APS-C-Kompaktkamera

Testbericht: Ricoh GR IIIx

Seite 2 von 2, vom 2021-09-27 (Autor: Benjamin Kirchheim)Zur Seite 1 wechseln

Der Autofokus der Ricoh GR IIIx arbeitet nicht nur mit einer Kontrasterkennung, sondern auch mit auf dem Sensor integrierten Phasen-AF-Sensoren. Beide Systeme arbeiten als Hybrid-Autofokus zusammen, was in diesem Fall aber nicht zwangsläufig zu einer schnelleren, zuverlässigeren Fokussierung führt. Eigentlich sollte der Phasen-AF erkennen, in welche Richtung der Fokusmotor arbeiten muss, um schnell zum Ziel zu gelangen. Dennoch kommt es gelegentlich vor, dass der AF erstmal in die falsche Richtung losläuft.

  • Bild Auf der rechten Seite der Ricoh GR IIIx ist die USB-C-Schnittstelle unter einer weichen Gummikappe verborgen. Ladekabel, Datenkabel, HDMI-Kabel oder Fernauslösekabel können hier angeschlossen werden. [Foto: MediaNord]

    Auf der rechten Seite der Ricoh GR IIIx ist die USB-C-Schnittstelle unter einer weichen Gummikappe verborgen. Ladekabel, Datenkabel, HDMI-Kabel oder Fernauslösekabel können hier angeschlossen werden. [Foto: MediaNord]

Doch selbst wenn die Richtung stimmt, beträgt die Auslöseverzögerung inklusive Fokussierung von unendlich auf zwei Meter knapp über 0,4 Sekunden, was heutzutage wahrlich keine Rekordzeit mehr ist. Die reine Auslöseverzögerung ohne Fokussierung ist mit 0,05 Sekunden hingegen kurz. Der Autofokus arbeitet übrigens mit einem leisen, aber nicht ganz unhörbaren Schrittmotor, der die Frontlinse innerhalb des ausgefahrenen Objektivtubus vor und zurück fährt.

Die Autofokuseinstellungen sind hingegen vielfältig. So kann der AF sich automatisch sein Ziel suchen oder man gibt einen Bereich oder sogar einen Punkt vor, wohin fokussiert werden soll. Das funktioniert nicht nur über die Richtungstasten, sondern auch via Touchscreen. Zudem erkennt der Autofokus Gesichter und Augen. Einen modernen Tracking-AF gibt es ebenfalls. Dieser ist intuitiv bedienbar und verfolgt Objekte zielsicher und schnell. Zudem lässt sich der Autofokus auf Wunsch vom Auslöser entkoppeln und beispielsweise die Fn-Taste als AF-On-Taste programmieren.

Die manuelle Fokuseinstellung ist hingegen mangels Objektiv-Einstellrings eine Qual. Über den fummeligen Einstellring am Vierwegeregler kurbelt man sich einen Wolf, bis man den Fokus eingestellt hat. Immerhin gibt es eine wahlweise 4- oder 16-fache Fokuslupe, die mit einer langen Betätigung der Disp-Taste auch im AF-Modus zur Fokuskontrolle aktiviert werden kann, sowie eine Kantenanhebungsfunktion (Peaking) als Fokussierhilfen.

Sehr nützlich ist wiederum die Fixfokuseinstellung. Damit lässt sich der Autofokus umgehen und stattdessen schnell auf eine voreingestellte Entfernung von 0,5, 1, 1,5, 2, 2,5 oder 5 Meter fokussiert fotografieren. Schließt man passend dazu die Blende, beispielsweise auf F5,6 oder F8, damit das Motiv im Bereich der Schärfentiefe liegt, wird die Kamera zum echten Schnappschussgerät. Es ist auch möglich, den Auslöser so zu konfigurieren, dass beim schnellen Durchdrücken die Fixfokusposition angefahren wird, während beim Drücken des ersten Druckpunkts ganz normal der Autofokus arbeitet. Schließlich kann die GR IIIx für entfernte Motive auch noch stur auf unendlich eingestellt werden.

Als minimale Fokuseinstellung gibt Ricoh 20 Zentimeter ab Objektivfront an. In unserem Test konnten wir im normalen Aufnahmemodus sogar bereits ab 18,5 Zentimetern Entfernung fokussieren. Das minimale Bildfeld betrug dabei 14,4 mal 9,6 Zentimeter, was einem Abbildungsmaßstab von 1:6,1 entspricht.

