Spiegellose Vollformat-Profi-Systemkamera

Canon EOS R3 im Test

2022-05-24 Die Canon EOS R3 ist die erste professionelle spiegellose Systemkamera des Kamera-Marktführers. Sie basiert auf einem eigens entwickelten Stacked-BSI-CMOS-Sensor mit 24 Megapixeln, der 30 Serienbilder pro Sekunde mit AF- und AE-Verfolgung sowie unterbrechungsfreiem Sucherbild ermöglicht. Der Autofokus soll der bisher schnellste aller R-Kameras sein und auch die Videofunktion kann sich mit 6K-Auflösung bei 60 Bildern pro Sekunde sehen lassen. Im Test haben wir im Labor und in der Praxis analysiert, wie gut die schnelle DSLM wirklich ist.  (Benjamin Kirchheim)

Canon EOS R3 Testbericht als Premium-VersionDiesen Kameratest gibt es auch als E-Book mit erweitertem Informationsumfang. Das PDF zum Herunterladen enthält gegenüber dieser Online-Version zusätzlich eine übersichtliche Tabelle mit detaillierten Einzelbewertungen sowie zwei Diagramme, in denen die Stärken und Schwächen der Kamera gut vergleichbar visualisiert werden. Zudem stellen wir drei andere Kameras als mögliche Alternativen vor und erklären welche Vor- und Nachteile diese gegenüber der Canon EOS R3 haben. mehr …

  • Bild Die EOS R3 ist die erste spiegellose Vollformat-Profi-Systemkamera von Canon. Entsprechend besitzt sie einen fest verbauten Hochformatgriff. [Foto: MediaNord]

    Die EOS R3 ist die erste spiegellose Vollformat-Profi-Systemkamera von Canon. Entsprechend besitzt sie einen fest verbauten Hochformatgriff. [Foto: MediaNord]

Ergonomie und Verarbeitung

Auch wenn es sich bei der Canon EOS R3 um eine spiegellose Systemkamera handelt, ist sie in vielerlei Hinsicht ein mächtiges Schwergewicht. Das fängt beim stolzen Preis von fast 6.000 Euro an, geht über das wuchtige Gehäuse mit eingebautem Hochformatgriff bis hin zum Gewicht, das betriebsbereit bereits ohne Objektiv bei knapp über einem Kilogramm liegt; auch wenn das gut 400 Gramm weniger sind als bei einer Profi-DSLR wie der Canon EOS-1D X Mark III. Unsere Testkombination mit dem RF 24-70 mm 2.8L IS USM bringt es sogar auf knapp über 1,9 Kilogramm. Außerdem kam das Canon RF 70-200 mm 2.8L IS USM als Sportobjektiv an der EOS R3 zum Einsatz (siehe Bilder am Ende des Testberichts).

Für das Gewicht bietet die EOS R3 aber auch eine über jeden Zweifel erhabene Verarbeitungsqualität. Das Gehäuse besteht aus einer robusten Magnesiumlegierung und ist gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet. Canon gibt sogar eine Schutzklasse dafür an: IPX2. Das bedeutet einen Tropfwasserschutz bis 15 Grad abweichend von der Senkrechten. Vor allem im Querformat liegt die EOS R3 sehr satt in der Hand. Dennoch empfiehlt es sich bei dem Gewicht, das Objektiv mit der linken Hand zu stützen. Die Handgriffflächen auf der Vorder- und Rückseite sind großzügig gummiert, so dass einem die Kamera kaum aus den Händen gleiten kann. Im Hochformat ist der Handgriff zwar ein wenig schlechter ausgeprägt, aber die EOS lässt sich auch damit sicher halten.

Bei der Bedienung setzt Canon auf viele Knöpfe sowie einen Joystick und drei Funktionsräder, die sich allesamt sehr umfangreich individualisieren lassen. Viele Funktionen werden ergonomisch per Knopfdruck und anschließendem Dreh an einem der drei Funktionsräder, eines in Auslösernähe, eines oben hinten an der Kamera und das dritte auf der Rückseite, eingestellt. Hat man diese Bedienung erst einmal verinnerlicht, lässt sich die Kamera blitzschnell auf die aktuellen Aufnahmeanforderungen einstellen.

