Kleine DSLR mit Klappmonitor

Testbericht: Canon EOS 200D

2017-11-06 Mit der EOS 200D hat Canon die kleinste erhältliche DSLR mit APS-C-Sensor und klappbarem Monitor im Angebot. Ob Canon bei der Konstruktion der kleinen Kamera Kompromisse eingehen musste, decken wir in diesem Testbericht auf. Auch die Bildqualität der Kamera und des Objektivs wurden für diesen Test in unserem eigenen Testlabor ermittelt. Natürlich haben wir ebenfalls das Handling der Kamera unter die Lupe genommen und sagen, ob die Kamera einen echten “Klebefaktor” besitzt und man sie nicht mehr aus der Hand geben möchte.  (Harm-Diercks Gronewold)

  • Bild In diesem Test haben wir die EOS 200D im Set mit dem Standardzoom EF-S 18-55 mm IS STM ausführlich in der Praxis und dem Labor getestet. [Foto: MediaNord]

    In diesem Test haben wir die EOS 200D im Set mit dem Standardzoom EF-S 18-55 mm IS STM ausführlich in der Praxis und dem Labor getestet. [Foto: MediaNord]

Ergonomie und Verarbeitung

Nach dem Auspacken der EOS 200D aus dem Karton kann man staunen, dass es Canon geschafft hat, einen APS-C-CMOS-Sensor mit 25,8 Megapixeln in ein Gehäuse mit Abmessungen von 122 x 93 x 70 mm (B x H x T) zu bekommen. Ohne Objektiv liegt das Gewicht der Kamera auch nur bei 453 Gramm inklusive dem Lithium-Ionen-Akku und einer Speicherkarte mit SD-Formfaktor. Natürlich passen auch SDHC und SDXC Speicherkarten in die Kamera, sie sind sogar für Serienbilder und Videoaufzeichnungen empfehlenswert. 

Die EOS 200D sieht aus wie ein übliche Canon EOS Kamera, nur halt etwas kleiner. Wie jede kleine Kamera ist auch die 200D keine ideale Kamera für Fotografen mit sehr großen Händen. Hände mit Handschuhgröße “L” haben trotz der geringen Größe keine Probleme, die Kamera am Handgriff zu packen. Canon hat diesen so designt, dass die oberen Fingerglieder bequem am Griff anliegen. Erst zum Auslöser hin verbreitert sich der Griff in einer Rundung und sorgt für einen erstaunlich guten Halt. Unterstützt wird dies auch von einer echt griffigen Gummierung, die in einem Element den Handgriff umschließt. Für den Zeigefinger ebenfalls bequem zu erreichen ist der Auslöser. Dieser zeichnet sich durch einen angenehmen Druckpunkt aus. Auch das Einstellrad hinter dem Auslöser ist ebenso wie die ISO- und Display-Funktionstaste noch gut zu erreichen.

Etwas “versenkt” hat Canon das Moduswahlrad. Dieses kann sehr bequem vom Daumen erreicht werden und rastet bei jeder Betriebsart sicher ein. Gleich daneben ist der Ein- und Ausschalter zu finden. Dieser hat neben der bezeichnenden Funktion auch die Umschaltung zur Videofunktion. Der optische Sucher befindet sich unterhalb des TTL-Blitzschuhs und bietet einen guten Überblick, der mit circa 95 Prozent Bildabdeckung noch in Ordnung ist. Technologisch handelt es sich bei dem Sucher um einen Spiegelsucher, bei dem das Bild durch eine Anordnung von Spiegeln “gedreht” und richtig herum angezeigt wird. Brillenträger haben aber Aufgrund der Suchergröße mit Einschränkungen zu leben. Wenn der Sehfehler noch nicht zu groß ist kann stattdessen der Dioptrienausgleich genutzt werden. Wie üblich schützt eine abnehmbare Gummimuschel die Brille und auch das Auge des Fotografen vor dem harten Kameragehäuse. Ebenfalls im “Buckel” der Kamera-Oberseite ist der ausklappbare Blitz untergebracht, der laut unserer Messung mit einer Leitzahl von zehn sogar eine höhere Leistung als vom Hersteller angegeben bietet. Ganz auf der Linken Seite befindet sich der Knopf für alle Drahtlosfunktionen der Kamera. Was die Kamera hier für den Fotografen bietet, klären wir später im Test.

