Nachgefragt

Wie geht's weiter mit der Olympus E-1-Nachfolgerin?

2006-10-19 Warum lässt das Nachfolgemodell der Profikamera des E-Systems so lange auf sich warten? Wann wird es kommen? Und welche Ausstattungsmerkmale darf der Anwender erwarten? Das wollte digitalkamera.de von Nils Häußler, Produktmanager E-System bei der Olympus Deutschland GmbH, Hamburg, und Heino Hilbig, Leiter strategisches Marketing Olympus Imaging Europa GmbH, wissen. Das Interview führten die digitalkamera.de-Redakteure Jan-Gert Hagemeyer und Jan-Markus Rupprecht am 29. September 2006 auf der Photokina 2006 in Köln.  (Jan-Gert Hagemeyer, Jan-Markus Rupprecht)

digitalkamera.de: Was wird aus der E-1-Nachfolgerin, und warum dauert ihre Markteinführung so lange? Auf der Photokina 2006 zeigen Sie nur einen "Dummy", obwohl das Nachfolgemodell schon längst fällig gewesen wäre. Es kam aber bisher im FourThirds-Bereich dann doch nur eine kleinere E-System-Kamera und nicht das E-1-Nachfolgemodell.

Nils Häußler [Foto: Olympus]Häußler: Am 25.09.2006, also am Tag vor der offiziellen Eröffnung der Photokina, hat unser Imaging-Präsident Masaharu Okubo das für die Öffentlichkeit sehr wichtige Statement abgegeben, dass es definitiv einen Nachfolger für die E-1 geben wird. Olympus verschreibt sich also weiterhin dem professionellen Markt. Wir werden wieder eine klassische Profikamera bekommen, und die Markteinführung wird für Sommer 2007 vorbereitet. Das Zeichen ist da: Wir bauen nicht nur Consumer-Kameras, wir bauen nicht nur kleine Kameras (wir stellen hier ja die kleinste digitale Spiegelreflex der Welt, die E-400, vor). Und wir machen auch Arbeitskameras, also wirklich für Leute, die damit Geld verdienen. Das Signal ist klar gegeben; somit haben wir alle Gerüchte definitiv verstummen lassen, dass wir keine Profikameras mehr produzieren.

digitalkamera.de: Die E-1 ist bereits seit September 2003 auf dem Markt. Warum lässt Olympus die E-System-Anhänger, speziell die professionellen User, so lange im Regen stehen?

Hilbig: Tatsächlich gibt es hierbei drei Punkte: Der eine ist die "gefühlte" Wartezeit. Im Markt der Spiegelreflexkameras haben grundlegende neue Entwicklungen – ich rede nicht von Modifikationen, sondern wirklich über Innovationen – tatsächlich Produktlebens- oder Innovationszyklen von deutlich mehr als drei Jahren. Überlegen Sie mal, wann selbst auf der Consumer-Ebene das letzte Mal eine echte Neuentwicklung heraus gekommen ist, keine Modifikation, keine Weiterentwicklung, sondern eine echte Neuentwicklung. Das hat schlicht und einfach damit zu tun, dass die Technologie bei Spiegelreflex so viel komplexer ist als im Kompaktbereich. Nummer eins ist also die gefühlte Wartezeit. Punkt zwei: Die Entwicklung und Produktion der E-1, einer echten Innovation, war wirklich eine "Tour de Force". Der nächste Schritt, den man hätte gehen können, hätte eine Modifikation sein können, sagen wir eine E-1 mit 8 Megapixeln. Das wäre aber noch immer nicht genug gewesen, um tatsächlich die Zielgruppe der E-1 voll zu befriedigen. Eine E-1 "dash" wäre es also nicht gewesen, sondern wir mussten quasi wieder von vorne anfangen, und so bringen wir mit der E-1-Nachfolgerin also keine Weiterentwicklung, sondern wir haben wirklich eine Neuentwicklung in Arbeit. Dazu kommt als dritter Teil der Antwort, dass man bei Olympus in den letzten drei Jahren vier Modellserien auf den Markt gebracht hat. Vier komplette Neuentwicklungen, auf denen dann in Zukunft aufgesetzt wird. Es gibt somit die E-1 Modellserie, die wir jetzt fortführen werden, die E-300er, die 500er und die 400er Modellserien. Das sind drei komplett neue Entwicklungen, die wir uns auf die Fahne geschrieben haben, und das kostet schlicht und einfach Energie. Deshalb ist eine E-1-Nachfolgerin ein Prozess, den man daneben auch unterbringen muss. Im nächsten Jahr kommt sie dann auch.

digitalkamera.de: Es war also Strategie und Kalkül, so lange mit einer E-1-Nachfolgerin zu warten?

