Neues DIWA-Testlabor in Deutschland

digitalkamera.de-Testlabor präsentiert Testergebnisse

2011-07-01 Acht Monate lang hat die digitalkamera.de-Redaktion daran gearbeitet, ein eigenes Kamera-Testlabor aufzubauen und die Labortest-Ausgabeseiten neu zu konzipieren und zu programmieren. Dies nicht nur um schneller und flexibler neue Kameras testen zu können, sondern auch um die redaktionellen Tests zu verbessern und das Know-How im Haus zu stärken und zu konzentrieren. Sehr viel Zeit und Mühe wurden in die jetzt sehr viel umfangreicheren Labortest-Protokolle mit leichter verständlichen Diagrammen gesteckt. Anstelle einer normalen Druckansicht besteht bei den neuen Labortests nun die Möglichkeite jeweils ein mitunter über 40 Seiten langes PDF herunter zu laden, zu archivieren und auszudrucken.  (Benjamin Kirchheim, Jan-Markus Rupprecht)

DIWA Labs [Foto: DIWA]Seit Januar 2011 betreibt digitalkamera.de als Mitglied der DIWA (Digital Imaging Website Association) das DIWA Labor Deutschland. Darin wird mit Hilfe von diversen Testtafeln und der Software DxO Analyzer der französichen Firma DxO Labs verschiedene Bildqualitätsparameter gemessen und mit Hilfe eines Messgeräts der deutschen Firma Image Engineering die Autofokusgeschwindigkeit und Auslöseverzögerung von Digitalkameras ermittelt. Die Messungen sind seit Anfang 2011 bereits Grundlage aller redaktionellen Tests auf digitalkamera.de. Ab sofort sind die Messergebnisse zusätzlich in unseren neuen Labortest-Protokollen kostenpflichtig abrufbar. Der Labortest Version 6.0 mit neu gestalteten und leicht verständlichen Diagrammen sowie einem ausführlichen PDF zum Archivieren und Ausdrucken kostet als Aktionspreis zum Start trotz deutlich erhöhtem Informationsgehalt gegenüber den bisherigen Protokollen weiterhin 1,40 EUR im Einzelabruf. Flatrates, die den Zugriff auf das gesamte Labortest-Archiv erlauben, sind ab 4,16 EUR pro Monat buchbar und bleiben auch künftig preisstabil. Wer sich einen Eindruck der Labortests verschaffen möchte, kann den Labortest der Samsung NX11 als Muster kostenlos einsehen. Wie wir in unserem neuen Labor testen, hat ein Team von Galileo Design bereits vor ein paar Monaten gefilmt. Das Video ist in den weiterführenden Links zu finden.

Beim Design der neuen Testdiagramme war uns eine leichte Verständlichkeit der Messwerte und eine gute Vergleichbarkeit unterschiedlicher Kameras mit verschieden großen Bildsensoren wichtig. Deshalb besitzen fast alle Diagramm Schärfeabfall des digitalkamera.de-Labortests 6.0 [Foto: MediaNord]Diagramme einen Farbverlauf als Kennzeichnung der guten und schlechten Wertebereiche. Außerdem helfen kleine Hinweistexte neben den Farbverläufen, diese richtig zu deuten. Um einige Messparameter vergleichbar zu machen, wird ein 30 mal 30 Zentimeter großer Ausdruck als Vergleichsbasis verwendet. So geht es dann auch nicht um die Pixel, sondern um das, was man bei einem solchen Format mit dem bloßen Auge erkennen kann. So sind Bildschärfe, Körnigkeit des Rauschens und Farbsäume unterschiedlicher Kameras mit verschiedenen Sensorgrößen direkt vergleichbar. Auch bei der Auflösungsangabe wird der Wert umgerechnet, dann allerdings auf einen Kleinbildsensor mit 24 mal 36 Millimetern. Erklärende Einleitungen vor jedem Diagramm sollen offene Fragen zu den Messwerten klären.