  • Bild Die Canon EOS 200D ist die bislang kleinste DSLR mit beweglichem 3"-Touchscreen. [Foto: MediaNord]

    Die Canon EOS 200D ist die bislang kleinste DSLR mit beweglichem 3"-Touchscreen. [Foto: MediaNord]

Die Rückseite der EOS 200D wird durch den dreh- und klappbaren 3”-Touchscreen dominiert. Der Touchscreen hat eine Auflösung von 1,04 Millionen Bildpunkten. Durch den Drehmechanismus ist es ein leichtes, die beliebten “Selfies” sowie aus der Frosch- oder Vogelperspektive zu fotografieren. Durch eine Drehung des Monitors zum Kameragehäuse wird dieser hingegen vor mechanischen Belastungen beim Transport der Kamera geschützt. Andere Bedienteile wie das Steuerkreuz sowie dedizierte Tasten für die Wiedergabe, Belichtungskorrektur, Belichtungsmesswertspeicher und Multifunktionstaste finden sich auf der Kamerarückseite. Auch ein Umschalter zwischen Live-View und Sucher ist vorhanden. Der Sucher bleibt dann natürlich dunkel.

Die Benutzeroberfläche auf dem Touchscreen ist kontextuell abhängig von dem Eingestellten Betriebsmodus. Der Touchscreen arbeitet sehr genau und gefühlt ohne große Verzögerungen. Die Menüstruktur ist auf eine Touchbedienung ausgelegt und ist klar strukturiert. Neben der Touchbedienung können auch das Steuerkreuz und das Einstellrad zur Funktionsauswahl beziehungsweise Einstellung von Werten genutzt werden. So tippt der Fotograf beispielsweise auf die Belichtungszeit, nachdem die Funktionseingabe am Touchscreen aktiviert wurde und stellt mit dem Einstellrad die gewünschte Belichtungszeit ein. Dank der Funktionstasten lassen sich wichtige Einstellungen wie Belichtungskorrektur und ISO auch direkt ohne Nutzung des Touchscreens verändern. Während für Zeit- und Blenden- sowie ISO-Einstellung im Live-View-Modus ein Fingertipp reicht, muss der Fotograf für tiefergehende Einstellungen wie beispielsweise der Wechsel der Belichtungsmessart zunächst die “Q” Schaltefläche oder die kombinierte “Q/Set”-Taste betätigen, um danach die gewünschte Funktion zu ändern.

Im DSLR-Sucher-Modus hingegen muss der Fotograf vor der Bedienung mit dem Touchscreen diesen zunächst mit der “Q”-Taste aktivieren. Im Test hat sich gezeigt, dass eine “Mischbedienung” aus Funktionstasten mit dem Einstellrad und dem Touchscreen am leichtesten von der Hand ging, und die Funktions- und Einstellungswahl schnell erlernbar war. Neben den schnell erreichbaren Basisfunktionen steht es dem Fotografen frei, größere Anpassungen in Form von Individualfunktionen vorzunehmen. Änderungen in diesem Bereich haben in den meisten Fällen deutliche Änderungen des Kameraverhaltens zur Folge. So kann der Fotograf beispielsweise eine Spiegelvorauslösung aktivieren oder den Autofokus vom Auslöser entkoppeln und auf eine andere Taste legen.

Etwas umständlich gestaltete sich das Ändern des Bildseitenverhältnisses. Das ist nämlich nur möglich, wenn die Kamera zuvor in den Live-View-Modus versetzt wurde. Ist die Kamera nicht im Live-View-Modus, so taucht der entsprechende Reiter gar nicht im Aufnahmemenü der Kamera auf. Hier hätte Canon einen dezenten Hinweis setzen können, dass das Menü nur im Live-View-Modus sichtbar ist.

