So macht Pentax "Vollformat"

Pentax bringt 2011 die 645D auf den deutschen Markt

2010-09-29 Seit über 5 Jahren geht Pentax mit der 645D schwanger, 2010 war die dritte Photokina, auf der sie gezeigt wurde. Doch diesmal hatte Pentax gute Nachrichten im Gepäck: Die 645D wird nach dem Erfolg in Japan, wo sie schon seit einigen Monaten erhältlich ist, Anfang 2011 endlich auch in Deutschland auf den Markt kommen. Man hofft, mindestens 500 Stück hierzulande verkaufen zu können. Die 645D ist keine gewöhnliche Mittelformatkamera, sie ist verhältnismäßig leicht und mit 70 Dichtungen gegen Spritzwasser und Staub geschützt. Sie ist nicht nur für das Fotostudio, sondern für den Einsatz vor Ort konzipiert.  (Benjamin Kirchheim)

Pentax 645D mit Standardobjektiv 55 mm F2,8 [Foto: Pentax]So sieht Pentax die 645D denn auch als Profimodell und platziert sie bewusst preislich als Alternative zum Kleinbild-Vollformat, das es bei Pentax nicht gibt und nach aktuellen Erkenntnissen auch nicht geben wird. Der 40 Megapixel auflösende CCD-Bildsensor von Kodak misst 44 x 33 mm, ist also in der Diagonale mit 55 mm etwa 1,3mal so groß wie das Kleinbild-Vollformat (43,3 mm), in der Fläche ist der Sensor sogar 1,7mal größer (1.452 vs. 864 cm²). Gegenüber dem klassischen 60 x 45 mm großen Mittelformat ist der Sensor jedoch erheblich kleiner. Sogar an einen Staubschutz hat Pentax gedacht: eine antistatische Antihaftbeschichtung zusammen mit Ultraschallvibrationen lassen dem Staub kaum eine Chance, zusätzlich macht die Dust-Alert-Funktion den Staub auf dem Sensor via Bildschirm sichtbar. Dieser ist 3" (7,6 cm) groß, löst 921.000 Bildpunkte auf und bietet mit 170° einen großen Blickwinkel, eine Antireflexbeschichtung sorgt für störungsfreie Betrachtung.

Der Empfindlichkeitsbereich reicht von ISO 100 bis 1.600. Passend zur 645D liefert Pentax gleich ein neues Standardobjektiv mit Ultraschall-Autofokus und Staub/Spritzwasserschutz. Es ist F2,8 lichtstark und hat eine Brennweite von 55 mm (etwa 43 mm entspr. Kleinbild). Zusammen mit dem Body kostet das Pentax 645D [Foto: Pentax]Objektiv rund 11.000 EUR, der Body alleine soll bei rund 10.000 EUR liegen. Es sind aber auch alle 645-Objektive von Pentax kompatibel, die zudem einen Autofokus besitzen; schon jetzt gibt es also eine große Objektivauswahl. Nur einen Spritzwasserschutz haben die alten Linsen nicht. Auch in kalten Umgebungen kann mit der 645D gearbeitet werden, sie soll selbst bei -10 °C noch zuverlässig funktionieren.