Damit man die Kamera auch im Hochformat ohne Verrenkungen bedienen kann, sind einige Bedienelemente doppelt ausgeführt, etwa der programmierbare M-Fn-Funktionsknopf, das vordere und hintere Bedienrad oder der Joystick und sogar die AF-On-Taste mit dem Smart Controller. Mit einem separaten Schalter, der in den Einschalter integriert ist und kaum versehentlich verstellt werden kann, lassen sich die Hochformatbedienelemente aktivieren oder vor versehentlicher Betätigung schützen.

Sind Sie auf der Suche nach einer spiegellosen Systemkamera und möchten sich über dieses Kamerasegment informieren? Dann haben wir das passende E-Book!Dieses E-Book hilft Ihnen die individuell passende Kamera zu finden. Was zeichnet spiegellose Systemkameras aus? Welche Ausstattungsmerkmale gibt es? Worauf sollten Sie beim Kauf achten? Alle 78 aktuellen Modelle werden vorgestellt mit ihren Highlights, einer kurzen Beschreibung und einer kurzen Einschätzung aus bis zu drei Testberichten. Ein E-Book als PDF mit 220 Seiten für 7,99 €. Kostenlose 14-seitige Leseprobe erhältlich. mehr …

Auch durch die umfangreichen Menüs navigiert man dank der drei Einstellräder zügig, alternativ kann aber auch der Joystick oder sogar der Touchscreen verwendet werden. Die Menüs geben insbesondere denen, die schon mit Canon vertraut sind, keine Rätsel auf. Sie sind klar gegliedert und bieten umfangreiche Einstellmöglichkeiten. Dazu gehört neben zahlreichen konfigurierbaren Tasten und Funktionen auch ein "My Menü", das vom Fotografen mit den für ihn wichtigsten Menüpunkten belegt werden kann. Zudem startet das Menü stets an der zuletzt verwendeten Position, so dass diese nicht immer wieder mühsam gesucht werden muss.

Auf dem Bildschirm lassen sich die wichtigsten Tasten- und Funktionseinstellungen per Knopfdruck direkt einblenden und auch ändern. Im Live-View gibt es neben Aufnahmeanzeigen auch eine elektronische Wasserwaage sowie ein Live-Histogramm. Nützlich sind auch die auf dem Bildschirm oder im Sucher einblendbaren Gitter, die Fokuslupe und Fokuspeaking zur Unterstützung der manuellen Fokussierung.

Praktisch beispielsweise bei Belichtungsreihen vom Stativ, etwa für HDR-Aufnahmen, ist der elektronische Verschluss, der aber noch andere Vorteile bietet. So beträgt die minimale Verschlusszeit dann 1/64.000 statt 1/8.000 Sekunde und auch bei Serienbildaufnahmen ist die Kamera deutlich schneller (dazu unten mehr). Übrigens schließt sich der mechanische Verschluss der EOS R3 beim Ausschalten als Staubschutz für den Bildsensor.

Ein beleuchtbares LC-Display auf der Oberseite steht für die Anzeige der Einstellungen neben dem farbigen Touchscreen zur Verfügung. Letzterer ist mit 3,2 Zoll (rund acht Zentimeter) recht groß und löst mit 4,2 Millionen Bildpunkten äußert fein auf. Hinzu kommt der Vorteil des 3:2-Formats, so dass im Live-View der ganze Bildschirm ohne Trauerränder genutzt werden kann. Es handelt sich um einen Touchscreen mit voller Touch-Kontrolle, so dass sich selbst das Menü auf Wunsch per Touch statt mit Tasten bedienen lässt. Auch eine Bildschirmtastatur steht zur Verfügung. Mit einer maximalen Leuchtdichte von 730 cd/m² leuchtet der Bildschirm ausreichend hell, um auch bei Sonnenlicht noch gut abgelesen werden zu können. Allerdings muss die Helligkeit manuell geregelt werden. Wie gut, dass sich bei Bedarf per individualisierter Taste direkt die maximale Bildschirmhelligkeit aktivieren lässt.

