Spiegelreflexkamera, Systemkamera

Testbericht: Nikon D750

Seite 2 von 2, vom 2014-10-14 (Autor: Martin Vieten)Zur Seite 1 wechseln

Nikon hat die D750 mit einem integrierten Blitzlicht ausgestattet, das mit Leitzahl 12 einigermaßen potent ist. Um ein Portrait im Gegenlicht hervorzuheben oder eine dunkle Stube aufzuhellen, reicht der Bordblitz durchaus. Allerdings leuchtet er das Bildzentrum deutlich kräftiger aus als die Ränder. Man stattet die D750 also besser mit einem Aufsteckblitz aus – oder steuert diesen wireless mit dem Bordblitz als Master an. Dass auch die D750 von dem bei Nikon sehr ausgereiften Blitzsystem profitiert, versteht sich von selbst. Synchronisation auf den zweiten Vorhang ist ebenso wenig ein Problem wie die Kurzzeitsynchronisation (in Verbindung mit einem geeigneten Blitzgerät). Die kürzest mögliche Blitzsynchronzeit beträgt 1/200 Sekunde.

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Die Videofunktionen hat Nikon bei der D750 ebenfalls verbessert. So filmt sie in Full-HD-Auflösung mit bis zu 60 fps (1080p), die Blende lässt sich bei laufender Aufnahme öffnen oder schließen. Den Filmton kann man bei Bedarf manuell aussteuern, einen elektronischen Filter zur Reduzierung von Windgeräuschen sowie einen regelbaren Kopfhörerausgang hat die Nikon D750 ebenfalls an Bord. Den Fokus führt die D750 bei Filmaufnahmen auf Wunsch nach, schafft dies aber nur zögerlich und mit heftigem Pumpen. Alternativ fordert man die Schärfenachführung mit halbgedrücktem Auslöser an. In ruhiger Umgebung gibt das Objektiv AF-S Nikkor 24-120mm 1:4G ED VR deutliche Schabgeräusche von sich, die unüberhörbar auf der Tonspur festgehalten werden.

Wie bei Nikon üblich ist auch die D750 reichhaltig mit Bildbearbeitungsfunktionen im Wiedergabemodus ausgestattet. Fotos lassen sich nicht nur zuschneiden oder drehen, auf Wunsch korrigiert die D750 auch rotgeblitzte Augen, behebt Verzeichnungen und erlaubt es, Raw-Dateien direkt in der Kamera zu entwickeln. Die Bildbearbeitung speichert geänderte Aufnahmen als neue Datei, sodass das Original stets erhalten bleibt. Ebenfalls neu bei der D750: Nikon hat ihr ein integriertes WiFi-Modul spendiert, über das sich die Kamera mit einem Smartphone oder Tablet verbinden kann. So reicht die kostenlose App „Wireless Mobile Utility“, um Aufnahmen aufs Mobilgerät zu übertragen oder die Kamera fernzusteuern. Auf einen GPS-Empfänger verzichtet die D750, sie kann indes Positionsdaten über ein verbundenes Mobilgerät beziehen.

Objektiv Die Nikon D750 wird einzeln oder als Set in zwei Varianten angeboten. Im Test hatten wir die Kamera mit dem AF-S Nikkor 24-120mm 1:4G ED VR. Das Fünffachzoom deckt einen sehr praxistauglichen Brennweitenbereich ab und ist für ein Set-Objektiv recht lichtstark. Beim Zoomen fährt es seinen Kunststofftubus ordentlich weit aus, doch trotz der eher preisoptimierten Bauweise wackelt oder klappert nichts. Nicht gespart haben die Entwickler beim Bajonett, es besteht aus Metall. Schön auch, dass Nikon das Objektiv mit einer Entfernungsskala versehen hat – das ist heute längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Das nicht ganz so robuste Äußere soll nicht über die inneren Werte des Zoomobjektivs hinwegtäuschen. Es ist durchaus aufwändig konstruiert mit neun abgerundeten Blendenlamellen für ein weiches Bokeh. Der optische Aufbau besteht aus 17 Linsen in 13 Gruppen, ein Teil davon mit einer Nanokristallvergütung. Die Naheinstellgrenze liegt über den gesamten Brennweitenbereich hinweg bei 0,45 Meter, daraus resultiert ein maximaler Abbildungsmaßstab von 1:4,2.