  • Bild Der bewegliche 3" Touchscreen EOS 200D bietet einen großen Überblick über Aufnahmeparameter und Bildvorschau. [Foto: MediaNord]

    Der bewegliche 3" Touchscreen EOS 200D bietet einen großen Überblick über Aufnahmeparameter und Bildvorschau. [Foto: MediaNord]

Aufgrund der Größer wurden die verschiedenen Anschlüsse der Kamera auf die linke und die rechte Seite verteilt. Während der HDMI-Mini- und der USB-Anschluss auf der rechten Seite der Kamera zu finden sind, kann der Fotograf ein Mikrofon (3,5 mm Klinke) und einen optionalen Kabelfernauslöser auf der rechten Seite anschließen. Auf der Unterseite befindet sich ein ¼” Stativgewinde und die Klappe, die den Zugang zum Akku und zur Speicherkarte freigibt. Das Öffnen der Klappe war mit einer im Stativgewinde befestigten Giottos Schnellwechselplatte von 40 x 40 mm kein Problem. Auf der Vorderseite der Kamera befindet sich neben dem aus Metall gefertigten Objektivbajonett und der Entriegelung für das Objektiv auch eine Abblendtaste, damit der Fotograf den Schärfenbereich optisch im Sucher kontrollieren kann.

Das Gehäuse besteht zwar aus Kunststoff, es erweckt aber zu keiner Zeit den Eindruck, filigran oder minderwertig verarbeitet zu sein. Die Spaltmaße sind gleichmäßig und Weichkunstoffabdeckungen sitzen passend. Der Mechanismus des Monitor ist solide und bietet genügend Widerstand, um versehentliches Aufklappen zu verhindern. Wir haben die EOS 200D mit dem optisch stabilisierten Objektiv EF-S 18-55 mm 4-5,6 IS STM getestet. Nach dem Stabilisator ist der schnelle Schrittmotor das einzige Highlight des Objektivs und lässt sich besonders für Videoaufnahmen präzise von der Kamera ansteuern. Ein Metallbajonett sucht der Fotograf am Objektiv leider vergebens.

Ausstattung

Canon klassifiziert die EOS 200D als Einsteigerkamera und für diesen Zweck wurde ihr vom Hersteller auch alles dazu notwendige mitgegeben. Neben einer Motivautomatik stehen elf Szenenprogramme zur Verfügung, die vom Fotografen selber gewählt werden können. Darunter finden sich dann die “Klassiker” für Porträt-, Nacht-, Sport- und Landschaftsaufnahmen. Das Besondere an den Szenenprogrammen ist, dass der Fotograf zuerst das Programm wählt, sich dann entscheidet, ob das Bild heller oder dunkler werden soll und ob es mit Serienbildern, Einzelaufnahmen oder Selbstauslöser aufgenommen werden soll. Der Fotograf bekommt damit dann eine Art “angeleitete” Fotografie. Eine weitere Hilfe bietet die EOS 200D, wenn die “Erläuterungen” im Menü aktiviert sind. Dann zeigt die Kamera bei jedem Wechsel der Betriebsart am Moduswahlrad eine kleine Erklärung an, wie sich Änderungen im Bild äußern können.

  • Bild In der Draufsicht zeigen sich die Bedienelemente der EOS 200D sehr deutlich. Auch gut zu sehen ist, wie wenig "Überhang" die Kamera auf der linken Seite hat. [Foto: MediaNord]

    In der Draufsicht zeigen sich die Bedienelemente der EOS 200D sehr deutlich. Auch gut zu sehen ist, wie wenig "Überhang" die Kamera auf der linken Seite hat. [Foto: MediaNord]