  • Bild Die Canon EOS R3 bietet als erste Profikamera von Canon einen dreh- und schwenkbaren Bildschirm. Der rund acht Zentimeter große Touchscreen löst feine 4,2 Millionen Bildpunkte auf. [Foto: MediaNord]

    Die Canon EOS R3 bietet als erste Profikamera von Canon einen dreh- und schwenkbaren Bildschirm. Der rund acht Zentimeter große Touchscreen löst feine 4,2 Millionen Bildpunkte auf. [Foto: MediaNord]

Erstmals in einer Profikamera von Canon ist der Bildschirm dreh- und schwenkbar. Das bietet nicht nur für verschiedene Perspektiven und bei Videoaufnahmen als Kontrollmonitor Vorteile, sondern er lässt sich auch zum Schutz verkehrt herum an die Kamerarückseite klappen. So kann die Canon EOS R3 als reine Sucherkamera betrieben werden. Auch die Bildwiedergabe ist selbstverständlich im Sucher möglich. Zudem bietet Canon eine neue Suchermuschel an, die einseitig eine sehr große Abdeckung gegen Streulicht bietet. Auch zur exakten Positionierung des Auges für das Eye-Control-System bietet sie Vorteile.

Apropos Sucher: Typisch für eine spiegellose Systemkamera arbeitet er selbstverständlich elektronisch. Er vergrößert 0,76-fach und löst feine 5,76 Millionen Bildpunkte auf und arbeitet mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde. Während Serienaufnahmen sinkt die Aktualisierungsrate allerdings auf 60 Bilder pro Sekunde – immerhin bleibt dabei die volle Auflösung erhalten. Auch die Sucherverzögerung ist so minimal, dass sie kaum ins Gewicht fällt. Dank der Dioptrienkorrektur kann man ihn mit nicht zu starker Fehlsichtigkeit gut ohne Brille verwenden. Mit Brille auf der Nase kann man nämlich das Sucherbild nicht vollends überblicken. Das Sucherokular steht ein gutes Stück nach hinten über, sodass man nicht gleich mit der Nase am Touchscreen klebt und diesen noch bequem mit dem Auge am Sucher bedienen kann.

Durch die feine Auflösung vergisst man zuweilen, dass man durch einen Videosucher blickt. Seine Stärken spielt er beispielsweise dann aus, wenn das Umgebungslicht schwindet und man quasi eine Nachtsichtgerät-Kamera vor der Nase hat. Man erkennt mehr Details als mit dem bloßen Auge. Auch bei der Bedienung hilft der elektronische Sucher. So kann man nach Betätigung der M-Fn-Taste mit dem Daumenrad durch verschiedene Einstellungen scrollen und diese mit dem vorderen Rad anpassen. Durch die Einblendungen verliert man sein Motiv dabei nicht aus dem Auge und kann je nach Option die Auswirkungen, beispielsweise beim Weißabgleich, direkt im Sucherbild beobachten.

Der Sucher macht insgesamt einen hervorragenden Eindruck und bietet nicht nur eine automatische Aktivierung, sobald man die Kamera ans Auge nimmt, sondern sie erkennt sogar, wohin man blickt. Der Eye-Control-Autofokus dient als Alternative zum Fokusjoystick oder dem optisch arbeitenden Smartcontroller, der erstmals in der EOS-1D X Mark III zum Einsatz kam, zum Festlegen des Fokuspunkts. Die Verfolgung des Motivs übernimmt dann der Autofokus der Kamera. Das Eye-Control-System arbeitet mit im Sucher integrierten Infrarot-LEDs, einer Technik, die aus dem Medizinbereich stammt. Ein Sensor misst die Reflexionen und trackt anhand dessen das Auge, wofür allerdings eine Kalibrierung auf das jeweilige Auge des Fotografen nötig ist. Dafür bietet die EOS R3 mehrere Speicherplätze, beispielsweise um die Kamera zwischen mehreren Fotografen oder auch einem Fotografen mit und ohne Brille umschalten zu können.