Manuell per Tastendruck kann auf einen Makromodus umgeschaltet werden, automatisch macht die Kamera das leider nicht. Dabei fährt der Objektivtubus um weitere drei Millimeter nach vorne. Im Makromodus kann die GR IIIx laut Ricoh zwar bereits ab 12 Zentimeter von der Objektivfront entfernt fokussieren, aber dafür nur in einem kleinen Bereich bis maximal 24 Zentimeter Entfernung. Im Makromodus sollen Nahaufnahmen mit einem 0,25-fachen Vergrößerungsfaktor (Abbildungsmaßstab 1:4) möglich sein. In der Praxis konnten wir sogar bereits ab 11,5 Zentimeter von der Objektivfront entfernt fokussieren und so ein minimales Bildfeld von 8,5 mal 6,7 Zentimeter fotografieren, was sogar einem Abbildungsmaßstab von 1:3,6 entspricht. Im Kleinbildäquivalent entspricht das sogar einem Abbildungsmaßstab von 1:2,4.

  • Bild Der kleine Schalter auf der linken Seite der Ricoh GR IIIx wird zum Umschalten zwischen dem Foto- und Videomodus genutzt. Bei länger Betätigung wird das WLAN aktiviert. [Foto: MediaNord]

    Der kleine Schalter auf der linken Seite der Ricoh GR IIIx wird zum Umschalten zwischen dem Foto- und Videomodus genutzt. Bei länger Betätigung wird das WLAN aktiviert. [Foto: MediaNord]

Ganz weit unten auf der Prioritätenliste von Ricoh stand offenbar die Video-Funktion. Sie muss nicht nur über die abseits liegende seitliche Taste aktiviert werden, sondern ist zudem ziemlich unspannend für eine Kamera in diesem Preissegment. Die maximale Videoauflösung beträgt lediglich FullHD (1.920 x 1.080 Pixel) bei immerhin bis zu 60 Bildern pro Sekunde. Alternativ können 24 oder 30 Bilder pro Sekunde gewählt werden. Der Bildausschnitt wird vom Wechsel vom Foto- auf den Videomodus nicht nur vertikal beschnitten, sondern auch horizontal etwas kleiner.

Zwar stehen die Farbeffekte des Fotomodus auch im Videomodus zur Verfügung, aber die Belichtung kann nicht halbautomatisch oder manuell eingestellt werden. Auch der Pegel des gut rechts und links neben dem Objektiv platzierten Stereomikrofons wird weder angezeigt, noch lässt er sich anpassen. Von der Möglichkeit, ein externes Mikrofon oder einen HDMI-Recorder anzuschließen, kann man nur träumen. Immerhin lässt sich beispielsweise der Fokus per Touchscreen während der Aufnahme verlagern.

Bei der Wiedergabefunktion hören die kreativen Möglichkeiten hingegen nicht so schnell auf. Hier können Fotos nicht nur zugeschnitten und verkleinert, sondern sogar richtig bearbeitet werden. Auch ein integrierter Rohdatenkonverter steht zur Verfügung. Überraschend ist zudem die Videoschnittfunktion. Zwar sollte man hier kein Schnittprogramm erwarten, aber ein Video kann in der Länge beschnitten beziehungsweise aufgeteilt werden.

Bei der Konnektivität hat sich seit der Ricoh GR III aus dem Jahr 2019 einiges getan. So wurden inzwischen die noch fehlenden Funktionen wie die Positionsdatenübertragung via Bluetooth in die App "Image Sync" integriert, die für iOS und Android erhältlich ist. Dennoch ist Ricoh noch nicht so richtig im Jahr 2021 angekommen. So muss zur Kopplung der Kamera via Bluetooth allen ernstes in der App der Buchstaben-Zahlen-ID-Code der Kamera manuell angegeben werden. Via WLAN lässt sich die Kamera fernbedienen, auch das Livebild wird auf dem Smartphone angezeigt. Eine Bildübertragung ist selbstverständlich ebenfalls möglich, auf Wunsch in reduzierter Auflösung und auch im Hintergrund.

