Kompaktkamera

Testbericht: Canon PowerShot G5

2003-08-14 Irgendwann macht auch die innovativste Firma eine "kreative Pause". Die Firma Canon, die seit Jahren schon regelmäßig auf Platz 1 bis 3 aller Patentanmeldungen weltweit steht und letztes Jahr bei der PowerShot G3 zahlreiche neue Technologien (DiGIC-Signalprozessor, FlexiZone-Flächen-Autofokus, iSAPS-Motiverkennungstechnologie usw.) hat Einzug halten lassen, begnügt sich in diesem Jahr damit, die PowerShot G3 einer "dezenten Modellpflege" zu unterziehen. Bis auf die Gehäusefarbe (nun schwarz) und auf den CCD-Sensor (nun mit 5 statt 4 Megapixeln) tritt die PowerShot G3 fast unverändert ihren Dienst als PowerShot G5 für ein neues Modelljahr an. Ob man sich als PowerShot G3-Besitzer nun schwarz ärgern muss, dass man nicht gleich die PowerShot G5 gekauft hat und ob die PowerShot G5 allgemein die PowerShot G3 in den Schatten stellt, wollten wir für diesen Erfahrungsbericht herausfinden.  (Yvan Boeres)

   Canon PowerShot G5 [Foto: MediaNord]
 

Tatsächlich lassen sich die Unterschiede zwischen der PowerShot G3 und der neuen PowerShot G5 an den Fingern einer Hand abzählen. Nichtsdestotrotz werden wir in diesem Erfahrungsbericht genau und explizit auf diese Unterschiede eingehen und am Ende des Artikels wie gewohnt unsere Schlussfolgerungen ziehen. Angesichts der weitgehenden Ähnlichkeiten zwischen den beiden Kameras macht es – unserer Meinung nach – keinen Sinn, alles zu wiederholen, was von der PowerShot G3 genauso auch auf die PowerShot G5 zutrifft. Um einen "Gesamteindruck" von der PowerShot G5 zu bekommen, sollte also der digitalkamera.de-Erfahrungsbericht zur PowerShot G3 mit herangezogen werden (siehe weiterführende Links). Doch nun zu den Details, in denen sich die beiden Kameras unterscheiden:

Gehäusefarbe  Der augenfälligste Unterschied zwischen der PowerShot G3 und der PowerShot G5 ist die Gehäusefarbe. Während die G3 im silberfarbenen Finish gehalten ist, kommt die G5 rabenschwarz daher. Wie wir später in diesem Artikel erläutern werden, bietet die G5 auf gleicher Sensorfläche rund eine Million mehr Pixel an, die folglich auch kleiner ausfallen als beim CCD der G3. Das lässt die Befürchtung aufkommen, dass die G5 mit ihrem schwarzen Gehäuse die Hitze förmlich "anzieht" (da schwarz bekanntlich Licht absorbiert und in Wärme umwandelt) und somit die ohnehin schon bei verkleinerten Pixeln zu befürchtende Rauschfreudigkeit des Bildwandlers erhöhen könnte. Doch (wie wir ebenfalls später in diesem Artikel herausfinden werden) hält sich das Bildrauschen bei der G5 in Grenzen, so dass man davon ausgehen kann, dass die Gehäusefarbe für das Bildrauschen in der Praxis keine Rolle spielt. Tatsächlich wurde unsere G5 im Praxisbetrieb selbst bei längerer Betriebszeit, hoher Beanspruchung und/oder unter der gleißenden Hitze des Sommers 2003 nicht wärmer als eine G3 oder sonst eine andere Digitalkamera. Zur Beschaffenheit des Gehäusematerials der G5 sei noch angemerkt, dass die Kamera einen sehr soliden Eindruck hinterlässt und – wie schon bei der G3 – sich auch ziemlich resistent gegen Kratzer erweist.

