Puristische Zweitkamera

Testbericht: Ricoh GR III

Seite 2 von 2, vom 2019-05-06 (Autor: Harm-Diercks Gronewold)Zur Seite 1 wechseln

Da die GR III eher eine fotografisch puristische Kamera ist, muss man auf Motivprogramme verzichten, auch eine Motivautomatik sucht man vergebens. Dafür gibt es eine Programmautomatik mit der Möglichkeit zum Verändern von Zeit- oder Blendeneinstellungen, dies wird auch als Programmshift bezeichnet. Zudem stehen ein Zeit- und Blendenautomat sowie eine manuelle Belichtungseinstellung bereit.

  • Bild Das 18,3 mm Objektiv ist zwar nur F2,8 lichtstark, aber der beweglich gelagerte Sensor sorgt für eine Bildstabilisierung, so dass man bis zu ca. 1/3 Sekunde lange Belichtungen freihändig anfertigen kann. [Foto: MediaNord]

    Das 18,3 mm Objektiv ist zwar nur F2,8 lichtstark, aber der beweglich gelagerte Sensor sorgt für eine Bildstabilisierung, so dass man bis zu ca. 1/3 Sekunde lange Belichtungen freihändig anfertigen kann. [Foto: MediaNord]

Zwar bietet die Kamera keine üppigen Spezialeffekte, dennoch muss man nicht auf Farbeffekte verzichten, um beispielsweise Retro- oder Schwarzweiss-Aufnahmen zu realisieren. Insgesamt zehn vorgefertigte Farbeffekte stehen zur Verfügung. Darüber hinaus lassen sich zwei Speicherplätze mit eigenen Kreationen befüllen. Dafür stehen zehn Parameter zur Verfügung, die von der Kantenschärfe über den Kontrast bis zu den Farbeinstellungen alles abdecken. Zudem können die vorgefertigten Farbeinstellungen ebenfalls individualisiert werden.

Bei den fotografischen Spezialfunktionen wartet die Kamera mit einer Belichtungsreihenfunktion auf, die maximal drei Aufnahmen im Abstand von maximal fünf Blendenstufen machen kann. Zudem stehen zwei Intervallfunktionen zur Verfügung. Die erste Funktion ist eine herkömmliche Intervallfunktion mit der Möglichkeit, Intervalldauer (eine Sekunde bis 60 Minuten), Startzeit und die Anzahl der Aufnahmen (zwei bis 99 beziehungsweise unbegrenzt) einzustellen. Die zweite Intervallfunktion nennt sich Intervall-Kompositionsbelichtung und erlaubt eine Einstellung der Startzeit sowie der Aufnahmedauer. Die Aufnahmen werden intern von der Kamera so verrechnet, dass nur Helligkeitsänderungen aufgenommen werden. So lassen sich die beliebten Gestirnsbewegungen (Star Trails) ohne viel Aufwand realisieren.

Die Ricoh GR III besitzt eine Serienbildfunktion, die maximal 4,6 Bilder pro Sekunde im DNG-Rohdatenformat auf die Speicherkarte schreibt, allerdings die Geschwindigkeit nur für elf Aufnahmen am Stück durchhält. Danach stottert die Kamera unregelmäßig Folgebilder mit einer Frequenz von durchschnittlich etwa 1,4 Bildern pro Sekunde auf die Speicherkarte. Das ist aber immer noch recht gut, wenn man bedenkt, dass die Bilder eine durchschnittliche Größe von 45 Megabyte besitzen. Die GR III schafft es also, etwa 61,2 Megabyte pro Sekunde auf die Speicherkarte zu schaufeln. Entsprechend schnell sollte also die Mindest- Schreibgeschwindigkeit der Speicherkarte sein, wenn sie die Kamera nicht ausbremsen soll. Bei Serienbildern im JPEG-Format erreicht die GR III zwar hingegen nur 4,2 Bilder pro Sekunde, dafür hält sie die Geschwindigkeit aber so lange durch, bis die Speicherkarte voll oder der Akku leer ist.

