Hochauflösende, spiegellose Vollformat-Systemkamera

Testbericht: Panasonic Lumix DC-S1R

Seite 2 von 2, vom 2019-07-19 (Autor: Benjamin Kirchheim)Zur Seite 1 wechseln

Im AF-S-Modus schlägt die Lumix S1R laut unserer Messung mit einer Ausnahme alle anderen Vollformatkameras um Längen beziehungsweise locker um den Faktor zwei bis drei, was die Fokus- und Auslösegeschwindigkeit angeht. Ohne Phasen-AF-Sensoren löst die Panasonic S1R mit dem 24-105 mm innerhalb von 0,14 bis 0,18 Sekunden aus, wenn man von unendlich auf zwei Meter fokussiert. Ohne Fokussierung beträgt die Auslöseverzögerung lediglich 0,07 Sekunden, ebenfalls ein guter, aber durchaus nicht rekordverdächtiger Wert. Zieht man diese von der Auslöseverzögerung mit Autofokus ab, so kommt man auf Fokuszeiten von 0,07 bis 0,11 Sekunden. Die einzige, noch etwas schnellere Kamera ist das Schwestermodell Lumix DC-S1. Das verwundert nicht, muss der Autofokus bei 47 Megapixeln doch nochmal exakter sein als bei "nur" 24 Megapixeln.

  • Bild Der Handgriff der Panasonic Lumix DC-S1R ist nicht nur üppig "beledert", sondern auch sehr ergonomisch und griffig ausgeformt. [Foto: MediaNord]

    Der Handgriff der Panasonic Lumix DC-S1R ist nicht nur üppig "beledert", sondern auch sehr ergonomisch und griffig ausgeformt. [Foto: MediaNord]

Der Autofokus nutzt dabei nicht nur Stumpf die vorgegebenen 225 beziehungsweise das ausgewählte Fokusfeld, das man in der Größe, im Cluster etc. variieren kann, sondern er erkennt auch Gesichter, Augen und sogar Körper. Ihm reicht schon der Umriss eines Menschen (oder Tieres), um diesen als solchen zu erkennen und darauf zu fokussieren. Allerdings büßt der Autofokus deutlich an Leistung ein, wenn man Serienbilder aufnehmen möchte. Das Verfolgen von Motiven fällt dem kontrastbasierten DFD-Autofokus deutlich schwerer als Phasen-AF-Systemen. Das merkt man allein schon daran, dass die Serienbildgeschwindigkeit mit AF-C von neun auf fünf Bilder pro Sekunde fällt.

Was der AF-C hingegen besser beherrscht, ist die Tracking-Funktion. Einmal auf ein Motivdetail eingeschossen hält der Autofokus dieses fest und wechselt munter über die Fokusfelder, je nachdem, wohin sich das Motiv bewegt. Auch hier hilft ihr die Körpererkennung, um Tiere besser im Fokus halten zu können, denn bestimmte Tiere wie etwa Katzen, Hunde oder Vögel kennt die Kamera so gut, dass sie typische Bewegungen vorausahnt und der Fokus entsprechend reagiert. Wenn die Kamera übrigens mehrere Gesichter oder Körper erkennt, kann man schnell mit dem Fokus-Joystick zwischen diesen wechseln.