Neu ist auch die Messung von mehr als zwei Blenden. Sofern die Kamera eine Einstellung zulässt, werden neben der Offenblende und der allerkleinsten Diagramm Chromatische Aberration des digitalkamera.de-Labortests 6.0 [Foto: MediaNord]Blendeneinstellung auch die vollen Blendenschritte gemessen, also F2,8, F4, F5,6, F8, F11, F16, F22 und so weiter. Bei der ISO-Empfindlichkeit läuft es ähnlich, auch hier werden die vollen Werte durchgemessen (was bei fast jeder Digitalkamera möglich ist). Bei Kompaktkameras mit nur zwei oder drei Blendeneinstellungen werden diese der Übersichtlichkeit halber zu Offenblende, mittlerer Blende und abgeblendet zusammen gefasst. Die Legende des Messdiagramms nennt neben der Brennweite den jeweils tatsächliche Blendenwert. Bei Zoomobjektiven werden drei Brennweiten vermessen. Die Umschaltung von Blenden und ISO-Empfindlich erfolgt über Registerkarten. Hierzu ist kein Mausklick erforderlich, es reicht ein einfach Drüberfahren mit dem Mauszeiger. So ist ein schnelles Umschalten und Vergleichen möglich und die Diagramme sind nicht mit zu vielen Messwerten überladen.

Insgesamt besteht ein Labortest aus 18 Diagrammen und einer Tabelle, wenn man die Diagramme bei verschiedenen Blenden und ISO-Einstellungen nicht einzeln zählt. Da der Ausdruck einer so umfangreichen Website nicht gut funktioniert und für den Leser, der für den Labortest bezahlt hat, auch nicht so einfach auf der Festplatte gespeichert werden kann, ist am Ende des Labortests ein Diagramm Signal-Rauschabstand des digitalkamera.de-Labortests 6.0 [Foto: MediaNord]PDF-Icon zu finden. Das so heruntergeladene PDF kann ausgedruckt oder auf der Festplatte gespeichert werden. Es enthält alle Diagramme und Erklärungstexte, allerdings ohne die benutzerfreundliche Blenden/ISO-Umschaltung der Webansicht; die Diagramme der verschiedenen Blenden/ISO sind direkt untereinander angeordnet, damit sie direkt ausgedruckt werden können.

Erstmals in den Labortests enthalten sind mehrere Diagramme, die verschiedene Parameter des Rauschens einer Kamera charakterisieren: Signal-Rauschabstand, Korngröße, Luminanzrauschem und Farbrauschen. Auch die Farbwiedergabe, die bis zur Labortest-Version 5.0 überhaupt nicht untersucht wurde, wird in mehrere Diagrammen differenziert. So kann nicht nur die jeweilige Abweichung der gemessenen Farben betrachtet werden, sondern auch die Abweichung insgesamt sowie die Genauigkeit des Weißabgleichs. Interessant ist auch eine Tabelle, die die effektive ISO-Empfindlichkeit angibt. Diagramm Farbtreue des digitalkamera.de-Labortests 6.0 [Foto: MediaNord]Manche Kameras sind sehr nah an den eingestellten Werten, andere weniger. Ebenfalls neu sind Messungen, wie viele Grau- und Farbwerte eine Kamera tatsächlich differenzieren kann. Zwar sind bei dem zugrunde liegenden Dateiformat JPEG theoretisch 16,7 Millionen Farben und 256 Grauwerte möglich, werden in der Praxis aber nicht erreicht.

Den häufiger gehörten Wunsch nach Kameratests in RAW wird die digitalkamera.de-Redaktion nach reiflicher Überlegung nach wie vor nicht erfüllen, obwohl der verwendete DxO Analyzer dazu in der Lage ist, die meisten Messungen auch an RAW-Daten vorzunehmen. Allerdings werden hier unverarbeitete RAWs gemessen, bei denen entsprechend Auflösung und Dynamikumfang geringer sind als im verarbeiteten JPEG, das Rauschen hingegen höher. Das RAW-Format wird in der Praxis erst dann wertvoll, wenn ein kundiger Bildbearbeiter bei der Konvertierung das Bild den Anfordernissen nach optimiert und so je nach Wunsch bestimmte Qualitätsmerkmale besonders betont. Auch bieten nicht alle Kameras RAW an. Dieses Thema wird uns also noch weiterhin beschäftigen.