Verwirrend ist die Tatsache, dass eine aktive WLAN-Verbindung automatisch das Bluetooth und damit die Positionsdatenübertragung deaktiviert. Man muss schon in der App die WLAN-Verbindung trennen. Hat man dies getan, funktioniert die Bluetooth-Verbindung samt Positionsübertragung im Hintergrund gut, sofern die App auf dem Smartphone aktiv läuft. Symbole auf dem Kamerabildschirm zeigen die aktive Verbindung via Bluetooth und die Positionsdatenübertragung an, in der Wiedergabe der Fotos können die Koordinaten kontrolliert werden. Nach dem Einschalten braucht die Kamera aber einen Moment, um die Verbindung zum Smartphone automatisch wieder herzustellen.

Bildqualität

Die Ricoh GR IIIx ist mit einem 24 Megapixel auflösenden APS-C-Sensor ausgestattet, der in herkömmlicher CMOS-Technik "gebaut" ist. Um die Bildqualität auf Herz und Nieren zu prüfen, haben wir die Kamera nicht nur ausgiebig im Testlabor durchgemessen, sondern auch im Labor eine ISO-Aufnahmereihe eines Testmotivs in DNG und JPG angefertigt. Sowohl der Labortest, auf dem die folgenden Betrachtungen hauptsächlich beruhen, als auch die Testbilder können über die weiterführenden Links erworben werden.

  • Bild Das 26,1mm-Objektiv ist zwar nur F2,8 lichtstark, aber der beweglich gelagerte Sensor der Ricoh GR IIIx sorgt für eine Bildstabilisierung, so dass man bis zu ca. 0,4 Sekunden lange Belichtungen freihändig anfertigen kann. [Foto: MediaNord]

    Das 26,1mm-Objektiv ist zwar nur F2,8 lichtstark, aber der beweglich gelagerte Sensor der Ricoh GR IIIx sorgt für eine Bildstabilisierung, so dass man bis zu ca. 0,4 Sekunden lange Belichtungen freihändig anfertigen kann. [Foto: MediaNord]

Zudem haben wir einige Aspekte in der Praxis getestet, etwa das Gegenlichtverhalten und das Bokeh. Die Blende der Ricoh GR IIIx lässt sich von F2,8 bis F16 einstellen. Die vielen Blendenlamellen sorgen zwar für eine abgerundete Form, aber die Öffnung ist nicht gleichmäßig kreisrund, was sich beim Abblenden bemerkbar machen kann. Das Bokeh ist an sich gut, die Unschärfescheibchen zeigen nur minimal hellere Ränder, die nicht störend auffallen. Auch Farbsäume im Bokeh sind, wenn überhaupt, dann nur bei starker Vergrößerung minimal zu sehen. Im Gegenlicht bleiben die Kontraste hoch, störende Lens-Flares konnten wir nicht feststellen. Beim starken Abblenden bildet sich ein nur leicht ausgeprägter Sonnenstern, bei dem man allerdings die nicht ganz gleichmäßige Öffnung beobachten kann.

Im Testlabor schlägt sich das Objektiv der Ricoh GR IIIx hervorragend. Die Randabdunklung beträgt maximal lediglich eine halbe Blendenstufe. Dazu sollte man anmerken, dass diese werksseitig digital korrigiert wird. Wer möchte, kann die Korrektur deaktivieren und erhält eine sichtbarere Randabdunklung. Marketingmenschen würde das vermutlich sogar als Spezialeffekt verkaufen, schließlich wirkt manches Foto mit leichter oder sogar starker Vignette durchaus interessant. Ohne Korrektur ist der Effekt aber auch nur leicht sichtbar und fällt vor allem im direkten Vergleich auf. Die Farbsäume liegen laut Labormessung selbst im Maximum bei unter einem halben Pixel und spielen damit keine Rolle. Auch die Verzeichnung ist mit einer 0,6-prozentigen Kissenform gering.

Bei der Messung der Auflösung liegen Freud und Leid dicht beieinander. Freude herrscht, weil die Ricoh über alle Blenden hinweg eine gleichmäßig hohe Auflösung bis an den Bildrand zeigt. Die Festbrennweite ist ab Offenblende hervorragend, der Randabfall kann mit einem bis maximal fünf Prozent völlig vernachlässigt werden. Nach so einem guten Objektiv sucht man bei Wechselobjektivkameras lange.