Trotz des schnellen Autofokus ist die Lumix DC-S1R also keine Sportskanone, was sich auch in der Serienbildgeschwindigkeit zeigt. Maximal 9,3 Bilder pro Sekunde sind laut unserer Messung möglich. Immerhin etwas mehr als die neun Bilder pro Sekunde, die Panasonic verspricht und sogar minimal flotter als die S1, aber da können andere Kameras mit über 40 Megapixeln durchaus mehr. In JPEG kann man bei Einsatz einer schnellen XQD-Speicherkarte 54 Serienbilder am Stück mit dieser Geschwindigkeit aufnehmen, deutlich weniger als die 1.000 Bilder, die mit der S1 möglich sind. Im Raw-Format reicht der Puffer bei Einsatz einer schnellen Speicherkarte mit immerhin 42 Bildern fast ein Drittel so weit wie bei der S1. Mit schneller SD-Karte sind es übrigens ebenfalls 42 Bilder, aber bei vollem Puffer bricht die Geschwindigkeit bei SD-Karten etwas stärker ein als bei XQD-Speicherkarten. Wer also auf das letzte Quäntchen Geschwindigkeit beim Speichern angewiesen ist, nutzt eine XQD-Speicherkarte, mit der wir 180 MB/s erreichten – etwas schneller als bei der S1. Das ist kein Rekord, aber ein guter Wert. Ansonsten hat man mit schneller SD-Karte keinerlei Nachteile oder Funktionseinschränkungen, die von uns gemessenen 123 MB/s reichen für alle Foto- und Videoanwendungen aus. Selbst hier ist der volle Puffer in unter 20 Sekunden auf die Speicherkarte geleert, wobei die Kamera jedoch jederzeit voll bedienbar bleibt.

Wem die neun Serienbilder pro Sekunde nicht reichen, der kann die 4K- und 6K-Foto-Funktionen nutzen. In 4K nimmt die Kamera 8,3 Megapixel auflösende Videos zwecks Foto-Extraktion bei wählbaren Seitenverhältnissen zwischen 1:1 und 16:9 ohne Auflösungsverlust bei 60 Bildern pro Sekunde auf. In 6K steigt die Auflösung sogar auf 18 Megapixel, dafür sinkt die Bildrate auf 30 Bilder pro Sekunde. Beachten sollte man, dass ein aus einem Video extrahiertes Standbild nicht die gewohnte Qualität erreicht, sondern gewisse Kompressionsverluste in Kauf genommen werden müssen. Mit der 4K/6K-Fotofunktion lassen sich Fotos bereits vor dem Drücken des Auslösers aufnehmen, oder man startet und stoppt die Aufnahme jeweils mit einem Druck auf den Auslöser. Im Wiedergabemodus kann man sich dann die Standbilder ansehen und einzelne extrahieren. Bei schnellen oder plötzlichen Bewegungsabläufen wird es damit zum Kinderspiel, den richtigen Moment zu erwischen.

  • Bild Mit Schnittstellen geizt die Panasonic Lumix DC-S1R nicht: Die HDMI-A-Buchse ist groß und robust, die USB-C-Schnittstelle universell auch zum Dauerbetrieb und zur Akkuladung geeignet. Kopfhörer, Mikrofon und Fernauslöser lassen sich ebenfalls anschließen. [Foto: MediaNord]

    Mit Schnittstellen geizt die Panasonic Lumix DC-S1R nicht: Die HDMI-A-Buchse ist groß und robust, die USB-C-Schnittstelle universell auch zum Dauerbetrieb und zur Akkuladung geeignet. Kopfhörer, Mikrofon und Fernauslöser lassen sich ebenfalls anschließen. [Foto: MediaNord]

Doch die 4K/6K-Fotofunktion kann noch mehr. So lässt sich beispielsweise der Schärfebereich eines Motivs durchfahren, um hinterher im Wiedergabemodus den Fokuspunkt noch verschieben zu können. Auch ein Stacking der Aufnahmen ist möglich, um den Schärfebereich zu erweitern. Für qualitätsbewusste Fotografen dürfte indes die Fokus-Bracketing-Funktion deutlich attraktiver sein. Sie arbeitet mit voller Auflösung und feinsten Fokusschritten, die Aufnahmen muss man allerdings hinterher selbst am PC mit einer passenden Software zusammenrechnen.

