Neuer Kamera-Hersteller

Yi Technology Yi M1 Micro Four Thirds Kamera und Objektive vorgestellt

2016-09-20, aktualisiert 2016-09-27 Das chinesische Unternehmen Yi Technology, bislang bekannt mit preisgünstigen und guten Actioncams, Amaturenbrett-Kameras und Überwachungskameras, hat jetzt auch eine Micro-Four-Thirds-Kamera vorgestellt. Die Yi M1 ist klein und leicht, dabei leistungsfähig und innovativ zu bedienen. Der Preis soll ein echter Knaller werden. Die Micro-Four-Thirds-Systemkamera wird gleich mit zwei Objektiven verkauft, einem Standard-Zoom und einem Porträt/Makro-Objektiv.  (Jan-Markus Rupprecht)

  • Bild Yi Technology Yi M1 in schwarz und in silber. [Foto: YI Technology]

    Yi Technology Yi M1 in schwarz und in silber. [Foto: YI Technology]

  • Bild Yi Technology Yi M1 in schwarz und in silber. [Foto: YI Technology]

    Yi Technology Yi M1 in schwarz und in silber. [Foto: YI Technology]

  • Bild Yi Technology Yi M1 in schwarz und in silber. [Foto: YI Technology]

    Yi Technology Yi M1 in schwarz und in silber. [Foto: YI Technology]

Yi Technology hat gestern in China und heute auf der Photokina (Halle 9.1, Stand A032) seine erste spiegellose Systemkamera vorgestellt. Die Kamera nutzt das Micro-Four-Thirds-Bajonett und besitzt den 20-Megapixel-CMOS-Sensor von Sony, der bislang nur in den höherwertigen Kameras von Olympus und Panasonic Verwendung findet, während deren Mittelklasse-Modelle (selbst die neu vorgestellten) weiterhin mit 16 Megapixeln auskommen müssen. Neben der standesgemäßen Auflösung bietet die Yi M1 eine 4K-Video-Funktion und eine innovative Anbindung ans Smartphone via Bluetooth und WLAN.

Die Aussagen der Pressemitteilung („Die YI M1 verbindet professionelle Fotografie mit einfachster Handhabung für den Fotoamateur“, sagt Sean Da, CEO und Mitgründer von YI Technology. „Unser Ziel war die Entwicklung einer Technologie, die Profis wie Amateure gleichermaßen anspricht und eine echte Alternative darstellt.“) dürften eher der Fotomesse Photokina geschuldet sein. Die Vorstellung in China dürfte sich deutlich anders angehört haben. Laut Gespräch auf dem Messestand und einigen Folien aus der in China gezeigten Präsentation adressiert Yi Technology mit der Kamera nicht Fotoamateure, sondern genau diejenigen Anwender, die vom Smartphone aus auf eine Kamera mit besserer Bildqualität aufsteigen möchten. Von klassischer Fotografie "unbelastet" hat der Hersteller eine richtig schicke Kamera entwickelt, die sich zudem durch ein recht innovatives Bedienkonzept auszeichnet, das sich eben an genau die angepeilte Zielgruppe richtet. Die Bedienung erfolgt nahezu vollständig über den 3 Zoll großen Touch-Screen-Monitor. Klassische Menüs gibt es dabei nicht, die Bedienung ähnelt eher einer Smartphone-App. Auch die Wiedergabe beispielsweise wird nicht über einen dedizierten "Play"-Knopf, sondern durch Wisch-Gesten aufgerufen. Die Bedienung hat uns durchaus gut gefallen, aber wer eine klassiche Kamerabedienung erwartet, wird damit natürlich nicht glücklich.

Ein sogenannter Master Guide der YI M1, begleitet von einer App, soll Einsteiger bei der Wahl der richtigen Parameter unterstützen und schrittweise wertvolle Tipps und Hinweise für bessere Fotos liefern. Ob der Ansatz in der Praxis funktioniert, wird man sehen. Die Verbindung zur Smartphone-App steht aber generell weit im Vordergrund. Eine eingebaute WiFi- und Bluetooth-Verbindung soll dem User die Möglichkeit geben, problemlos und schnell seine Fotos und Videos in sozialen Netzwerken zu teilen.

  • Bild Yi Technology Yi M1 auf der Photokina 2016. [Foto: MediaNord]

    Yi Technology Yi M1 auf der Photokina 2016. [Foto: MediaNord]

  • Bild Yi Technology Yi M1 auf der Photokina 2016. [Foto: MediaNord]

    Yi Technology Yi M1 auf der Photokina 2016. [Foto: MediaNord]

  • Bild Yi Technology Yi M1 auf der Photokina 2016. [Foto: MediaNord]

    Yi Technology Yi M1 auf der Photokina 2016. [Foto: MediaNord]

Dass Yi Technology in dieser Kamera, die ganz klar im preisgünstigen Segment angesiedelt ist, so feine Technik wie einen Touch-Screen, den 20-Megapixel-Sensor und eine 4K-Video-Funktion mit 30 Bildern pro Sekunde einbaut, ist natürlich löblich. Anders als die japanischen Hersteller, die normalerweise ein Riesengeheimnis daraus machen, welche Komponenten man verbaut, insbesondere wer der Hersteller des Bildsensors ist, geht Yi Technology damit ganz offen um. Wie bei den Actioncams, bei denen auch gerne Sensorhersteller und genauer Typ des Chipsatzes bzw. SoC (System on Chip) genannt wird. Hier ist es laut Yi Technology der Sony IMX269 Bildsensor, der hohe ISO-Werte bis zu 25.600 und Wide Dynamic Range Video erlaube.

