Kompaktkamera

Testbericht: Kodak DC265

1999-07-14 Als Nachfolgerin der DC260 ist seit April die Kodak DC265 auf dem Markt, die wir jetzt einem ausgiebigen Praxis-Test unterzogen haben, in dem wir die Kamera mit externen Blitzgeräten betrieben haben und auch den neuen Objektivvorsatz ausprobiert haben.  (Jan-Markus Rupprecht)

Kodak DC265 FrontansichtDie DC265 ist das Nachfolgemodell der erfolgreichen Kodak DC260, die im Sommer 1998 auf den Markt kam. Die DC260 schob damals mit ihrem neuen 1,68-Millionen-Pixel-CCD den Auflösungs-Spitzenwert unter den bezahlbaren Digitalkameras ein Stück nach oben und zeigte sich auch sonst innovativ: Als erste Digitalkamera überhaupt verfügte sie (gemeinsam mit dem kleineren Schwestermodell DC220) über den zeitgemäßen USB-Anschluß. Damals gingen wir davon aus, daß eine Anschlußmöglichkeit an den Universal Serial Bus zur Standardausstattung aller neuen Digitalkameras gehören würde – aber weit gefehlt! Selbst heute sind neu vorgestellte Kameras mit USB-Anschluß, die den Benutzer mit einer immerhin rund zehnmal schnelleren Datenübertragungsgeschwindigkeit zum PC erfreuen, eher die Ausnahme und keinesfalls die Regel. Und dies, obwohl Apple mit den neuen iMac- und G3-Rechnern einen recht radikalen Vorstoß in Richtung USB gewagt hat, denn diese Rechner besitzen überhaupt keine seriellen Schnittstellen mehr. Benutzer der neuen Apple-Generation, die nicht zur Bilddaten-Übertragung auf ein externes Kartenlesegerät zurückgreifen möchten, sind also auf Digitalkameras mit USB-Anschluß, wie die DC265, angewiesen.

Seltenheitswert: USB-Schnittstelle

Die DC265 verfügt über das Multitasking-Betriebssystem Digita der Firma FlashPoint Technology. Damit können im Einzelbild-Modus beispielsweise die Einstellungen für das nächste Bild schon durchgeführt werden, noch während die Kamera das vorherige speichert. Der große Pufferspeicher ermöglicht bis zu 6 Serienbilder in voller Auflösung mit einer Geschwindigkeit von 3 Bildern pro Sekunde. Diese müssen anschließend vollständig auf die CompactFlash-Speicherkarte geschrieben werden, bevor die Kamera wieder schußbereit ist.

Kodak DC265 Detail LC-Display    
Kodak DC265 Detail Vorsatzlinsenadapter mit Hama-Nahlinsen

Das Betriebssystem bietet die ungewöhnliche Möglichkeit, vorgefertigte oder selbstgeschriebene Scripts zu verwenden, also kleine Programme zur Steuerung der Kamera. So können Arbeitsabläufe vereinheitlicht werden, indem bestimmte Kameraeinstellungen per Script automatisch durchgeführt werden und der Benutzer anschließend per LCD-Monitor aufgefordert wird, eine bestimmte Aufnahme zu machen. Sinnvoll einsetzbar sind solche Funktionen beispielsweise bei der Dokumentation von Transportschäden in einer Warenannahme. Die Kamera könnte für einen neuen Vorgang den Benutzer zunächst auffordern die Korrektheit von Systemdatum und Uhrzeit der Kamera zu bestätigen und einen kennzeichnenden Namen einzugeben, unter dem das Script dann automatisch einen entsprechenden Ordner auf der Speicherkarte anlegt. Danach würde der Benutzer aufgefordert Lieferschein und Paketaufkleber zu fotografieren, dann das beschädigte Paket im Ganzen und zum Schluß die beschädigte Stelle im Detail. Mit einer entsprechenden Anbindung an die firmeninterne EDV könnte die Speicherkarte anschließend ausgelesen und die Bilder automatisch zugeordnet werden. Durch die Tonaufzeichnungsmöglichkeit der Kamera kann das Verfahren sogar mit gesprochenen Kommentaren ergänzt werden. Einige Beispielscripts sind bereits auf der mit der Kamera gelieferten Speicherkarte enthalten. Weitere können von der Website des Betriebssystem-Herstellers geladen werden. Diesem Thema werden wir im Januar 2000 einen separaten Schwerpunktartikel widmen.

Flexibles Betriebssystem: Anpaßbar durch Script-Sprache

Besonders für berufliche Anwendungen interessant erscheint die Möglichkeit der DC265, das Aufnahmedatum und die Uhrzeit, sowie einen kurzen Text oder ein Logo bereits bei der Aufnahme fest mit in das Bild einzufügen. Timer-gesteuerte Intervallaufnahmen ermöglichen automatische Aufnahmesequenzen, bei denen die Kamera in wählbaren Abständen zwischen einer Minute und 24 Stunden selbsttätig Bilder macht. Hierzu sollte die Kamera zweckmäßigerweise am optional erhältlichen Netzteil betrieben werden, damit der Kamera nicht zwischendurch der "Saft" ausgeht.