Weit unten auf der Prioritätenliste von Ricoh stand offenbar die Video-Funktion. Nicht nur, dass sie vom Moduswahlrad verbannt wurde, sie ist zudem ziemlich unspannend für eine Kamera in diesem Preissegment. Die maximale Videoauflösung beträgt maximal lediglich FullHD (1.920 x 1.080) bei immerhin bis zu 60 Bildern pro Sekunde. Die Farbeffekte des Fotomodus stehen im Videomodus ebenfalls zur Verfügung. Sollen Videos aufgenommen werden, dann muss mindestens eine SDHC- oder SDXC-Speicherkarte mit der Geschwindigkeitsklasse 6 eingesetzt werden. Bevor jedoch eine Speicherkarte gekauft wird, sollte ein Blick auf die Serienbildgeschwindigkeit geworfen werden.

  • Bild Die Draufsicht zeigt den Systemblitzschuh für Pentax Blitzgeräte sowie die oberen Bedienelemente, beispielsweise den gesicherten Moduswahlschalter. [Foto: MediaNord]

    Die Draufsicht zeigt den Systemblitzschuh für Pentax Blitzgeräte sowie die oberen Bedienelemente, beispielsweise den gesicherten Moduswahlschalter. [Foto: MediaNord]

Bei der Konnektivität ist der Funktionsumfang der Kamera ziemlich gering. Grund dafür ist, dass die kostenlose Ricoh "Image Sync"-App lediglich die Übertragung von Bildern auf das Smartgerät ermöglicht. Ricoh verspricht Funktionen wie die Übermittlung der Positionsdaten, Fernbedienungsfunktion, Fernauslösefunktion und die Hintergrund Bildübermittlung irgendwann nachzureichen. Ein Zeitraum wird leider nicht bekannt. Vielleicht gehört aber auch das zum Konzept der puristischen Kamera für Fotoenthusiasten. Wir werden diesen Test gegebenenfalls aktualisieren, wenn die App in der Lage ist, diese versprochenen Funktionen bereitzustellen.

Bildqualität

In diesem Abschnitt des Testberichts liefern wir eine Zusammenfassung von unserem umfangreichen Labortest. Der Labortest enthält neben Diagrammen zu den verschiedenen Messungen auch begleitende Erklärungen zu den ermittelten Werten. Der ausführliche digitalkamera.de-Labortest kann gegen ein kleines Entgelt über die weiterführenden Links betrachtet oder heruntergeladen werden.

Die Bildaufbereitung der Ricoh GR III hält sich bei der Scharfzeichnung deutlich zurück und erzeugt damit nur ganz geringe Schärfeartefakte. Die Auflösung bei 50 Prozent Kontrast erreicht dadurch allerdings auch nur maximal 44 Linienpaare pro Millimeter im Kleinbildäquivalent in der Bildmitte. Der Auflösungsabfall zum Rand hin ist immerhin sehr gering. Damit liegt die Auflösung nur auf dem Niveau der Ricoh GR, die einen 16 und keinen 24 Megapixel auflösenden Sensor besitzt. Immerhin eignen sich die JPEG-Aufnahmen damit problemlos für die externe Nachbearbeitung. Wer er gerne etwas knackiger hätte, um die Bilder gleich zu verwenden, sollte die interne Scharfzeichnung nach eigenem Belieben anheben. Besonders ab ISO 800 verlieren die Bilder sonst sichtbar an Schärfe (siehe übernächster Absatz).

  • Bild Etwas unglücklich platziert wurde das Stativgewinde der GR III. Es liegt außerhalb der optischen Achse und direkt neben der Akkufachklappe. [Foto: MediaNord]

    Etwas unglücklich platziert wurde das Stativgewinde der GR III. Es liegt außerhalb der optischen Achse und direkt neben der Akkufachklappe. [Foto: MediaNord]

Ein weiterer Indikator dafür, dass der Bildprozessor nur wenig an den Bilddaten arbeitet, zeigt sich bei den für eine Festbrennweite recht hohen Chromatischen Aberrationen und der nicht korrigierten leichten tonnenförmigen Verzeichnung. Dennoch macht das F2,8 lichtstarke 18,3-Millimeter-Objektiv eine gute Figur.

