Bildbearbeitungssoftware

Testbericht: Silkypix Developer Studio Pro 9

2018-12-20 Silkypix war viele Jahre ein Geheimtipp unter den Rohdatenkonvertern und fristete lange ein Nischendasein. Der Entwickler Ichikawa soft laboratory Co. aus Chiba-City in Japan entwickelte beispielsweise Rohdatenkonverter für Casio, Pentax, Ricoh, Panasonic und Samsung. In diesem Test widmen wir uns jedoch dem Silkypix Developer Studio Pro 9 und zeigen, ob der nicht mehr ganz so unbekannte Vertreter es mit dem Platzhirschen Lightroom von Adobe aufnehmen kann.  (Harm-Diercks Gronewold)

  • Bild Die Arbeitsoberfläche von Silkypix Developer Studio Pro 9 ist übersichtlich und zeigt eine Vielzahl von Werkzeugen, die sich auf Wunsch frei positionieren und speichern lassen. [Foto: MediaNord]

    Die Arbeitsoberfläche von Silkypix Developer Studio Pro 9 ist übersichtlich und zeigt eine Vielzahl von Werkzeugen, die sich auf Wunsch frei positionieren und speichern lassen. [Foto: MediaNord]

Was als erstes beim Silkypix Developer Studio Pro 9 auffällt, ist die gezippte, etwa 750 Megabyte große Download-Datei. Zum Glück stellt sich schnell heraus, dass sowohl die Mac- als auch die Windows-Version in dieser Datei Platz gefunden haben. Die Installer-Dateigröße für Windows Systeme beträgt etwa 380 Megabyte und liegt damit im Rahmen. Nach der Installation öffnet sich Silkypix Developer Studio Pro 9 im Demomodus. Dieser ist 30 Tage ausführbar und versieht die Bilder zusätzlich mit einem Wasserzeichen. Hier wollte offensichtlich jemand auf Nummer sicher gehen.

Beim ersten Start von Silkypix Developer Studio Pro 9 fragt die Software, ob eine Datei zur Korrektur von Objektivfehlern angelegt werden soll. Das dauert zwar seine Zeit, macht sich am Ende im Workflow aber bezahlt, wenn die Software Objektivfehler wie Verzeichnung und chromatische Aberrationen reduziert. Die Oberfläche von Silkypix Developer Studio Pro 9 ist sehr übersichtlich, und der Bildbearbeiter sieht alle notwendigen Informationen auf einen Blick. Links befindet sich die Ordnernavigation, unten die Bildleiste und rechts die Einstellungsmöglichkeiten. Jeder Bereich ist in der Standardansicht festgelegt, der Bildbearbeiter kann sich aber seinen eigenen Arbeitsplatz so zusammenstellen, wie er ihn gerne hätte. Besonders angenehm ist, dass so die Filmleiste auf einen zweiten Monitor gezogen werden kann, wodurch mehr Platz für die Bildvorschau entsteht. Letztere ist jedoch recht langsam, besonders bei Ordnern mit vielen Bildern. Die kleinen Vorschaubilder enthalten nicht nur einige Metadaten, sondern auch eine Bewertungsfunktion über die bekannten fünf Sterne. Rohdaten werden zudem mit einem kleinen “RAW”-Icon versehen. Selbstverständlich können die Bilder nach verschiedenen Kriterien wie Bewertung, Farbmarkierungen und mehr gefiltert werden. Diese Funktion ist etwas versteckt in der unteren rechten Ecke der Bildübersicht zu finden.

Das Bedienkonzept von Silkypix Developer Studio Pro 9 ist verständlich, muss aber verinnerlicht werden. Umsteiger von anderen Rohdatenkonvertern werden die Funktionen kennen, aber die Benutzung erst erlernen müssen. Zwar lassen sich die Einstellungen von Weißabgleich, Kontrast, Farbe, Rauschunterdrückung und Schärfe recht leicht erkennen, doch bei den Detaileinstellungen muss der Bildbearbeiter wissen, was sich hinter den Icons verbirgt. Am Besten lässt sich das anhand eines schiefen Horizonts erklären. Eigentlich ein alltägliches fotografisches Problem, dennoch muss der Bildbearbeiter die entsprechende Funktion suchen, mit der das Problem behoben werden kann.