Selbstverständlich beherrscht die S1R neben Fokus-Bracketing auch andere Aufnahmereihen, etwa Weißabgleichsreihen, Blendereihen oder aber klassische Belichtungsreihen. Diese sind mit wahlweise drei, fünf oder sieben Belichtungen mit 1/3, 2/3 oder 1 EV Belichtungsabstand möglich. Eine HDR-Funktion scheint die Lumix hingegen auf den ersten Blick nicht zu bieten, auf den zweiten hingegen schon. Sie beherrscht als eine der ganze wenigen Kameras den HLG-Fotomodus. HLG steht für Hybrid-Log-Gamma und ist das HDR-Format moderner 4K-Fernseher. Mit diesem Modus aufgenommene HDR-Bilder lassen sich also direkt auf einem solchen Fernsehgerät als HDR-Bild wiedergeben.

Videoaufnahmen beherrscht die S1R maximal in 4K-Auflösung bei bis zu 60 Bildern pro Sekunde. Wer den dabei erfolgenden 1,09-fachen Crop mit dem entsprechenden Bildwinkelverlust nicht möchte, muss sich mit Full-HD begnügen, denn dann nutzt die S1R die komplette Sensorbreite und liest den gesamten Sensor aus. 4:2:0 8 bit kann die S1R direkt auf die Speicherkarte aufnehmen, über den HDMI-A-Anschluss sind sogar 4:2:2 in 8 bit möglich. Des Weiteren besteht in Full-HD-Auflösung keine Aufnahmedauer-Begrenzung, während 4K-Videos für maximal 15 Minuten am Stück aufgenommen werden können. Drei verschiedene Gammakurven erlauben eine Anpassung der Tonwerte, HLG für HDR-Videos gehört allerdings leider nicht dazu

Zwar können dank der Videoaufnahmetaste jederzeit Videoaufnahmen gestartet werden, um aber das volle Potential mit allen Einstellmöglichkeiten ausschöpfen zu können, sollte man das Programmwählrad auf den Videomodus stellen. Bei Videoaufnahmen ist, sofern nicht deaktiviert, stets der optische Bildstabilisator aktiv, der sich für eine noch bessere Effektivität um einen digitalen Stabilisator ergänzen lässt. Dank des Mikrofon-Eingangs ist es auch kein Problem, ordentlichen Stereoton aufzuzeichnen, falls einem die internen Mikrofone nicht reichen. Dank des Kopfhörerausgangs kann man diesen Ton auch vernünftig kontrollieren, denn dazu taugt der interne Lautsprecher definitiv nicht. Der Mikrofon-Eingang bietet wahlweise eine Phantomspeisung für aktive Mikrofone, lässt sich aber auch auf einen Line-In-Betrieb umschalten. Als Zubehör bietet Panasonic zudem einen XLR-Adapter (DMW-XLR1) für den Blitzschuh an.

  • Bild Das Stativgewinde ist bei der Panasonic Lumix DC-S1R mehr als weit genug weg vom Akkufach entfernt. Wer möchte, kann hier zudem einen Multifunktionsgriff mit Akku und Hochformatauslöser anschrauben. [Foto: MediaNord]

    Das Stativgewinde ist bei der Panasonic Lumix DC-S1R mehr als weit genug weg vom Akkufach entfernt. Wer möchte, kann hier zudem einen Multifunktionsgriff mit Akku und Hochformatauslöser anschrauben. [Foto: MediaNord]

Im Wiedergabemodus gibt es zwar keine großen Bildbearbeitungsmöglichkeiten wie etwa eine Rote-Augen-Retusche oder Filtereffekte, Raw-Aufnahmen (ausgenommen High-Resolution-Aufnahmen) lassen sich aber sehr wohl zu JPEG-Aufnahmen konvertieren, wobei einige Einstellungen angepasst werden können. Neben einer Schutzfunktion bietet die Panasonic zudem eine Bildbewertungsfunktion. Beim Löschen von Aufnahmen können nicht nur geschützte, sondern auch bewertete Fotos ausgenommen werden. Sehr verspielt für eine Kamera für ambitionierte Anwender und Profis ist die Diashow-Funktion, die mit Musik- und Überblendeffekten daherkommt wie bei einer Kompaktkamera.