Das Bildrauschen ist von seiner Anatomie schön feinkörnig und das störende Farbrauschen ist zu keiner Zeit ein Problem. Das weniger störende Luminanzrauschen wird bei ISO 3.200 sichtbar und nimmt mit steigender ISO-Empfindlichkeit kontinuierlich zu. Feine Details nehmen ab ISO 800 ab, sind aber noch bis ISO 6.400 auszumachen. Bei höheren Empfindlichkeiten hinterlassen das Bildrauschen und die Rauschunterdrückung deutlich ihre Spuren. Feine Details werden dann samt des Bildrauschens eliminiert. ISO 102.400 ist selbst für niedrige fotografische Ansprüche praktisch unbrauchbar.

Die maximale Eingangsdynamik, die die Kamera bewältigen kann, beträgt etwas weniger als elf Blendenstufen und ist damit recht hoch. Diese Dynamik sinkt mit steigender ISO-Empfindlichkeit ab. Kritisch niedriger wird die Eingangsdynamik aber erst oberhalb von ISO 6.400. Auf der Ausgabeseite der Tonwerte schlägt sich die GR III bis etwa ISO 800 gut. Ab ISO 3.200 wird der Ausgangs-Tonwertumfang schlecht. Maximal erreicht die Kamera etwas mehr als 224 darstellbare Helligkeitsstufen.

  • Bild Unter dem sehr leichtgängigen Objektiv-Schutzring sind drei Kontakte verborgen. Mit diesen wird der Kamera "mitgeteilt", ob der optionale Weitwinkelkonverter (21 mm KB) montiert ist. [Foto: MediaNord]

    Unter dem sehr leichtgängigen Objektiv-Schutzring sind drei Kontakte verborgen. Mit diesen wird der Kamera "mitgeteilt", ob der optionale Weitwinkelkonverter (21 mm KB) montiert ist. [Foto: MediaNord]

  • Bild Bei der GR III teilen sich der Akku und die Speicherkarte eine Abdeckklappe. [Foto: MediaNord]

    Bei der GR III teilen sich der Akku und die Speicherkarte eine Abdeckklappe. [Foto: MediaNord]

Bei der Farbdarstellung schlägt sich die Kamera gut. Die größten Abweichungen von der Farbtafel zeigen sich im Rotgrün- und Grüngelb-Bereich. Minimal werden die Orangetöne entsättigt; offenbar, um Hauttöne nicht zu grell darzustellen.

Fazit

Die GR-Kameraserie blickt auf eine lange Tradition zurück und war schon zu Zeiten des Silberhalogenid-Films kein unbekannter Name. Genau hier möchte Ricoh die GR III als puristische (Zweit-) Kamera für neue und alte Foto-Enthusiasten punkten. Die klassische Eleganz der GR III wirkt zwar nicht so, also würde die Kamera ein echter Handschmeichler sein, doch der Eindruck täuscht. Das stabile Gehäuse liegt gut in der Hand und die Positionierung der Bedienelemente ist wunderbar gelöst. Etwas getrübt wird der positive Gehäuse-Eindruck vom sehr leichtgängigen vorderen Drehrad und der weichen Multifunktionswippe auf der Rückseite. Warum Ricoh aber auf ein in der optischen Achse liegendes Stativgewinde verzichtet hat, ist bei dem Anspruch der Kamera unverständlich.

Die Menüstruktur ist auf der Einstellungsebene durchschaubar und mit guten Ansätzen versehen. Die Kombination von Indexzahlen und einer Funktionstabelle in der PDF-Anleitung ist gut und dank internen Verlinkungen im Bedienungsanleitungs-PDF wird der Fotograf auch schnell zu den gewünschten Erklärungen geführt. Die Integration des Touchscreens ist auf der Einstellungsebene ebenfalls gut gelöst.

