Retrokameraserie die Zweite

Olympus OM-D E-M5 als erste spritzwassergeschützte Systemkamera

2012-02-08 Mit der OM-D E-M5 stellt Olympus die erste spritzwassergeschützte Systemkamera vor. Gleichzeitig greift der japanische Hersteller nach der Pen-Serie, die denselben Micro-Four-Thirds-Objektivanschluss wie die OM-D besitzt, ein zweites Mal auf die eigene Kamerahistorie zurück und belebt nun die OM-Serie digital wieder. Anders als bei Pen ist der Name "OM" sowohl im Handel als auch bei vielen Kunden noch im Gedächtnis. Die E-M5 besitzt ein Retrodesign, einen elektronischen Sucher, den schnellsten Autofokus der Welt und eine neue 5-Achsen-Bildstabilisierung des 16-Megapixel-Sensors.  (Benjamin Kirchheim)

Olympus OM-D E-M5 [Foto: Olympus]Vor ziemlich genau 40 Jahren kündigte Olympus die erste Kamera der damals analogen OM-Serie an. Damit feiert der Hersteller ein kleines Jubiläum. Die E-M5 ist ein gutes Stück weit das, was die Kunden bei Olympus digitalen Systemkameras bisher vermissten: Eine Kamera mit eingebautem Sucher und robustem Gehäuse für gehobene Ansprüche – eine "Profi-Pen" ist das aber nach wie vor nicht. Ganz im Gegenteil, ein Olympus-Manager plauderte in einem Interview aus, dass ein Nachfolgemodell der E-5 gerade entwickelt wird. Doch zurück zur neuen OM-D, um die es heute geht: Ihr Gehäuse besteht aus einer Magnesium-Aluminium-Legierung und ist gegen Spritzwasser geschützt. Das trifft auch auf das Setobjektiv M.Zuiko Digital ED 12-50 mm 1:3.5-5.6 EZ zu, das bereits im Dezember letzten Jahres angekündigt wurde. Wie auch die E-5 verträgt die OM-D E-M5 Schwallwasser, das heißt man kann einen Eimer Wasser drüber gießen, ohne dass Kamera oder angesetztes Objektiv Schaden nehmen.

Herzstück der Kamera ist ein Highspeed-Live-MOS-Sensor mit 16 Megapixeln Auflösung. Zusammen mit dem Signalprozessor TruePic VI ist er so leistungsfähig, dass die E-M5 mit dem neuen 12-50-Millimeter-Setobjektiv den Olympus OM-D E-M5 [Foto: Olympus]schnellsten Autofokus aller digitalen Wechselobjektivkameras besitzt. Davon konnten wir uns bereits bei einem kleinen Hands-On überzeugen, die OM-D stellt wirklich rasend schnell scharf. Der Sensor erreicht eine Empfindlichkeit von ISO 100 bis 25.600. Der Bildprozessor TruePic VI besitzt zwei unabhängig voneinander arbeitende Kerne, so dass die Kamera nach der Aufnahme noch schneller wieder betriebsbereit ist. Während ein Prozessorkern noch Bilder speichert, kann der andere sich bereits um das Livebild kümmern. Im Serienbildmodus werden maximal 9 Bilder pro Sekunde erreicht, mit Autofokusnachführung immerhin 4,2 Bilder pro Sekunde.

Ebenfalls neu ist die Fünf-Achsen-Bildstabilisierung. Bisher wurden nur zwei Achsen ausgeglichen: Drehbewegungen der Kamera um die horizontale und die vertikale Achse. Hinzu kommen nun horizontale und vertikale Verschiebungen (bekannt ist das bereits von einigen Canon-Objektiven als Olympus OM-D E-M5 [Foto: Olympus]Makro IS) sowie Drehbewegungen als fünfte Achse. Diese konnte bisher nur Pentax in der K-5 ausgleichen, optische Bildstabilisatoren sind bei der fünften Achse gar machtlos. Olympus vereint also die neuesten Möglichkeiten zweier Hersteller in einem sensorbasierten System. Erstmals kommt bei Olympus der sensorbasierte Bildstabilisator auch bei Filmaufnahmen zum Einsatz, wo bisher der elektronische Bildstabilisator herhalten musste. Die Videofunktion mit MPEG-4-Speicherung bringt es mit 1.920 x 1.080 Pixeln auf FullHD-Auflösung, die Bildwiederholrate ist zwischen 30, 25 und 24 Bildern pro Sekunde einstellbar. Neben dem integrierten Stereomikrofon besteht auch die Möglichkeit, ein externes via Klinkenbuchse anzuschließen. Einen HDMI-Anschluss bietet die OM-D E-M5 ebenfalls.

In der Kamera eingebaut ist ein elektronischer Sucher mit 1,44 Millionen Bildpunkten Auflösung. Phänomenal ist die hohe Bildwiederholrate von 120 Herz, was ein besonders flüssiges Sucherbild mit geringsten Verzögerungen ermöglicht. Der Augabstand beträgt 18 Millimeter, so dass auch Brillenträger den Sucher gut überblicken können. Dabei ist er mit einer Vergrößerung von 1,15-fach recht groß. Ein Augensensor sorgt für eine automatische Umschaltung zwischen Sucher und Monitor. Der rückwärtige Bildschirm der OM-D ist um 80° nach oben und 50° nach unten klappbar. Es handelt sich um einen Drei-Zoll-OLED mit kapazitivem Touchscreen und 610.000 Bildpunkten Auflösung.