Keine moderne Kamera kommt ohne Spezialeffekte aus. Hier macht auch die EOS 200D keine Ausnahme. Insgesamt zehn verschiedene und ein wenig individualisierbare Spezialeffektfilter stehen zur Verfügung. Darüber hinaus kann der Fotograf die Aufnahmecharakteristik ändern. Insgesamt sieben dieser auch Bildstil genannten Vorgaben stehen dem Fotografen zur Verfügung. Zudem ist ein Automatikmodus vorhanden. Bildstil-Vorgaben können in verschiedenen Parametern wie beispielsweise Kontrast, Farbsättigung und Schärfe angepasst werden. Zudem stehen insgesamt drei Speicherplätze für komplett eigene Bildstil-Vorgaben zur Verfügung. Darüber hinaus kann die Kamera Objektivfehler elektronisch korrigieren. Dies funktioniert allerdings nur, wenn auch ein Canon Objektiv montiert ist. Der Fotograf kann zudem wählen, welche Objektivfehler korrigiert werden sollen. Es stehen eine Korrektur für Farbquerfehler, Vignettierungen, Verzeichnung und Beugung zur Verfügung.

Etwas umständlich zeigt sich der manuelle Weißabgleich. Bei der EOS 200D wird dieser nicht in “Echtzeit” bei der Aufnahme einer Graukarte gemacht, sondern die Graukarte muss zunächst fotografiert werden. Danach muss der Fotograf ins Hauptmenü und den entsprechenden Eintrag für den manuellen Weißabgleich auswählen, das Bild der Graukarte auswählen und die Funktion aktivieren. Danach kann der Fotograf den so gespeicherten Weißabgleich auswählen.

Einsteiger-Kameras auch im Spiegelreflex-Segment besitzen neben den Aufnahmefunktion auch eine Vielzahl von Wiedergabefunktionen. Im Fall der EOS 200D umfassen diese neben den üblichen Beschnitt-, Rotations-, Bewertungs- sowie Suchfunktionen auch Spezial-Effekte. Diese Spezial-Effekte sind die gleichen die dem Fotografen auch im Aufnahmemenü zur Verfügung stehen. Allerdings haben die nachträglichen Spezialeffekte den Vorteil, dass die Aufnahme im Original bestehen bleiben kann und so in beiden Versionen zur Verfügung steht.

Moderne digitale Spiegelreflexkameras besitzen seit einigen Jahren eine Live-View-Funktion. Bei dieser wird der Spiegel hochgeklappt und der Monitor auf der Rückseite zeigt das Bild an. Der Sucher bleibt dabei natürlich dunkel. Der Nachteil des Live-Views war bislang, dass der Autofokus über die auf dem Sensor ermittelten Kontraste gesteuert wurde. Dieses System ist bei DSLRs sehr träge und machte die Kombination aus Live-View und Autofokus gerade bei schlechten Lichtverhältnissen zur Geduldsprobe. Abhilfe schafft hier ein sogenannter Hybrid-Autofokus. Bei diesem System besitzt der Aufnahmesensor spezialisierte Elemente, die die gleiche Funktionsart haben wie das klassische Phasenautofokussystem einer DSLR. Natürlich besitzt auch die 200D einen Phasenautofokus, wenn der Live-View nicht aktiv ist.

  • Bild Die Seite des Handgriffs beherbergt den HDMI- und den USB-Anschluss. [Foto: MediaNord]

    Die Seite des Handgriffs beherbergt den HDMI- und den USB-Anschluss. [Foto: MediaNord]

Die längste Auslöseverzögerung mit Autofokus zeigte die EOS 200D bei 55 mm Brennweiteneinstellung mit Live-View. Diese betrug 0,75 Sekunden, die Messung bei gleichen Voraussetzungen mit Phasen-Autofokus lag bei nur 0,4 Sekunden. Im Weitwinkel bei 18 mm lag die Geschwindigkeit bei 0,3 Sekunden und mit Live-View bei 0,5 Sekunden. Trotz des Hybrid-Autofokussystems ist der Phasen-Autofokus schneller. Insgesamt stehen dem Fotografen 49 Messfelder im Live-View und neun Messfelder inklusive einem mittigen Kreussensor beim Phasen-Autofokus zur Verfügung. Die weiteren Sensoren sind weniger genaue Liniensensoren. Eine Schärfennachführung für bewegte Objekte und sich zu bewegende Objekte sowie eine Gesichtserkennung sind ebenfalls vorhanden. In unserem Labortest kam es gelegentlich zu unpräzisem Verhalten des Fokussierens, und zwar sowohl beim Phasen- als auch beim Live-View-Autofokus.