Sehr leistungsfähig zeigen sich zudem die Drahtlosfunktionen. Das eingebaute WLAN funkt nicht nur auf 2,4, sondern auch auf 5 GHz. Das reduziert zwar die Reichweite, erhöht dafür aber den Datendurchsatz. Dabei verbindet sich die S1R nicht nur mit Smartphones und Tablets, sondern auch mit WLAN-Hot-Spots und daran angeschlossenen Rechnern, sodass man seine Bilder auch drahtlos sichern kann. Dank Bluetooth lässt sich zudem energiesparend eine dauerhafte Verbindung zum Smartphone herstellen, wobei die S1R die Standortdaten des Smartphones anzapft und direkt in die aufgenommenen Fotos speichert. Aber auch umfangreiche Fernsteuermöglichkeiten inklusive Livebildübertragung bietet die Smartphone-App. Selbstverständlich lässt sich die Lumix S1R aber auch per Kabel von einem PC aus fernsteuern.

Bildqualität

Die Panasonic Lumix DC-S1R ist mit einem 47 Megapixel auflösenden Kleinbildsensor ausgestattet, das ist aktuell bei spiegellosen Kleinbildkameras Rekord. Mit ISO 50 bis 51.200 bietet der Sensor zudem eine gute Empfindlichkeitsbandbreite. Beim S 24-105 mm F4 Makro OIS (S-R24105E) handelt es sich um ein Mittelklasseobjektiv mit durchgehender Lichtstärke von F4, das einen guten Standard-Brennweitenbereich vom Weitwinkel bis zu leichten Tele abdeckt und obendrein eine Makrofunktion bietet. Dem Objektiv selbst werden wir noch einen eigenen Testbericht widmen, genauso wie dem 70-200 mm F4 Telezoom und der 50 mm F1,4 lichtstarken Festbrennweite. Der ausführliche Labortest der S1R mit dem 24-105 mm, auf dem die folgenden Betrachtungen beruhen, kann über die weiterführenden Links gegen ein kleines Entgelt abgerufen werden, das auch diesen kostenlosen Test mitfinanziert.

  • Bild 47 Megapixel löst der Vollformatsensor der Panasonic Lumix S1R auf. 6 Blendenstufen längere Belichtungszeiten ermöglicht er dank der beweglichen Lagerung zur Bildstabilisierung. [Foto: MediaNord]

    47 Megapixel löst der Vollformatsensor der Panasonic Lumix S1R auf. 6 Blendenstufen längere Belichtungszeiten ermöglicht er dank der beweglichen Lagerung zur Bildstabilisierung. [Foto: MediaNord]

Die optischen Fehler des Objektivs fallen, auch dank der Korrektur seitens des Bildprozessors im getesteten JPEG-Format, sehr gering aus. Die Randabdunklung erreicht im Maximum lediglich rund eine halbe Blendenstufe und die Verzeichnung ist im Weitwinkel nur minimal tonnenförmig. Sie verschwindet beim Zoomen komplett. Auch die Farbsäume hat Panasonic insgesamt gut unter Kontrolle, sie liegen unter einem halben Pixel Breite. Selbst im Maximum spielen sie mit weniger als einem Pixel keine Rolle.

Bei der Auflösungsmessung bei 50 Prozent Kontrast zeigen sich hingegen erste Schwächen des Objektivs. Hierzu muss man vorwegschicken, dass die S1R Bilddaten sehr zurückhaltend aufbereitet, vor allem bei der Nachschärfung. Was gut für die Bildbearbeitung ist (hier könnte man eigentlich ohnehin besser das Raw-Format nehmen) ist schlecht für diejenigen, die die Bilder ohne Bearbeitung verwenden wollen. Auch die Auflösungsmessung ergibt aufgrund der nahezu fehlenden Kantenkontrastanhebung gerade bei 50 Prozent Kontrast geringere Messwerte. So ist es nicht verwunderlich, dass das Auflösungsmaximum lediglich bei 73 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) liegt. Das ist wenig für einen 47 Megapixel auflösenden Bildsensor, der sollte spielend die 80 lp/mm knacken können. Selbst die 36 Megapixel auflösende Sony Alpha 7R erreicht gemessen eine höhere Auflösung bei 50 Prozent Kontrast als die Lumix S1R.