Die 645D ist ähnlich kompakt und schwer wie eine Profi-Kleinbild-DSLR, soll aber eine höhere Bildqualität liefern. Sie misst 156 x 117 x 119 mm und wiegt 1.480 g (mit D-LI90-Akku und Speicherkarte, aber ohne Objektiv). Für Sport indes ist sie mit 1,1 Bildern/s nicht prädestiniert, wenn auch solche Aufnahmen sicher mit ihr möglich sind, wenn man sich dem Thema mit dem nötigen Sachverstand nähert. Jedenfalls liegt die 645D äußerst gut in der Hand, wovon wir uns auf der Photokina 2010 überzeugen konnten. Sie ist dabei für ihre Größe erstaunlich leicht. Auch wenn die 1,1 Bilder/s langsam erscheinen, für eine Mittelformatkamera ist das schnell. Dass man sie auch unterwegs und aus der Hand, bspw. zur Hochzeitsfotografie oder bei Landschaftsaufnahmen einsetzen kann, ist daher nachvollziehbar. Unterstrichen wird dieser Anspruch durch den leisen und sanften Spiegelschlag, die gute Dämpfung sorgt für wenig Vibrationen. Dank des großen optischen Suchers mit 98 % Blickfeld und Dioptrienkorrektur kann neben dem Autofokus auch manuell scharf gestellt werden. Das Autofokusmodul ist neu konzipiert, das Modul SAFOX IX+ besitzt 11 Messpunkte, wobei es sich bei den zentralen 9 um Pentax 645D [Foto: Pentax]Kreuzsensoren handelt. Damit schlägt die 645D zwar keine Kleinbild-Vollformatboliden in der Autofokusgeschwindigkeit, weiß aber wieder im Vergleich zu anderen Mittelformatkameras zu überzeugen. Insbesondere mit dem 55mm-Standardobjektiv fokussiert sie flott, auch ein Nachführautofokus kann eingestellt werden.

Für die schnellen Reaktionszeiten und die Bildverarbeitung der immerhin 50 MBytes großen RAW-Daten mit 14 Bit sorgt der Bildprozessor PRIME II, der mit vier Kanälen arbeitet. Die Fotos sollen laut Pentax einen einzigartigen Dynamikumfang mit einer hohen Gradation besitzen. Unterstützung für das RAW-Format der 645D gibt es übrigens schon in den aktuellen Versionen von Adobe Photoshop CS5 (Camera RAW 6.2) , Lightroom 3.2 und Silkypix Developer Studio 4.0. Also steht dem Einsatz bspw. zur Produktfotografie im Studio nichts im Weg, denn durch das RAW-Format kann farbgenau und mit höchstem Qualitätsanspruch gearbeitet werden.

Pentax 645D [Foto: Pentax]Der Mehrfeld-Belichtungsmesser arbeitet mit 77 Zonen, der vertikal ablaufende Lamellenverschluss erreicht Belichtungszeiten von 30 s bis zu 1/4.000 s, die Blitzsynchronzeit beträgt 1/125 Sekunde. Auch andere Eckdaten gleichen den digitalen Spiegelreflexkameras von Pentax. So besitzt die 645D bspw. eine HDR-Automatik, die drei unterschiedlich belichtete Fotos (nur bei JPEG) automatisch zu einer Aufnahme mit höherem Dynamikumfang zusammen setzt und eine Diafilmsimulation. Damit unterstreicht Pentax die Verbindung der Vorzüge einer DSLR mit denen einer Mittelformatkamera. Gespeichert wird auf SD/SDHC-Karten, wobei die 645D einen Doppelslot besitzt. Via HDMI lassen sich die Bilder auf externen Bildschirmen oder einen TV-Gerät betrachten. Aber auch Schnittstellen wie ein AV-Ausgang, DC-Eingang, Blitzsynchronbuchss und TTL-Systemblitzschuh sind vorhanden. Stativgewinde gibt es sogar gleich zwei: eines für das Quer- und eines für das Hochformat. Die Aufnahmeprogramme beinhalten nicht nur die klassische Programm-, Blenden- und Zeitautomatik sowie die manuelle Belichtung, sondern auch das Hyperprogramm sowie die Empfindlichkeitspriorität, bei der der Fotograf die ISO vorgibt, während die Kamera Blende und Verschlusszeit automatisch wählt. Nur eines kann die 645D nicht: LiveView. Dafür gibt es, wie zu den Zeiten LiveView-loser DSLRs von Pentax eine digitale Vorschaufunktion, die statt der optischen Vorschau auf die Abblendtaste programmiert werden kann.


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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 41, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.