Heino Hilbig [Foto: Olympus]Hilbig: Es war Strategie und Kalkül, im Spiegelreflexmarkt vernünftig Fuß zu fassen. Denn ein Profiprodukt alleine tut es nicht, weil solche Produkte sich aufgrund des kleineren Marktes nicht häufig genug drehen. Wenn man als Marke beim Handel, beim Verbraucher und auch bei der Presse ins Bewusstsein kommen und da das klare Standing "Wir sind in diesem Markt" abgeben will, dann kann man sich nicht nur ganz oben fokussieren und Produkte produzieren, die im Erstbewusstsein sehr toll sind, bei Tests ganz prima abschneiden, die sich aber dann im Laufe der nächsten zwei, drei Jahre einfach nicht häufig genug verkaufen lassen. Wenn man in diesem Markt mitspielen will, muss man alle Ebenen bedienen. Unsere Strategie beim E-System war und ist: Wir wollen die gesamte Bandbreite bedienen von ganz oben bis ganz unten. Und nach dem Profiprodukt E-1 wollten wir erst Fuß fassen im Markt der High-End-Konsumgüterprodukte, dort mit vernünftigen Lösungen auftauchen, und dann kommt als nächste Variante die Profikamera wieder.

digitalkamera.de: Gleichwohl fühlen sich aber manche Fotografen, die bisher mit der E-1 umgegangen sind, von Ihnen vernachlässigt. Es gibt eine im Handel bemerkbare Bewegung des Umtauschs von E-1-Systemen gegen andere Marken, vorwiegend gegen Nikon übrigens. Haben Sie das nicht absehen können?

Hilbig: Wir haben das absehen können, und wir haben versucht, diese Fotografen mit vielen Maßnahmen auch weiter zu unterstützen und ihnen klar zu machen, dass wir auf dieser Ebene aktiv sind. Was wir tatsächlich nicht vorher gesehen haben, das hat schlicht und einfach mit einer Entwicklungsverzögerung zu tun, dass die ursprünglich für die Photokina vorgesehene Nachfolgerin sich technisch noch einmal verzögert. Wir bauen nicht ein Produkt, das auf dem gleichen Chassis aufbaut oder auf der gleichen Technik aufsetzt, sondern wir fangen tatsächlich von Null wieder an, ein Produkt zu entwickeln. Und da waren ein paar Verzögerungen hinzunehmen, die uns ein paar Monate nach hinten geworfen haben.

digitalkamera.de: Was waren das für Verzögerungen, und woran liegt das?

Hilbig: Es ist eine Vielzahl von Elementen, keine spezifische Sache, die man da nennen könnte. Ein Beispiel: Wenn Sie eine Kompaktkamera produzieren, dann produzieren Sie ein in sich geschlossenes, homogenes System; da passt alles zusammen, es gibt schnell ein gutes Ergebnis. Wenn Sie eine Spiegelreflexkamera entwickeln, produzieren Sie ein offenes System. Der Body etwa, den Sie dort produzieren, muss auch für alle Vorgängerobjektive perfekt funktionieren, der muss ebenso für zukünftige Objektive funktionieren, die wir noch gar nicht haben. Das ist also eine Entwicklungsaufgabe, die um vieles komplexer ist, und irgendwann kommt auch einmal ein Punkt, wo Sie feststellen, dass das, was wir uns einfach vorgestellt hatten, so nicht läuft. Und so gibt es viele Felder, bei denen es gewisse Vorgaben geben muss für eine Profikamera. Der Sensor muss nicht nur höher auflösend, sondern auch noch rauschärmer sein, der Anspruch der Profifotografen ist da um einiges gewachsen. Außerdem muss die Kamera schnelle Serienaufnahmen ermöglichen. Das sind die wichtigen Kriterien des Sensors.

So genanntes Holzmodell (nicht funktionierendes Designmuster) der E-1-Nachfolgerin [Foto: Olympus]digitalkamera.de: Kann man zu weiteren Features, wie etwa zum Monitor, schon etwas erfahren, wird es bei der E-1-Nachfolgerin eine Live-Bildvorschau geben, wie Sie es bei der E-330 vorgeführt haben?

Häußler: Wir haben den echten Live-View als erster Hersteller bei der E-330 in den Markt gebracht. Und wir prüfen gerade, ob auch im Profimarkt Live-View ein Thema ist. Das wissen wir aber noch nicht. Das auf der Photokina vorgestellte "Mockup" ist eine Studie, die sich noch in vielen Details ändern wird. Aber Live-View ist bei Olympus nach wie vor ein Thema – in welcher Kameraklasse das kommt, ist die andere Frage.

digitalkamera.de: Dieses System ist ja noch offener, als Sie es vorhin angedeutet haben. Sie haben ja im FourThirds-Verbund eine Reihe von Firmen, die auch in der Entwicklung hätten sehr hilfreich sein können. Ist es denn nach wie vor so, dass die Hauptinitiative in diesem Sektor von Olympus ausgeht?