  • Bild Info-Bildschirm der Nikon D750. [Foto: Martin Vieten]

    Info-Bildschirm der Nikon D750. [Foto: Martin Vieten]

  • Bild Wasserwaage im Live-View der Nikon D750. [Foto: Martin Vieten]

    Wasserwaage im Live-View der Nikon D750. [Foto: Martin Vieten]

  • Bild Intervallaufnahmefunktion im Menü der Nikon D750. [Foto: Martin Vieten]

    Intervallaufnahmefunktion im Menü der Nikon D750. [Foto: Martin Vieten]

  • Bild Bildbearbeitung mit Active-D-Lighting bei der Nikon D750. [Foto: Martin Vieten]

    Bildbearbeitung mit Active-D-Lighting bei der Nikon D750. [Foto: Martin Vieten]

Nicht gespart hat Nikon am Autofokussystem der D750. Die Kamera übernimmt das AF-Modul der D810, das nochmals überarbeitet wurde. Das Modul Multi-CAM 3500 II weist 51 Fokuspunkte auf, 15 davon sind als besonders empfindliche Kreuzsensoren ausgeführt. Die Version II des AF-Moduls funktioniert bis zu einem Lichtwert von -3 EV. Unter idealen Bedingungen fokussiert die D750 je nach Brennweite innerhalb von 0,34 bis 0,43 Sekunden von unendlich auf zwei Meter Entfernung. Das ist zwar keine Spitzenleistung, in der Praxis wirkt der AF jedoch keineswegs lahm. Allerdings benötigt die D750 deutlich länger zum Scharfstellen, wenn das Licht schwindet.

Bildqualität Der Bildwandler der Nikon D750 löst auf der Fläche eines Kleinbildnegativs 24 Megapixel auf. Damit lassen sich Fotos im Format 50 x 33 Zentimeter bei 300 dpi Druckauflösung wiedergeben – das sollte für die allermeisten Aufgaben mehr als ausreichend sein. Zudem verspricht die Beschränkung auf 24 Megapixel rauscharme Aufnahmen auch bei hohen ISO-Werten sowie eine gute Eingangsdynamik. Die Nikon D750 bringt also beste Voraussetzungen mit, um im Testlabor von digitalkamera.de aber auch in der Praxis zu bestehen. Wie immer kann das ausführliche und verständlich erläuterte Testprotokoll gegen ein kleines Entgelt eingesehen und als PDF-Dokument auf den eigenen Rechner heruntergeladen werden (siehe weiterführende Links am Ende dieses Beitrags).

Gemessen haben wir die Bildqualität der D750 in Verbindung mit dem Set-Zoom AF-S 24-120 mm 4 G ED VR. Das gibt eine ordentliche Figur ab, reizt aber das Potential der Kamera nicht ganz aus. Mit rund 52 Linienpaaren pro Millimeter löst das Zoom bei 50 Millimeter Brennweite und F11 am höchsten auf. Das ist zwar ein ordentlicher Wert, aber bei 24 Megapixel Sensorauflösung ist durchaus noch Luft nach oben. Zugute halten muss man dem Zoom allerdings, dass sich insbesondere am kurzen Weitwinkelende der Auflösungsverlust zu den Bildrändern hin in Grenzen hält. Am langen Teleende nimmt die Auflösung in den Bildecken dagegen mit rund 30 Prozent deutlich stärker ab, dürfte aber bei den meisten Motiven unkritisch sein. Kritisch ist dagegen die hohe Verzeichnung des Objektivs mit vier Prozent Tonnenform im Weitwinkelbereich und 2,5 Prozent Kissenform am Teleende. Die Nikon D750 ist jedoch mit einer digitalen Verzeichungskorrektur ausgestattet, die dieses Problem auf Wunsch beheben kann. Farbsäume an Kontrastkanten sind weniger ein Problem, lediglich bei 24 Millimeter Brennweite können chromatische Aberrationen in den Bildecken störend wirken. Weniger schön ist dagegen, dass das Objektiv etwas stark vignettiert, besonders im Weitwinkelbereich kann die Randabdunklung sichtbar werden. Doch auch dieses Problem kann die D750 bereits bei der Aufnahme elektronisch beheben. Unterm Strich geht die Leistung des Set-Objektivs völlig in Ordnung, das AF-S 24-120 mm 4 G ED VR ist ein gutes und recht lichtstarkes Standardzoom, das ruhigen Gewissens empfohlen werden kann.