Das System ist sehr empfindlich und so sollte man immer ähnlich durch das Okular schauen, damit es funktioniert. Sonnenbrillen, Gläser mit spezieller Beschichtung, Gleitsichtbrillen, beschlagene Brillengläser und harte Kontaktlinsen, die im Gegensatz zu weichen permanent wandern, sind für den Eye-Control-AF durchaus problematisch. Da ist es gut, dass das System nur eine Alternative zur bisherigen Fokusfeldwahl ist. Der Eye-Control-AF ist auch nicht dazu gedacht, das Motiv ständig zu verfolgen, denn das übernehmen der Servo-AF für die Distanznachführung oder der Tracking-AF für die Motivnachführung über das Bildfeld.

  • Bild Das beleuchtbare Schulterdisplay der Canon EOS R3 zeigt die wichtigsten Aufnahmeparameter an. [Foto: MediaNord]

    Das beleuchtbare Schulterdisplay der Canon EOS R3 zeigt die wichtigsten Aufnahmeparameter an. [Foto: MediaNord]

In der Praxis geht die Kalibrierung schnell vonstatten, man muss nur den Anweisungen im Sucher folgen und nacheinander in die Mitte sowie die vier Randbereiche schauen. Danach wird das Auge als zwei gelbe Kreise im Sucher dargestellt. Sobald man den Auslöser antippt oder die AF-On-Taste drückt, wird der Fokus dort fixiert und man hat das Auge wieder frei, um den Bildausschnitt zu kontrollieren oder auf neue Motive zu lauern, die ins Bildfeld kommen. Ein erneuter Druck auf die AF-On-Taste fixiert bei Bedarf den Autofokus neu, denn der Doppelkreis des Eye-Control-AF ist stets im Sucher zu sehen.

Das Eye-Control-System steht übrigens nur während Fotoaufnahmen zur Verfügung. In der Praxis funktioniert der Eye-Control-AF solange gut, wie die anzuvisierenden Motive gut voneinander getrennt sind. Sobald hingegen viele Motive auf einem Haufen sind, braucht es sehr viel Übung, um beispielsweise einen einzelnen Spieler einer Footballmannschaft anzuvisieren. Da ist es gut, dass die AF-On-Taste mit einer Besonderheit aufwartet: Sie bietet einen so genannten Smart Controller. Dabei handelt es sich um einen optischen Sensor mit einer ähnlichen Technik, wie sie auch bei optischen Mäusen zur Bedienung von Computern zum Einsatz kommt. Nur, dass dieser Sensor quasi genau umgekehrt arbeitet, denn wenn man den Finger darüber bewegt, erkennt der Sensor Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit.

Mit dem Smart Controller lässt sich der Fokuspunkt sehr schnell auch über größere Entfernungen manuell verschieben, ohne dass man zum Fokusjoystick umgreifen muss. Wahlweise ist der Smart Controller immer aktiv oder erst nach Tastendruck. Er arbeitet sehr empfindlich, so dass man sich erst ein wenig daran gewöhnen muss, insbesondere, um den Fokuspunkt nicht bei der ersten Berührung oder beim Loslassen schon ungewollt zu verschieben. Dafür bietet er aber eine sehr schnelle Reaktionsgeschwindigkeit, selbst beim Verschieben des Fokuspunkts über das gesamte Bildfeld, was mit dem Fokus-Joystick wesentlich langsamer geht.

Eine weitere Alternative zum Joystick für die Verschiebung der Autofokusfelder ist der Touchscreen. Das funktioniert sogar beim Blick durch den Sucher. Dabei kann man auswählen, welcher Bildschirmbereich dafür verwendet wird und ob die Positionierung relativ oder absolut erfolgen soll.