Aber auch relativ gesehen schwächelt das Objektiv bei der Auflösung, vor allem am Bildrand und teilweise bei Offenblende. Im Weitwinkel ist die Bildauflösung bereits ab Offenblende mit knapp über 70 lp/mm im Bildzentrum gut, bei F5,6 wird das Maximum von 73 lp/mm erreicht. Zum Bildrand hin fällt die Auflösung aber um fast die Hälfte ab, hier sind es knapp unter 40 lp/mm bei Offenblende und nur 46 lp/mm im Maximum, das bei F8 erreicht wird. Beim Zoomen offenbart sich zusätzlich eine Offenblendschwäche. Bei 50 mm Brennweite beträgt die Auflösung etwas über 50 lp/mm im Bildzentrum, der Bildrand liegt mit unter 40 lp/mm deutlich darunter. Beim Abblenden auf F5,6 zieht die Zentrumsauflösung ordentlich an und erreicht mit 72 lp/mm ihr Maximum. Auch der Bildrand legt auf 43 lp/mm zu, erreicht aber erst bei F11 mit 45 lp/mm seine maximale Auflösung.

Beim weiteren Zoomen nimmt die Auflösung weiter ab. Zwar sind es im Bildzentrum bei Offenblende noch 55 lp/mm, am Bildrand aber nur noch 36 lp/mm. Immerhin zieht die Auflösung beim Abblenden noch etwas an. Das Maximum im Bildzentrum wird im Telebereich bei F8 mit immerhin fast 60 lp/mm erreicht, der Bildrand liegt dann bei 43 lp/mm, was ebenfalls sein Maximum ist. Interessanterweise schlägt sich dieses Exemplar des 24-105mm damit im Telebereich verhältnismäßig deutlich besser als unser an der S1 getestetes Exemplar.

  • Bild Speicherkarten und Akku werden bei der Panasonic Lumix DC-S1R separat voneinander entnommen. Die Klappen besitzen jeweils eine Sicherung mittels Hebels beziehungsweise Schiebers. [Foto: MediaNord]

    Speicherkarten und Akku werden bei der Panasonic Lumix DC-S1R separat voneinander entnommen. Die Klappen besitzen jeweils eine Sicherung mittels Hebels beziehungsweise Schiebers. [Foto: MediaNord]

Beim Signal-Rauschabstand kann die Lumix S1R nicht so stark wie die S1 punkten. Nur bei ISO 50 bewegt er sich im guten Bereich von über 40 dB. Bis ISO 1.600 bleibt er im akzeptablen Bereich von über 35 dB. Das stehts feinkörnige Rauschen wird ab ISO 6.400 als Helligkeitsrauschen sichtbar, oberhalb von ISO 12.800 zieht es sehr stark an und wird deutlich störend. Farbrauschen hingegen zeigt sich praktisch nur bei der höchsten Empfindlichkeit von ISO 51.200, aber auch nur leicht.

Die Rauschunterdrückung beginnt oberhalb von ISO 200 langsam, feine Details zu vernichten. ISO 1.600 und 3.200 sind noch ziemlich unkritisch, bei ISO 6.400 wird es allerdings schon grenzwertig. Je nach Qualitätsanspruch ist spätestens hier Schluss. Aufgrund der hohen Auflösung war das aber auch nicht anders zu erwarten. Immerhin macht der gute Bildstabilisator hier je nach Motiv einiges wett.

Die zurückhaltende Bildaufbereitung zeigt sich nicht nur in den geringen Schärfeartefakten, auch die Tonwertkurve verläuft nicht allzu stark angesteilt. Der Ausgangs-Tonwertumfang ist bis ISO 100 sehr gut mit über 224 der 256 möglichen Helligkeitsabstufungen. Bei ISO 1.600 wird die Grenze vom guten zum akzeptablen Bereich bei 160 Stufen erreicht, auch danach sinkt der Ausgangs-Tonwertumfang recht linear. Oberhalb von ISO 12.800 wird dieser inakzeptabel.