Das eingebaute Blitzgerät liegt, wie bereits erwähnt, mit einer gemessenen Leitzahl von zehn etwas oberhalb der vom Hersteller angegeben Leistung. Der Fotograf auf eine separate Blitz-Belichtungskorrektur zurückgreifen und auch eine Funktion, um den Blitz am Ende der Aufnahme zu zünden, ist vorhanden. Diese erlaubt eine bessere Nutzung des vorhandenen Lichts bei der Aufnahme. Alles in allem ist der eingebaute Blitz aber nur eine “Notbeleuchtung”. Besser geht das Blitzen mit einem externen Aufsteckblitz. Passend dafür besitzt die EOS 200D einen TTL-Blitzschuh. Mit diesem kann die Kamera mit einem kompatiblen Blitz kommunizieren und die Lichtmenge, je nach Anforderung, präzise steuern. Eine Steuerung für das entfesselte Blitzen bietet die EOS 200D nur mit einem externen Systemblitz beziehungsweise Steuergerät auf dem Blitzschuh.

Die Videofunktion der EOS 200D kann ohne abwertend zu klingen als Standard bezeichnet werden. Mehr als eine Full-HD-Auflösung (1.920 x 1.080 Bildpunkten) mit 50 Bilder pro Sekunde im PAL-Modus und 60 Bildern pro Sekunde im NTSC-Modus sind nicht drin. Eine 4K Auflösung bietet die Kamera nicht an. Wie auch im Fotomodus ist der Videomodus mit einer Motivautomatik ausgestattet, manuelle und halbautomatische Betriebsarten sind ebenfalls vorhanden. Darüber hinaus können Spezialeffekte bei der Aufnahme mit aufgezeichnet werden. Insgesamt stehen dem Fotografen fünf verschiedene Spezialeffekte zur Verfügung, die das Video beispielsweise mit einem Retroeffekt versehen, so dass das Video einem alten zerkratzen Analogfilm ähnelt. Diese Effekte sind allerdings permanent und lassen sich nicht rückgängig machen. Die EOS 200D besitzt ein eingebautes Stereomikrofon, das automatisch ausgesteuert wird. Wenn das nicht ausreicht, kann ein Mikrofon mit 3,5 mm Klinkenstecker angeschlossen werden. Sollen die Videos gleich angeschaut werden, so kann die Kamera mit einem TV-Gerät mit HDMI-Anschluss verbunden werden. Die Autofokusnachführung klappt bei Verwendung des STM-Setobjektivs zufriedenstellend.

  • Bild Auf der linken Seite des Gehäuses sind die Anschlüsse für Mikrofon und Kabelfernbedienung zu finden. Auch der Knopf zum Entriegeln des Blitzgeräts und die Abblendtaste sind hier zu sehen. [Foto: MediaNord]

    Auf der linken Seite des Gehäuses sind die Anschlüsse für Mikrofon und Kabelfernbedienung zu finden. Auch der Knopf zum Entriegeln des Blitzgeräts und die Abblendtaste sind hier zu sehen. [Foto: MediaNord]

