Was lange währt

Olympus stellt die lang ersehnte E-3 offiziell vor

2007-10-17 Die Gerüchteküche brodelte, lange wurde diese Kamera von den Fans erwartet. Nun endlich ist sie offiziell, die Olympus E-3, die die Nachfolge des reichlich veralteten FourThirds-Flagschiffs E-1 antritt. Die meisten Gerüchte konzentrierten sich auf einen neuartigen Bildsensor und ein überlegenes Autofokussystem. Zumindest eines der Gerüchte ist wahr, darüber hinaus gibt es noch die eine oder andere größere oder kleinere Überraschung. Dazu zählt beispielsweise ein deutlich verbesserter Bildstabilisator.  (Benjamin Kirchheim)

Olympus E-3 [Foto: Olympus]Viele Gerüchte rankten sich um den Bildsensor, der neue Technologien verwirklichen sollte. Dabei waren sowohl Foveon als auch ein neuartiger "Trine"-Sensor mit Echtfarbtechnologie im Gespräch – doch dieses Gerücht hat sich nicht bewahrheitet. Zwar setzt Olympus einen neu entwickelten Highspeed Live MOS Sensor ein, dieser bietet aber dieselbe effektive Auflösung von 10,1 Megapixeln und ein klassisches Bayer-Pattern wie auch der Sensor der E-510. Neu an dem Sensor sind hingegen seine Geschwindigkeit von nun fünf Bildern pro Sekunde und ein erweiterter Dynamikumfang, über deren Details sich Olympus allerdings ausschweigt – unser DCTau-Testlabor wird dem aber auf den Grund gehen, sobald ein Testgerät zur Verfügung steht.

Das andere Gerücht um ein neuartiges, überlegenes Autofokussystem bewahrheitet sich zumindest in den technischen Angaben. So behauptet Olympus, dass der Autofokus zusammen mit dem neuen 12-60 mm SWD-Objektiv der Schnellste der Welt wäre – auch dies werden Praxistests noch beweisen müssen. SWD ist dabei Olympus Abkürzung für Supersonic Wave Drive, der auch in anderen Komponenten der Kamera Anwendung findet. Der Autofokus besteht aus elf biaxialen, hoch empfindlichen Kreuzsensoren, die sowohl horizontale als auch vertikale Sensorlinien benutzen. Diese neuartigen Sensoren verfügen zusätzlich über Pixelmultiplikations-Technologien, so dass der Autofokus schon ab einem Lichtwert von -2 EV arbeitet.

Neben dem Autofokus kommt der SWD auch bei der Bildstabilisierung zum Einsatz, die bei Olympus genauso wie bei Pentax und Sony auf einem frei beweglich gelagerten Aufnahmesensor basiert. Durch den Einsatz von zwei SWD-Motoren und zwei Mikroprozessoren gibt Olympus an, den weltweit effektivsten Bildstabilisator zu bieten, der Verwackelungen von ganzen fünf Lichtwertstufen korrigieren können soll. Darüber hinaus ist es wie bei Canon möglich, den Bildstabilisator auf die vertikale Achse zu beschränken, um so effektive Mitzieher zu ermöglichen.

Zu guter Letzt kommt der SWD-Motor auch beim Olympus-typischen Sensorreinigungssystem zum Einsatz. Der dem Sensor vorgelagerte Filter wird somit in Ultraschallschwingungen versetzt, was den Staub abschüttelt. Der frei herumfliegende Staub sinkt dann nach unten und wird dort von einem Klebestreifen festgehalten. Auch andere bewährte Technologien kommen in der E-3 zum Einsatz. Wie schon bei der E-1 ist das Magnesiumgehäuse der 800 g schweren Kamera gegen Spritzwasser und Staub geschützt und kann bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von bis zu 90 Prozent eingesetzt werden. Die Verarbeitung des 142 x 116 x 74,5 mm großen Gehäuses soll sich auf hochwertigem Profiniveau bewegen.

Olympus E-3 [Foto: Olympus]Auch der Verschluss orientiert sich an der Profiklasse. Er soll mindestens 150.000 Auslösungen standhalten und ermöglicht Verschlusszeiten von bis zu 1/8.000 Sekunde, Langzeitbelichtungen sind bis zu 60 Sekunden lang möglich, im Bulb-Modus sogar bis zu vier Stunden. Im Serienbildmodus leistet die Olympus dabei 5 Bilder pro Sekunde und bietet einen RAW-Buffer für 19 Bilder – bei etwas stärker komprimierten JPEG-Dateien im HQ-Modus soll man sogar mit der vollen Geschwindigkeit fotografieren können, bis die Speicherkartenkapazität erschöpft ist. Die RAW-Bilder komprimiert Olympus übrigens verlustfrei auf ca. 11 MBytes je Bild.

Wie auch die E-1 bietet die E-3 einen optischen Sucher, der eine Bildfeldabdeckung von 100 % bietet. Die Suchervergrößerung beträgt dabei 1,15 – wie bei der E-1 kommt ein hochwertiges Pentaprisma zur Umlenkung des Sucherbildes zum Einsatz. Der Sucher verfügt über eine Dioptrienkorrektur von -3 bis +1 dpt, die mit zwei optional erhältlichen Aufstecklinsen um 3 dpt auf -6 bzw. +4 dpt erweitert werden kann. Im Sucher werden wichtige Aufnahmeinformationen eingeblendet, und sogar an eine eingebaute Okularabdeckung hat Olympus gedacht, denn die ist bei Stativverwendung äußerst sinnvoll, damit rückwärtig durch den Sucher einfallendes Licht die Belichtungsmessung nicht beeinflussen kann. Doch der Sucher ist nicht das einzige Mittel zur Bildkomposition. So setzt Olympus seit der E-330 auf LiveView, der in verbesserter Form auch in die E-3 Einzug gehalten hat. Besonders herausragend ist dabei der voll schwenkbare 2,5 Zoll große HyperCrystal-Monitor, der 230.000 Bildpunkte auflöst. Dadurch ist eine Bildkomposition auch in Situationen und Perspektiven möglich, bei denen man nicht durch den Sucher blicken kann. Die HyperCrystal-Technologie sorgt dabei dafür, dass der Monitor auch bei sehr hellem Umgebungslicht ablesbar bleibt, indem ein Teil des einfallenden Umgebungslichts im Monitor reflektiert wird und sozusagen für eine Bildaufhellung sorgt.