Das Leid liegt je nach Betrachtungsweise bei der Bildaufbereitung. Diese ist sehr zurückhaltend abgestimmt. Man könnte auch sagen, dass die Ricoh GR IIIx selbst in JPEG eine sehr ehrliche Bildqualität zeigt. Das führt jedoch dazu, dass die maximale Auflösung zumindest laut Labormessung mit 46 Linienpaaren pro Millimeter weit hinter den Möglichkeiten eines 24-Megapixel-Sensors zurückbleibt. Aggressiver abgestimmte Kameras erreichen problemlos über 60 lp/mm mit einem solchen Sensor.

Das relativiert sich, wenn man die Testbildaufnahmen aus dem Labor betrachtet und mit anderen Kameras vergleicht. Die Bilder der Ricoh wirken im Vergleich sehr detailreich und stecken vor allem am Bildrand alle anderen APS-C-Kameras in die Tasche, die wir verglichen haben. Die meisten davon haben zugegebenermaßen nur ein preisgünstiges Set-Zoom, aber selbst im Vergleich zur Nikon Z fc mit Z 28 mm F2.8 SE, die im Labor eine höhere Auflösung suggeriert, zeigt die Ricoh die sichtbar detailreichere Bildqualität.

  • Bild Unter dem etwas leichtgängigen Objektiv-Schutzring sind drei Kontakte verborgen. Mit diesen wird der Ricoh GR IIIx "mitgeteilt", ob der optionale 1,5-fach-Telekonverter GT-2 (60 mm KB) montiert ist. [Foto: MediaNord]

    Unter dem etwas leichtgängigen Objektiv-Schutzring sind drei Kontakte verborgen. Mit diesen wird der Ricoh GR IIIx "mitgeteilt", ob der optionale 1,5-fach-Telekonverter GT-2 (60 mm KB) montiert ist. [Foto: MediaNord]

Die Nachschärfung oder Kontraste in der Kamera hochzusetzen, hilft übrigens nicht, wir haben das nachgemessen. Nur die Schärfeartefakte, die in Neutralstellung mit knapp unter zehn Prozent völlig in Ordnung gehen, schießen beim Raufsetzen der Nachschärfung in die Höhe und führen zu unschönen Doppelkonturen. Man sollte die detailreichen, aber zurückhaltenden und neutralen Bilder der Ricoh also am besten so nehmen, wie sie sind oder in der Bildbearbeitung gleich an die DNG-Rohdaten gehen.

Die zurückhaltende Bildaufbereitung zeigt sich auch bei den anderen Bildqualitätsparametern, bei denen wir eine ISO-Empfindlichkeits-Aufnahmereihe anfertigen. Der Signal-Rauschabstand fällt linear von ISO 100 bis 6.400 ab. Er startet bei guten 40 dB und unterschreitet bereits bei ISO 1.600 knapp die kritische Marke von 35 dB. Oberhalb von ISO 1.600 wird Helligkeitsrauschen sichtbar, oberhalb von ISO 6.400 steigt es steil an und wird oberhalb von ISO 12.800 stark sichtbar. Das Farbrauschen hat die GR IIIx besser im Griff, es wird erst oberhalb von ISO 12.800 langsam sichtbar. Dieser Messwert zeigt aber auch, dass die Rauschunterdrückung oberhalb von ISO 6.400 den "Turbo" zuschaltet, was die Bildqualität in diesen extremen Bereichen jedoch nicht mehr wirklich rettet.

Die Texturschärfe ist bis ISO 400 auf einem perfekten Level. Hier sind keine Detailverluste messbar. Oberhalb von ISO 800 nehmen die Details leicht ab, gehen aber bis ISO 1.600 noch völlig in Ordnung. Bei ISO 3.200 verschwinden erste feine Details, aber auch hier ist die Bildqualität noch ausreichend. Anders sieht es bei ISO 6.400 aus. Hier muss man schon fast mehr als ein Auge zudrücken, um die Detailverluste noch zu akzeptieren. Wir würden diese Empfindlichkeit nur im Notfall oder bei Verwendung eines guten Rohdatenkonverters wählen. Oberhalb von ISO 6.400 bricht zumindest die JPEG-Bildqualität endgültig ein, was aber im erwartbaren Bereich eines 24 Megapixel auflösenden APS-C-Sensors liegt.