Das Bedienkonzept bei der Aufnahme fühlt sich manchmal unnötig verkompliziert und altbacken an, so kann der Fotograf das Aufnahmemenü nicht über den Touchscreen aufrufen. In der Standardeinstellung ist immer ein Druck auf die Multifunktionswippe notwendig, um beispielsweise den Modus der Belichtungsmessung zu ändern. Immerhin lässt sich die GR III auf die eigenen fotografischen Bedürfnisse sehr fein konfigurieren. Uns hat die Speicherung der Konfigurationen in Boxen und das Zuweisen auf das Modusdrehrad zunächst nicht ganz so gut gefallen, doch im Laufe des Tests haben wir die Möglichkeiten, die sich damit eröffnen, zu schätzen gelernt.

Bei der Bildqualität zeigt sich die GR III nicht als "shoot-to-Print"-Kamera. Sie liefert sowohl in JPEG als auch DNG (Rohdaten) Bilder ab, die einer Postproduktion unterzogen werden sollten und sei es nur, um die Schärfe auf die Ausgabe anzupassen. 

Ansonsten ist die GR III keine hypermoderne Edelkompakte mit einer gigantischen Ausstattungsliste, doch das will sie auch gar nicht sein. Vielmehr richtet sich die sauber verarbeite Kompakte an den ambitionierten Fotografen, der keine Lust hat, sich mit Hunderten von Funktionen auseinander zu setzen, aber dennoch nur wenig Kompromisse machen möchte. Getrübt wird dieser Eindruck nur von der schlechten Energieeffizienz der GR III und dem saftigen Preis von etwa 900 Euro.


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Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Steckbrief

Steckbrief
HerstellerRicoh
ModellGR III
SensorCMOS APS-C 23,6 x 15,8 mm (Cropfaktor 1,5)
24,8 Megapixel (physikalisch)
24,2 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch3,9 µm
Auflösung (max.)6.000 x 4.000 (3:2)
Video (max.)1.920 x 1.080 60p
ObjektivF2,8/28 mm
Filtergewinde49 mm (optional)
Monitor3,0" (7,5 cm)
  Auflösung1.037.000 Bildpunkte
  kippbar
  drehbar
  schwenkbar
  Touchscreenja
AV-AnschlussHDMI via USB-C
Vollautomatikja
Motivautomatik
Programmautomatikja
Programmshiftja
Blendenautomatikja
Zeitautomatikja
Manuellja
Bulb-Langzeitbelichtungja
HDR-Funktion
Panoramafunktion
BelichtungsmessungMehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
kürzeste Verschlusszeit1/4.000 s
  Synchronzeit1/4.000 s
  BlitzanschlussPentax, Standard-Mittenkontakt Blitzschuh
WLANja
NFC
GPS
Fernauslöserja, Kabelauslöser, Fernsteuerung über Smartphone/Tablet
Intervallaufnahmeja
Speichermedium
SD (SDHC, SDXC, UHS I)
Empfindlichkeit
  automatischISO 100-102.400
  manuellISO 100-102.400
Weißabgleich
  automatischja
  manuelle Messungja
  Kelvin-Eingabeja
  Feinkorrekturja
Autofokusja
  Anzahl Messfelder
  Geschwindigkeit0,25 s
  AF-HilfslichtLED
Abmessungen (BxHxT)109 x 62 x 33 mm
Gewicht (betriebsbereit)255 g
Stativgewindeaußerhalb der optischen Achse
Zoom
  Zoomverstellungk. A.
Akkulaufzeit200 Aufnahmen gem. CIPA-Standard

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

Kurzbewertung

  • Kleines und wertiges Gehäuse
  • Flotter Autofokus
  • Gute Menüführung für Kameraeinstellungen
  • Interessantes Hilfestellungskonzept
  • Wenig Videofunktionen
  • Schwache Akkulaufzeit
  • Zur Zeit schlechte App-Funktionalität
  • Zu leichtgängige Drehräder bzw. Multifunktionswippe