Preisgünstige APS-C-Kompaktkamera

Testbericht: Fujifilm XF10

Seite 2 von 2, vom 2019-01-11 (Autor: Benjamin Kirchheim)Zur Seite 1 wechseln

Der Autofokus der XF10 verspricht mit 91 auf dem Sensor integrierten Phasen-AF-Punkten in Kombination mit dem Kontrast-AF (sogenannter Hybrid-AF) und einer flexiblen Steuerung seitens der Kamera eigentlich eine hohe Geschwindigkeit. Gebremst wird er von der altbackenen mechanischen Umsetzung, bei der der Objektivtubus zur Scharfstellung leise hörbar nach vorne und hinten fährt. So maßen wir eine Auslöseverzögerung von insgesamt 0,38 Sekunden zum Fokussieren von unendlich auf zwei Meter und zum Auslösen. Dabei nimmt der Autofokus den Löwenanteil in Anspruch, denn vom halb gedrückten Auslöser bis zum Auslösen vergehen nur noch 0,04 Sekunden, was wieder eine sehr schnelle Zeit ist. Dafür lässt sich der Autofokus flexibel steuern. Die Kamera kann mehrere AF-Punkte in einer Gruppe ansteuern, deren Größe flexibel eingestellt werden kann. Selbst eine Gesichts- und Augenerkennung fehlen nicht, auch wenn die XF10 mit 28 Millimetern Kleinbildäquivalent nicht gerade eine Porträtbrennweite besitzt. Aber für Ganzkörper- und Gruppenaufnahmen ist sie beispielsweise gut.

Manuell lässt sich die XF10 dank des elektronisch arbeitenden Objektivrings gut fokussieren. Neben einer Entfernungsskala samt Schärfentiefeanzeige helfen dabei das Fokus-Peaking mit farblicher Hervorhebung der kontrastreichen und damit scharfen Kanten sowie die Fokuslupe.

  • Bild Diese Gehäuseseite der Fujifilm XF10 ist völlig unspektakulär. [Foto: MediaNord]

    Diese Gehäuseseite der Fujifilm XF10 ist völlig unspektakulär. [Foto: MediaNord]

Die Belichtungsreihenfunktion zeigt sich sehr flexibel. Wahlweise drei, fünf, sieben oder neun Bilder nimmt die Fujifilm XF10 mit 1/3 bis drei Blendenstufen Belichtungsabstand auf. Das Ganze lässt sich zudem mit der Belichtungskorrektur kombinieren. Ein Traum für HDR-Fotografen, die die Bilder allerdings manuell zusammensetzen müssen, die Kamera selbst kann das nicht in dem Umfang, bietet aber durchaus eine Auto-HDR-Funktion mit immerhin drei EV Belichtungsabstand. Des Weiteren können Reihenaufnahmen mit Filmsimulationsmodi, der ISO-Empfindlichkeit oder der Dynamikbereichsfunktion angefertigt werden. Ebenfalls interessant ist die bereits im vorigen Abschnitt erwähnte Intervallfunktion, die bis zu 999 Bilder mit einstellbarer Start- und Intervallzeit aufnimmt.

Die Belichtungsreihen- und HDR-Funktionen verbergen sich hinter dem Drive-Knopf, wo auch die Serienbildfunktion zu finden ist. Diese haut mit maximal sechs Bildern pro Sekunde für neun JEPG- oder fünf Raw-Aufnahmen in Folge aber niemanden vom Hocker. Nachdem der viel zu kleine Puffer voll ist, reduziert sich durch die langsame Speicherzeit die Serienbildgeschwindigkeit auf 1,7 beziehungsweise 0,8 Bilder pro Sekunde. Der kleine Puffer hat nur einen Vorteil: Er ist so klein, dass er trotz der langsamen Speicherzeit nach maximal zwölf Sekunden wieder geleert ist.

Ebenfalls hinter dem Drive-Knopf etwas versteckt angeordnet ist die Videofunktion. 4K-Auflkösung soll die XF10 beherrschen. Aber leider tut sie das nur mit ruckeligen 15 Bildern pro Sekunde, Das taugt allenfalls für eine Serienbildfunktion, aber nicht für eine echte Videoaufnahme. Und so ist tatsächlich eine 4K-Serienbildfunktion in der XF10 zu finden. Full-HD- und HD-Videoaufnahmen gelingen hingegen mit minimal 24 und bis zu 60 Bildern pro Sekunde sehr flüssig. Selbst eine Highspeed-Videofunktion mit 120 Bildern pro Sekunde, zumindest in HD-Auflösung, fehlt nicht. Wem der Ton des eingebauten Stereomikrofons nicht reicht, der kann ja sogar ein externes anschließen (allerdings mangels Zubehörschuh nicht ohne Weiteres an der Kamera befestigen), selbst eine Aussteuerung ist möglich.