Die Eingangsdynamik ist wieder bis ISO 400 am besten und liegt bei knapp unter elf Blendenstufen. Bis ISO 1.600 sinkt sie knapp unter zehn Blendenstufen, wo sie sich auch bei ISO 3.200 noch halten kann. Die Tonwertkurve ist sehr neutral abgestimmt, es findet nur eine leichte Kontrastanhebung bei mittleren Helligkeiten statt. Auch der Ausgangs-Tonwertumfang ist sehr ehrlich und sinkt praktisch linear von ISO 100 bis 12.800. Das führt allerdings nicht unbedingt zu den besten Messwerten. Nur bei ISO 100 erreicht die Ricoh überhaupt über 224 von 256 möglichen Helligkeitsabstufungen. Immerhin bleibt der Messwert bis ISO 800 mit über 160 Stufen gut, während es bei ISO 1.600 nur noch akzeptable 128 Stufen sind und bei ISO 3.200 noch knapp 100.

Sehr gut schlägt sich die Ricoh GR IIIx hingegen wiederum bei den Farben, denn hier führt eine neutrale Abstimmung zu besonders guten Messwerten. Bis ISO 1.600 kann die Kamera gut vier Millionen Farbnuancen wiedergeben, aber auch bei ISO 3.200 ist der Messwert mit zwei Millionen Farben gut, mehr kann das durchschnittliche menschliche Auge ohnehin nicht differenzieren. Bei der Farbtreue ist die Ricoh ebenfalls gut. Die meisten Farben gibt sie praktisch unverfälscht wieder und selbst die größten Abweichungen liegen nur bei knapp 16 Delta-A-B. Dabei fällt vor allem Gelb auf, das einen leichten Grünstich hat und nicht ganz so satt leuchtet. Auch Grün selbst ist etwas entsättigt. Orangetöne hingegen tendieren etwas ins Gelbe. Vor allem im Rot-, Violett- und Magentabereich ist die GR IIIx äußerst neutral, aber auch Grautöne zeichnet sie sehr gut.

Fazit

Die Ricoh-GR-Kameraserie blickt auf eine lange Tradition zurück und war schon zu Zeiten des Silberhalogenid-Films kein unbekannter Name. Genau hier möchte Ricoh die GR IIIx als puristische Kamera für neue und alte Foto-Enthusiasten punkten. Die klassische Eleganz der GR IIIx wirkt zwar nicht so, also würde die Kamera ein echter Handschmeichler sein, doch der optische Eindruck täuscht. Das stabile und für eine APS-C-Kamera beeindruckend kleine und leichte Gehäuse liegt gut in der Hand und die Positionierung der Bedienelemente ist wunderbar gelöst. Warum Ricoh allerdings auf ein in der optischen Achse liegendes Stativgewinde verzichtet hat, ist bei dem Anspruch der Kamera unverständlich. Vermutlich ist es der Kompaktheit geschuldet.

  • Bild Bei der Ricoh GR IIIx teilen sich der Akku und die Speicherkarte eine Abdeckklappe. Der kleine Akku ist zwar recht schnell erschöpft, lässt sich aber per USB-C nachladen. [Foto: MediaNord]

    Bei der Ricoh GR IIIx teilen sich der Akku und die Speicherkarte eine Abdeckklappe. Der kleine Akku ist zwar recht schnell erschöpft, lässt sich aber per USB-C nachladen. [Foto: MediaNord]

Die Menüstruktur ist auf der Einstellungsebene durchschaubar und mit guten Ansätzen versehen. Die Kombination von Indexzahlen und einer Funktionstabelle in der PDF-Anleitung ist gut und dank internen Verlinkungen im Bedienungsanleitungs-PDF wird der Fotograf auch schnell zu den gewünschten Erklärungen geführt. Die Integration des Touchscreens ist auf der Einstellungsebene ebenfalls gut gelöst, wenn auch teilweise noch ausbaufähig, beispielsweise mit Wischgesten.

Das Bedienkonzept bei der Aufnahme fühlt sich manchmal unnötig verkompliziert und altbacken an, so kann der Fotograf das Aufnahmemenü nicht über den Touchscreen aufrufen. Immerhin lässt sich die GR IIIx auf die eigenen fotografischen Bedürfnisse sehr fein konfigurieren. Die Speicherung der Konfigurationen in Boxen und das Zuweisen auf das Modusdrehrad haben wir im Laufe des Tests zu schätzen gelernt.