Der Signal-Rauschabstand bereitet auf den ersten Blick Anlass zur Sorge. Bereits bei ISO 3.200 sinkt er unter die kritische Marke von 35 dB, die D750 rauscht also stärker als man es vielleicht erwarten würde. Das liegt aber vor allem an der Rauschunterdrückung, die Nikon sehr zurückhaltend abgestimmt hat. Und so bleibt die Detailwiedergabe bis hinauf zu ISO 6.400 im grünen Bereich. Nikon lässt mit zunehmender ISO-Empfindlichkeit lieber etwas mehr Korn zu und bewahrt so eine hohe Texturschärfe. Das verleiht Aufnahmen bei höheren ISO-Werten eine analoge Note, im Druck stört das sanfte Rauschen sowieso nicht. Ab ISO 12.800 nimmt die Texturschärfe jedoch rapide ab, die Aufnahmen wirken flau und detailarm. Erfreulich ist dagegen, dass Nikon das besonders lästige Farbrauschen bis ISO 25.600 gut im Griff hat.

Die Eingangsdynamik beträgt bis ISO 6.400 zehn EV und mehr – ein gutes Ergebnis. Bei noch höherer Empfindlichkeit sinkt sie dann aber mit jeder ISO-Stufe um einen ganzen Lichtwert, ab ISO 25.600 ist die Dynamik sichtbar eingeschränkt. Bei der Ausgangsdynamik macht die D750 leider keine ganz so gute Figur. Bereits bei ISO 200 nimmt ihre Fähigkeit ab, Helligkeit- und Farbwerte sauber zu differenzieren. Wenn es darauf ankommt, sollte man der Kamera keine höhere Empfindlichkeit als ISO 1.600 zumuten, bei etwas eingeschränkten Qualitätsansprüchen können sich aber auch Aufnahmen mit ISO 6.400 noch sehen lassen.

Farbwiedergabe und Kontrastaufbereitung hat Nikon bei der D750 eher Konsumer-freundlich abgestimmt: Die Farben leuchten kräftig, Kontraste werden etwas knackig wiedergegeben. Das liefert gut für die Druckausgabe abgestimmte Bilder, für die nachträgliche Bildbearbeitung ist eine zurückhaltendere Aufbereitung dagegen besser geeignet. Wer darauf Wert legt, kann die Aufbereitung der Bilddaten durch die Kamera aber jederzeit nach seinen Wünschen anpassen – oder zeichnet gleich im Raw-Format auf. Ausgesprochen genau arbeitet übrigens der Weißabgleich, die Farbtreue dürfte jedoch gerne noch etwas höher sein. Unterm Strich liefert die Nikon D750 eine sehr gute Bildqualität ab, die bis ISO 3.200 kaum Wünsche offen lässt und auch bei ISO 6.400 noch für vielfache Motive ausreichen dürfte.

Fazit Die D750 dürfte die Kleinbildkamera sein, die sich viele Nikon-Fotografen schon immer gewünscht haben. In vielen Bereichen sticht sie sogar die deutlich kostspieligere D810 aus: Endlich bringt Nikon einen Klappbildschirm auch in der Vollformat-Klasse, das Autofokusmodul arbeitet selbst bei schlechtem Licht noch zuverlässig (aber langsam), außerdem hat die D750 Wi-Fi an Bord. Wer auf die 36 Megapixel und 1/8.000 Sekunde Belichtungszeit der D810 verzichten kann, findet in der D750 eine überaus attraktive Alternative und spart dabei noch eine Stange Geld. Dafür bekommt er dann eine Kamera, die trotz ihres hohen Gewichts gut in der Hand liegt. Das klassische DSLR-Konzept der D750 bietet einen hervorragenden optischen Sucher, im Live-View-Betrieb nervt sie Prinzip bedingt jedoch mit einem sehr langsamen Autofokus. Das macht sich auch bei Video-Aufnahmen bemerkbar, bei denen die D750 den Fokus nur zögerlich und unter heftigem Pumpen nachführen kann. Dafür besticht die Kamera mit einer hervorragenden Bildqualität, selbst mit dem Set-Objektiv AF-S 24-120 mm 4 G ED VR, das abgesehen von einer etwas geringen Auflösung kaum Schwächen zeigt.