Die Schnittstellenausstattung auf der linken Gehäuseseite ist äußerst üppig. Ein LAN-Kabelanschluss erlaubt beispielsweise den Betrieb der Kamera im Netzwerk. Aber auch per USB lässt sich die R3 mit einem Computer verbinden. Der USB-Anschluss verspricht mit USB 3.2 Typ C eine hohe Datentransferrate, die allerdings durch Verwendung des PTP-Protokolls arg ausgebremst wird. An einem CFexpress-Kartenlesegerät führt für schnelle Datenübertragungen deshalb kein Weg vorbei.

  • Bild Das Stativgewinde der Canon EOS R3 sitzt in der optischen Achse. Eine Aufnahme für eine Verdrehsicherung (auch als Videopin bekannt) gibt es indes nicht. [Foto: MediaNord]

    Das Stativgewinde der Canon EOS R3 sitzt in der optischen Achse. Eine Aufnahme für eine Verdrehsicherung (auch als Videopin bekannt) gibt es indes nicht. [Foto: MediaNord]

Beim HDMI-Anschluss kommt in dem großen Kameragehäuse leider der mickrige Typ D zum Einsatz. Der auch als Micro-HDMI bekannte Standard ist recht anfällig für Kontaktprobleme. Wohlweislich legt Canon der EOS R3 direkt einen Knickschutz bei. Eine größere Typ-C-Buchse wäre trotzdem besser gewesen (oder, noch besser, eine große Typ-A-Buchse). Das Videosignal kann maximal in 4K mit 4:2:2 10 Bit ausgegeben werden, selbstverständlich auf Wunsch ohne Einblendungen (also "Clean HMDI") und unkomprimiert. Eine Blitzsynchronbuchse für den Studiobetrieb und eine Kabelfernauslösebuchse sowie ein Stereomikrofonanschluss und ein Kopfhörerausgang jeweils in Klinkenform gehören zur weiteren Schnittstellenausrüstung.

Drahtlos nimmt die Canon per Bluetooth und WLAN Verbindung mit Computern, Smartphones und Tablets auf. Die Antennen sitzen unter einer kleinen Kunststoffhaube vor dem TTL-Systemblitzschuh. Bei letzterem handelt es sich um den neuen Multifunktions-Blitzschuh, der zusätzlich zu den normalen TTL-Kontakten 21 digitale Kontakte zur Stromversorgung und Datenübertragung bietet. Dieser Zubehörschuh kam erstmals im Camcorder XF605 zum Einsatz. Alle alten Blitzgeräte und anderes Zubehör lässt sich zwar weiterhin verwenden, um aber den Spritzwasserschutz sicherzustellen, ist der 50 Euro teure Blitzschuhadapter AD-E1 notwendig.

Das Metallstativgewinde befindet sich selbstverständlich in der optischen Achse. Leider hat Canon es versäumt, eine Bohrung für einen Video-Pin als Verdrehsicherung für den Stativbetrieb einzubauen, genug Platz wäre gewesen. Der 30 Wattstunden (Wh) starke Lithium-Ionen-Akku lässt sich nach links entnehmen und bietet Energie für 860 Aufnahmen nach CIPA-Standardmessverfahren, sofern man den Monitor verwendet – nutzt man stattdessen den elektronischen Sucher, sind es nur noch 620 Aufnahmen. Das sind absolut gesehen für eine spiegellose Systemkamera zwar sehr gute Werte, aber angesichts der Akkugröße ist das nicht allzu viel. Vor allem mit einer DSLR können diese Laufzeiten nicht mithalten, sofern man die DSLR mit Spiegelreflexsucher verwendet. In der Praxis hängt die Laufzeit aber auch stark von den Aufnahmeeinstellungen ab, so lassen sich beispielsweise im Serienbildmodus deutlich mehr Aufnahmen machen.