Wie Eingangs erwähnt, verfügt die EOS 200D über eine WLAN- und Bluetooth-Funktion. Die Verbindung der Kamera über Bluetooth mit dem Smartphone war leider sehr fummelig. So akzeptiert die App nur Verbindungen, die über die Canon Camera Connect App erstellt wurden. Manuell über das Smartphone-Systemmenü erstellte Verbindungen müssen gelöscht werden. Nachdem die Bluetooth-Verbindung hergestellt wurde, kann der Fotograf die Geotagging-Verbindung aktivieren. Bei der EOS 200D muss eine permanente Bluetoothverbindung vorhanden sein, damit die Positionsdaten in die Metadaten des Bildes geschrieben werden können. Wählt der Fotograf hingegen die Fernbedienungsfunktion aus, dann wird das WLAN aktiviert. Der Theorie nach verbindet sich die Kamera dann automatisch mit dem Smartphone. In unserem Test weigerte sich die App, eine WLAN-Verbindung zwischen einem Samsung S5 und EOS 200D aufzubauen. Die Verbindung zwischen einem Sony Xperia XZ und der Kamera funktionierte dagegen problemlos und schnell. Das Xperia XZ konnte dabei sogar als reiner Fernauslöser ohne Live-View genutzt werden. Die NFC-Funktion hilft, die WLAN-Verbindung schnell aufzubauen. Mit dem Smartphone kann der Fotograf nach erfolgreichem Verbindungsaufbau alle Aufnahme-Einstellungen ändern und die Aufnahme von seinem Smartphone auslösen. Die Bilder können zudem auf das Smartphone übertragen werden, so dass diese gleich geteilt und weiter versendet werden können.

Bildqualität

Wir haben die Canon EOS 200D mit dem EF-S 18-55 mm 4-5,6 IS STM in unserem Labor genau durchgemessen und geben in diesem Abschnitt des Testberichtes einen Überblick über die zu erwartende Bildqualität der Kamera und des Objektivs. Wer sich für mehr Details des Labortests interessiert, kann diesen gegen eine kleine Gebühr als Einzeltest über die weiterführenden Links abrufen. Zudem bieten wir eine “Labortest-Flatrate” an, bei der alle bislang gemachten Labortests zur Verfügung stehen.

Der Schärfenabfall des Objektivs ist auf 20 mal 30 Zentimeter Ausgabegröße recht gering. Da die Werte aber eine Überschärfung zeigen ist davon auszugehen, dass der Bildprozessor hier “nachhilft”. Beugungsunschärfe ist bei keiner Brennweite so stark, dass Bilder sichtbar unscharf werden. Eine Randabdunklung ist zwar vorhanden, diese ist aber mit maximal 0,3 EV fast unsichtbar in allen Brennweiten. Die Verzeichnung, die das 18-55 mm zeigt, ist im Weitwinkelbereich sehr sichtbar tonnenförmig und im Telebereich sichtbar kissenförmig. Die chromatischen Aberrationen hingegen sind gering und werden erst im Telebereich leicht sichtbar. Zwar zeigt die EOS 200D mit dem 18-55 mm 4-5,6 IS STM bei offener Blende im Weitwinkel eine respektable Auflösung, doch die höchste Auflösung von etwa 54 Linienpaaren pro Millimeter in der Bildmitte wird in der mittleren Brennweite bei F5,6 erreicht. Zum Rand fällt die Auflösung in allen Bereichen zum Teil deutlich ab.

Der für die Bildqualität wichtige Signal-Rauschabstand gibt an, wie stark sich das Bildsignal vom Bildrauschen unterscheidet. Im Fall der EOS 200D zeigt dieser einen hohen Abstand bis ISO 200, danach reduziert sich der Abstand immer weiter und wird bei etwas mehr als ISO 800 gering. Ab ISO 6.400 setzt dann offenbar eine Rauschunterdrückung ein, die den Abstand bis ISO 12.800 konstant hält. Darüber hinaus verringert sich der Abstand kontinuierlich. Aufnahmen oberhalb ISO 12.800 sind aus diesem Grund nicht mehr empfehlenswert.

  • Bild Das Stativgewinde der EOS 200D befindet sich in der optischen Achse, ist  aber recht weit am hinteren Ende der Kamera angeordnet. Unter der Klappe verbirgt sich das Speicherkarten- und Akkufach. [Foto: MediaNord]

    Das Stativgewinde der EOS 200D befindet sich in der optischen Achse, ist  aber recht weit am hinteren Ende der Kamera angeordnet. Unter der Klappe verbirgt sich das Speicherkarten- und Akkufach. [Foto: MediaNord]