Kommentare

20 Kommentare aus dem alten Forum anzeigen

Klaritt 2014-10-14

Eigentlich ganz guter Test, bis auf die Auswahl des Objektivs. Das ist schade. Warum wurde das Kit-Objektiv genommen und nicht z. B. das AF-S NIKKOR 58 mm 1:1,4G. Hier sollte doch das Potenzial der Kamera getestet werden und das 24-120 holt aus der Kamera sicher nicht alles heraus, was sie zu bieten hat.

Benjamin Kirchheim 2014-10-14

Unsere Tests erfolgen stets mit einem typischen bzw. Kit-Objektiv, weil das genau die Bildqualität wiederspiegelt, die die meisten Käufer auch erwerben. Dass dabei nun ein Test ausgerechnet mit dem enttäuschenden 58 mm 1,4G gefordert wird, überrascht mich. Das Objektiv hat eine ausgesprochene Offenblendschwäche und wird erst ab F2,8 gut – allerdings nur im Zentrum. Am Bildrand erreicht die Auflösung lediglich 40 % der Auflösung im Zentrum, das wäre selbst für ein Zoomobjektiv miserabel. Sogar die tonnenförmige Verzeichnung von 1,5 % ist für eine Normalbrennweite indiskutabel. Der Labortest des 58 mm erfolgte übrigens an der D610 und kann hier gegen kleine Gebühr eingesehen werden: http://www.digitalkamera.de/Labortest/Test.aspx?ContentId=10320

Klaritt 2014-10-14

Sorry, meinte natürlich das 35mm! Aber die Argumentation verstehe ich schon. Hätte mich in Verbindung mit der Kamera einfach mal interessiert.

Benjamin Kirchheim 2014-10-14

Objektive testen wir aktuell anhand der höher auflösenden D800E. Da macht das 35er aber tatsächlich eine sehr ordentliche Figur.

FrankHGW 2014-10-14

Hallo,

Ich hätte einen Frage zu der (nicht so guten) Ausgangsdynamik der D750.

Wie schneiden da andere Modelle, wie die Nikon D610, D810 oder Canon 6D, 5D3 ab ?

Könnte das Seiten Nikons mit einem Firmware Update verbessert werden ?

 

Wurde bei der D750 auch die interne HDR Generierung getestet ?

Angeblich sollen die Nikon DSLR's im Vergleich mit Canon kein internes "echtes" HDR können - stimmt das ?

 

Danke und Gruß,

Frank 

 

 

 

 

 

Benjamin Kirchheim 2014-10-15

[quote user="FrankHGW"]

Ich hätte einen Frage zu der (nicht so guten) Ausgangsdynamik der D750.

Wie schneiden da andere Modelle, wie die Nikon D610, D810 oder Canon 6D, 5D3 ab ?

Das steht in den entsprechenden Labortests und ggf. in den Einzeltests der Kameras.

[quote user="FrankHGW"]Könnte das Seiten Nikons mit einem Firmware Update verbessert werden ?

Wenn Nikon wollte, dann könnten sie das tun. Oder man nimmt Raw und macht das selber.

 

Klaritt 2014-10-15

Habe die Labortests gesehen. die Nikon D610 zumindest hat eine sehr viel bessere Ausgangsdynamik.

Klaritt 2014-10-17

mal ganz unabhängig von der Ausgangsdynamik: Auf www.dpreview.com/.../16 (es kann natürlich auch eine andere, bereits getestete Kamera als Ausgangspunkt gewählt werden, ich habe mich für die Sony entschieden), kann man die Ergebnisse im Vergleich sehen. Ich habe z. B. einmal die Nikon D750 gegen die D610, aber auch gegen die Sony Alpha 7R in Raw und ISO 25600 verglichen. Die Ergebnisse sind beeindruckend.Kommentar zum besten Output ist m. E. überflüssig.

Klaritt 2014-11-18

dpreview hat offensichtlich die Vergleichsbilder von ihrem studio comparison tool wieder zurückgezogen zu haben, ohne Begründung wie mir scheint. Möglicherweise liegt es daran, dass die Raw-Daten von deren Verarbeitungsprogramm noch nicht unterstützt werden.So ist es ja momentan auch in Lightroom.Die DNG-Daten sind vielleicht nicht perfekt. Aber BTW, wie macht Digitalkamera.de eigentlich ihre Tests in Bezug auf Bildqualität. Wie mir scheint, werden hier statt Raw die jpeg-Daten ausgewertet, zumindest die o. g. Aussage "...Das liegt aber vor allem an der Rauschunterdrückung..." verblüfft mich.