Hilbig: Ja und nein. Ja, weil wir als Olympus die originären Ideenerfinder dieses Systems sind, und wir sind diejenigen, die von Anfang an gesagt haben: Das ist unsere Vision, die wir erreichen wollen. Die Partner, die jetzt im FourThirds-Verbund mit dabei sind, produzieren zum Teil Systeme und manchmal produzieren sie Komponenten, die wir gar nicht liefern können. Wir sind diejenigen, die im Moment mit dem größten System umgehen und mit den größten Ansprüchen an das FourThirds-System. Und nein, was etwa die Sensortechnologie angeht, da können wir nur Wünsche äußern. Wir können versuchen, gemeinsam auf ein Ziel hin zu steuern. Aber die Entwicklung letzten Endes wird unterm Strich von Partnern gemacht.

digitalkamera.de: Der Sensor für die nächste Generation des E-Systems kommt ja nicht von Olympus, sondern Sie hätten im Verbund mindestens zwei potentielle Partner, die dafür geeignet wären: Kodak und Panasonic. Kommen Beide als Lieferanten bzw. als Partner für die Ausstattung der neuen Generation in Betracht?

Hilbig: Beide haben gezeigt, dass sie es können. Theoretisch kommen daher Beide als Sensor-Lieferanten in Betracht, aber bei dem jetzigen Entwicklungsstand sieht es im Moment so aus, dass wir uns auf einen der Beiden festgelegt haben. Den möchte ich an dieser Stelle jedoch noch nicht nennen, das wird dann beim Launch der Kamera bekannt gegeben.

Theoretisch kämen sogar auch andere Sensorhersteller in Betracht, aber das möchte ich explizit an dieser Stelle ausschließen. Wir kaufen nicht nur bei einem Hersteller, der den FourThirds-Standard unterschrieben hat. Das System ist da nicht so fix, dass wir jetzt sagen könnten, es kommen nur diese oder jene Partner in Betracht, die etwas liefern müssen.

digitalkamera.de: Wann wird die E1-Nachfolgerin denn verfügbar sein?

Hilbig: Das wird im nächsten Jahr sein. Genauer kann ich das nicht sagen, es gibt ja zwölf Monate im Jahr 2007, aber es wird nicht der 31. Dezember 2007 sein. Wir haben eine Zielplanung, und im Moment liegen wir ganz gut im Plan.

digitalkamera.de: Was den Termin angeht, ist das ja eine "Kaugummi"-Aussage. Können Sie denn wenigstens schon technische Details nennen, für die es sich lohnt, auf die E-1-Nachfolgerin zu warten?

Hilbig: Sie werden jetzt keine Zahlen und auch keine konkreten Fakten von mir hören. Es gibt ein paar Dinge, die sich die E-1 sehr schnell als Kritikpunkte eingefangen hatte. Und da werden wir besser werden. Sie muss schneller werden, präziser im Autofokus werden, sie muss natürlich eine höhere Auflösung haben, all das ist auch keine Frage. An all diesen Punkten und mehr wird gearbeitet. Wie viel schneller sie sein wird, wie viel mehr Auflösung sie haben wird, wie viel präziser sie im Autofokus wird, das wird erst das Produkt endgültig zeigen.

Das ist übrigens ein Prozess, den man immer verfolgen muss: Wie optimiert man Funktionalitäten, bis der Profi damit angemessen arbeiten kann. Wenn darunter eine "Super-Neuigkeit" sein sollte, kann ich an dieser Stelle noch nichts darüber sagen. Was man aber mit Sicherheit an dieser Stelle sagen kann, ist: Es wird mit Sicherheit ein Produkt, das es so derzeit nicht gibt.

digitalkamera.de: Wir wünschen Ihnen Erfolg für das Projekt und bedanken uns für das Gespräch.

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Jan-Markus Rupprecht

Jan-Markus Rupprecht, 57, fotografiert mit Digitalkameras seit 1995, zunächst beruflich für die Technische Dokumentation. Aus Begeisterung für die damals neue Technik gründete er 1997 digitalkamera.de, das Online-Portal zur Digitalfotografie, von dem er bis heute Chefredakteur und Herausgeber ist. 2013 startete er digitalEyes.de als weiteres Online-Magazin, das den Bogen der digitalen Bildaufzeichnung noch weiter spannt.