Bei der Eingangsdynamik kann die hochauflösende Panasonic S1R wieder punkten. Im Bereich von ISO 50 bis 6.400 erreicht sie teilweise fast elf, aber immer über zehn Blendenstufen und bietet damit eine gute Durchzeichnung von kontrastreichen Motiven, auch wenn die niedriger auflösende S1 hier durchgehend noch bessere Werte erreicht.

Überraschend neutral und nahezu identisch mit der S1 ist die Farbwiedergabe. Farben gibt die S1R sehr exakt wieder, selbst die maximalen Abweichungen bei einigen warmen Farbtönen sind gering und beziehen sich mehr auf die Sättigung als auf den Farbton an sich. Die tatsächliche Farbtiefe ist bei ISO 50 mit über acht Millionen Farbnuancen äußerst gut, bis ISO 3.200 differenziert die Panasonic noch über vier Millionen Farben, was sehr gut, aber doch etwas schlechter als bei der S1 ist.

Fazit

Wer eine große, schwere, dafür aber auch robuste und ergonomische sowie mit technischen Highlights vollgestopfte spiegellose Vollformat-Systemkamera sucht, die sich neben hochauflösenden Motiven auch gut für Videoaufnahmen eignet, ist bei der Panasonic Lumix DC-S1R genau richtig. Die Kamera ist nicht aalglatt und ohne Fehler, sie eckt hier und da etwas an und lässt manchmal noch etwas Luft nach oben, leistet sich jedoch keine groben Schnitzer. Der kontrastbasierte DFD-Autofokus spielt vor allem im Single-AF-Betrieb sowie beim Tracking von Motiven seine Stärken aus. Wenn es jedoch um schnelle Serienbildaufnahmen mit AF-C geht, ist die S1R nicht die erste Wahl. Die Ausstattung kann man als überkomplett bezeichnen. Die S1R bietet alles, was man im Fotoalltag braucht und darüber hinaus noch vieles nützliches mehr. Auch das Bedienkonzept ist in der Summe gut durchdacht, wobei man mit kleineren Händen allerdings angesichts des großen Gehäuses Probleme bekommen kann, alle Knöpfe bequem zu erreichen.

Auch bei der Videofunktion muss sich die Panasonic S1R nicht verstecken, auch wenn hier das Schwestermodell S1 im High-End-Bereich deutlich höheren Ansprüchen gerecht wird. Den Bildstabilisator kann man – egal ob nur der Sensor-Stabilisator arbeitet oder der Dual-IS im Objektiv und Gehäuse gleichzeitig – im Vollformatbereich als führend bezeichnen. Bei der Bildqualität wiederum gibt es Licht und Schatten. Panasonic bereitet die Bilder sehr zurückhaltend auf, was für eine vergleichbar geringe Auflösung sorgt. Dafür bekommt man aber sehr ehrliche, natürlich wirkende Bilder mit hoher Farbtreue sowie Tonwert- und Farbdifferenzierung. Auch der Dynamikumfang braucht sich nicht zu verstecken.

Passende Publikationen

digitalkamera.de-Bezahlinhalte (in Flatrate enthalten)

E-Books, Tests (Paid Content), Bücher & DVDs


Passende Meldungen zu diesem Thema

Artikel-Vorschläge der Redaktion

digitalkamera.de Kaufberatung Premium-Kompaktkameras erweitert

digitalkamera.de "Kaufberatung Premium-Kompaktkameras" erweitert

Zahlreiche Neuheiten haben die Anzahl der aktuell erhältlichen Premium-Kompaktkameras auf 43 Modelle anwachsen lassen. mehr…

Falkemedia DigitalPhoto Sonderheft-Bundle 2019

Falkemedia DigitalPhoto Sonderheft-Bundle 2019

Mit dieser E-Paper-Zusammenstellung erhält der Leser geballtes Wissen rund um die Foto- und Bildbearbeitungspraxis. mehr…