5-Megapixel-CCD  Der wohl bedeutendste Unterschied zwischen der PowerShot G3 und der PowerShot G5 ist die angebotene Auflösung. In beiden Kameras kommt ein 1/1,8"-CCD mit Primärfarbenfilter (RGB) zum Einsatz, der allerdings bei der G3 rund 4 Millionen Pixel (3.871.488 tatsächlich aufgenommene Pixel) und bei der G5 rund 5 Millionen Pixel (5.038.848 tatsächlich aufgenommene Pixel) unterbringt. Statt der zunächst offensichtlichen Auflösungssteigerung von scheinbar 25 % (von 4 auf 5 Megapixel) ergibt sich bei den aufgenommenen Fotos eine Steigerung der Pixelanzahl um ziemlich genau 30 Prozent. In der Praxis ist das Plus an Auflösung auch wirklich auf den Bildern sichtbar; wenn auch nur bei starker Vergrößerung. Aber die PowerShot G5 vermag tatsächlich Details feiner aufzulösen als die G3. Durch die mit der Auflösungssteigerung bei gleicher Sensorfläche erforderliche Pixelverkleinerung von 3,125 auf 2,775 µm ist allerdings auch das Bildrauschen deutlich sichtbarer als bei der G3. Der DiGIC-Signalprozessor vermag zwar Erstaunliches bei der "Bereinigung" der Bilder vom Rauschen leisten, aber Wunder vollbringt er nicht. Die G5 muss sich sogar in Sachen Rauschverhalten von anderen Digitalkameramodellen, die den gleichen Sensortyp (5-Megapixel-CCD im 1/1,8"-Formfaktor) verwenden, geschlagen geben: Sony hat das Rauschen bei der (kürzlich von uns getesteten) DSC-V1 besser im Griff und es heißt, dass die Nikon Coolpix 5400 (die wir noch nicht getestet haben) ebenfalls ein besseres Rauschverhalten besitzt als die G5. Canon PowerShot G5 - Rückansicht [Foto: MediaNord]Allerdings spricht für Canon, dass die Rauschunterdrückungsalgorithmen der G5 weniger "rabiat" ans Werk gehen als die "elektronische Putzkolonne" anderer Kameras, die zwar gründlich "schrubben", aber dabei auch andere Bilddetails (Kanten z. B.) in Mitleidenschaft ziehen. Während also bei der G5 das Bildrauschen etwas höher ausfällt als bei der Konkurrenz, erfreuen sich die G5-Besitzer an Bildern mit u. a. höherer Kantenschärfe (besonders sichtbar in den niedrigen Empfindlichkeiten). Im produktfamilieninternen Kreis ist die Frage nach der geeigneten Kamera einfacher: Wer vor der Entscheidung steht, sich entweder eine G3 oder eine G5 zu kaufen, muss lediglich abwägen, ob die höhere Auflösung (G5) oder die rauschfreieren Bilder (G3) für ihn/sie wichtiger sind.

Digitalzoom  Das eben erwähnte Plus an Auflösung bedeutet natürlich auch zusätzliche Reserven bei Ausschnittsvergrößerungen – egal ob bereits bei der Aufnahme per Digitalzoom oder später manuell per Bildbearbeitungsprogramm. Entsprechend kann die PowerShot G5 auch ein digitales 4,1-fach-Zoom anbieten, während das Digitalzoom der PowerShot G3 nur bis auf eine 3,1-fache-Vergrößerung (zusätzlich zum optischen Zoom) herauf geht. Ob man das Digitalzoom nun in Anspruch nimmt, ist eine Glaubensfrage. Manche lehnen den Gebrauch des Digitalzooms kategorisch ab, andere sehen es als nützliches Extra an. Wer jedenfalls dem Digitalzoom keinen konkreten Nutzen abgewinnen kann und dennoch von der höheren Auflösung der G5 angetan ist, kann im Kameramenü das Digitalzoom abschalten.

Geschwindigkeit Natürlich belastet die höhere Auflösung auch die CPU und die Signalprozessoren der Kamera stärker als eine niedrigere Auflösung und das bekommt der PowerShot-G5-Besitzer auch zu spüren. Und das fängt bereits beim Fokussieren an. Da bei der G5 (wie bei der Mehrzahl aller Kameras ohne Hybrid-Autofokus) die Ermittlung der Schärfe über Kontrastvergleich via CCD erfolgt und dieser (bzw. die CPU/Signalprozessoren) bereits schon mit der Bewältigung rund einer Million zusätzlicher Pixel "geplagt" ist, muss der CCD "Überstunden" (eigentlich eher Übersekunden) einlegen, um die Scharfstellarbeit zu erledigen. Der Unterschied zwischen den AF-Reaktionszeiten der G3 und der G5 sind zwar minimal, aber u. U. schon spürbar. Die PowerShot G5 braucht öfter mal etwas mehr als eine Sekunde zum Scharfstellen; Zeiten von 0,9 Sekunden (wie wir sie damals bei der G3 in Weitwinkel-Position gemessen haben) sind zwar auch mit der G5 möglich, aber deutlich seltener als mit der G3. War die G3 bei ihrer Markteinführung bereits kein "Überflieger" in Sachen AF-Geschwindigkeit, ist die G5 nun erst recht – und falls Canon nicht bald mit einer neuen, deutlich schnelleren Kamera auf den Markt kommt – allerspätestens nach den uns bekannten IFA-Ankündigungen der Konkurrenz definitiv ins Abseits katapultiert (zumindest was die Schnelligkeit des Autofokus betrifft). Die Sony DSC-V1 zeigt, wo es lang geht, und die nächsten AF-"Sprinter" stehen schon in den Startblöcken.

