Pen – wie ein Stift immer dabei und einfach zu bedienen

Olympus steigt mit der Pen E-P1 ins Micro FourThirds-System ein

2009-06-16 Spätestens seit der Photokina 2008, auf der Olympus ein Micro FourThirds Mock-up zeigte, wird spekuliert, wann und wie Olympus eine entsprechende Kamera auf den Markt bringt, und vor allem, wie sie aussieht. Olympus hat sich für einen Retro-Look entschieden, der sehr stark an die über 45 Jahre alte Olympus Pen F erinnert. Ein flaches, kleines Gehäuse, ohne Blitz, ohne große Vorsprünge und passend dazu sensationell kurze Objektive, für die Olympus sich einen Trick hat einfallen lassen.  (Benjamin Kirchheim)

Olympus Pen E-P1 mit Objektiv MFT 14-42mm [Foto: Olympus]Zehn Monate nach der Vorstellung des Micro FourThirds-Standards ist es nun soweit: Die Olympus Pen E-P1 erblickt das Licht der Welt. Bei Olympus wollte man das Thema Micro FourThirds bewusst anders als Panasonic interpretieren, die eine herkömmliche DSLR mit Handgriff rein äußerlich nur geschrumpft haben. Dazu hat man sich in der inzwischen 90 Jahre langen, eigenen Firmengeschichte bedient. 1959 brachte Olympus die erste Halbformatkamera des Pen-Systems auf den Markt – selbstverständlich eine analoge Kamera. Die Idee damals war, eine Kamera zu bauen, die wie ein Stift (engl. Pen) immer dabei und einfach zu bedienen ist. Insgesamt konnte Olympus 17 Millionen Pen-Kameras absetzen. Jetzt, 50 Jahre später, lehnt sich die neue digitale Pen E-P1 vom Design her stark an die Pen F aus dem Jahre 1963 an. Das ist nicht zuletzt einer großen Gruppe von japanischen Konsumenten zu verdanken, die fünf verschiedene Designstudien bewerten sollten, von denen die nun zu Sehende gewonnen hat. Die E-P1 liegt trotz nicht vorhandenem Handgriff recht gut in der Hand, wofür die ledernarbige Gummierung auf der Vorderseite und die Daumenmulde auf der Rückseite sorgen.

Olympus Pen E-P1 [Foto: Olympus]Die Technik ist selbstverständlich von 2009. Dazu gehört beispielsweise der 12,3 Megapixel auflösende LiveMOS-Sensor von Panasonic. Er ist zur Bildstabilisierung (bis zu 4 Blendenstufen) beweglich gelagert, und der Tiefpassfilter schüttelt mittels Ultraschall sehr effektiv Staub ab. Beide Systeme mussten für die E-P1 in einer kompakteren Version neu entwickelt werden. Ebenfalls neu ist der schnellere Prozessor der Kamera, der nun TruePic V heißt. Er erlaubt eine effektivere Bildbearbeitung, so dass u. a. der Empfindlichkeitsbereich, der bei ISO 100 beginnt, auf ISO 6.400 erweitert werden konnte. Das ist auch bitter nötig, denn neben dem SLR-typischen Spiegel, der bei Micro FourThirds zugunsten der kompakteren Bauweise entfällt, hat Olympus auch gleich den eingebauten Blitz mit wegrationalisiert – neben dem Design ein recht gewagter Schritt angesichts der Zielgruppe von engagierten Amateurfotografen und vor allem Umsteigern von Kompaktkameras, denen DSLRs zu groß und teuer sind. Dafür verfügt die E-P1 über einen Systemblitzschuh, und passend zur Kamera bringt Olympus einen kompakten, externen Blitz mit einer Leitzahl von 14 auf den Markt, der mit zwei Micro-Rundzellen (AAA) betrieben wird.

Olympus Pen E-P1 mit Objektiv MFT 17mm Pancake und Sucher VF-1 [Foto: Olympus]Die E-P1 bietet auch keinen herkömmlichen Sucher – weder einen optischen noch einen elektronischen. Man ist also voll auf den LiveView-Monitor angewiesen, der in der Bilddiagonale 3" (7,6 cm) misst, jedoch nur 230.000 Bildpunkte (rund 320 x 240 Pixel) auflöst und entsprechend detailarm ist, was das manuelle Fokussieren nicht gerade erleichtern dürfte. Das Problem der Monitorablesbarkeit bei grellem Umgebungslicht möchte Olympus mit der HyperCrystal-Technologie umgehen, durch die der Monitor auch bei direktem Sonnenlicht ablesbar bleiben soll. Die Menüs bzw. das gesamte Benutzerinterface sind laut Olympus zwecks einfacherer Bedienung überarbeitet worden. Auf der Rückseite gibt es gleich zwei Einstellräder, was vor allem fortgeschrittene Fotografen freuen sollte, die so im manuellen Modus Blende und Belichtungszeit über je ein eigenes Rad verstellen können.

Aber auch weniger engagierte Fotografen kommen dank zahlreicher Motivprogramme und eines intelligenten Automodus sowie Gesichtserkennung auf ihre Kosten. Aus sechs Motivprogrammen wählt die Kamera mittels einer blitzschnellen Motivanalyse das Passende aus, z. B. Porträt, Landschaft oder Sport. Auch Filmaufnahmen in HD-Qualität (1.280 x 720 Pixel) sind mit der E-P1 möglich, wobei die Kamera 30 Bilder/s im AVI-Format (Motion-JPEG) mit Stereoton (Linear-PCM) aufzeichnet. Allerdings ist eine Videosequenz bei HD auf maximal 7 Minuten Aufnahmedauer beschränkt (14 Olympus Pen E-P1 weiß [Foto: Olympus]Minuten bei VGA), danach muss man die Aufzeichnung erneut starten. Mittels Auslöser soll dabei jederzeit ein Foto aufgenommen werden können, der Autofokus führt die Schärfe beim Filmen ständig nach, und das Bild wird digital stabilisiert, um Verwackelungen zu minimieren. So geht auch die E-P1 unter die Videokameras mit besonders kreativen Möglichkeiten, denn die selektive Schärfe dank großen Sensors oder das Filmen mit extremen Telebrennweiten oder Weitwinkeln bis hin zu Fisheye-Objektiven ist im Camcorderbereich für Amateure praktisch nicht bezahlbar.