Immerhin lässt sich der Akku per USB-C direkt in der Kamera nachladen, auch ein Dauerbetrieb ist via USB-C möglich. In beiden Fällen benötigt man jedoch ein potentes Ladegerät (oder Powerbank) mit Power-Delivery-Standard. Selbstverständlich gehört ein externes Doppelladegerät zum Lieferumfang, so dass man zwei Ersatzakkus gleichzeitig nachladen kann. LEDs am Ladegerät signalisieren, wie voll die Akkus sind und wie lang die Restladezeit noch ungefähr ist.

  • Bild Standardmäßig ist der Verschluss der Canon EOS R3 zum Schutz des Sensors vor Verunreinigungen geschlossen, per Menü lässt er sich aber auch einstellen, dass er nach dem Ausschalten der Kamera offen bleibt. [Foto: MediaNord]

    Standardmäßig ist der Verschluss der Canon EOS R3 zum Schutz des Sensors vor Verunreinigungen geschlossen, per Menü lässt er sich aber auch einstellen, dass er nach dem Ausschalten der Kamera offen bleibt. [Foto: MediaNord]

Die Speicherkarten werden an der Handgriffseite der Kamera entnommen. Hinter der großen Klappe verbergen sich gleich zwei Steckplätze, einer für schnelle SD/SDHC/SDXC-Karten mit UHS-II-Standard und einer für noch schnellere CFexpress-Speicherkarten. Wir haben im Raw-Serienbildmodus eine Speichergeschwindigkeit von knapp 470 MB/s ermittelt, was nur mit CFexpress-Speicherkarten möglich ist. Die fast 1.500 MB/s schnelle Schreibgeschwindigkeit der Testkarte wurde jedoch nicht annähernd ausgereizt.

Ausstattung

Die Canon EOS R3 ist als Profikamera für Fotografen gebaut, die etwas von Technik verstehen – eine grüne Vollautomatik oder Motivprogramme sucht man also vergebens. Nicht einmal ein Programmwählrad gibt es, der Aufnahmemodus wird per Knopfdruck und dann mit einem der Einstellräder festgelegt. Programmautomatik (mit Shift-Möglichkeit), Blendenautomatik, Zeitautomatik, manuelle Belichtung sowie Bulb-Langzeitbelichtung und drei Individualprogramme stehen zur Verfügung. Der relativ junge Fv-Modus, der die Bedienung erleichtern soll, hat es ebenfalls in die R3 geschafft. Dieses flexible Programm (dafür steht das F) erlaubt jederzeit die Änderung einzelner Belichtungsparameter, man kann bequem zwischen Automatik und manueller Wahl wechseln. Damit werden alle klassischen Kreativprogramme im Fv-Modus vereint, sei es die Blendenautomatik, die Programmautomatik, die Zeitautomatik oder der manuelle Modus, jeweils wahlweise mit oder ohne ISO-Automatik.

Die EOS R3 bietet dank zahlreicher Einstellmöglichkeiten viel Raum, sie an seine individuellen Anforderungen beziehungsweise das Motiv anzupassen. Beispielsweise können die Ober- und Untergrenze der ISO-Automatik im Bereich von ISO 100 bis 102.400 eingeschränkt werden. Auch die längste Verschlusszeit kann eingestellt werden, bei Sportaufnahmen haben wir für knackig scharfe Motive ohne Bewegungsunschärfen beispielsweise 1/1.000 Sekunde verwendet. Bei manueller Empfindlichkeitseinstellung lässt sich der ISO-Bereich auf 50 bis 204.800 erweitern, falls es in Extremsituationen erforderlich sein sollte (jenseits von ISO 12.800 nimmt die Bildqualität jedoch deutlich ab).