Die YI M1 wird mit gleich zwei Wechselobjektiven in einer schmucken, schwarzen Schatulle verkauft: Ein typisches Standard-Zoom mit 12-40 mm Brennweite und F3.5-5.6 Lichtstärke (entspricht 24 bis 80 mm Kleinbildbrennweite) und ein lichtstarkes Porträt- und Makro-Objektiv mit 42,5 mm Brennweite und F1.8 Lichtstärke. Die Testaufnahmen, die auf der Messe zu sehen waren, sollen mit dem Porträt-Objektiv gemacht worden sein und sahen wirklich sehr gut aus. Die auf der Messe gezeigten Kameras sind zwar noch keine Serienprodukte, aber funktionierten schon gut und zuverlässig, soweit wir das sehen konnten.

Die Markteinführung der Kamera (mit Objektiven) erfolgt zunächst im Oktober in Asien, dann in den USA und danach in Europa. Mit Chance sind die Kameras noch vor Weihnachten hierzulande im Handel. Zum Start ist die YI M1 in zwei Farben erhältlich, Ice Silver (Silber) und Storm Black (Schwarz). Besonders die schwarze Version gefällt uns sehr gut, sie sieht richtig edel aus. Die Preise sind noch nicht ganz klar. In China kostet das Doppel-Objektiv-Kit offenbar umgerechnet nur rund 385 Euro. [Update: Die auf dem Photokina-Messestand erhaltenen Aussagen scheinen, so doch nicht zuzutreffen, siehe Updates unten vom 27. September.] Selbst wenn hier noch Fracht, Zoll und Mehrwertsteuer hinzukommen, könnte der Preis in Europa unter 500 Euro liegen, was für die gebotene Technik ein echter Kampfpreis ist und den etablierten Fotomarken nicht gefallen dürfte. Dabei muss natürlich die Produktqualität stimmen. Aber diesbezüglich ist Yi Technology nicht zu unterschätzen. In den beiden Tests ihrer Actioncams auf unserer Schwester-Website digitalEyes.de bescheinigen wir den Produkten von Yi Technology A-Marken-Qualität auf dem Niveau der bekannten guten Markenhersteller. China-Billig-Schrott ist das definitiv nicht.

  • Bild Der weltweit versendende Händler GearBest hat die Yi M1 jetzt gelistet, bestellbar sind sie aber noch nicht. Die Preise derzeit knapp über 400 Euro für die Version mit Porträt/Makro-Festbrennweite und rund 550 Euro für die Version mit Zoom-Objektiv. [Foto: MediaNord/GearBest]

    Der weltweit versendende Händler GearBest hat die Yi M1 jetzt gelistet, bestellbar sind sie aber noch nicht. Die Preise derzeit knapp über 400 Euro für die Version mit Porträt/Makro-Festbrennweite und rund 550 Euro für die Version mit Zoom-Objektiv. [Foto: MediaNord/GearBest]

Update 2016-09-27 12:00 Uhr: Der weltweit versendende Händler GearBest hat die Yi M1 jetzt gelistet, bestellbar sind sie aber noch nicht. Die Preise derzeit knapp über 400 Euro für die Version mit dem lichtstarken Porträt/Makro-Festbrennweiten-Objektiv und rund 550 Euro für die Version mit dem Standard-Zoom-Objektiv. Der große Preisunterschied ist ungewöhnlich, zumal oft solche einfachen Kit-Zooms sehr günstig angeboten werden und hochwertige Festbrennweiten teuer sind. Ein Bundle mit beiden Objektiven bietet GearBest derzeit nicht an. Es könnte also sein, dass diese erste Listung noch fehlerhaft ist. 

Update 2016-09-27 21:15 Uhr: Auch Amazon USA hat die Kamera jetzt gelistet und die Angaben erhärten unseren Verdacht, dass bei der Listung bei GearBest noch etwas nicht stimmt. Bei Amazon USA gibt es auch das Bundle mit zwei Objektiven. Die Preise sind 499 US$ für das Standard-Zoom-Kit, 599 US$ für das Kit bestehend aus Kamera und 42,5mm F1,8 Festbrennweite und 699 US$ für das Kit mit zwei Objektiven (umgerechnet 635 Euro zzgl. Mehrwertsteuer und ggf. Verzollung). Ganz so günstig wie auf de Photokina behauptet, ist die Yi 4K also doch nicht. Dennoch wäre auch ein Marktpreis von ungefähr 700 Euro für das kit mit zwei Objektiven ein guter Preis, wenn die Kamera hält, was sie verspricht. 

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Autor

Jan-Markus Rupprecht

Jan-Markus Rupprecht, 52, fotografiert mit Digitalkameras seit 1995, zunächst beruflich für die Technische Dokumentation. Aus Begeisterung für die damals neue Technik gründete er 1997 digitalkamera.de, das Online-Portal zur Digitalfotografie, von dem er bis heute Chefredakteur und Herausgeber ist. 2013 startete er digitalEyes.de als weiteres Online-Magazin, das den Bogen der digitalen Bildaufzeichnung noch weiter spannt.