  • Bild Um einen schiefen Horizont zu begradigen, muss man zunächst das richtige Icon für die Funktion ausfindig machen. [Foto: MediaNord]

    Um einen schiefen Horizont zu begradigen, muss man zunächst das richtige Icon für die Funktion ausfindig machen. [Foto: MediaNord]

  • Bild Wurde die entsprechende Funktion zum Begradigen des Horizonts gefunden, dann sieht es auf den ersten Blick so aus, als würde man manuell mit dem Schieberegler den Winkel der Drehung anpassen müssen. [Foto: MediaNord]

    Wurde die entsprechende Funktion zum Begradigen des Horizonts gefunden, dann sieht es auf den ersten Blick so aus, als würde man manuell mit dem Schieberegler den Winkel der Drehung anpassen müssen. [Foto: MediaNord]

  • Bild Um das Tool zu aktiveren, das mit einer Bewegung der Maus den Horizont begradigt, muss im Werkzeugmenü auf das nicht als solches erkennbare Icon neben "Drehung" geklickt werden. [Foto: MediaNord]

    Um das Tool zu aktiveren, das mit einer Bewegung der Maus den Horizont begradigt, muss im Werkzeugmenü auf das nicht als solches erkennbare Icon neben "Drehung" geklickt werden. [Foto: MediaNord]

Fündig wird er unter einem kleinen Icon dessen Aussehen auf die Bilddrehung hinweisen könnte. Mit einem Klick öffnet sich ein kleines, verschiebbares Menü. “Huch”, kann es da durch den Kopf schießen, denn auf den ersten Blick sieht es so aus, als würde man nun den Winkel mit einem Schieberegler einstellen müssen und die einzige Hilfe wären Gitterlinien. Doch es gibt einen kleinen Helfer, der sich unter einer Schaltfläche versteckt, die man nicht als solche erkennt. Ein Klick darauf verwandelt den Cursor in ein Werkzeug, mit dem der Horizont nachgezogen wird. Silkypix Developer Studio Pro 9 richtet das Bild anhand des so ermittelten Winkels aus.

Doch ein solcher Extremfall ist zum Glück die Ausnahme. Gut gefällt uns, dass sich bei jedem Icon ein kleines Menü mit den einzelnen Einstellungen öffnet. So hat man immer die Einstellungen am Wickel, die man braucht. Ein versehentliches Verändern anderer Werte ist so nicht möglich. Allerdings lassen sich diese kleinen Menüs auch “andocken”, so dass sie sich nicht immer öffnen müssen. Damit der Bildbearbeiter weiß, welche Funktionen angewendet wurden, werden die Icons der betreffenden Funktionen gelb unterlegt. Das wurde wiederum einfach und praxisorientiert gelöst. Auch die Einarbeitungszeit ist nicht sonderlich hoch. 

Im Gegensatz zu anderen Programmen mit gleicher Aufgabenstellung ist Silkypix Developer Studio Pro 9 nicht mit einer Bildverwaltungs- beziehungsweise Suchfunktion ausgestattet. Soll also eine große Bildersammlung das Ziel sein, dann muss eine weitere Software diesen Anwendungsaspekt übernehmen.

  • Bild Mit dem Ausbesserungswerkzeug lassen sich kleine Bildfehler mit Hilfe von Retuschewerkzeugen beseitigen. [Foto: MediaNord]

    Mit dem Ausbesserungswerkzeug lassen sich kleine Bildfehler mit Hilfe von Retuschewerkzeugen beseitigen. [Foto: MediaNord]

  • Bild Mit Hilfe von Masken lassen sich Änderungen auf bestimmte Bildbereiche beschränken. Dazu stehen dem Bildbearbeiter Formen, Verläufe und Pinsel zur Verfügung. [Foto: MediaNord]

    Mit Hilfe von Masken lassen sich Änderungen auf bestimmte Bildbereiche beschränken. Dazu stehen dem Bildbearbeiter Formen, Verläufe und Pinsel zur Verfügung. [Foto: MediaNord]

  • Bild Die Funktion zum Entwickeln der Bilder erlaubt verschiedene Voreinstellungen und Optionen. [Foto: MediaNord]

    Die Funktion zum Entwickeln der Bilder erlaubt verschiedene Voreinstellungen und Optionen. [Foto: MediaNord]

  • Bild Mit der umfangreichen Stapelverarbeitung kann die Software automatisiert große Mengen von Bildern nach spezifizierten Voreinstellungen entwickeln. [Foto: MediaNord]

    Mit der umfangreichen Stapelverarbeitung kann die Software automatisiert große Mengen von Bildern nach spezifizierten Voreinstellungen entwickeln. [Foto: MediaNord]

Da die Bearbeitung nicht destruktiv ist, sprich: keine Änderung wird auf das Original angewendet, müssen die Bearbeitungen gespeichert werden. Üblicherweise wird das über sogenannte Sidecar-Dateien (Beiwagen-Dateien) gemacht. So macht es auch Silkypix Developer Studio Pro 9. Anstelle die Daten aber einfach in den Bildordner zu schreiben, wird einmalig ein Unterordner angelegt, in dem die Sidecar-Dateien zu finden sind. Damit bleibt der Ordner der Bilder übersichtlich und aufgeräumt.