Weitere Möglichkeiten bietet die E-P1 z. B. mit den einstellbaren Bildseitenverhältnissen von 4:3 (Standard), 3:2, 16:9 und dem quadratischen 6:6 (1:1). Die Art-Filter, die mit der E-30 eingeführt wurden, sind auch mit an Bord. Sie können sowohl bei Fotos als auch bei Videos eingestellt werden und neuerdings sogar bei der Konvertierung von RAW-Bildern innerhalb der Kamera. Hier stehen die Olympus Pen E-P1 weiß mit Objektiv MFT 17mm Pancake und Leder Taschenbody weiß sowie Ledertrageriemen weiß [Foto: Olympus]sechs Filter "Pop Art", "Lochkamera", "Weichzeichner", "Blasse & helle Farben", "Leichte Tönung" sowie "Körniger Film" zur Auswahl. Sowohl RAW-Aufnahmen, die übrigens verlustfrei komprimiert und auf Wunsch auch parallel zu JPEG aufgezeichnet werden, als auch JPEG-Bilder können mittels Mehrfachbelichtung überlagert werden. Zur generellen Bildverbesserung dienen die Schattenaufhellung sowie eine automatische Gradationskurvenanpassung. Mit der e-Porträt-Funktion werden Falten geglättet, und andere Mängel wie Hautunreinheiten, Flecken und Pickel beseitigt damit sich, so Olympus, jeder wie ein Model fühlen kann. Ebenfalls hilfreich ist die digitale 3D-Wasserwaage, die die horizontale bzw. vertikale Ausrichtung der Kamera erleichtert.

Bei den Schnittstellen ist die E-P1 auch gut ausgestattet. Per HDMI sind beispielsweise hoch auflösende Diashows mitsamt Musikuntermalung möglich, für die eigens ein Komponist engagiert wurde, der Melodien verschiedener Stimmungen kreiert hat. Die Fernauslösemöglichkeit ist per Infrarot gegeben. Serienbilder werden mit 3 Bildern/s aufgenommen, wobei im RAW-Modus maximal Olympus FourThirds-Adapter MMF-1 [Foto: Olympus]10 Bilder in Folge aufgenommen werden können. Automatische Reihenaufnahmen (Bracketing) sind nicht nur für die Belichtung (Belichtungsreihe) möglich, sondern auch für Weißabgleich und Empfindlichkeit. Die vielleicht größte Revolution der Pen E-P1 ist aber, dass Olympus auf xD-Speicherkarten verzichtet und stattdessen vernünftigerweise auf SD setzt. SDHC-Karten soll sie ebenfalls schlucken und per Firmware sogar für den neuen SDXC-Standard kompatibel gemacht werden können.

Passend zur kleinen Kamera bringt Olympus zwei neue Micro FourThirds-Objektive auf den Markt. Neben einem F2,8 lichtstarken und besonders flachen 17 mm Pancake (entspr. 34 mm Kleinbild) ist dies ein 14-42mm-Setobjektiv, das einzigartig kompakt für ein Zoomobjektiv ist. Olympus hat sich dabei eines speziellen Tricks bedient, der so bei Wechselobjektiven noch nicht zu sehen war: Im unbenutzten Zustand ist das Objektiv eingefahren, zum Fotografieren hingegen fährt man es manuell teleskopartig aus, fast wie von Kompaktkameras gewohnt. Der Olympus Pen E-P1 mit Objektiv MFT 14-42mm und Blitz FL14 [Foto: Olympus]Mechanismus ist mit dem Zoomring gekoppelt.

Neben einer silbernen Variante wird es auch ein weißes Modell der Olympus Pen E-P1 geben, die ohne Objektiv rund 700 EUR kosten soll. Auch das 14-42mm-Setobjektiv wird in zwei Farben, nämlich Silber und Schwarz, angeboten. Im Set mit dem 14-42 mm soll die Pen E-P1 rund 800 EUR kosten und schon ab Juli 2009 beim Fotofachhändler stehen. Es sind aber auch zahlreiche andere Sets mit diversem Zubehör im Angebot, darunter z. B. mit dem 17mm Pancake und dem Sucher VF-1 für rund 900 EUR. Ein Leder-Taschenbody, wahlweise in Weiß oder Braun, ein Leder-Trageriemen ebenfalls in Weiß oder Braun, der kompakte Aufsteckblitz FL-14 sowie der zum 17mm Pancake passende optische Sucher VF-1 runden das Angebot um die Systemkamera ab. Weitere Kameras und Objektive werden spätestens im nächsten Jahr folgen. Darüber hinaus nimmt Olympus einen Adapter für FourThirds-Objektive (MMF-1), der im Gegensatz zum Panasonic mit voller Autofokusunterstützung für alle FourThirds-Objektive arbeiten soll, und einen für OM-Objektive ins Programm. Adapter für praktisch sämtliche andere Objektivanschlüsse gibt es bei Novoflex und anderen Anbietern.

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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 41, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.