  • Bild Das Stativgewinde hat Fujifilm bei der XF10 unglücklich außerhalb der optischen Achse und zudem viel zu nah am Akku- und Speicherkartenfach platziert. [Foto: MediaNord]

    Das Stativgewinde hat Fujifilm bei der XF10 unglücklich außerhalb der optischen Achse und zudem viel zu nah am Akku- und Speicherkartenfach platziert. [Foto: MediaNord]

Gespeichert werden die Videos mit H.264-Kompression im MOV-Format. Wer möchte, kann die Videos aber auch extern via HDMI-Anschluss speichern, die XF10 lässt einem die Wahl, ob dort ein Bildsignal mit oder ohne Einblendungen ausgegeben wird. Den Autofokus kann die XF10 auch bei laufenden Videoaufnahmen nachführen, was aber in unschönen Schüben und mit einer leise hörbaren Geräuschkulisse vonstattengeht. Im Gegensatz zu Fotoaufnahmen gibt es bei Videoaufnahmen sogar einen Bildstabilisator, wenn auch nur digital und dadurch mit Bildwinkelverlust, sofern man ihn verwendet. Videoaufnahmen sind also ganz anständig möglich, auch wenn die XF10 hier nicht perfekt ist.

Ganz modern zeigt sich die XF10 bei der Konnektivität. Neben WLAN gibt es Bluetooth, sogar Firmwareupdates sind inzwischen via App vom Smartphone aus möglich. Es lassen sich Bilder übertragen (auch auf PCs), was sehr geschmeidig funktioniert, eine Kamerafernsteuerung via kostenloser App ist möglich und dank Bluetooth können die Koordinaten vom Smartphone noch während der Aufnahme in die EXIF-Daten der Bilder geschrieben werden.

  • Bild Der für 330 Aufnahmen reichende Akku und die SD-Speicherkarte teilen sich auf der Unterseite der Fujifilm XF10 ein Fach. [Foto: MediaNord]

    Der für 330 Aufnahmen reichende Akku und die SD-Speicherkarte teilen sich auf der Unterseite der Fujifilm XF10 ein Fach. [Foto: MediaNord]

Zudem bietet die Fujifilm direkt in der XF10 einige grundlegende Bildbearbeitungsfunktionen wie das Drehen, das Verkleinern oder den Beschnitt sowie einen kleinen integrierten Raw-Konverter. Auch eine Bewertungsfunktion fehlt nicht, so dass man die Bildhighlights schon vor der Übertragung auf den PC markieren kann.

Bildqualität

Im Gegensatz zur X100-Serie ist die XF10 mit einem gewöhnlichen Bayer-Sensor ausgestattet. Das muss kein Nachteil sein, denn bei allen Mitbewerbern sieht es nicht anders aus. Zudem bietet die XF10 mit 24 Megapixeln Auflösung, relativ großen Pixeln und der Festbrennweite beste Grundvoraussetzungen für eine hohe Bildqualität. Ob diese auch am Ende auf der Speicherkarte landet und wo die Grenzen und Schwächen liegen, haben wir im ausführlichen Labortest ermittelt, der gegen ein kleines Entgelt über die weiterführenden Links aufgerufen werden kann. Der Labortest enthält zahlreiche Diagramme mit den Messergebnissen und Erläuterungen, wie diese zu "lesen" sind. Mit einem Kauf des Labortests, auf dem die folgenden Betrachtungen beruhen, wird zudem unsere Arbeit an kostenlosen redaktionellen Tests wie diesem unterstützt.

Bei der Verzeichnung und Randabdunklung zeigt sich das Objektiv vorbildlich. Erstere ist nicht vorhanden und letztere minimal. Farbsäume in Form chromatischer Aberrationen sind hingegen leicht sichtbar, zum Bildrand hin in den Extremen sogar etwas stärker. Die Auflösung erreicht bereits ab Offenblende und bis F8 abgeblendet in der Bildmitte spielend mehr als 60 Linienpaare pro Millimeter (lp/mm) im Kleinbildäquivalent und bei 50 Prozent Kontrast. Als Maximum werden 63 lp/mm bei F4 erreicht. Das ist ein guter Auflösungswert für einen 24-Megapixel-Sensor. Jenseits von F8 macht sich zwar die Beugung bemerkbar, mit 55 lp/mm ist die Auflösung aber bei F11 noch recht hoch, bei F16 beträgt sie respektable 47 lp/mm. Ganz anders sieht es da schon am Bildrand aus, hier ist es gut 1/3 Auflösung weniger. Im Bereich von F4 bis F8 sind es um die 40 lp/mm mit einem Maximum von 41 lp/mm bei F8, danach folgen F11 mit 38, F2,8 mit 36 und F16 mit 32 lp/mm. Damit wird der Randverlust der Auflösung im guten Blendenbereich bei Ausdrucken ab Größen von über 30x45 Zentimeter bei genauem Hinsehen sichtbar.