Benjamin Kirchheim 2014-11-18

Ja, die Labortests basieren auf der kamerainternen Bildaufbereitung und dem JPEG-Format als gemeinsame Basis aller Kameras und ohne Einfluss von irgendwelchen Raw-Entwicklungsprogrammen.

Klaritt 2014-11-19

das ist nett ausgedrückt ("ohne Einfluss von irgendwelchen Raw-Entwicklungsprogrammen."), aber sehr schade. Denn nur die Raw-Daten zeigen, was für ein Potenzial in einer Kamera steckt.

Benjamin Kirchheim 2014-11-19

Wir testen eben, was hinten bei der Kamera rauskommt. Wie sollte man auch ein Potential, das in einem Raw steckt, definieren? Bei Kamera A ist Konverter C besser als D, bei Kamera B ist aber der Konverter D besser als C und überhaupt, kommt bestimmt einer um die Ecke, der meint, noch bessere Einstellungen zu haben. Und was sind überhaupt die besten Einstellungen? Die mit dem größten Dynamikumfang? Die mit der höchsten Auflösung? Die mit dem geringsten Rauschen? Die mit den neutralsten Farben? Alles zusammen wird man schlecht in einer Einstellung vereinen können. Soll man für jeden Messwert die jeweils besten Einstellungen verwenden und mit verschiedenen Einstellungen messen? Dann hätte man verschiedene Potentiale, aber was soll das bringen und wer soll den riesen Aufwand bezahlen? Letztlich würde man ja die Leistung aus Objektiv, Kamerasensor, Kamerabildvorbereitung, Raw-Konverter-Aufbereitung und Raw-Konverter-Einstellungen testen. Wir bieten übrigens (zugegebenermaßen etwas versteckt und nur für Kameras mit Dateigrößen unter 30 MByte) zu jeder getesteten Kamera aktuell noch kostenlose Beispieldateien in Raw und JPEG an. Da kann dann jeder mit seinem Raw-Konverter rumspielen und vergleichen.

Klaritt 2014-11-19

Na ja, so schwer kann ich mir das Problem mit den Raw-Dateien nicht vorstellen. Was hinten bei meiner Kamera rauskommt, ist Raw. Und wer am Markt führend ist, was die Be- und Verarbeitung von Raw-Dateien betrifft, das wissen wir ja. Jpeg als Basis für Labortests halte ich für nicht sehr professionell, tut mir leid.

Benjamin Kirchheim 2014-11-19

[quote user="Klaritt"]

Denn nur die Raw-Daten zeigen, was für ein Potenzial in einer Kamera steckt.

[quote user="Klaritt"]Und wer am Markt führend ist, was die Be- und Verarbeitung von Raw-Dateien betrifft, das wissen wir ja.

Also geht es doch nicht wirklich um das Potential, was in einer Kamera steckt, sondern um das, was der marktführende Raw-Konverter daraus macht. In was? Standardeinstellungen?

Dieser Test der D750 wäre dann übrigens mindestens sechs, eher acht Wochen später erschienen, als er es ist, denn der Marktführer unterstützt das entsprechende Raw-Format erst jetzt.

auchkeineahnung 2014-11-20

[quote user="Klaritt"]Jpeg als Basis für Labortests halte ich für nicht sehr professionell, tut mir leid.
So mancher wird sich Ähnliches über Deinen Kommentar denken.

Aber ich sehe das Thema RAW-Labortest schon allein aus Relevanzgründen als unsinnig an. Selbst bei einer D750 werden die allerallermeisten Fotos als JPEG geschossen und wenn man alle Kameras betrachtet wird RAW nur einen verschwindend kleinen Anteil haben.

Und wenn du mir jetzt erzählst, dass du nach einem Fotowochenende jedes einzelne (nicht aussortierte) Bild einzeln in RAW entwickelst, um das Beste herauszuholen, dann wäre ich wirklich erstaunt. 