Olympus OM-D E-M5 [Foto: Olympus]Ein paar interessante Funktionen und Neuerungen hat die E-M5 auch noch zu bieten: Creative Control erlaubt die Einblendung der Tonwertkurve im Sucher, anhand der sich die Schatten- und Spitzlichthelligkeit direkt regeln lässt. Außerdem gibt es einen neuen Art-Filter "Gemälde", der aus einer Aufnahme eine Illustration macht. Die Stärke des Effekts lässt sich in zwei Variationen einstellen. Eine zweite Variante ist auch beim Art-Filter "Dramatischer Ton" hinzu gekommen: Er kann nun auf Monochrom gestellt werden, was dann anders aussieht als der Filter "Körniger Film". Wer sich vorher nicht für einen Art-Filter entscheiden kann, aktiviert einfach das Art-Filter-Bracketing und wählt hinterher aus den Aufnahmen das schönste Foto aus oder behält gleich alle. Die ungewöhnlichste und innovativste neue Funktion ist Live Bulb: Hier sieht man während einer Bulb-Langzeitbelichtung eine Echtzeitdarstellung der aktuellen Belichtung, das Bild auf dem Monitor wird also von Schwarz beginnend immer heller. Wie bei einer Entwicklung kann man zuschauen, wie Olympus OM-D E-M5 mit HLD-6 Batteriegriff [Foto: Olympus]das Bild nach und nach entsteht und die Belichtung genau dann beenden, wenn einem der Bildeindruck gefällt.

 

Ab April 2012 soll die OM-D E-M5 zu einem Preis von 1.100 EUR in Silber und Schwarz erhältlich sein. Das Set mit dem 12-50-Millimeter-Objektiv soll 1.300 EUR kosten. Im Lieferumfang der Kamera ist der spritzwasser- und staubgeschützte Aufsteckblitz FL-LM2 enthalten. Optional gibt es das Unterwassergehäuse PT-EP08, das Tauchgänge bis 45 Meter Tiefe erlaubt. Es soll ab Juli/August verfügbar sein. Außerdem gibt es zur Kamera optional einen passenden Batteriehandgriff, der ebenfalls staub- und spritzwassergeschützt ist. Der HLD-6 besteht aus zwei Teilen: Die erste Ausbaustufe sorgt für einen vernünftigen Handgriff an der Kamera, nimmt aber keinen zusätzlichen Akku auf und macht die Kamera nur unwesentlich höher. Die zweite Ausbaustufe bietet dann auch einen Hochformatauslöser samt Griff und einen zweiten Akkusteckplatz. Damit erhöht sich die Anzahl der möglichen Aufnahmen auf 650 nach CIPA-Standard, wobei der Fotograf wählen kann, welcher der beiden Akkus zuerst geleert wird: Der in der Kamera oder der im Griff.

Passend zur neuen OM-D – aber auch zu allen anderen Micro-Four-Thirds-Kameras – kündigt Olympus einige Zubehörprodukte an. Derzeit werden zwei Festbrennweitenobjektive entwickelt, die im laufe des Jahres auf den Markt kommen sollen. Das M.Zuiko Digital ED 75 mm 1:1.8 soll sich als lichtstarkes Tele (die Brennweite entspricht einem Kleinbildobjektiv von 150 Millimeter)  für Porträts und Hallensportaufnahmen eignen. Das M-Zuiko Digital ED 60 mm 1:2.8 ist das erste Olympus MMF-3 FourThirds Adapter [Foto: Olympus]Makroobjektiv von Olympus im Micro-Four-Thirds-Standard und bietet passend zur neu vorgestellten Kamera einen Spritzwasserschutz. Der minimale Aufnahmeabstand beträgt 19 Zentimeter, womit ein Abbildungsmaßstab von 1:1 erreicht wird. Ebenfalls neu und passend zur E-M5 ist der spritzwassergeschützte Four-Thirds-Adapter MMF-3. Er eignet sich besonders für die ebenfalls spritzwassergeschützen E-System-Objektive der Pro- und Top-Pro-Serien. Das Blitzsystem erneuert Olympus mit dem FL600R, das Nachfolgemodell des FL360R. Bei ISO 100 besitzt er eine Leitzahl von 36, ist kabellos steuerbar und erreicht eine verbesserte Blitzwiederholzeit. Das AF-Hilfslicht besteht nun aus einer weißen LED, denn das klassische AF-Hilfslicht von Blitzgeräten eignet sich nicht für den Kontrast-Autofokus. Die LED kann auch als Videoleuchte verwendet werden.

 

Olympus MZD 75 mm f1.8 [Foto: Olympus] Olympus MZD 60 mm f2.8 [Foto: Olympus] Olympus FL-600R [Foto: Olympus]

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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 39, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.