Der Detailverlust über die ISO-Stufen wird anhand eines Texturcharts gemessen. Auch dieses bestätigt den Eindruck der kamerainternen Überschärfung der Bilder. Oberhalb von ISO 1.600 fangen Bilder an, sichtbar unscharf zu werden. Die Schwelle zum sehr unscharfen Bild wird jedoch auch bei der maximalen ISO von 51.200 knapp nicht erreicht. Das Bildrauschen ist bis ISO 3.200 kaum sichtbar und wird darüber hinaus immer stärker sichtbar. Das sehr störende Farbrauschen ist bis ISO 6.400 kein Problem. Danach schlägt die Rauschunterdrückung stark zu und ab ISO 12.800 steigt das Farbrauschen deutlich an. Im Vergleich mit einer gleichwertigen Kamera eines Mitbewerbers liegt die EOS 200D in hohen ISO-Bereichen leicht unterhalb deren Bildqualität. 

Die Eingangsdynamik einer Kamera zeigt, welchen Motivkontrast sie bewältigen kann. Die EOS 200D erreicht hier etwa bei ISO 200 etwas mehr als zwölf Blendenstufen. Darüber hinaus sinkt die Eingangsdynamik immer weiter ab und unterschreitet kurz vor ISO 12.800 neun Blendenstufen. Auf der Ausgabeseite, also der Tonwertübertragung, zeigt die Kamera eine bauchige Kurve, die typisch für Kameras ist, die auf Shoot-to-Print ausgelegt sind. Der Tonwertumfang ist sehr hoch und beträgt fast voll 256 Helligkeitsstufen. Kurz vor ISO 1.600 unterschreitet dieser die Grenze zwischen gut und akzeptabel mit 160 Helligkeitsstufen. Die Messung der Farbtreue zeigt, dass die EOS 200D die Magentatöne deutlich rötlicher darstellt. Orange und grün sind nur leicht verschoben und Cyantöne fast gar nicht. Die Farbabweichung ist im Durchschnitt eher gering.

Alles in allem zeigt die Kamera eine gute Leistung in Kombination mit dem Objektiv. Das volle Potential der Kamera wird allerdings vom Objektiv nicht angekratzt. Fotografen, die mehr wollen, sollten sich also überlegen, ob sie die EOS 200D lieber mit einem hochwertigeren Objektiv einsetzen. Durch die sehr auf Shoot to Print abgestimmte Bildaufbereitung ist die Möglichkeit, die JPEG-Dateien zu bearbeiten, eingeschränkt. Hier hilft nur die konsequente Nutzung des Rohdatenformats oder der Bildstilanpassung, indem die Bildschärfe drastisch reduziert wird. 

Fazit

Die EOS 200D zeigt deutlich, dass Canon es sehr gut versteht, was eine Einsteigerkamera braucht und was nicht. Angefangen beim exzellent verarbeiteten und sehr griffigen Gehäuse bis hin zur jederzeit verständlichen Bedienung über den hochauflösenden und dazu noch beweglichen Touchscreen gab es mit der Kamera keine Unklarheit beim Bedienkonzept. Die Schalter, Wahlräder und Tasten sind straff, lassen sich aber jederzeit einwandfrei bedienen. Ein separater Speicherkartensteckplatz wäre schön gewesen, ist aber der Preis, der für die wirklich geringe Größe gezahlt werden muss. Bei den Aufnahmeprogrammen gibt es ebenfalls nichts auszusetzen und die Motivautomatik erkennt recht sicher verschiedene Aufnahmeszenarien. Schade ist, dass es bei der Kamera keine 4K-Video-Aufnahme gibt, zumal Canon in Sachen Video kein unbeschriebenes Blatt ist und eine solche Funktion aus dem Ärmel hätte implementieren können. Die Bildqualität gibt keinen Anlass zur Klage, solange der Fotograf unterhalb von ISO 1.600 bleibt. Darüber hinaus nimmt die Unschärfe durch Bildrauschen und Rauschunterdrückung kontinuierlich zu. Wie bei Set-Objektiven üblich war auch in diesem Fall das EF-S 18-55 mm 4-5,6 IS STM der limitierende Faktor. Die Kamera kann in Sachen Auflösung deutlich mehr liefern als das Objektiv.
 