DigitalPhoto FotoBibel 2019 als PDF kostenlos auf digitalkamera.de

DigitalPhoto FotoBibel 2019 als PDF kostenlos auf digitalkamera.de

Das Sonderheft der DigitalPhoto-Redaktion ist Testkompendium und Einkaufsberater für Kameras, Objektive und Zubehör. mehr…

Testbericht: Parrot Anafi Kameradrohne

Testbericht: Parrot Anafi Kameradrohne

Die sehr leichte, zusammenfaltbare Drohne liefert Fotos als JPEG oder DNG und Videos in FullHD oder 4K. mehr…

Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Steckbrief

Steckbrief
HerstellerPanasonic
ModellLumix DC-S1R
SensorCMOS Kleinbild 36,0 x 24,0 mm (Cropfaktor 1,0)
50,4 Megapixel (physikalisch)
47,3 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch4,3 µm
Auflösung (max.)8.368 x 5.584 (3:2)
Video (max.)3.840 x 2.160 60p
ObjektivPanasonic S 24-105 mm F4 Makro OIS (S-R24105E) (Zoom-Objektiv)
VideosucherEVF, 100 % Bildfeldabdeckung, 5.760.000 Bildpunkte Auflösung, 0,78-fache Vergrößerung (Sensor-bezogen), 0,78-fache Vergrößerung (KB-Äquiv.), Dioptrienausgleich (-4,0 bis 2,0 dpt)
Monitor3,2" (8,1 cm)
  Auflösung2.100.000 Bildpunkte
  kippbarja
  drehbar
  schwenkbarja
  Touchscreenja
AV-AnschlussHDMI-Ausgang (Typ A)
Vollautomatikja
Motivautomatikja
Programmautomatikja
Programmshiftja
Blendenautomatikja
Zeitautomatikja
Manuellja
Bulb-Langzeitbelichtungja
HDR-Funktionja
Panoramafunktionnein
BelichtungsmessungMatrix/Mehrfeld-Messung (1.728 Felder), Mittenbetonte Integralmessung, Spotmessung
kürzeste Verschlusszeit1/8.000 s
Blitz
  Synchronzeit1/320 s
  BlitzanschlussBlitzschuh: Olympus/Panasonic (auch Leica-Kompaktkamera), Standard-Mittenkontakt
WLANja
NFC
GPSextern, dauerhafte Smartphone Verbindung
Fernauslöserja, Kabelauslöser, Fernsteuerung über Smartphone/Tablet
Intervallaufnahmeja
Speichermedium
XQD
  Slot 2
SD (SDHC, SDXC, UHS I, UHS II)
Empfindlichkeit
  automatischISO 100-25.600
  manuellISO 50-51.200
Weißabgleich
  automatischja
  manuelle Messungja
  Kelvin-Eingabeja
  Feinkorrekturja
Autofokusja
  Anzahl Messfelder225 Kontrastsensoren
  Geschwindigkeit0,14 s bis 0,18 s
  AF-HilfslichtLED
Abmessungen149 x 110 x 97 mm
Gewicht (betriebsbereit)1.018 g (nur Gehäuse)
1.694 g (mit Objektiv)
Stativgewindein optischer Achse
Zoom
  Zoomverstellungmanuell am Objektiv
Akkulaufzeit360 Aufnahmen (gem. CIPA-Standard)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

Kurzbewertung

  • Robust verarbeitetes Gehäuse mit ergonomischer Bedienung
  • Sehr effektiver Dual-Bildstabilisator
  • Äußerst hochauflösender elektronischer Sucher
  • Sehr gute Bildqualität bis ISO 200, gute bis ISO 3.200
  • Rasanter Autofokus
  • Nur mäßig hohe Auflösungswerte durch zurückhaltende Bildaufbereitung
  • Groß und schwer
  • Sucher trotz Verkleinerungseinstellung nur bedingt tauglich für Brillenträger