Evolution im Studio

Nikons neue Studiokamera D3x im Detail

2008-12-01 Die Spatzen pfiffen es seit spätestens Freitag von den Dächern, nun hat Nikon heute Morgen mit der D3x endlich die neue, 24,5 Megapixel auflösende Profi-DSLR vorgestellt. Sie löst die D3 keineswegs ab, sondern soll neue Kundenschichten erschließen. Im Fokus liegen nach den Sportfotografen mit der D3, mit der Nikon den Marktanteil im Sportbereich innerhalb von kurzer Zeit von 10 % auf über 60 % steigern konnte, nun die Studio- und Modefotografen mit der D3x. So ist zu erklären, dass der Fokus der D3x auf hoher Auflösung und weniger auf hoher Serienbildgeschwindigkeit oder hohen, rauscharmen Empfindlichkeiten liegt.  (Benjamin Kirchheim)

Nikon D3X [Foto: Nikon] Werbe, Mode- und Porträtfotografen sind die neue Zielgruppe von Nikon. Die D3x besteht im Wesentlichen aus bewährter Technik – nämlich der aus der D3. Dazu gehören ein 1.200 g schweres spritzwasser- und staubgeschütztes Magnesiumgehäuse genauso wie ein Akku für 4.400 Bilder lt. CIPA-Standard, der eingebaute Hochformatgriff, der 3" große und 920.000 Bildpunkte (VGA) auflösende und LiveView-fähige (inkl. Kontrast-Autofokus) Bildschirm, eine eingebaute Wasserwaage und das Autofokusmodul. Letzteres ist das bekannte MultiCAM 3500FX, es verfügt über 51 Messfelder, wovon 15 als Kreuzsensoren ausgeführt sind. Der Verschluss soll ebenfalls den rauen Profianwendungsbedingungen standhalten – zumindest für 300.000 Auslösungen. Einige Verschlüsse in der D3 haben aber laut Angaben von Nikon sogar schon dreimal solange durchgehalten.

Der 36 x 24 mm große (Kleinbild-Vollformat) Sensor scheint aus der Sony Alpha 900 bekannt zu sein – die Eckwerte wie 24,5 Megapixel Auflösung und maximal 5 Bilder pro Sekunde Serienbildgeschwindigkeit bei voller Auflösung scheinen identisch zu sein. Nikon aber behauptet, es wäre ein eigenes Design, und man würde sich von den Mitbewerbern insbesondere in Sachen Bildqualität deutlich abheben. So wie die D3 die Fotografie in Punkto rauschfreier, hoher Empfindlichkeitsstufen revolutioniert hätte, würde die D3x es in Sachen Auflösung tun. Erste Tests werden es beweisen müssen. Der Empfindlichkeitsbereich der D3x reicht dann auch "nur" von ISO 100 bis 1.600, im nach unten (LO) erweiterten Bereich werden für das Studio wertvolle ISO 50 erreicht, aber auch nach oben (HI) sind bis zu ISO 6.400 möglich. Neben dem vollen FX-Format kann man auch auf das kleinere Nikon D3X [Foto: Nikon] DX-Format zurück schalten, so dass man mit einem 1,5-fachen Verlängerungsfaktor und "nur" 10,5 Megapixeln fotografiert – dabei steigt die Serienbildgeschwindigkeit sogar auf 7 Bilder pro Sekunde an. Wer dagegen gerne – wie beim Mittelformat – im 5:4-Seitenverhältnis fotografiert, kann auch dies tun. Es werden dabei 30 x 24 mm Sensorfläche genutzt. Die Serienbildgeschwindigkeit bleibt dann bei 5 Bildern pro Sekunde. Für welches der beiden "Crop"-Formate man sich auch entscheidet – der Sucher zeigt immer den Ausschnitt, den man aufnimmt. Dafür sorgt eine Flüssigkristallschicht, die dann die entsprechenden Sucherbereiche abdunkeln kann.