Ich habe auch den Marktführer installiert und merke, dass Standardeinstellungen keine bessere Ergebnisse liefern als der kamerainterne RAW-Konverter, der mir den Datensalat gleich in JPEGs ausgibt.  Jedes einzelne Bild zu entwickeln, habe ich einfach keine Zeit für. Ich bin schon froh, wenn ich es schaffe, die Unwichtigen / Schlechten auszusortieren, den Rest zu taggen, zu beschneiden und auszurichten. 

Klaritt 2014-11-20

Die Aussage "So mancher wird sich Ähnliches über Deinen Kommentar denken"gebe ich gerne an Dich zurück und dazu noch "nomen est omen".

Klaritt 2014-12-03

ich wollte Sie nicht beleidigen, @auchkeineahnung. Aber eine solche Kamera mit einem so riesigen Dynamikumfang (einer der besten überhaupt) nur für jpeg-Fotografie zu verwenden, das ist wie Perlen vor die Säue. Es ist ja nicht so, dass wirklich jedes Bild nachbearbeitet werden muss, mit geeigneten Einstellungen kann man die Bilder ohne Nachbearbeitung belassen. Warum Nachbearbeitung der Raw-Bilder? Das liegt daran, dass eine Kamera nicht in der Lage sein wird, bei großen Kontrastunterschieden (z. B. Gegenlicht und dunkle Gasse oder bei dunklem Innenraum nach draußen fotografieren) die dunklen und die hellen Bildteile richtig zu belichten. Unsere Augen können das aber, d. h. Sie sehen die Konturen im dunklen Innenraum  und gleichzeitig die Konturen der hellen Landschaft durch das Fenster. Und da kommt eben die Dynamik der Kamera entgegen, Sie belichten dunkle und helle Bildteile getrenn nach und das macht ein Bild erst perfekt. Bei jpeg ist das Bild sozusagen in Stein gemeißelt, nicht jedoch bei Raw.

Touri 2014-12-04

[quote user="Klaritt"]Sie belichten dunkle und helle Bildteile getrenn nach und das macht ein Bild erst perfekt.

Das machen die JPEG-Engines der Kameras auch nur nicht immer Vollautomatisch. Bei Nikon nennt sich das Active D-Lighting.
Will man das nachträglich machen oder versuchen besser hinzubekommen braucht man die RAW-Daten.
Man kann aber auch in einigen Fällen "trixen". Z.B. die Belichtung auf die Fenster und den Raum mit Blitzlicht aufhellen.
Andererseits kann ein harter Kontrast auch Stilmittel sein...

Christian

Harm Gronewold 2014-12-05

[quote user="Klaritt"]Bei jpeg ist das Bild sozusagen in Stein gemeißelt, nicht jedoch bei Raw.

Ich möchte mich hier einmal kurz einklinken!

Als DxO Optics 9 mit der neuen Entrauschungstechnologie "Prime" vorgestellt wurde gab es eine wirklich eindrucksvolle Präsentation von DxO zu sehen. Diese stellte die verschiedenen Optics Pro "Entrauscher"-Generationen vor. Als Beispiel nahm man ein RAW der Nikon D70. Man hätte nun annehmen können, dass das Bild nicht über eine maximale Verbesserung hinaus gehen könnte. Doch genau das Gegenteil war der Fall. Die Ergebnisse wurden mit jeder Softwareversion besser. Daraus lernt man, dass Ergebnisse aus RAW direkt von der verwendeten Software abhängen. Um es "perfekt" zu machen nun jeden RAW Konverter nutzen, um für jeden das Potential der Kamera zu bestimmen. Doch dann nimmt man sicher nicht die Standard-Einstellungen, sondern "bastelt" solange am Ergebnis, bis wirklich das letzte bisschen Potential ausgeschöpft ist. Doch was, wenn ein Anwender das Bild ganz anders wahrnimmt und somit anders bearbeiten würde? Dann testet man das Potential bei allen möglichen Einstellungen?