Im LiveView-Modus zeigt der Monitor ein 100 Prozent abdeckendes Sucherbild, auch die Belichtungsmessung und Weißabgleichseinstellung erfolgt über den LiveMOS-Sensor. Somit hat der Fotograf eine echte Belichtungs- und Weißabgleichsvorschau, sogar mit Histogrammanzeige und Vorschau auf Olympus Shadow Adjustment Technologie, eine spezielle Schattenaufhellung für kontrastreiche Motive. Einzig für den Autofokus muss der Spiegel kurzzeitig wieder herunter klappen, ansonsten steht eine bis zu 10-fach vergrößernde Bildschirmlupe zur Schärfeeinstellung und -Kontrolle zur Verfügung. Im Suchermodus hingegen ist die Arbeit gewohnt klassisch komfortabel, wobei Olympus für einen optimalen Weißabgleich auf ein hybrides Sensorsystem setzt, das neben den Informationen des Bildsensors auch einen speziellen Weißabgleichssensor besitzt. Die Belichtungsmessung erfolgt über ein Mehrfeld-Belichtungsmess-System mit 49 Zonen, das neben einem Mehrfeldmodus auch Modi zur Integralmessung, Spotmessung sowie Highlight- und Shadowmessung bietet. Eine Belichtungskorrektur im Bereich von +/- 5 EV ist dabei jederzeit möglich.

Olympus E-3 [Foto: Olympus]Beim Blitzsystem hat Olympus ebenfalls Fortschritte gemacht. So verfügt die E-3 im Gegensatz zur E-1 nun über ein leistungsstarkes, eingebautes Blitzgerät, das bei einer Leitzahl von 13 eine Synchronisationszeit von 1/250 Sekunde bietet. Das Blitzgerät wird auch als Autofokushilfslicht verwendet und lässt sich im Bereich von +/- 3 EV korrigieren. Dabei verfügt der Blitz über einen Rote-Augen-Vorblitz, eine Langzeitsynchronisation und die Möglichkeit, auf den zweiten Verschlussvorhang zu synchronisieren. Neu bei Olympus ist die Möglichkeit, externe Blitze drahtlos mit Lichtimpulsen zu steuern, selbstverständlich fungiert das interne Blitzgerät dabei als Steuereinheit. Um in den Genuss der 4-Kanal-Drahtlosfunktion in bis zu drei Gruppen zu kommen, muss man allerdings die neuen Blitzgeräte FL36R oder FL50R verwenden, immerhin bleiben aber die alten Blitzgeräte mit der Kamera kompatibel und können – außer im Drahtlosmodus – weiter verwendet werden. Mit externen Blitzgeräten steht außerdem eine Highspeed-Synchronisation von bis zu 1/4.000 Sekunde zur Verfügung. Für Studioanwendungen hat Olympus die E-3 mit einer Blitzsynchronbuchse ausgestattet.

Selbst bei den kamerainternen Bildbearbeitungs- und Wiedergabefunktionen spart Olympus nicht an der Ausstattung und bietet neben einer RAW-Bearbeitungsfunktion auch die Erkennung und Retusche roter Augen, eine Schattenaufhellung, ein 14-faches Wiedergabezoom sowie eine Histogrammanzeige mit Luminanz und RGB-Aufteilung und Warnhinweisen für über- und unterbelichtete Bildbereiche. Personalisierbar ist die Kamera über eine Fn-Taste, die sich mit einer von 10 Funktionen belegen lässt, sowie zwei programmierbare Voreinstellungen und zwei Benutzerspeicher. Aus anderen Olympus-Modellen bekannt ist der TruePic III-Bildprozessor, der für eine exzellente Bildqualität und Rauschfreiheit sorgen soll. So verfügt die E-3 über Empfindlichkeitsstufen entsprechend ISO 100 bis 3.200, die wahlweise auch in 1/3 Lichtwertstufen eingestellt werden können. Beim Speicherkartenformat bleibt Olympus bei der E-3 dem hauseigenen xD-Format treu, sie verfügt aber auch über einen schnellen UDMA-fähigen CompactFlash-Slot, der Typ-I- und II- sowie Microdrive-kompatibel ist.

Die Stromversorgung erfolgt über einen 1.500 mAh Lithium-Ionen-Akku vom Typ BLM-1. Für die Aufnahme von zwei BLM-1 Akkus oder alternativ AA-Mignonbatterien  bietet Olympus einen passenden Hochformatgriff an, der wie die Kamera gegen Staub und Spritzwasser geschützt ist und aus einer Magnesiumlegierung besteht. Der Griff verfügt neben einem Hochformatauslöser auch über beide Einstellräder sowie die AF- und FN-Tasten. Die Markteinführung der E-3 soll pünktlich zum Weihnachtsgeschäft Ende November 2007 zu einem Preis von rund 1.750 EUR ohne Objektiv erfolgen. Zu diesem Zeitpunkt sollen auch das Zubehör sowie einige der neuen SWD-Objektive erhältlich sein. Letztere werden wir genauso wie die beiden neuen Blitze heute im Laufe des Tages genauer vorstellen.


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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 40, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.