MultimediaPhoto

Testbericht: MultimediaPhoto Photomatix Pro 2.05

2005-05-26 Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten, lehrt die Erfahrung. In der Fotografie stellt dies ein besonderes Problem dar, denn Aufnahmegeräte wie auch Ausgabematerialien verkraften einen weitaus geringeren Hell-Dunkel-Kontrast als Auge und Gehirn. Ist der Kontrastumfang (High Dynamic Range, kurz HDR) zu groß, kann man mit "Photomatix Pro, Version 2.05" von MultimediaPhoto verhindern, dass ganze Bildpartien entweder in dunklen oder hellen Bereichen keine Zeichnung mehr aufweisen und wie zugelaufen bzw. weggebrannt aussehen.  (Dr. Bernd Schäbler)

Wählt man bei der Aufnahme einen Durchschnittswert für Blende bzw. Verschlusszeit, was oft auch für die Einzelaufnahmen in der Panorama-Fotografie empfohlen wird, ist das Problem zwar etwas eingegrenzt, aber nicht behoben. Auch der Rat, eher maßvoll unter- denn überbelichtete Aufnahmen zu erstellen, weil sich in den dunklen Partien immer noch etwas "retten" lasse, in den zu hellen hingegen keine Information mehr enthalten sei, taugt nur begrenzt, denn oft zaubert man beim partiellen Aufhellen dunkler Bildpartien Artefakte ins Bild (farbige Pixel, Rauschen) – eine "Verschlimmbesserung" also.

   Bild 1: Eine Belichtungsreihe – Automatic Exposure Bracketing [Screenshot: MediaNord]
   Bild 1: Korrigiert mit Photomatix, Resultat rot umrandet [Screenshot: MediaNord]
   Bild 3: Bild mit hohem Kontrast, mit Tone Mapping ausgeglichen, Resultat rot umrandet [Screenshot: MediaNord]
   Bild 4: Raw-Datei in 48 Bit Tiff-Dateiformat verwandelt und mit Tone Mapping ausgeglichen [Screenshot: MediaNord]

Photomatix Pro nimmt dem Fotografen solcherlei Justier- und Korrekturarbeiten ab, denn es werden unterschiedlich belichtete Einzelaufnahmen neu zusammengerechnet, so dass ein Bild mit hohem, aber ausgewogenem Kontrastumfang entsteht. Zunächst muss der Fotograf – hoffentlich mit einer höherwertigen Kompakt- oder SLR-Digitalkamera ausgestattet – unter Zuhilfenahme eines Stativs eine Belichtungsreihe (Automatic Exposure Bracketing mit ca. 2/3 Blendenstufen) je Aufnahme erstellen. (Bild 1 und 2) Im Klartext: Eine Aufnahme ist normal, eine unter- und eine überbelichtet. Photomatix bietet nun im Klappmenü "Combine" fünf Verrechnungsmodi an, wobei die Bilder exakt deckungsgleich (Stativ!) sein müssen. Ein Tool zum Abgleich zweier Shots ("Align") gibt es zwar auch, aber man sollte besser solide Vorarbeit leisten.

Welcher dieser Verrechnungsmodi bessere Resultate liefert, bleibt dem persönlichen Geschmack überlassen. Interessanter noch ist eine weitere Berechnungsart, die im Klappmenü "HDRI" wählbar ist. (Bild 3) Aus zwei oder mehreren unterschiedlich belichteten Einzelaufnahmen wird zunächst ein Bild mit hohem Kontrastumfang errechnet ("Generate HDR"); das Zwischenergebnis sieht notgedrungen scheußlich aus, weil es die Leistungsfähigkeit eines Monitors übersteigt). Sodann wird im Schritt "Tone Mapping" der Kontrastumfang über die Manipulation einiger Parameter wie Kontrastumfang, Intensität, Sättigung, Schwarz- und Weißpunkt-Abgleich so weit beeinflusst, dass Zeichnung in dunklen wie hellen Partien erkennbar ist und Monitor und Drucker das Bild wiedergeben können.

In Photomatix Pro können die gängigen Bildformate eingegeben werden. Wessen Kamera zusätzlich Raw-Dateien erstellen kann, sollte einmal folgenden Weg gehen: Aus dem Raw-Bild ein solches im 48 Bit Tiff-Format erstellen und dieses in Photomatix gleich im "Tone Mapping"-Verfahren weiter bearbeiten. (Bild 4) Das kürzt das Verfahren etwas ab, denn es wird nicht zuerst aus zwei oder mehreren unterschiedlich belichteten 48 Bit Tiff-Dateien ein Bild mit hohem Kontrastumfang erstellt, führt aber auch zu ganz passablen Resultaten.

Der Beschleunigung dient außerdem ein Batch-Prozess, bei dem in einem Dialogfeld eines der insgesamt sechs Berechnungsverfahren sowie die jeweils zugehörigen Parameter ausgewählt bzw. eingestellt werden können. Hier wie im Dialogfeld "Tone Mapping" findet man übrigens ein anwählbares Kästchen "360°"; dahinter verbirgt sich ein wichtiger Zusatznutzen für Panorama-Fotografen, die ja immer mit unter- bzw. überbelichteten Bildteilen rechnen müssen. Lässt man das Programm – wie oben beschrieben – den Kontrastumfang neu berechnen, so wird nun auch dafür gesorgt, dass die Anschlüsse an der "Nahtstelle" eines 360°-Panoramas stimmen. Ein noch besseres Resultat erzielt man, wenn man bereits bei der Aufnahme der einzelnen Bilder solche in den problematischen Zonen (z.B. im Gegenlicht-Bereich) mit der Option "Belichtungsreihe" schießt, in Photomatix ausgleicht und erst danach in einem Stitcher-Programm weiter bearbeitet.

Resümee. Photomatix Pro ist eine relativ preisgünstige Stand-alone-Lösung, die verschiedene Wege bietet, Bilder mit geringem und mittlerem wie auch solche mit sehr hohen Kontrastwerten neu zu berechnen und so den gesamten Dynamikumfang in den Schatten wie auch den Lichtern in den Ausgabemedien – Monitor oder Drucker – zu erhalten bzw. darstellbar zu machen. Die kleine französische Software-Firma MultimediaPhoto, die Herstellerin von Photomatix Pro, sollte möglichst bald an die Veröffentlichung einer deutschen Version denken – gibt es doch auch hierzulande reichlich Licht und Schatten.

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Kurzbewertung

  • Verarbeitung von 48 Bit Tiff-Dateien und Ausgabe im 24/48 Bit Modus
  • Tone Mapping zur Reduzierung des Kontrasts bei Zeichnung in den Tiefen und Lichtern
  • Erstellung von Bildern mit extrem hohem Dynamikumfang (HDRI)
  • 5 Methoden der Verrechnung von unterschiedlich belichteten Aufnahmen
  •  deutschsprachige Version wäre wünschenswert