Neu ist dafür ein Diagramm, das die Blitzausleuchtung darstellt. Denn selten schafft es ein Blitz, das Bildfeld im Weitwinkel gleichmäßig bis in die Ecken auszuleuchten, auch wenn der Blitz für den Weitwinkel spezifiziert ist. Für die Diagramm Eingangsdynamik des digitalkamera.de-Labortests 6.0 [Foto: MediaNord]Messung der Auslöseverzögerung und Autofokus haben wir uns ebenfalls etwas einfallen lassen: Diese Messung erfolgt im Weitwinkel und Tele. Bei DSLRs mit zwei Autofokussystemen, Kontrast- und Phasen-basiert, werden beide Autofokusgeschwindigkeiten und Auslöseverzögerungen gemessen. Das führt durchaus zu überraschenden Ergebnissen. So ist die Nikon D5100 beim Kontrast-Autofokus deutlich schneller als die Canon EOS 600D. Bei der Auslöseverzögerung hingegen bekleckert sich die Nikon nicht mit Ruhm. Die Canon hingegen hat bei aktiviertem LiveView sogar eine schnellere Auslöseverzögerung als ohne.

Die neuen Labortests tragen die Versionsnummer 6.0 und führen das Archiv mit über 1.150 Labortests nahtlos fort, das heißt keine Kamera ist doppelt getestet worden. Es ist jedoch zu beachten, dass aufgrund des völlig anderen Messverfahren die Ergebnisse nicht direkt miteinander vergleichbar sind. Das gilt insbesondere für den Dynamikumfang, den DxO grundsätzlich als deutlich höher angibt als DCTau. Der Grund ist wohl darin zu finden, dass es keinen weltweiten Standard für solche Angaben gibt. Man sollte die Werte also stets Diagramm Auslöseverzögerung des digitalkamera.de-Labortests 6.0 [Foto: MediaNord]im Kontext mehrerer Tests sehen. Der Farbverlauf am linken Rand der Diagramme der neuen Tests lässt aber schnell erkennen, ob eine Kamera in den sehr guten Bereich von elf Blendenstufen vorstößt oder eher bei mäßigen neun Blendenstufen liegt. Bei DCTau kamen sehr gute Kameras selten weit über neun Blendenstufen, die schlechten erreichten acht Blendenstufen kaum.

Zum Start der Labortest stehen bereits 22 Stück zur Verfügung. Das beinhaltet alle in diesem Jahr getesteten Kameras. Außerdem sind einige Objektivtests zu finden. Das sind neben den sowieso getesteten Setobjektiven auch das Canon EF-S 18-135 sowie das 60 mm Micro von Nikon. Die Objektivtests sind für nur 50 Cent kaufbar und beinhalten nur den Teil des Labormessungen, der das Objektiv charakterisiert: Schärfeabfall, Randabdunklung, Verzeichnung, chromatische Aberration und die aus der MTF-Kurve abgeleitete Auflösung bei 50 Diagramm Auflösung (MTF) des digitalkamera.de-Labortests 6.0 [Foto: MediaNord]Prozent Kontrast. Bei Objektiven, die an mehreren Kameras getestet wurden, das betrifft in der Regel lediglich Setobjektive, ist das Auflösungsdiagramm von allen mit dem Objektiv getesteten Kameras zu finden. Hier können sich durchaus interessante Unterschiede ergeben, die nicht nur mit der kamerinternen Bildaufbereitung, sondern auch mit der Serienstreuung des Objektivs zusammen hängen.

Bewertet wird die Auflösung übrigens bei 50 Prozent Motivkontrast (MTF50), da die Darstellung aller gemessenen MTF-Kurven den Rahmen dieses Labortestprotokolls sprengen würde. Zwar gilt der bei fünf bis zehn Prozent Kontrast gemessene Wert als höchste darstellbare Auflösung. Die Praxis jedoch hat gezeigt, dass der MTF50-Wert aussagekräftiger ist: Einerseits reagiert das menschliche Auge auf Kontraste von etwa zehn Prozent nicht besonders empfindlich, zum anderen ist der Unterschied zwischen guten und schlechten Objektiven bei MTF50 viel offensichtlicher und vergleichbarer.

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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 44, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.

 

Jan-Markus Rupprecht

Jan-Markus Rupprecht, 57, fotografiert mit Digitalkameras seit 1995, zunächst beruflich für die Technische Dokumentation. Aus Begeisterung für die damals neue Technik gründete er 1997 digitalkamera.de, das Online-Portal zur Digitalfotografie, von dem er bis heute Chefredakteur und Herausgeber ist. 2013 startete er digitalEyes.de als weiteres Online-Magazin, das den Bogen der digitalen Bildaufzeichnung noch weiter spannt.