Vom Anfassgefühl – wir durften heute ein Vorserienmodell in einem mobilen Studio in die Hand nehmen – ist die Kamera grundsolide, keine Überraschung (aber erst recht keine Enttäuschung) für diejenigen, die die D3 kennen. Beide Kameras sind übrigens vom bekannten Designer Giorgetto Giugiaro entworfen worden – er zeichnete auch verantwortlich für den ersten VW Golf. Der Autofokus ist laut Angaben von Nikon einen Tick langsamer als bei den Mitbewerbern, dafür soll er aber genauer und vor allem beim Verfolgen von Motiven besser sein – eben genau so, wie es D3-Anwender gewohnt sind. Das ist auch dem Belichtungsmesser mit einem 1.005 Pixel RGB-Sensor zu verdanken, der bei der Erkennung und Verfolgung des zu fokussierenden Motivteils helfen soll. Die Color Matrixmessung Plus dieses Moduls ermöglicht eine dreidimensionale Belichtungsmessung und soll damit zur Besten am Markt überhaupt gehören – das hat dieses aus anderen Nikon-Kameras bekannte Modul auch bereits bewiesen. Sogar Gesichter soll es erkennen können.

Einzigartig in der Profiklasse sind die vielen kamerainternen Bildbearbeitungs- und Einstellungsmöglichkeiten. Dazu gehört beispielsweise die D-Lighting-Funktion, die für mehr Zeichnung und Details in dunkleren Bildbereichen sorgt – sie wurde um einen extra starken Modus erweitert. Rote Augen können gleich in der Nikon D3X [Foto: Nikon]Kamera beseitigt werden, und Bilder lassen sich beschneiden, verkleinern etc. Doch selbst zur Aufnahme kann man diverse Parameter wie Kontrast, Helligkeit, Sättigung, Schärfung und Farbtönung bis hin zu Schwarzweiß einstellen und in verschiedenen Voreinstellungen speichern. So produziert die Kamera Fotos, die auch ohne Photoshop direkt Verwendung finden können.  

Dank UDMA-fähigem CompactFlash-Doppelslot kann man Bilder parallel auf zwei Speicherkarten speichern – auf die eine als JPEG zur direkten Weitergabe an den Assistenten oder die Agentur, auf die andere als RAW zur späteren Weiterverarbeitung bzw. als "digitales Negativ". Wie von der D3 gewohnt, handelt es sich dabei um Bilder mit 14 Bit Farbtiefe. Es ist aber auch möglich, zwei identische Speicherkarten zu verwenden und dann direkt beim Fotografieren ein Backup zu erstellen – oder man beschreibt die Karten nacheinander oder kopiert ausgewählte Bilder zur Weitergabe auf eine zweite Speicherkarte.

Wer im Studio fotografiert und gerne auf die lästige Speicherkartenwechselei verzichten möchte, kann die Kamera direkt an den Computer anschließen und dort das Livebild auf dem Monitor angucken. Die Kamera ist komplett fernsteuerfähig, wozu auch der Autofokus gehört (z. B. unbeschränkte Fokuspunktwahl im gesamten Livebild); die gemachten Fotos landen ebenfalls direkt auf der Festplatte. Dabei hat Nikon auch an Anwender gedacht, die keine lästigen Kabel verwenden mögen – alle Fernsteuerfunktionen sind auch per (optionalem) WLAN verfügbar.

Fast überraschend ist, dass Nikon bereits in wenigen Wochen – noch vor Weihnachten – die ersten Kameras an Händler und damit die Endkunden ausliefern möchte – die Stückzahlen sollen "ausreichend" (jedenfalls deutlich höher als bei der D3) sein. Schlucken muss man dagegen beim Preis – knapp 7.000 EUR sind da schon locker zu machen. Es handelt sich eben um eine Profikamera mit entsprechendem Servicenetz.

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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 42, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.