Der Autofokus der DC265 ist in der Meßcharakteristik umschaltbar und arbeitet dank rotem Hilfslicht auch bei unzureichendem Umgebungslicht zuverlässig. Über das Menü kann der Benutzer den Autofokus abschalten und manuell neun verschiedene Schärfepositionen zwischen 50 cm und unendlich anwählen. Dies ist beispielsweise erforderlich, wenn man Vorsatzlinsen oder -objektive mit Hilfe des als Zubehör erhältlichen Vorsatzlinsen-Adapters an der DC265 betreibt. Da der Autofokus über externe Sensoren und nicht durch das Objektiv mißt, kann er nicht auf den durch das optische Zubehör veränderten Schärfebereich oder die andere Brennweite reagieren und stellt die Schärfe des Objektivs so ein, als ob gar keine Vorsatzlinse montiert wäre. Das Ergebnis ist dann oft ein unscharfes Bild. Hier hilft nur die Umschaltung auf manuellen Fokus, wobei die einzustellenden Entfernungen von den tatsächlichen Entfernungen abweichen und experimentell ermittelt werden müssen. Wir haben auf diese Weise gute Ergebnisse in Verbindung mit einem Hama-Nahlinsen-Set mit 37 mm Anschlußdurchmesser (Fokus manuell auf 50 cm eingestellt) sowie einem Hama-Telekonverter (Fokus auf "unendlich" für weit entfernte Motive) erzielt.

Neue Möglichkeit: Vorsatzobjektive über Adapter verwendbar

Kodak DC265 mit Blitzgerät Metz 40MZ-1i auf Kaiser-BlitzschieneDer Stativbetrieb mit der DC265 gestaltet sich sehr komfortabel, denn dabei bleiben alle Anschlüsse sowie der Schacht für die CompactFlash-Karte und selbst das Batteriefach zugänglich, ohne daß die Kamera vom Stativ oder ihrer Schnellkupplungsplatte abgeschraubt werden müßte. Zum Auslösen eines externen Blitzgerätes besitzt die Kodak einen Synchronausgang, der per Menüeinstellung aktiviert wird. Dazu wird an der Kamera eine Blende zwischen 3 und 16 fest voreingestellt. Die Belichtungssteuerung erfolgt dann ausschließlich über den externen Blitz und der interne Blitz wird abgeschaltet. In Verbindung mit verschiedenen Blitzgeräten des Herstellers Metz erhielten wir zunächst unterbelichtete Bilder. Erst nachdem wir den Blitz von ISO 100 (angegebene Lichtempfindlichkeit der Kamera) auf ISO 64 umgestellt hatten, stimmte die Blendenskala am Blitzgerät. Die Tatsache, daß die Blitzgeräte mit andern Kameras bei den dort angegebenen Lichtempfindlichkeiten durchaus korrekt belichtete Bilder lieferte, läßt einige Zweifel an der Richtigkeit der Kodak-Angabe "ISO 100" für die DC265 aufkommen.

Eine Blendenvorwahl im normalen Betrieb gibt es nicht und die Belichtungszeit kann nur für Langzeitbelichtungen im Bereich von einer halben bis zu 16 Sekunden vorgewählt werden. Die kreativen Möglichkeiten der Bildgestaltung sind also recht beschränkt. Kodak hat bei der DC265 aber auch einen ganz anderen Ansatz verfolgt und die Kamera auf berufliche Anwendungen hin optimiert, wo sie durch ihre umfangreiche Ausstattung und ihre guten Allround-Eigenschaften überzeugt und durch die Programmierbarkeit neue Möglichkeiten eröffnet.

Detaillierte Informationen über die Ausstattung der Kodak DC 265 finden Sie im "Steckbrief" links und im ausführlichen digitalkamera.de-Datenblatt. Testbilder der Kamera enthält unsere Rubrik ComputerFoto-Testbilder.

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Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Steckbrief

Steckbrief
Hersteller Kodak
Modell DC265
Preis ca. 2.000 DM
Bildauflösung
physikalisch
1.536 x 1.024
Auflösung CCD-Sensor 1.680.000
Brennweite 38 – 115 mm
Filtergewinde 37 mm*
Weitwinkelkonverter*
Telekonverter*
optischer Sucher
   Dioptrienausgleich
ja
Spiegelreflex
LCD-Monitor
   Auflösung
   schwenkbar
   als Sucher
   verzögerungsfrei
2"
110.000

ja
PAL-Videoausgang
   als Sucher
   verzögerungsfrei
ja
– (nur NTSC)
Serienbilder
   Auflösung
   Geschwindigkeit
   Anzahl
   mit Blitz
ja
1.536 x 1.024
3 Bilder/s
6
Programmautomatik ja
Zeitautomatik
Blendenautomatik nur > 0,5 s
Manuelle Belichtung
TTL-Belichtungs-
messung
Blitz eingebaut ja
Blitzanschluß Synchronbuchse
Empfohlene Blitzgeräte Automatik-
Blitzgeräte
(ISO 100, Kamerablende)
TTL-Blitzsteuerung
externer Blitz
Multitasking ja
Einhandbedienung** ja
Fernauslöser
Intervall-Aufnahmen ja
Steckplatz für
Speichermedium
CompactFlash
(Typ I)
unkomprimierte
Speicherung
Tonaufzeichnung ja
 
– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

* optionales Zubehör erforderlich, vom Kamerahersteller angeboten
** mindestens Zoom und Auslöser mit einer Hand bedienbar

In unserem Test verwendetes Blitzgerät: Metz Mecablitz 40MZ-1i (ca. 440 DM)

Kurzbewertung

  • Multitasking-Betriebssystem
  • träges Monitor-Bild
  • wenig Möglichkeiten zur Bildbeeinflussung

Autor

Jan-Markus Rupprecht

Jan-Markus Rupprecht, 54, fotografiert mit Digitalkameras seit 1995, zunächst beruflich für die Technische Dokumentation. Aus Begeisterung für die damals neue Technik gründete er 1997 digitalkamera.de, das Online-Portal zur Digitalfotografie, von dem er bis heute Chefredakteur und Herausgeber ist. 2013 startete er digitalEyes.de als weiteres Online-Magazin, das den Bogen der digitalen Bildaufzeichnung noch weiter spannt.