Die dritte Generation

Ricoh präsentiert die GR Digital III mit etlichen Neuerungen

2009-07-27 Rein äußerlich kann man die GR Digital III kaum von ihren Vorgängerinnen unterscheiden. Ein entscheidendes Detail verrät jedoch, dass es sich um Nummer drei in der Reihe handelt: Das Objektiv ist dicker geworden. Das ist auf die Steigerung der Lichtstärke von F2,4 auf F1,9 zurückzuführen und damit auf eine komplexere Optik. Aber Ricoh hat noch mehr im Gepäck. Während sich an der Brennweite des Objektivs von umgerechnet 28 mm und an der Auflösung des CCD-Sensors von 10 Megapixeln nichts geändert hat, so kommen bei der GR Digital III doch etliche Neuerungen hinzu. Dazu gehören der neu entwickelte Bildprozessor GR Engine III, eine Schnappschussauslösung mit vorher gewählter Entfernung, eine Blendenautomatik mit Zeitvorwahl und mehr Platz zur Speicherung individueller Einstellungen – um nur einige zu nennen.  (Daniela Schmid)

Ricoh GR Digital III [Foto: Ricoh] Mit der GR-Reihe möchte Ricoh das Fotografieren auf SLR-Niveau mit einer Kompakten ermöglichen. Den höchsten Stellenwert hat dabei die Bildqualität, gekoppelt mit der Tragbarkeit. Sprich, die Kamera soll so klein bleiben, dass man sie bequem auch mal in die Hemdtasche stecken kann. Um dem SLR-Niveau trotzdem gerecht zu werden, braucht es einiges an Ausstattung. Statt den üblichen Megapixel-Wahn mitzumachen, setzt Ricoh auf verbesserte Qualität. Es gibt also nach wie vor einen CCD 1/1,72"-Sensor mit 10 Millionen Pixeln, er wurde aber für eine gesteigerte Lichtempfindlichkeit neu entwickelt. Auch hier gilt nicht das Prinzip "mehr ist besser", sondern die verbesserte Qualität. Eine Aufnahme in ISO 200 hat laut Ricoh nun die Qualität, die früher eine mit ISO 100 aufweisen konnte. Der manuell einstellbare ISO-Spielraum von 64 bis 1.600 bleibt gleich. Ebenfalls überarbeitet wurde der Bildprozessor. Das Ergebnis ist die GR Engine III mit laut Ricoh hochwirksamen Methoden zur Rauschreduzierung. Zusammen mit dem lichtstarken Objektiv 1,9/28 mm soll das die GR Digital III auf ein sehr hohes Niveau der Bildqualität bringen. Dazu gehört konkret ein Multi-Pattern-Weißabgleich, bei dem die Kamera für unterschiedlich ausgeleuchtete Bildteile den Weißabgleich separat vermisst und je nach Lichtsituation individuell für jedes Segment bestimmt, statt einen Durchschnitt zu errechnen. Dem Bildprozessor wurde ein neuer Schaltkreis mit einem speziellen Interpolations-Algorithmus für die Pixel-Ausgabe hinzugefügt. Das Verfahren verwendet Sensorinformationen für Rot und Blau, um den Helligkeitswert für übersättigte grüne Pixel zu interpolieren. So soll der Verlust von Zeichnung in den Lichtern vermieden und der Dynamikbereich um bis zu einer Blendenstufe gegenüber anderen Methoden erhöht werden. Ebenfalls dem Dynamikumfang zugute kommt die Doppelbelichtungsfunktion im DR-Modus, bei der in schneller Folge zwei unterschiedlich belichtete Fotos aufgenommen und "verschmolzen" werden. Der so erfasste Dynamikbereich entspricht laut Ricoh bis zu 12 EV (Blendenstufen) und enthält nahezu alle sichtbaren Helligkeitsnuancen von den Schatten bis zu den Lichtern. Zusätzlich verfügt das neue lichtstarke Objektiv nun über drei Linsen mit besonders geringer Dispersion statt nur mehr einer. Zwei asphärische Elemente korrigieren die Verzeichnung. Eine Mehrschichtvergütung minimiert Reflexe, und der optische Aufbau wurde so optimiert, dass etwaige Reflexionen vom Sensor ferngehalten werden. In der Nahaufnahme verschieben sich die Linsengruppen anders als beim normalen Fokussieren. Das soll die Bildfeldwölbung korrigieren. Der kleinste Aufnahmeabstand beträgt damit einen Zentimeter (von der Frontlinse).