  • Bild Das Akku- und Speicherkartenfach der EOS 200D im Detail. [Foto: MediaNord]

    Das Akku- und Speicherkartenfach der EOS 200D im Detail. [Foto: MediaNord]


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Kamera-Tests Auswahl


Steckbrief

Steckbrief
HerstellerCanon
ModellEOS 200D
SensorCMOS APS-C 22,5 x 15,0 mm (Cropfaktor 1,6)
25,8 Megapixel (physikalisch)
24,2 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch3,7 µm
Auflösung (max.)6.000 x 4.000 (3:2)
Video (max.)1.920 x 1.080 60p
ObjektivCanon EF-S 18-55 mm 4-5.6 IS STM (Zoom-Objektiv)
SpiegelreflexsucherSpiegelsucher, 95 Prozent Bildfeldabdeckung, 0,87-fache Vergrößerung (Sensor-bezogen), 19 mm Augabstand, Dioptrienkorrektur von -3,0 bis 1,0 dpt, wechselbare Mattscheiben
Monitor3,0" (7,7 cm)
  Auflösung1.040.000 Bildpunkte
  kippbar
  drehbarja
  schwenkbarja
  Touchscreenja
AV-AnschlussHDMI-Ausgang Mini (Typ C)
Vollautomatikja
Motivautomatikja
Motivprogramme13
Programmautomatikja
Programmshiftja
Blendenautomatikja
Zeitautomatikja
Manuellja
Bulb-Langzeitbelichtungja
HDR-Funktionja
Panoramafunktionnein
BelichtungsmessungMatrix/Mehrfeld-Messung (63 Felder), Mittenbetonte Integralmessung, Spotmessung
kürzeste Verschlusszeit1/4.000 s
Blitzeingebauter Blitz
  Synchronzeit1/200 s
  BlitzanschlussBlitzschuh: Canon, Standard-Mittenkontakt
WLANja
NFCja
GPSextern, Smartphone als GPS-Logger
Fernauslöserja, Kabelauslöser, Fernsteuerung über Smartphone/Tablet
Intervallaufnahme
Speichermedium
SD (SDHC, SDXC, UHS I)
Empfindlichkeit
  automatischISO 100-25.600
  manuellISO 100-51.200
Weißabgleich
  automatischja
  manuelle Messungja
  Kelvin-Eingabeja
  Feinkorrekturja
Autofokusja
  Anzahl Messfelder1 Kreuzsensoren
8 Liniensensoren
49 Kontrastsensoren
  GeschwindigkeitPhasen-Autofokus: 0,30 s bis 0,40 s
Live-View-Autofokus: 0,50 s bis 0,75 s
  AF-HilfslichtLED
Abmessungen122 x 93 x 70 mm
Gewicht (betriebsbereit)440 g (nur Gehäuse)
658 g (mit Objektiv)
Stativgewindein optischer Achse
Zoom
  Zoomverstellungmanuell am Objektiv
Akkulaufzeit650 Aufnahmen (gem. CIPA-Standard)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

Kurzbewertung

  • Kleines, griffiges Gehäuse
  • Beweglicher Touchscreen
  • Nachvollziebares Bedienkonzept
  • Gute Bildqualität bis ISO 1.600
  • WLAN-Funktion bei älteren Smartphones "zickig"
  • Bildqualität bei hohen ISO-Empfindlichkeiten bleibt leicht hinter den Mitbewerbern zurück
  • Autofokus gelegentlich etwas unpräzise

Autor

Harm-Diercks Gronewold

Harm-Diercks Gronewold, 47, ist gelernter Fotokaufmann und hat etliche Jahre im Fotofachhandel gearbeitet, bevor er 2005 in die digitalkamera.de-Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Produktdatenbanken, Bildbearbeitung, Fototipps sowie die Berichterstattung über Software und Zubehör. Er ist es auch, der meistens vor der Kamera in unseren Videos zu sehen ist und die Produkte vorführt.