Funktionen, die vor einigen Jahren noch fast undenkbar waren, wie zum Beispiel lokale Änderungen der Entwicklungseinstellungen wie Kontrast, Farbe und mehr, sind heute Standard-Ausstattungsmerkmale bei der Rohdatenentwicklung. Da macht auch Silkypix Developer Studio Pro 9 keine Ausnahme. Über Masken lassen sich Änderungen auf bestimmte Bereiche begrenzen. Dabei stehen Werkzeuge wie variable Pinsel, Verlaufsmasken und Formen zur Verfügung. Zusätzlich gibt es nützliche Funktionen wie “Fokus-Peaking” zur genauen Identifikation der Schärfenebene oder die “Entnebel” Funktion zum beseitigen von Dunst und Nebel, die Kontraste und Farben im Bild flau und unansehnlich machen. Eine umfangreich konfigurierbare Entwicklung und die komfortable sowie flotte Stapelverarbeitung runden das Bild von Silkypix Developer Studio Pro 9 positiv ab.

Fazit

Trotz der Einarbeitungszeit in die verschiedenen Icons der Funktionen ist Silkypix Developer Studio Pro 9 keine schwer verständliche Software. Der Arbeitsablauf ist strukturiert und die Funktionen sind mannigfaltig. Die Möglichkeit, den Arbeitsbereich zu individualisieren, ist sehr gut. Bei der eigentlichen Bildbearbeitung lässt Silkypix Developer Studio Pro 9 nicht viele Wünsche offen und auch die umfangreich konfigurierbare und leicht verständliche Stapelverarbeitung ist gelungen. Dass es keine Datenbank-Funktion gibt, ist zwar Schade, aber auch nicht die Kernkompetenz der Software. Alles in allem ist Silkypix Developer Studio Pro 9 ein Rohdatenkonverter für anspruchsvolle Anwender. Allerdings ist der Preis von etwa 220 Euro (UVP) nicht gerade ein Schnäppchen, gelegentlich gibt es die Software aber auch schon deutlich günstiger. Silkypix Developer Studio Pro 9  ist für Mac und Windows beim Franzis-Verlag als CD-ROM und als Download erhältlich. Die Lizenz kann für bis zu drei Geräten eingesetzt werden.

Bezeichnung Ichikawa Soft Laboratory Silkypix Developer Studio Pro 9
Betriebssysteme Mac OS X 10.6.8+, Windows 10 (64 Bit), Windows 7 (64 Bit), Windows 8.1 (64 Bit)
Mindestanforderung CPU Windows: Pentium 4
Apple Mac: Core 2 Duo
Mindestanforderung RAM Windows: 3,9 Gigabyte
Apple Mac: 3,9 Gigabyte
Min. Festplattenspeicher Windows: 7,8 Gigabyte
Apple Mac: 7,8125 Gigabyte
Monitorauflösung und Farbtiefe 1.024 x 768 Pixel (Farbtiefe 24 Bit (8 Bit pro Farbkanal))
Testversion ja (Laufzeit: 30 Tage) mit eingeschränktem Funktionsumfang (Wasserzeichen)
Internet (Link) Software auf der Herstellerwebsite
Im Handel (Herstellerseite) Herstellerwebsite

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Kurzbewertung

  • Aufgeräumte Arbeitsfläche
  • Umfangreiche Bearbeitungsmöglichkeiten
  • Aufgeräumtes Sidecar-Konzept
  • Nicht immer selbsterklärend
  • Keine Suchfunktion für Bilder

Autor

Harm-Diercks Gronewold

Harm-Diercks Gronewold, 48, ist gelernter Fotokaufmann und hat etliche Jahre im Fotofachhandel gearbeitet, bevor er 2005 in die digitalkamera.de-Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Produktdatenbanken, Bildbearbeitung, Fototipps sowie die Berichterstattung über Software und Zubehör. Er ist es auch, der meistens vor der Kamera in unseren Videos zu sehen ist und die Produkte vorführt.