  • Bild Wer die gold-braune Farbe der von uns getesteten Fujifilm XF10 nicht mag, bekommt sie alternativ auch in dezentem Schwarz. [Foto: Fujifilm]

    Wer die gold-braune Farbe der von uns getesteten Fujifilm XF10 nicht mag, bekommt sie alternativ auch in dezentem Schwarz. [Foto: Fujifilm]

Die Fujifilm XF10 ist mit F2,8 nicht gerade ein Lichtriese, auch ein optischer Bildstabilisator fehlt ihr, dafür könnte aber der große Bildsensor hohe ISO-Empfindlichkeiten mit hoher Bildqualität ermöglichen. Tatsächlich bewegt sich der Signal-Rauschabstand bis ISO 3.200 auf einem akzeptablen Niveau von über 35 dB, schafft aber nicht den Sprung in den guten Bereich von über 40 dB. Helligkeitsrauschen wird ab ISO 6.400 leicht sichtbar und mit steigender Empfindlichkeit immer stärker, das Farbrauschen ist interessanterweise messtechnisch bei ISO 1.600 am höchsten, fällt aber kaum auf. Ab ISO 3.200 schaltet die Fujifilm offensichtlich einen aggressiveren Rauschfilter hinzu. So oder so bleibt das Rauschen insgesamt feinkörnig, es kommt als kaum zu größerer Blöckchenbildung. Die Rauschunterdrückung sorgt für einen mit steigender Empfindlichkeit zunehmenden Verlust feiner Texturen. Jedoch hat die XF10, nicht zuletzt aufgrund ihrer hochauflösenden Festbrennweite, hier große Reserven und so wird der Detailverlust erst ab ISO 12.800 wirklich sichtbar.

Ziemlich schwach schneidet die XF10 beim Dynamikumfang ab. Er pendelt um die neun Blendenstufen und ist damit gerade einmal ausreichend. Auch der Ausgangs-Tonwertumfang ist überraschend schwach. Nur knapp über 192 der 256 möglichen Helligkeitsabstufungen werden überhaupt genutzt. Bei ISO 3.200 sind es nur noch 128 und oberhalb von ISO 6.400 weniger als 96 Abstufungen. Die Tonwertkurve hingegen ist unauffällig, sie zeigt einen für subjektiv gefällige Fotos typischen steilen verlauf bei den Mittentönen. Nur bei ISO 100 verhält sich die XF10 etwas anders, denn diese erreicht sie nur mittels Signaldämpfung. Das bedeutet eine flachere Tonwertkurve, interessanterweise ist aber der Dynamikumfang hier deutlich höher, während der Ausgangs-Tonwertumfang geringer ist als bei der nativen Empfindlichkeit von ISO 200. Die XF10 verhält sich hier genau umgekehrt zu dem, was normalerweise üblich ist. Das aber nur als Kuriosität am Rande.

Die Farbabweichung der Fujifilm ist im Mittel gering, einige Farbtöne weichen jedoch etwas stärker ab, vor allem in der Sättigung. Gelb wird deutlich gedämpft, während es im Rotbereich eine leicht stärkere Sättigung gibt. Die tatsächliche Farbtiefe erreicht wieder einen guten Wert mit bis zu vier Millionen Farbnuancen, erst ab ISO 12.800 wird der Wert von zwei Millionen knapp unterschritten, sinkt aber selbst bei ISO 51.200 nicht weit darunter.

Fazit

Dass die Fujifilm XF10 eine preisoptimierte Kamera ist, merkt man ihr zwar bisweilen an, aber dennoch bietet sie einen großen Funktionsumfang gepaart mit einer guten Bildqualität zu einem äußerst attraktiven Preis. Wer kein Zoom benötigt, sondern eine möglichst kompakte Kamera mit guter Bildqualität, kommt an der XF10 quasi nicht vorbei. Obwohl sie hier und da etwas Ausstattung vermissen lässt, etwa einen Blitzschuh, einen (optionalen) Sucher oder einen klappbaren Bildschirm, ist sie doch recht reichhaltig ausgestattet. Sowohl Einsteiger als auch ambitionierte Fotografen finden sehr viele Aufnahmefunktionen und Einstellmöglichkeiten. Alles Wichtige ist an Bord, ohne dass die XF10 überfrachtet wirkt wie andere Kameras mit unübersichtlich großen Menüs, bei denen man wirklich alles einstellen kann.

Die XF10 beschränkt sich angenehmerweise auf das, was man braucht. Eine Sportkamera ist sie indes nicht, das geben weder der Autofokus, noch die langsame und wenig ausdauernde Serienbildfunktion her. Sogar für Videografen bietet die XF10, auch wenn sie keine flüssigen 4K-Aufnahmen beherrscht, überraschend viele Funktionen. Die Bildqualität punktet mit einer hohen Auflösung bereits ab Offenblende, wenn auch nur in der Bildmitte, und einer guten Performance auch bei höheren Empfindlichkeiten von bis zu ISO 6.400. Bei der Randauflösung und dem Dynamikumfang schwächelt die Fujifilm hingegen ein wenig, wenn auch nicht dramatisch.


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Kurzbewertung

  • Gute Bildqualität bis ISO 6.400
  • Großer APS-C-Sensor im kleinen Gehäuse
  • Geringer Preis
  • Umfangreiche Aufnahmefunktionen
  • 4-K-Videos nur mit 15 Bildern pro Sekunde
  • Kein optischer Bildstabilisator
  • Nicht besonders hoher Dynamikumfang
  • Recht langsame Serienbildfunktion