufsberater für Kameras, Objektive und Zubehör. mehr…

Testbericht: Parrot Anafi Kameradrohne

Testbericht: Parrot Anafi Kameradrohne

Die sehr leichte, zusammenfaltbare Drohne liefert Fotos als JPEG oder DNG und Videos in FullHD oder 4K. mehr…

Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Steckbrief

Steckbrief
HerstellerRicoh
ModellWG-6
SensorCMOS 1/2,3" 6,2 x 4,6 mm (Cropfaktor 5,6)
20,0 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch1,2 µm
Auflösung (max.)5.184 x 3.888 (4:3)
Video (max.)3.840 x 2.160 30p
ObjektivF3,5-5,5/28-140mm
Filtergewinde46 mm eingebaut
Monitor3,0" (7,5 cm)
  Auflösung1.040.000 Bildpunkte
  kippbar
  drehbar
  schwenkbar
  Touchscreen
AV-AnschlussHDMI-Ausgang Micro (Typ D)
Vollautomatikja
Motivautomatikja
Motivprogramme19
Programmautomatikja
Programmshift
Blendenautomatik
Zeitautomatik
Manuell
Bulb-Langzeitbelichtung
HDR-Funktion
Panoramafunktion
BelichtungsmessungMehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
kürzeste Verschlusszeit1/4.000 s
Blitzeingebaut
  Synchronzeit1/4.000 s
  Blitzanschluss
WLAN
NFC
GPSintern
Fernauslöserja, Infrarotauslöser
Intervallaufnahmeja
Speichermedium
SD (SDHC, SDHC, SDXC)
Empfindlichkeit
  automatischISO 125-6.400
  manuellISO 125-6.400
Weißabgleich
  automatischja
  manuelle Messungja
  Kelvin-Eingabe
  Feinkorrektur
Autofokusja
  Anzahl Messfelder9 Kontrastsensoren
  Geschwindigkeit0,30 bis 0,38 s
  AF-Hilfslichtja
Abmessungen (BxHxT)118 x 65 x 33 mm
Gewicht (betriebsbereit)246 g
Stativgewindeaußerhalb der optischen Achse
Zoom
  ZoomverstellungZoomwippe (motorisch)
Akkulaufzeit240 Aufnahmen gem. CIPA-Standard

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

Kurzbewertung

  • Elegantes Gehäuse für eine Outdoorkamera
  • Helles und anpassbares LED-Ringlicht
  • Hervorragende Mikro- und Makro-Funktion
  • Bei jedem Wetter einsetzbar
  • Gute Akkulaufzeit (ohne GPS)
  • Bildqualität unterdurchschnittlich
  • Funktionsbeschränkung in bestimmten Betriebsarten
  • Kein WLAN/Bluetooth