Durch die höhere Auflösung bzw. die größeren Dateien haben sich auch die Speicherzeiten deutlich verlängert. Bei JPEG-Dateien ist der Unterschied noch vernachlässigbar (durchschnittlich 1,8 s bei der G3; durchschnittlich 2,1 s bei der G5); bei RAW-Dateien vergrößert sich der Abstand merklich (ca. 3,1 s bei der G3; ca. 6,4 s bei der G5). Nichtsdestotrotz kann man ganz gut mit den immer noch recht flotten Speicherzeiten der G5 leben. Erfreulich ist die Tatsache, dass es beim Serienbildmodus kaum Einbußen in der Geschwindigkeit gibt: Im Standard-Serienbildmodus ziehen die G3 und die G5 sogar gleich (ca. 1,5 Bilder/s) und im Highspeed-Serienbildmodus (bei dem der LCD-Farbbildschirm abgeschaltet wird) ist die G5 mit rund 2,1 Bildern pro Sekunde nur geringfügig langsamer als die G3 (2,3 Bilder/s). Canon PowerShot G5 - Akku- und Speicherplatz [Foto: MediaNord]Statt dessen sinkt die Zahl der Bilder, die man in Folge machen kann; bei unseren Testreihen war jedenfalls der Pufferspeicher der G5 nach ca. 8 bis 9 Aufnahmen kurzfristig nicht mehr aufnahmefähig, während wir in unserem Erfahrungsbericht zur G3 eine Anzahl von bis zu 13 Bildern in Folge ermittelten. Ale anderen Zeiten der G5 (z. B. Einschalt-, Zoom- oder Bildwechsel-Zeiten), die nichts direkt mit dem CCD bzw. mit der Auflösung zu tun haben, sind bei der G5 genauso schnell wie der G3.

Akkulaufzeit: Hier konnten wir keinen nennenswerten Unterschied zwischen der PowerShot G5 und ihrer Vorgängerin feststellen. Der DiGIC-Signalprozessor scheint also auch bei höherer Beanspruchung (schließlich müssen bei der G5 die Daten von 5 statt 4 Megapixeln verarbeitet werden) nicht mehr Strom zu verbrauchen als sonst. Dem im Vergleich zur Konkurrenz sehr großen Lithiumionenakku BP-511/512 sind also weiterhin bis zu 450 Aufnahmen zu entlocken; die 5 Megapixel der PowerShot G5 fordern hier also keinen Tribut.

LCD-Bildschirm: Außer dem CCD profitiert bei der G5 noch ein weiteres Kamera-"Organ" von einer (allerdings minimalen) Auflösungssteigerung. Der LCD-Farbbildschirm der G5 löst mit 118.000 Pixel auf; beim LCD der G3 setzte sich das Monitorbild noch aus 113.578 Pixeln zusammen. Die rund 4.000 zusätzlichen Pixel bringen keinen ersichtlichen Qualitätsvorteil. Auch sonst ist die Abbildungsleistung der beiden LCDs (der G3 und der G5) über jeden Zweifel erhaben. Da der neue Monitor der G5 nicht mehr Strom zu verbrauchen scheint als der der G3, bringt der neue seinen Pixelzuwachs als Vorteil in das Wettrennen ein.

Fazit: Canon hat sich bei der Entwicklung der PowerShot G5 offenbar kein Bein ausgerissen. Schnell wurde aus der PowerShot G3 – mit all ihren Vorzügen und Nachteilen – eine 5-Megapixel-Kamera gemacht, die – abgesehen von der höheren Auflösung – nichts wirklich Neues bringt. Andere Hersteller haben stattdessen ganz neue Kameras aus dem Boden gestampft (wie z. B. Sony mit der DSC-V1) oder zumindest (wie z. B. Nikon mit der Coolpix 5400) bestehende Kamerakonzepte rundum erneuert/verbessert. Bei der PowerShot G5 hat man den Eindruck, dass Canon wirklich nur einen anderen Farbhahn auf dem Fliessband aufgedreht und einen anderen CCD in die G3 eingebaut hat – ohne das Geringste an der Firmware und/oder an der Kameraelektronik zu ändern. Das Resultat ist eine Kamera, die sich nur durch die Qualitäten ihres Vorgängermodells definiert und bei der sich die "Weiterentwicklung" auf die Adoption einer höheren Auflösung beschränkt. Mangels anderer Verbesserungen oder zumindest Anpassungen muss die PowerShot G5 sogar zusehen, wie Kameras innovationsfreudigerer Konkurrenten an ihr vorbeiziehen und selbst gegenüber der PowerShot G3 gerät die G5 gelegentlich in "Erklärungsnot". Letztendlich wird es wohl so sein, dass die PowerShot G5 voraussichtlich keinen PowerShot-G3-Besitzer zum Umstieg bewegen wird. Und neue Kunden werden offenbar auch nur noch kurze Zeit die Wahl zwischen der hohen Auflösung der G5 und der "altbewährtem" PowerShot G3 haben, denn wie man hört, ist die PowerShot G3 schon fast ausverkauft.

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