Fortsetzung auf Seite 2

Passende Meldungen zu diesem Thema

Artikel-Vorschläge der Redaktion

Objektiv-Simulatoren für Brennweiten, Bildwinkel und Schärfebereich

Objektiv-Simulatoren für Brennweiten, Bildwinkel und Schärfebereich

Sich vorzustellen, wie der Bildwinkel einer Brennweite aussieht, ist schwer. Die Lösung: Objektivsimulatoren. mehr…

Grafikpaket PRO 2022 für Adobe Photoshop für 39,00 € statt 745,35 €

Grafikpaket PRO 2022 für Adobe Photoshop für 39,00 € statt 745,35 €

Noch erhältlich: 5 x Top-Software + zeitsparende Ad-Ons + Stockfotos + Photoshop-Know-how für Ihre besten Bilder. mehr…

Was ist Clean HDMI und wofür braucht man das?

Was ist Clean HDMI und wofür braucht man das?

Mit Clean HDMI lassen sich Videos ohne Zeitbegrenzung aufnehmen und Kameras als Webcam oder zum Streaming einsetzen. mehr…

Mit dem Elgato Cam Link 4K die eigene Kamera zur Webcam machen

Mit dem Elgato Cam Link 4K die eigene Kamera zur Webcam machen

Wir klären darüber auf, worauf Sie beim Anschluss des Geräts und den Kameraeinstellungen achten sollten. mehr…

Calumet PhotographicDie Testberichte sponsert Calumet – Ihr Spezialist für alles was das Fotografen- und Videografenherz begehrt. Mit Filialen in Berlin, Düsseldorf, Essen, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, München und Stuttgart.

Steckbrief

Hersteller Canon
Modell EOS R3
Sensor CMOS Kleinbild 36,0 x 24,0 mm (Cropfaktor 1,0)
26,7 Megapixel (physikalisch)
24,1 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch 6,0 µm
Auflösung (max.) 6.000 x 4.000 (3:2)
Video (max.) 6.000 x 3.164 60p
Objektiv Canon RF 24-70 mm 2.8L IS USM (Zoom-Objektiv)
Videosucher EVF, 100 % Bildfeldabdeckung, 5.760.000 Bildpunkte Auflösung, 0,76-fache Vergrößerung (Sensor-bezogen), Dioptrienausgleich (-4,0 bis 2,0 dpt)
Monitor 3,2" (8,0 cm)
  Auflösung 4.150.000 Bildpunkte
  kippbar
  drehbar ja
  schwenkbar ja
  Touchscreen ja
AV-Anschluss HDMI-Ausgang Micro (Typ D)
Vollautomatik ja
Motivautomatik
Programmautomatik ja
Programmshift ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
Manuell ja
Bulb-Langzeitbelichtung ja
HDR-Funktion ja
Panoramafunktion nein
Belichtungsmessung Matrix/Mehrfeld-Messung (384 Felder), Mittenbetonte Integralmessung, Spotmessung
kürzeste Verschlusszeit 1/8.000 s
Blitz
  Synchronzeit 1/200 s
  Blitzanschluss Blitzschuh: Canon, Canon Multifiunktions-Zubehörschuh
WLAN ja
NFC
GPS extern, dauerhafte Smartphone Verbindung, kabelgebunden oder Aufsteck-Empfänger
Fernauslöser ja, Kabelauslöser, Bluetooth-Auslöser, Fernsteuerung über Smartphone/Tablet
Intervallaufnahme ja
Speichermedium
CFexpress Typ B
  Slot 2
SD (SDHC, SDXC, UHS I, UHS II)
  automatisch ISO 100-102.400
  manuell ISO 50-204.800
  automatisch ja
  manuelle Messung ja
  Kelvin-Eingabe ja
  Feinkorrektur ja
Autofokus ja
  Anzahl Messfelder 4.779
  Geschwindigkeit 0,17 s bis 0,21 s
  AF-Hilfslicht LED
Abmessungen 150 x 143 x 87 mm
Gewicht (betriebsbereit) 1.014 g (nur Gehäuse)
1.910 g (mit Objektiv)
Stativgewinde in optischer Achse
  Zoomverstellung manuell am Objektiv
Akkulaufzeit 860 Aufnahmen (gem. CIPA-Standard)

Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 44, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.