Ausstattungsseitig bietet die Kamera vor allem Fotografen praktisch alles, was das Herz begehrt. Sämtliche fotografischen Parameter lassen sich manuell anpassen und auch ein optischer Bildstabilisator fehlt nicht, der dank des beweglich gelagerten Bildsensors sehr effektiv arbeitet. Jedoch ist die Ricoh vor allem auf die Fotografie spezialisiert, die Videofunktion ist hingegen sehr rudimentär und wird modernen Ansprüchen überhaupt nicht gerecht.

Beim Autofokus und der Serienbildgeschwindigkeit zeigt sich zudem, dass die Ricoh keine performante Kamera ist. Schnappschusstauglich wird sie hauptsächlich dank der tollen Fixfokus-Option. Dennoch geht die Kamera recht verschwenderisch mit Energie um und leert den ohnehin kleinen Akku unter spürbarer Wärmeentwicklung viel zu schnell. Nur die USB-C-Schnittstelle mit Lade- und Dauerstromfunktion tröstet ein wenig darüber hinweg.

Bei der Bildqualität zeigt sich die Ricoh GR IIIx nicht als "Shoot-to-Print"-Kamera. Sie liefert sowohl in JPEG als auch DNG (Rohdaten) Bilder ab, die einer Postproduktion unterzogen werden sollten und sei es nur, um die Schärfe auf die Ausgabe anzupassen. Abgesehen davon ist die Bildqualität jedoch sehr gut. Vor allem das Objektiv überzeugt mit einer hohen, gleichmäßigen Auflösung bis an Bildrand, die es bereits ab Offenblende erreicht und den praktisch nicht vorhanden Bildfehlern. Vor allem bis ISO 400 ist die Bildqualität hervorragend, aber auch bei ISO 800 und selbst ISO 1.600 ist sie noch gut.

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Steckbrief

Steckbrief
HerstellerRicoh
ModellGR IIIx
SensorCMOS APS-C 23,6 x 15,8 mm (Cropfaktor 1,5)
24,8 Megapixel (physikalisch)
24,2 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch3,9 µm
Auflösung (max.)6.000 x 4.000 (3:2)
Video (max.)1.920 x 1.080 60p
ObjektivF2,8/40 mm
Filtergewinde49 mm (optional)
Monitor3,0" (7,5 cm)
  Auflösung1.037.000 Bildpunkte
  kippbar
  drehbar
  schwenkbar
  Touchscreenja
AV-AnschlussHDMI via USB-C
Vollautomatik
Motivautomatik
Programmautomatikja
Programmshiftja
Blendenautomatikja
Zeitautomatikja
Manuellja
Bulb-Langzeitbelichtungja
HDR-Funktion
Panoramafunktion
BelichtungsmessungMehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
kürzeste Verschlusszeit1/4.000 s
  Synchronzeit1/4.000 s
  BlitzanschlussPentax, Standard-Mittenkontakt Blitzschuh
WLANja
NFC
GPSextern, dauerhafte Smartphone Verbindung
Fernauslöserja, Kabelauslöser, Fernsteuerung über Smartphone/Tablet
Intervallaufnahmeja
Speichermedium
SD (SDHC, SDXC, UHS I)
Empfindlichkeit
  automatischISO 100-102.400
  manuellISO 100-102.400
Weißabgleich
  automatischja
  manuelle Messungja
  Kelvin-Eingabeja
  Feinkorrekturja
Autofokusja
  Anzahl Messfelder25 Kontrastsensoren
  Geschwindigkeit0,41 s
  AF-HilfslichtLED
Abmessungen (BxHxT)109 x 62 x 36 mm
Gewicht (betriebsbereit)260 g
Stativgewindeaußerhalb der optischen Achse
Zoom
  Zoomverstellungk. A.
Akkulaufzeit200 Aufnahmen gem. CIPA-Standard

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

DXOMARK Logo

Die Bildqualität in unseren Tests ermitteln wir seit 2011 mit DXOMARK Analyzer.

Kurzbewertung

  • Äußerst kompaktes, hochwertiges Gehäuse
  • Gute Bedienung mit vielen Tasten, Rädern und übersichtlichem Menü
  • Sehr gutes Objektiv samt beachtlicher Makrofunktion
  • Sehr gute Bildqualität bis ISO 400, gut bis ISO 1.600
  • Äußerst heller Touchscreen
  • Schlecht ausgestattete, lediglich Full-HD auflösende Videofunktion
  • Schwache Akkulaufzeit
  • Langsame Serienbildfunktion

Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 44, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.