Auch müssten alle Tests bei einer Software Neuauflage wiederholt werden. Das ist etwas über das Ziel hinausgeschossen :-)

Beste Grüße

Klaritt 2014-12-23

es gibt meinerseits keine Bestrebung, ein Potenzial vollständig auszuschöpfen. Ich sehe nur die Möglischkeiten, welche durch die moderne Kameratechnik über das Produzieren eines eingefrorenen JPEG-Bildes hinausgehen. Es bleibt natürlich jedem selber überlassen, was für ihn eine Verbesserung ist und was nicht. Zumindest ansatzweise erwarte ich von einem Testbericht die Erwähnung der Kräfte, die in der Sensortechnik und den technischen Eigenschaften einer Kamera liegen. Ich konnte das z. B. auf dieser Seite aufschlussreich dargestellt betrachten:

www.dpreview.com/.../11

Sehen Sie die Bilder vom Flieger und der Tänzerin als Beispiel. Wie weit das jemand ausnutzt, bleibt jedem selbst überlassen, aber es sollte erwähnt werden.

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Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 99 %
Ausstattung 12,5 % 100 %
Handhabung 12,5 % 92 %
Geschwindigkeit 12,5 % 91 %
Bildqualität 50,0 % 95 %
Gesamtnote 96 %

Steckbrief

Steckbrief
Hersteller Nikon
Modell D750
Preis ca. 2.800 EUR*
Sensor Auflösung 24,9 Megapixel
Max. Bildauflösung 6.016 x 4.016
(Seitenverhältnis) (3:2)
Objektiv AF-S Nikkor 24-120 mm 1:4 ED VR
Filtergewinde 77 mm
Sucher Pentaprisma-SLR
  Sichtfeld 100 %
  Vergrößerung 0,7-fach
  Dioptrienausgleich -3 bis +1 dpt.
LCD-Monitor 3,2"
  Auflösung 1.229.000
  drehbar
  schwenkbar ja
  als Sucher ja
Videoausgang AV und HDMI (je PAL/NTSC)
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
ja
Motivprogramme  
  Porträt ja
  Kinder/Baby ja
  Landschaft ja
  Makro ja
  Sport/Action ja
  weitere 11
Belichtungsmessung    Mehrfeld, mittenbetont Integral, Lichterbetont, Spot
Blitz ja
  Leitzahl 12 (eigene Messung)
  Blitzanschluss Systemblitzschuh (ISO)
Fernauslöser Kabel
Intervallaufnahme ja
Speichermedium 2x SD/SDHC/SDXC
Videomodus  
  Format MOV
  Codec H.264/AVC
  Auflösung (max.) 1.920 x 1.080
  bei Bildfrequenz 60p
Empfindlichkeit  
  automatisch ISO 200-51.200 (Obergrenze einstellbar)
  erweitert
  manuell ISO 50-51.200
Weißabgleich  
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja
  Glühlampe ja
  Sonstiges Schatten, Blitz, manuelle Farbtemperaturwahl
  Manuell ja
Autofokus  
  Anzahl
  Messfelder
51
  AF-Hilfslicht weiß
  Geschwindigkeit ca. 0,3-0,4 s
Sprachen Deutsch
  weitere 35
Einschaltzeit < 0,2 s
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
Gewicht
(Betriebsbereit)
ca. 840 g (nur Gehäuse)
ca. 1.550 g (mit Objektiv*)
Serienbildfunktion**  
  Serienbildanzahl 44 (JPEG)
12 (RAW)
  Frequenz
    (Bilder/s)
6,6 (JPEG)
7,1 (RAW)
  Dauerlauf
    (Bilder/s)
1,5 (JPEG)
0,9 (RAW)
  mit Blitz
Zoom  
  Zoomverstellung am Objektiv
  Zoomstufen stufenlos
  Zeit WW bis Tele
Speicher-
geschwindigkeiten**
 
  JPEG 1,9 s (16,3 MByte)
  RAW 2,9 s (37,4 MByte)
Auslösung während
d. Speicherns mögl.
ja
Akkulaufzeit
ca. 1.230 Bilder (gemäß CIPA)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
* mit Objektiv AF-S Nikkor 24-120 mm 1:4 ED VR
** mit Speicherkarte Panasonic 4 GByte SDHC Class 10

DXOMARK Logo

Die Bildqualität in unseren Tests ermitteln wir seit 2011 mit DXOMARK Analyzer.

Kurzbewertung

  • Display klappbar
  • WiFi integriert
  • Sehr gute Bildqualität
  • Ausstattung auf Profi-Niveau
  • Im Live-View (und bei Video) ausgesprochen langsamer Autofokus
  • Motivprogramme mit eingeschränkten Einflussmöglichkeiten
  • Etwas hohes Gewicht (aber sehr robust)
  • Menü durch lange Scrolllisten ein wenig unübersichtlich