Ricoh GR Digital III [Foto: Ricoh] Auch an der Geschwindigkeit hat Ricoh gearbeitet. Der Autofokus reagiert jetzt schneller bei schwachem Licht, und die automatische Vorfokussiermethode behält das Hauptobjekt im Auge, auch wenn der Auslöser noch nicht mal halb gedrückt wurde. Dazu kommt die Schnappschussauslösung. Man bestimmt vorher, auf welche Entfernung die Kamera scharf stellen soll und kann dann jederzeit den regulären Autofokus umgehen, indem man den Auslöser sofort ganz durchdrückt. Das spart Zeit, legt einen aber für Schnappschüsse auf eine vorher fixierte Entfernung fest. Für RAW-Aufnahmen hat Ricoh die Geschwindigkeit ebenfalls nochmals erhöht. Dank einer Schreibgeschwindigkeit von 2,6 Sekunden oder weniger kann man Serienaufnahmen mit bis zu fünf Bildern in Folge machen. Automatische Belichtungsreihen sind jetzt möglich. Für die kreativen fotografischen Möglichkeiten hat Ricoh auch einiges getan. Die GR Digital III ist nun auch mit einer Blendenautomatik mit Zeitvorwahl zusätzlich zur Zeitautomatik mit Blendenvorwahl ausgestattet. In der erweiterten Bildbearbeitung kann der Fotograf über zahlreiche kleine Schieber Einfluss auf die unterschiedlichen Farbtöne und die Sättigung nehmen. Gewachsen ist auch der Monitor von 2,7" auf 3.0" mit einer Auflösung von 920.000 Bildpunkten. Die Display-Oberfläche hat eine Fluorbeschichtung gegen Verschmutzungen, eine Hartvergütung gegen Kratzer und eine Anti-Reflex-Beschichtung für die bessere Sichtbarkeit der Anzeige in hellen Umgebungen. Es können bis zu 81 Bilder im Miniaturformat auf einmal angezeigt werden. Für die optimale Anpassung an die eigenen Wünsche hat Ricoh der GR Digital III eine zweite Fn-Taste spendiert, die mit der Selbstauslöser-Taste identisch ist. Die "My Settings"-Abrufpositionen auf dem Moduswahlrad wurden von zwei auf drei erhöht. Die Vorgaben-Sets selbst können im My-Settings-Feld gespeichert werden (bis zu sechs) und bei Bedarf aufgerufen und dem Funktionsrad zugewiesen werden. Sie können zur besseren Übersicht mit Namen versehen werden. Des Weiteren kann man das ADJ-Rad benutzerdefiniert belegen und beispielsweise Belichtungszeit und Blende vertauschen oder im Wiedergabemodus statt Zoom auf Hoch- und Herunterscrollen stellen.

Ricoh GR Digital III Zubehör [Foto: Ricoh] Wie ihre Vorgängermodelle auch, kann die GR Digital III mit diversem Zubehör bestückt werden. Passend zum neuen Objektiv bringt Ricoh den Weitwinkelvorsatz GW-2 und das Gegenlichtblende/Adapter-Set GH-2. Mit dem Weitwinkelvorsatz erreicht man eine auf Kleinbild umgerechnete Brennweite von 21 mm, und der Adapter nimmt Filter mit einem Gewindedurchmesser von 43 mm auf. Zwei neue Taschen sorgen für den ausreichenden Schutz der Kamera. Die Tasche GC-3 fasst genau die Kamera. In die Tasche GC-4 passt die Kamera plus aufgesteckter Minisucher GV-2. Ein externes Blitzgerät für die TTL-Blitzsteuerung mittels Hilfsblitz ist für Herbst 2009 angekündigt. Es wird unter dem Namen GF-1 auf den Markt kommen. Ein weiteres neues Zubehörteil ist der wieder aufladbare Akku DB-65, der bei der GR Digital III mitgeliefert wird. Es gibt aber auch einiges bereits existierendes Zubehör der GR Digital und GR Digital II, das nicht verwendet werden kann. Dazu gehören GH-1, GW-1, GT-1, GC-1 und GC-2. Wie schon bei den Vorgängermodellen ist mit regelmäßigen Firmwareupdates für die GR Digital III zu rechnen. Auch die GR Digital II soll nach und nach mittels Softwareupdates dem Niveau der GR III angenähert werden. Es lohnt sich also, ab und zu auf Ricohs Website nach den neuesten Versionen zu suchen. Die GR Digital III ist ab August 2009 für 650 EUR im Handel erhältlich. Zur gleichen Zeit wird Ricoh mit einem Nachfolger der CX2 aufwarten, zu dem aber noch keine Details bekannt sind. Nur so viel verrät Ricoh: Es lohnt sich, darauf zu warten.

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Daniela Schmid

Daniela Schmidhat in Augsburg Sprachen studiert, bevor sie nach einem halben Jahr in einer PR-Agentur für IT-Firmen in die Verlagsbranche wechselte. Ab 2004 war sie als festangestellte Redakteurin für die Magazine Computerfoto und digifoto zuständig. Während eines dreijährigen Auslandsaufenthaltes in der Nähe von New York berichtete sie als freie Autorin für digitalkamera.de von der PMA, CES und der PhotoPlus Expo aus Las Vegas und New York und übernahm die Zuständigkeit für die Rubrik Zubehör. Seit 2009 testet sie auch regelmäßig Kameras.